Raffael: Ausstellungen 2020

Das Raffael-Jahr 2020 anlässlich der 500. Wiederkehr des Todestags des Renaissance-Meisters wird weltweit einige interessante Ausstellungen zur Folge haben.

Raffael wurde vermutlich am 6. April 1483 in Urbino geboren und starb in Rom, wo er ab etwa 1508 bis Ostern 1520 lebte (→ Raffael: Biografie (Lebenslauf)). Er trat dort in die Fußstapfen von Michelangelo Buonarroti und dürfte Leonardo da Vinci, dessen Werke er in Florenz in der Werkstatt sehen dürfte, getroffen haben. Vor allem durch seine Fresken in den Privatgemächern der Päpste Julius II. und Leo X. aber auch in der Villa Farnesina ist Raffael in der Ewigen Stadt dauerhaft vertreten. Zu seinen berühmtesten Darstellungen zählen „Die Schule von Athen“, der „Borgo-Brand“ und der Zyklus der Psyche. Darüber hinaus schuf er – wie auch zuvor schon in Florenz – Porträts und grazile Madonnen.

Der vielbeschäftigte Künstler diente der Kirche ab 1514 auch als Architekt des Petersdoms und oberster Experte für Antikenfunde. In Marcantonio Raimondi (1480–1534) fand er einen kongenialen Partner, der seine Entwürfe in etwa 50 Druckgrafiken umsetzte und dem jugendlichen Künstler damit europaweiten Ruhm sicherte. Sogar in der höchst populären Kunst der bemalten Majolika (Keramik) sind Raffaels Motive nachweisbar (→ Bethlehemitischer Kindermord nach Raffael – eine Majolika-Schale aus dem MAK). Kaum vorstellbar, dass dieser noch Zeit zum Malen fand. Die Größe von Raffaels Werkstatt dürfte demnach sehr beachtlich gewesen sein. Nachdem der berühmte Raffael Santi am 6. April 1520 im Alter von nur 37 Jahren verstarb, wurde er im Pantheon bestattet.

Raffael 2020

Wird das Leonardo-Jahr 2019 von einem Blockbuster im Musée du Louvre (24.10.2019–24.2.2020 → Louvre: Leonardo da Vinci) bekrönt, so übernimmt Raffael im Frühjahr 2020 den Platz im Scheinwerferlicht. In Italien sind zwei großangelegte Ausstellungen schon angekündigt: Urbino, wo Raffael geboren wurde, und Rom, wo er seine größten Triumphe feierte.

Aus den USA ist bisher bekannt geworden, dass die National Gallery of Art in Washington eine Kabinettausstellung rund um ihre vier authentischen Raffael-Zeichnungen plant. Da gleichzeitig die fünf Gemälde in der Galerie ausgestellt werden, darf Rom wohl auf keine Leihgabe aus Washington hoffen.

Raffael in Italien

Raffael und seine Freunde in Urbino

Raffael und seine Freunde in Urbino

Urbino, Galleria Nazionale delle Marche
Dauer: 3.10.2019–19.1.2020

In Urbino sieht man den jungen Künstler auf dem Weg zu einem Hauptvertreter der Hochrenaissance in Mittelitalien. Der Hof von Urbino zählte zu den bedeutendsten Kunststätten Italiens um 1500. Hier arbeitete Raffaels Vater, Giovanni Santi (1435–1494), als Hofmaler und Dichter. Pietro Perugino (1446–1524) war vermutlich Raffaels erster bedeutender Lehrer. Die Genese seiner Kunst, allen voran der lieblichen Madonnen, steht im Fokus der Präsentation. Dafür trennt sich die National Gallery in London sogar von ihrer superben „Madonna Aldobrandini“.

Raffael

Rom | Scuderie del Quirinale: Raffael

Rom, Scuderie del Quirinale
Dauer: 5.3.–14.6.2020

Das wird vermutlich die wichtigste Ausstellung des Raffael-Jahrs 2020. Die Scuderie sind gänzlich von Leihgaben abhängig und arbeitet für die Raffael-Ausstellung mit den Gallerie degli Uffizi und dem Palazzo Pitti in Florenz zusammen. In der Schau werden daher Raffaels jugendliches „Selbstporträt“ (1504–1506) zu sehen sein wie auch das Doppelporträt von „Agnolo Doni“ und „Maddalena Doni“ (1504–1507), die „Madonna mit dem Goldfink“ (um 1506) und die „Madonna dell’Impannata“ (1511). Die Uffizien besitzen zudem die Porträts der Päpste „Julius II.” (Giuliano della Rovere, 1443–1513, Kopie des BIldes in der National Gallery, London) und dessen Nachfolger „Papst Leo X. mit den Kardinälen Giulio de' Medici und Luigi de' Rossi” (1517–1519, Giovanni di Lorenzo de' Medici, 1475–1521). Im Palazzo Pitti, Florenz, hängt die „Madonna del Granduca” von 1505 aber auch die „Madonna della Seggiola“ (1513/14) und „Die Vision des Ezechiel“ (1516/17).

Als weiterer Kooperationspartner bietet sich in Rom die Vatikanische Pinakothek an, wo Raffaels letztes Bild, die „Verklärung Christi“ (1520) verwahrt wird. Zudem ist hier der „Oddi Altar“ mit der Krönung der Jungfrau Maria und seiner Predella (1502–1503) zu sehen.

Ebenfalls in Rom – nämlich in der Galleria Borghese – befindet sich mit der „Grablegung Christi (Pala Baglioni)“ (1507), Raffaels erstes narratives Altarbild, das die sakrale Kunst der Hochrenaissance maßgeblich veränderte. Das Aktporträt von „La Fornarina“ (1519/20) ist in der Gallerie d’Arte Antica beheimatet.

Raffaels Karton für die „Schule von Athen“

Mailand | Pinacoteca Ambrosiana: Raffaels Karton der Schule von Athen

Mailand, Ambrosiana
Dauer: ?

Vermutlich wird die Ambrosiana in Mailand ebenfalls eine Ausstellung zu Raffael zeigen, besitzt sie doch den großen Karton für dessen „Schule von Athen“ (1509). Der Karton wurde gerade fertig restauriert und ist seit März wieder ausgestellt.

Eines der Hauptwerke der Brera in Mailand ist der sogenannte „Sposalizio“, die „Vermählung Mariae“ (1504).

Raffael in Berlin, Dresden und München

Raffaels Madonnen

Berlin | Gemäldegalerie: Raffael in Berlin. Die Madonnen

Berlin: Gemäldegalerie
Dauer: 13.12.2019 – 26.4.2020

Die Berliner Gemäldegalerie hat für Herbst/Winter 2019/20 eine Kabinettausstellung zum Meister der italienischen Hochrenaissance angekündigt. Da Raffael für graziöse Madonnendarstellungen weltbekannt ist, werden diese in Berlin gezeigt. Die Berliner Gemäldegalerie besitzt fünf Gemälde mit dem Thema der Madonna und Kind von Raffael. Diese treten in einen Dialog mit der „Madonna mit den Nelken“, die als Leihgabe der National Gallery in London erstmals England verlässt.

Raffaels Zeichnungen in Berlin

Berlin | Kupferstichkabinett: Raffael in Berlin

Berlin: Kupferstichkabinett
Dauer: 28.2. – 1.6.2020

Anlässlich des 500. Todestags von Raffael widmen die Staatlichen Museen zu Berlin dem bedeutendsten Künstler der italienischen Renaissance zwei Sonderausstellungen. Parallel zu der im Dezember 2019 startenden Ausstellung „Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie“ zeigt das Kupferstichkabinett die kleine, aber bedeutende Gruppe eigenhändiger Zeichnungen des Künstlers aus eigenem Bestand.

Raffael – Die Macht der Bilder

Dresden: Semperbau am Zwinger, Gemäldegalerie Alte Meister
Dauer: Aufgrund der Corona-Krise ist das Museum bis incl. 19.4. geschlossen; 3.4. – 19.7.2020

Nicht nur Raffaels berühmte „Sixtinische Madonna“ (1512/13) befindet sich in Dresden, sondern auch eine späte Fassung von dessen Tapisserien für die Sixtinische Kapelle. Die Ausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister thematisiert Raffaels Bildteppiche und Entwürfe sowie deren überragenden Einfluss auf die nachfolgenden Künstler bis ins 19. Jahrhundert anhand einer Fülle von Rezeptionsbeispielen.

Raffael in München

Die Alte Pinakothek in München besitzt die „Madonna Tempi“ (um 1508).

Raffael in Hamburg

Hamburg | Hamburger Kunsthalle: Raffael

Die für Sommer 2020 angekündigte Raffael-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle wurde auf 2021 verschoben.

Raffael in London und Oxford

Die National Gallery in London besitzt insgesamt zehn Werke von Raffael.

Das Victoria and Albert Museum nennt die sieben Kartons für den Tapisserie-Zyklus für die Sixtinische Kapelle sein Eigen. Vermutlich wird das Haus auch eine neue Präsentation rund um diese kostbaren Werke erdenken.

Das Ashmolean Museum in Oxford besitzt eine der größten Sammlungen von Raffael-Zeichnungen der Welt. Diese wurde bereits von einigen Jahren in einer Ausstellung gezeigt (übernommen von der Albertina, Wien → Raffael in der Albertina). Es wird interessant sein, zu sehen, was sich Oxford zum Raffael-Jahr 2020 einfallen lässt.

Raffael in der National Gallery of Art, London

London | National Gallery of Art: Raffael

London: The National Gallery of Art
Dauer: 3.10.2020 – 24.1.2021

Raffael: Sein Leben war kurz, seine Arbeit produktiv und sein Erbe unsterblich. In seiner nur zwei Jahrzehnte umfassenden Karriere prägte Raffael den Lauf der westlichen Kunst wie kaum ein Künstler zuvor oder seither. Als Maler, Zeichner, Architekt, Archäologe und Dichter hielt Raffael in seiner Kunst das Menschliche und das Göttliche, Liebe und Freundschaft, Lernen und Macht fest. Anlässlich der 500. Wiederkehr von Raffaels Todestags präsentiert die National Gallery of Arts in London mit Raffaels ganzem Werdegang.

Raffael in Paris

Der Louvre plant offenbar keine Sonderausstellung zu Raffael – immerhin ist man in Besitz des phänomenalen Bildnis von „Baldassare Castiglione“ (1514/15, Louvre), des „Hl. Georg“ (1505) und der „Madonna mit dem Blauen Diadem“ (1511). Stattdessen widmet man sich mit „Körper und Seele. Skulptur in Italien von Donatello bis Michelangelo 1460–1520” (Frühjahr 2020) der plastischen Kunst zwischen Früh- und Hochrenaissance.

Raffael in Wien

Das Kunsthistorische Museum besitzt mit der „Madonna im Grünen“ ein Hauptwerk des Meisters der Hochrenaissance. Ob das Wiener Museum dem Künstler eine Ausstellung widmet, wird wohl erst in den nächsten Monaten veröffentlicht.

Raffael in den USA

In den USA befinden sich sowohl im Metropolitan Museum New York – die „Pala Colonna“ (1502–1505) –wie auch in der Washington National Gallery – „Der hl. Georg im Kampf mit dem Drachen“ (1504–1506), die „Alba Madonna“ (1510), das „Porträt des Bindo Altoviti“ (um 1514/15) – bedeutende Werke des Malers. Bisher hat nur die Washingtoner National Gallery of Art ihre Pläne bekanntgegeben.

Raffael in Washington

USA | Washington, National Gallery of Art: Raffael

Die Ausstellung kreist um vier authentische Zeichnungen von Raffael sowie weiteren 19 Werken von Künstlern aus seinem Umkreis. Sie sollen veranschaulichen, wie die Verbindung von künstlerischen Traditionen und unmittelbarem Einfluss von Raffaels Kunst spätere Künstler, Kenner und Wissenschaftler prägte.
Die fünf Gemälde Raffaels in der National Gallery of Art in Washington bildet die größte und wichtigste Gruppe außerhalb einiger europäischer Sammlungen. Die Werke datieren zwischen 1505 und 1515, dem zentralen Jahrzehnt seiner Tätigkeit, und werden im Hauptgeschoss des Westgebäudes zu sehen sein.