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Odilon Redon Meister des Pastells

Odilon Redon, Cover

Odilon Redon, Cover

Odilon Redon (1840–1916) prägte mit seinen schwarzen, mysteriösen Kohle-Zechnungen den französischen Symbolismus, bevor er zum Meister des farbintensiven Pastells wurde. Erst im Jahr 1890 konnte sich der Zeichner aus Bordeaux entschließen den schwarzen Kohlestift durch Farbkreide langsam zu ersetzen. Die geheimnisvollen Blätter, deren Deutung bis heute teils im Dunklen liegt, wurden ab 1902 nicht nur ausschließlich bunt, sondern Odilon Rodin weitere seine Sujets auch auf religiöse (christliche, buddhistische) und mythologische Themen aus.

Schwarze Bilder und Farbexplosion

Selten lassen sich bei einem Künstlerœuvre solch klare Parallelen mit dem privaten Erleben ziehen wie im Fall von Odilon Redon. Als einer der Hauptvertreter des französischen Symbolismus war ihm die Wiedergabe des Sichtbaren nur ein Vehikel, um dem Unsichtbaren, dem Grauen und dem Metaphysischen, der Gefühlswelt näher zu kommen. Inspiriert von zeitgenössischer Literatur von Edgar Allan Poe, Charles Baudelaire, Gustave Flaubert, Stéphane Mallarmé, suchte er im Schwarz der Kohle einen adäquaten Ausdrucksträger für unaussprechliche, metaphysische Geheimnisse des Lebens. Immer wieder taucht in den ab Mitte der 1860er Jahre entstehenden Zeichnungen und Druckgrafiken der Augapfel auf. Das (all)sehende Auge kann zwar gesehen werden, was es erblickt, bleibt jedoch verborgen. Abgetrennte Köpfe präsentiert der Künstler auf Schalen, Spinnen grinsen aus den Bildern und allerlei Ungetier – morphologisch zwischen Flora und Fauna anzusiedeln – tummelt sich in Redons Bildausschnitten.

Schwarz ist die „Farbe“ Redons bis zum Ende der 1880er Jahre. Als die Serie „Dans le rêve“ 1879 erschien, hatte er bereits seine spätere Frau Camilla Antoinette Falte kennengelernt. Ihr erster gemeinsamer Sohn Jean starb im Alter von sechs Monaten (1886), und Odilon Redon fiel in tiefe Trauer. Erst 1889 mit der Geburt des zweiten Sohnes Arï sah Redon diese Phase für beendet und begann, Farbe in seine Bildwelt aufzunehmen. Anfangs noch zart und die Zeichnung ergänzend, übernahmen bald die leuchtenden Töne der Pastellkreiden die Regie. Der Kohle ist die Kreide durchaus verwandt, sind beide Malmittel doch reine Pigmente und daher besonders farbintensiv, bröckelig und auf Papier leicht zu verwischen. Dass diese Farbexplosionen, die vielfach frei fantasierte Farbwolken sind, gerade die nachfolgende Generation der Nabis und der Fauves interessierten, ließ Redon eine späte Anerkennung zuteilwerden. Im Jahr 1900 erwarb Henri Matisse „La Mort de Bouddha“ (→ Henri Matisse. Figur & Ornament) für seine eigene Sammlung. Auch der finanzielle Erfolg stellte sich mit der Jahrhundertwende ein. Redons Kunst stand für Avantgarde und basierte gleichzeitig auf der Kunst von Leonardo, Rubens, Rembrandt (→ Der späte Rembrandt), Delacroix (→ Delacroix und die Malerei der Moderne). Dekorative Panneaux, die ganze Inneneinrichtungen ermöglichten, erfreuten sich in diesen Jahren bei finanzstarken Auftraggebern größter Beliebtheit und wurden ein wichtiger Beitrag Redons zur Genese der Abstraktion.

 

 

„Schwarz ist die unbedingt Farbe“

 

„Schwarz ist die unbedingt Farbe. Sie gewinnt ihre Leben und ihre Spannung – soll ich es gestehen, aus den geheimen, tiefen Quellen des Lebens.“1

 

Dass ihn die etwa gleichalten Impressionisten erst zu ihrer letzten Ausstellung 1886 aufnahmen, scheint ob der stilistischen und inhaltlichen Differenzen klar, kränkte jedoch Redon offenbar zutiefst. Er sah für sich andere Ziele als die Schilderung von meist sonnendurchfluteten Landschaften, geschäftigen Boulevards sowie Porträts von Damen der Gesellschaft und Frauen der Demi-monde. Die impressionistische Malerei tat er sogleich mit der Kritik ab, sie wäre zu simpel.

In Redons Kunst, und hier mag man dem Künstler(vor)urteil Recht geben, ist nichts einfach. Viele Motive entspringen der traditionellen Ikonografie, jedoch wandelte sie der Künstler zu „unlesbaren“ Geschichten um. Seine Bilder sollen das Gemüt ansprechen, wohl mehr mit dem Herzen als dem Hirn interpretiert werden und suchen gleichsam die Nähe zur zeitgenössischen Poesie und Musik. In der Fondation Beyeler vermittelt das „Haupt des Perseus“ (um 1875) zwischen den Dekorationsbildern im Foyer (1900–1901) und dem ersten Raum der „Noirs“, wie Odilon Redon seine schwarzen Bilder selbst nannte. Sollte es nicht eigentlich der schreckliche, von Schlangen umzüngelte Kopf der Medusa sein, der vor uns liegt? Stattdessen wird der Held seines Glanzes beraubt und selbst zum Monstrum?

Auch in Redons erster Lithografieserie „Dans le rêve“ (1879; „Im Traum“) finden sich immer wieder körperlose Köpfe und schwebende Augäpfel. Das staunende Sehen und nicht das wissende scheint eines der Hauptanliegen Redons zu sein. Deutlich zeigt der Künstler eine Trennlinie zwischen zerebralem Sehen-Verstehen und dem, was, wie er es selbst beschrieb, das Gemüt erhellt. Bilder von Gefangenen, von den Köpfen Hingerichteter (vgl. Ölstudien von Théodore Géricault) sind Symbole für Verzweiflung, Leid und Tod – genauso wie die Köpfe von Johannes dem Täufer oder Christus. In diesen Figuren stellte Redon sinnfällig Einsamkeit, Verfolgung, Einzelgängertum visuell dar – Erfahrungen, die den bürgerlichen, aus finanziell abgesicherten Verhältnissen stammenden Redon, vor allem am Beginn seiner späten Karriere als Künstler verfolgten. Er sah sich als „Opfer der bürgerlichen Klasse“2 und hielt ihr das Bild von Verfolgten, von fragmentierten Körpern und von düsteren Traumvisionen entgegen. Als das stolze Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unterlag, folgte eine Phase der national-bürgerlichen Melancholie. Gleichzeitig fand Redons Kunst, von der er selbst meinte, sie wäre erst nach dem Tod seines Vaters 1874 originell geworden,3 erste Verteidiger und sogar Bewunderer. Auf diese Weise wurde Odilon Redon zum „Erz-Symbolisten“, bevor es den Begriff überhaupt gab.4

 

 

Landleben als Inspiration

Odilon Redon wurde in seinen Autobiografien nicht müde zu betonen, dass er den Ursprung seiner Kunst am Land fand. Hierin ist der Symbolist den Impressionisten nicht unähnlich, wenn diese ihre Landschaften und Gartenszenen in der sonnenbeschienenen Umgebung von Paris oder der Normandie schufen (→ Der moderne Garten in der Malerei von Monet bis Matisse), um während der Herbst- und Wintersaison in Paris damit Ausstellungen zu beschicken, Sammler und Galeristen zu treffen, kurzum Karriere zu machen. Odilon Redon sollte sich oft auf dem vom Vater erworbenen Weingut Peyrelebade, nordwestlich von Bordeaux, aufhalten, wo er seine von einer geheimnisvollen Krankheit (Epilepsie?) bedrohte Kindheit fern von Eltern und Geschwistern verbracht hatte. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die sich an blühenden Mohnfeldern und leuchtenden Segelschiffen erfreuten, beschrieb Redon jedoch dieses Refugium als halb abgestorbenes, wildes und ungepflegtes Stück Land, für das er auch keine Verantwortung zu übernehmen gedachte.5
Redon hatte in Bordeaux nur einen wahren Freund, den Evolutionsbiologen Armand Clarvaud. Von ihm wurde Redon in die Geheimnisse der Natur und die Theorie von Charles Darwin eingeweiht. In Unterwasserbildern und Metamorphosen von absonderlichen Wesen, bestehend aus Menschen, Tieren, Pflanzen oder gar Landstrichen, sollte der bildenden Künstler Jahre später noch auf Clarvauds Prägung reagieren. Die zwischen 1889 und 1890 entstandene Serie „Yeux clos“ („Geschlossene Augen“) thematisiert in diesem Sinne nicht nur das Träumende, die Versenkung in die eigene, doch unsichtbare Fantasiewelt, sondern auch eine eigenartige Mischung aus inselhafter Gestaltung der menschlichen Büste umgeben von Wasser. Die menschliche Gestalt ruht wie ein Eiland in der sie umgebenden Wasserlandschaft und ist erstmals in zarte Farben gehüllt.

 

Mystische Farbexplosionen

Japonismus (→ Monet, Gauguin, van Gogh …. Inspiration Japan), Neo-Rokoko, Jugendstil – all diese Elemente lassen sich im späten Werk von Odilon Redon beobachten. Der Künstler selbst berichtete, dass mit der Geburt seines zweiten Sohnes 1889 eine Lebens- und Schaffensphase zu Ende ging und er den „heiteren Klang“ der Farben hervorbringen wollte.6 Nach ersten zarten Versuchen in der Serie „Yeux clos“ (ab 1889, „Geschlossene Augen“), bricht die Leuchtkraft der Pastellstifte ab Mitte der 1890er Jahre vollends durch: Grafiken wie „Temple vitrail“ (um 1900), „La Barque“ (um 1897), „La Mort de Bouddha“ (um 1899) belegen die Faszination, die Rodin in diesen Jahren befallen haben muss. Ultramarin- und Preußischblau, Pink, Goldgelb und ein wenig Grün. Pastelle sind reine Pigmente und daher genauso pudrig in ihrer Konsistenz wie Kohle, lassen sich verwischen und linear auf Papier verwenden. In vielen Schichten übereinander aufgetragen, zu opaken Flächen miteinander verrieben oder in kurzen Strichen nebeneinander zu haptischen und räumlichen Strukturen aufgebaut, bestimmen ab nun die Farbtöne die Stimmungen der Bilder. Immer wieder ist es das geheimnisvolle Blau, Symbol für die Weite des Himmels, die Freiheit der Vögel und die Stille der Nacht, das Redons Bilder wahrlich zu Ikonen der mystischen Versenkung macht – egal ob es sich um christliche, buddhistische oder mythologische Themen handelt.

In den eindrucksvollsten Werken des farbigen Redon verbinden sich Dynamik und Abstraktion oder Stille und Einkehr mit einer bereits völligen Loslösung der Farbe von der Wirklichkeit, wie man in „Roger et Angélique (Persée et Andromède)“ (um 1910) beobachten kann. So nimmt Redon einerseits fernöstliche Einflüsse auf, erinnert in seiner Dynamik jedoch an Deckengemälde von Delacroix, den er verehrte, oder historistischen Zeitgenossen wie Anselm Feuerbach. Die opferbereite Jungfrau lässt in ihrer fließenden, schwebenden Form an Klimts gleichzeitig entstandene Wassernixen denken. Eine Auseinandersetzung mit dem Jugendstil erfolgt im Werk Redons über eines der Lieblingsthemen der Jahrhundertwende: die Verbindung von hübschem Mädchen und zarten Blüten. In strengem Profil wiedergegebene Frauen7, darunter mehrfach „Ophelia“, verschmelzen mit Blumen zu einer friedvollen Einheit, deren Stille eine gelöste wie totengleiche ist. Die bunten Pflanzen umgeben die Schönen wie eine Aura, verleihen ihnen etwas Überirdisches und öffnen sie „in eine zeitlose Unendlichkeit“8. Wie auch Baudelaire und Poe war Redon der Ansicht, dass die Melancholie von der Schönheit nicht zu trennen sei. Während jedoch Jugendstilkünstler wie Mucha oder Lalique ihre Werke aus der elegant fließenden Linie aufbauten, blieb Redon hauptsächlich dem malerischen Effekt der Pastellkreide treu. Ebenso der Fläche verhaftet, lösen sich die Umrisse der Blüten in den Dekorativen Panneaux ab 1900 zunehmend auf, um der Poesie farbiger Luft Platz zu machen. Es muss daher offen bleiben, ob das Großformat „Arbre sur fond jaune“ (1900–1901) aus dem Musée d'Orsay in Paris ein riesiges Chamäleon zeigt, oder ob diese „Erkenntnis“ ein Produkt meiner überbordenden Phantasie ist. Diese Ambivalenz scheint bereits in den frühesten Werken angelegt zu sein, hat sich nun mit anderen Mitteln im Spätwerk zu einer fruchtbaren, da suggestiven Quelle für jüngere Künstler erwiesen: Die Nabis nahmen Odilon Redon als einen Ihresgleichen in ihrer Mitte auf. Seine Kunstwerke wurden vor allem in Belgien für die Künstlergruppe Les XX, zu der auch James Ensor gehörte, zu einer Basis symbolistischen Gestaltens. Im Jahr 1900 kaufte Henri Matisse ein Werk von Redon und ließ sich zu seiner „wilden“ Farbmalerei genauso inspirieren wie Kandinsky für Experimente in Richtung Abstraktion und André Masson für surrealistische Kompositionen. In diesem Sinne interpretierte Masson Redons „scheinbar ruhige“ Blumenstillleben als „sternförmiger Schwindel, Aufflammen und Niedergang – ein Mysterium“9.

 

 

Dekorative Panneaus

Fünf großformatige Landschaftsbilder empfangen die Besucherinnen und Besucher im Foyer der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Vor der dunkellila gestrichenen Wand kommen die lichten Farbkompositionen von Odilon Redon wunderbar zur Geltung und verblüffen durch ihren hohen Grad an Abstraktion. Während erkennbare Bäume schnell an Landschaften denken lassen, offenbart eine genaue Betrachtung der Kompositionen die mutige Auflösung der Formen und Vernachlässigung des Raumes. Redon schuf diese farbprächtigen Fantasien mit scheinbar fliegenden Blumen, leuchtenden Blüten und flatternden Schmetterlingen am Ende seines Lebens. Offensichtlich ließ sich der französische Symbolist von japanischer Malerei inspirieren, eroberte wie die Impressionisten und die Jugendstil-Künstler die Flächigkeit und ging mit der Befreiung der Farbe den Nabis und den Fauves voraus. Das stilprägende Potenzial seiner Bilder wird einzig im Katalog ersichtlich, die Ausstellung in der Fondation Beyeler ist eine höchst interessante Personale, die sämtliche Schaffensphasen des Künstlers aufarbeitet und - wie häufig in der Fondation Beyeler – in die hauseigene Sammlung überführt. Die Nachfolger und Bewunderer Redons reichen von Mondrian, Kandinsky, Ernst (→ Max Ernst. Retrospektive) bis zu Mark Rothko!10

 

 

Biografie von Odilon Redon (1840–1916)

Am 20. April 1840 wurde Bertrand Jean Redon, nach seiner Mutter Marie-Odile Odilon genannt, in Bordeaux als Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers geboren.
1840–1851 Da Odilon Redon vermutlich an Epilepsie litt, wuchs er auf dem Weingut Peyrelebade im Médoc bei seinem alten Onkel auf. Als Elfjähriger kehrte er für den Schulbesuch zu seinen Eltern nach Bordeaux zurück.
1857 Gelegentlicher Besuch der Architekturvorlesungen an der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Lernte den Biologen Armand Clavaud (1828–1874) kennen, der ihm die Thesen von Charles Darwin näher brachte. Über Clavaud lernte Redon auch zeitgenössische Literatur von Flaubert, Baudelaire, Poe kennen. In seinen Lithografieserien der 1890er Jahre reagierte Odilon Redon auf diese Anregungen.
1860 Stellte erstmals zwei Landschaftsaquarelle in der Société des Amis des arts de Bordeaux aus.
1862 Umzug nach Paris. Die Eltern wünschten, dass Odilon Redon Architektur studierte.
1863 Rückkehr nach Bordeaux, da er die Aufnahme in die Architekturklasse nicht bestand.
1864 Aufnahme in die Architekturklasse erneut nicht bestanden. Studium im Atelier des Salonmalers Jean-Louis Léon Gérôme (1824–1904) in Paris. Nach wenigen Monaten brach Redon seine Lehre ab, da er von der akademischen Kunst enttäuscht war. Im Louvre kopierte er nach Rembrandt, Rubens, Leonardo da Vinci. Unter den französischen Künstlern verehrte er besonders Delacroix und kopiert dessen Deckengemälde des „Apollowagens“ im Louvre.
1865 Redon lernte den Radierer und Lithografen Rodolphe Bresdin (1822–1885) in Bordeaux kennen, der ihn in die Techniken der Druckgrafik einführte.
1868 Besprach als Kunstkritiker den Pariser Salon von 1868 für die in Bordeaux erscheinende Zeitung La Gironde.
1870 Redon stellte am Salon in Paris eine Zeichnung nach Leonardo da Vinci aus. Ab Oktober diente er als Infanterist im Deutsch-Französischen Krieg.
1872 Umzug nach Paris, verbrachte aber die Sommermonate auf Peyrelebade, um sich Inspiration aus der Natur zu holen.
1874 Tod des Vaters
1875 Besuchte den Salon von Berthe de Rayssac und lernte dort Henri Fantin-Latour (1836–1904) kennen, mit dem er Freundschaft schloss. Lernte von diesem die Technik der Autografie (Abklatsch-Lithografie), mit der er in den folgenden Jahren seine Zeichnungen als Drucke in Umlauf brachte. Beschäftigte sich mit Kohlezeichnungen, malte bei Barbizon und in der Bretagne.
1876 Traf seine spätere Frau Camille Antoinette Falte bei Berthe de Rayssac.
1878 Erste Reise nach Belgien und Holland, wo er sich besonders von Rembrandts Werk beeindruckt zeigte.
1879 Erste Lithografiefolge „Dans le rêve“ erschien.
1880 Heirat mit Camilla Antoinette Falte.
1881 Erste Einzelausstellung in den Räumen der Pariser Zeitschrift La Vie moderne, zeigte dort einige Kohlezeichnungen, die er als „Noirs“ bezeichnete. Das Publikum war irritiert.
1882 Zweite Ausstellung der „Noirs“ in den Räumlichkeiten der Pariser Tageszeitung La Gaulois.
1884 Die Publikation von Joris-Karl Huysmans Roman „A rebours“ machte Odilon Redon berühmt. Mitbegründer der Société des Artistes indépendants und gemeinsame Ausstellung unter dem Titel Salon des Indépendants.
1885 Lernte Stéphane Mallarmé kennen und wurde zu den Dienstagstreffen, den „mardis“, eingeladen, wo auch die Schriftsteller Stefan George, Emile Verhaeren und Paul Verlaine wie der Maler Paul Gauguin (→ Paul Gauguin. Druckgrafik) verkehrten.
1886 Teilnahme an der Jahresausstellung der Brüsseler Künstlergruppe Les XX, die u.a. von James Ensor begründet worden war, und an der letzten, der sog. achten Impressionisten-Ausstellung 1886. Geburt des Sohnes Jean, der im Alter von sechs Monaten stirbt.
1889 Der Pariser Galerist Paul Durand-Ruel veranstaltete eine erste Exposition de peintre-graveurs, an der Odilon Redon mitwirkte. Er lernte dort seinen ersten Biografen André Mellerio kennen. Geburt des Sohnes Arï.
1890 Hinwendung zu farbigen Pastellen und Ölgemälden. Bislang war Redons Bildwelt von Träumen, Literatur und Botanik geprägt, nun erweiterte er seine Sujets um religiöse, mythologische, esoterische bzw. metaphysische Themen.
1894 Die Galeries Durand-Ruel und der Haagse Kunstkring widmeten Redon erste umfassende Werkschauen.
1895 Reise nach London, wo er sich mit dem Werk von William Turner befasste.
1898 Redons älterer Bruder verkaufte gegen dessen Willen den Landsitz Peyrelebade. Redon wählte die Villa Goa in Saint-Georges-de Didonne als neues Sommerquartier. Ambroise Vollard stellte Pastelle und Kohlezeichnungen aus.
1899 In den Galeries Durand-Ruel stellte Odilon Redon gemeinsam mit den Nabis aus. Künstler wie Maurice Denis, Pierre Bonnard und Paul Gauguin sahen in Redon einen Vorläufer und Mitstreiter für die Farbe und Mystik des Lebens.
1900 Redon malte verstärkt Blumenstillleben und Porträts.
1900–1901 Für das Speisezimmer von Robert Baron de Domecy entstanden 17 Wandgemälde. Weitere Aufträge für Tapisserien und Wandgemälde. Reise nach Italien mit Aufenthalt in Venedig.
1902 Beendete die Kohlezeichnungen und arbeitete fortan nur noch farbig.
1904 Am Pariser Salon d`Automne wurde Odilon Redon ein eigener Saal mit 68 Werken gewidmet. Erster Staatsankauf von „Yeux clos“ für das Musée du Luxembourg.
1905 Redon bezog eine neue Wohnung in der Avenue de Wagram. Sie wurde zum Treffpunkt junger Künstler.
1906 Einzelausstellung mit 53 Werken in den Galeries Durand-Ruel.
Ab 1907 Redon konnte sich durch eine Versteigerung seiner Werke und die Aufträge seiner Gönner finanziell absichern.
1909 In der Amsterdamer Zeitschrift Van onzen tijd erschien ein Text über seinen Werdegang und seine Überzeugungen. Tod der Mutter.
1910–1911 Für seinen Freund Gustave Fayet malte Odilon Redon großformatige Temperabilder für dessen Bibliothek in der Abbaye de Fontfroide. Camille Redon erkrankte, konnte aber erfolgreich operiert werden.
1913 Teilnahme an der International Exhibition of Modern Art in New York, die als sog. Armory Show in die Geschichte eingegangen ist. Redon war mit 70 Werken in einem eigenen Saal vertreten. Unter dem Titel „De soi-même“ erschien in Zusammenarbeit mit André Mellerio eine ausführlichere Fassung seiner Erinnerungen.
1914 Bei Paul Cassirer in Berlin und Alfred Flechtheim in Düsseldorf sowie der Zürcher Kunstgesellschaft fanden Redons erste Einzelausstellungen im deutschsprachigen Raum statt. Sein Sohn wurde zum Ersten Weltkrieg eingezogen, der Vater brach zusammen, nachdem er nichts von ihm hörte.
Am 6. Juli 1916 starb Odilon Redon in Paris.

1922 erschien posthum eine Sammlung von Tagebucheinträgen, Briefen und kurzen Essays.

 

Odilon Redon: Bilder

  • Odilon Redon, Märtyrer oder Kopf eines Märtyrers auf der Schale oder der heilige Johannes, 1877, Kohle auf Papier, 36,6 x 36,3 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo)
  • Odilon Redon, Würfel, 1880, Kohle auf Papier, 43 x 29 cm (Privatsammlung)
  • Odilon Redon, Geschlossene Augen, um 1894, Öl auf Karton, 44,5 x 36,5 cm (Fujikawa Galleries, Tokio)
  • Odilon Redon, Der Tod des Buddha, um 1899, Pastell auf Papier, 49 x 39,5 cm (Millicent Rogers Collection)
  • Odilon Redon, Pegasus und die Hydra / and the hydra, nach/after 1900, Öl auf Karton / Oil on cardboard, 47 x 63.1 cm (Collection Kröller-Müller Museum, Otterlo, The Netherlands (KM 104.067))
  • Odilon Redon, Ophelia, 1900–1905, Pastell auf Papier auf Karton, 50,5 x 67,3 cm (Dian Woodner Collection, New York)
  • Odilon Redon, Buddha, um 1905, Pastell auf Papier, 90 x 73 cm (Musée d'Orsay, Paris)
  • Odilon Redon (Bordeaux 1840–1916 Paris), Wiesenblumen in einer Vase mit langem Hals, um 1912, Pastell auf Papier, 57 x 35 cm (Musée d'Orsay, Paris)

 

Literatur

  • Raphaël Bouvier (Hg.), Odilon Redon (Ausst.-Kat. Fondation Beyeler 2.2.-18.5.2014), Ostfieldern 2014.
  • Dario Gamboni, The Brush and the Pen: Odilon Redon and Literature, Chicago 2011.
  • Herwig Todts, Goya, Redon, Ensor: Grotesque Paintings and Drawings (Ausst.-Kat. Royal Museum of Fine Arts, Antwerp 14.3.-14.6.2009) Tielt 2009.
  • Jodi Hauptman, Beyond the Visible: The Art of Odilon Redon (Ausst.-Kat. Museum of Modern Art 30.10.2005– 23.1.2006), New York 2005.
  • Octavia Christ, Odilon Redon. Visionen eines Künstlerpoeten, Berlin 1994.

Merken

  1. Zit. n. ebenda, S. 52.
  2. Dario Gamboni, The Brush and the Pen: Odilon Redon and Literature, Chicago 2011, S. 21.
  3. Ebenda, S. 24.
  4. Vergl. Herwig Todts, Goya, Redon, Ensor: Grotesque Paintings and Drawings (Ausst.-Kat. Royal Museum of Fine Arts, Antwerp 14.3.-14.6.2009) Tielt 2009, S. 101.
  5. Ebenda, S. 13.
  6. Zit. n. Raphaël Bouvier, S. 74.
  7. Die nach 1900 als Auftragsporträts entstandenen Bildnisse sind im klassischen Dreiviertelprofil gegeben, die Blüten hinter den dargestellten sind in ihrer Präsenz zurückgenommen.
  8. Octavia Christ, Odilon Redon. Visionen eines Künstlerpoeten, Berlin 1994, S. 109.
  9. Zit. n. Jodi Hauptman, Beyond the Visible: The Art of Odilon Redon (Ausst.-Kat. Museum of Modern Art 30.10.2005– 23.1.2006), New York 2005, S. 43.
  10. Siehe vor allem Raphaël Bouviers Katalogbeitrag mit dem Titel „Odilon Redon und die Kunst des 20. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Ausstellung“, in: Raphaël Bouvier (Hg.), Odilon Redon (Ausst.-Kat. Fondation Beyeler 2.2.-18.5.2014), Ostfieldern 2014, S. 14-25.
Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.