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Rom | Palazzo Barberini: Bernini und die Barberini

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 12. Februar 2026
Giovanni Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, Detail, 1616-1617, Marmor (Privatsammlung, Leihe an das Thyssen Bornemisza Museum, Madrid)

Giovanni Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, Detail, 1616-1617, Marmor (Privatsammlung, Leihe an das Thyssen Bornemisza Museum, Madrid)

Die Gallerie Nazionali d'Arte Antica im Palazzo Barberini erzählen bis 14. Juni 2026 in der Ausstellung „Bernini und die Barberini“ die Geschichte des berühmten Barockbildhauers aus einer neuen Perspektive: der Beziehung von Gian Lorenzo Bernini zu seinem ersten und wichtigsten Förderer, Kardinal Maffeo Barberini (Florenz 1568–1644 Rom), der 1623 als Urban VIII. den Papstthron bestieg. In vier thematischen Abschnitten wird deutlich, wie aus ersten Kontakten ein künstlerisches Machtzentrum entstand, das Kunst, Politik und Theologie miteinander verband. Die Allianz zwischen dem Bildhauer und der Familie Barberini prägte das Gesicht Roms und die visuelle Sprache des Barock nachhaltig.

Das Projekt vereint herausragende Leihgaben aus renommierten internationalen Museen in Rom und findet zeitgleich mit dem 400. Jahrestag der Weihe des Petersdoms (1626) statt, einem der Höhepunkte des römischen Barock und des Schaffens Berninis.

Bernini e i Barberini [Bernini und die Barberini]

Italien | Rom: Palazzo Barberini
12.2. – 14.6.2026

Pietro Bernini, Herbst, um 1620 (Privatsammlung) im Hintergrund Gian Lorenzo Bernini, Hl Laurenzius, Hl Sebastian und ein zugeschriebener Hl Sebastian © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Pietro Bernini, Herbst, um 1620 (Privatsammlung) im Hintergrund Gian Lorenzo Bernini, Hl Laurenzius, Hl Sebastian und ein zugeschriebener Hl Sebastian © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Bernini und die Barberini 2026 in Rom

Die von Andrea Bacchi und Maurizia Cicconi kuratierte Ausstellung erzählt die Entstehungsgeschichte des Barock aus der besonderen Perspektive des persönlichen und intellektuellen Dialogs zwischen Bernini und Papst Urban VIII., Schlüsselfiguren in der Etablierung der Kunstsprache des 17. Jahrhunderts. Laut einigen Wissenschaftlern war es die Begegnung zwischen dem Bildhauer und dem Papst, die den Wendepunkt markierte und einen neuen Stil hervorbrachte.1 Doch es gibt noch mehr: Es war Maffeo Barberini, ein kultivierter Mäzen und ehrgeiziger Kardinal, der Berninis Talent entdeckte und durch ihre langjährige Zusammenarbeit die Entwicklung der barocken Ästhetik (mit)bestimmte.

Dabei legen die Kuratoren großen Wert darauf, eine Idealisierung bzw. Romantisierung der facettenreichen Beziehung zu vermeiden. Dokumente erinnern die Besucher:innen daran, dass die Verhanldungen zwischen Künstler und Mäzen auch von Meinungsverschiedenheiten über die Bezahlung und spannungsreiche ästhetische Debatten geprägt waren. Dies schmälert keineswegs die Bedeutung der Auftraggeberschaft, ja ihrer Zusammenarbeit, sondern offenbart vielmehr die Tiefe der kritischen Auseinandersetzung von Seiten der Barberini. Berninis Entwürfe und Überarbeitungen hingegen veranschaulichen, wie er mit politischen Erwartungen umging und gleichzeitig seine künstlerische Autonomie verteidigte.

Der Beginn einer Schicksalsallianz, oder wie Bernini im Netzwerk der Barberini aufstieg

Der Auftakt der Ausstellung widmet sich jener frühen Phase, in der Bernini erstmals mit der Familie Barberini in Verbindung trat. Zunächst waren es kleinere Aufträge – Vorstudien, Andachtsbilder, Porträts –, die das Vertrauen zwischen Künstler und Auftraggeber wachsen ließen. Archivalien zeigen, warum Bernini zur Idealbesetzung für seine mächtigen Gönner wurde: Sein außergewöhnliches handwerkliches Können und sein psychologisches Gespür entsprachen dem Anspruch der Barberini, Würde, Bildung und moralische Autorität öffentlich zu inszenieren. Aus ersten Arbeiten entwickelte sich eine der folgenreichsten Künstler-Mäzen-Beziehungen Europas.

Gian Lorenzo Bernini, Die vier Jahreszeiten, 1619-1620 (Privatsammlung) und Hl. Laurenzius (Uffizien) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Die vier Jahreszeiten, 1619-1620 (Privatsammlung) und Hl. Laurenzius (Uffizien) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Vom Manierismus zum Barock

Im Palazzo Barberini wird der Werdegang des Künstlers von seinen Anfängen an nachgezeichnet, mit besonderem Fokus auf den Übergang vom späten Manierismus, den er in der Werkstatt seines Vaters Pietro Bernini erlernte, zu einer persönlichen Bildsprache von überwältigender Ausdruckskraft. Wegweisende Werke wie der „Putto mit Drache“ (um 1617) aus dem Getty Museum zeugen vom Beginn der barocken Bildhauerei, während außergewöhnliche Leihgaben wie „Die vier Jahreszeiten“ (1615/16) aus der Sammlung Aldobrandini Einblicke in Gian Lorenzos Beziehung zu seinem Vater gewähren.

Die vier Jahreszeiten wurden 1980 von Federico Zeri identifiziert und erstmals publiziert, nachdem er sie in der Villa Aldobrandini in Frascati entdeckt hatte;2 Maria Barbara Guerrieri Borsoi konnte sie bis zu ihrer Aufstellung in Leone Strozzis Villa auf dem Esquilin zurückverfolgen, wo sie bereits Mitte des 17. Jahrhunderts eindeutig belegt sind.3 Seither wird über den Anteil von Gian Lorenzo Bernini diskutiert, während die Autorschaft der gesamten Gruppe eindeutig dessen Vater, Pietro Bernini, zugeschrieben werden kann.

Jede Jahreszeit ist mit dem Tierkreiszeichen des jeweiligen Monats dargestellt, begleitet von charakteristischen Blumen und Früchten. Eine Ausnahme bildet der Winter, der in einen Pelzmantel gehüllt ist und sich am Feuer wärmt. Diese Figur ist die originellste und ansprechendste, zweifellos ein Beweis von Pietros Können. Gian Lorenzos Anteil an den Jahreszeiten lässt sich an den schweren Früchten des Herbstes und dem prächtigen Blumenstrauß des Frühlings erkennen. Die Formen strahlen Vitalität und Natürlichkeit aus und deuten die bahnbrechende Innovation an, die sich in den Werken des folgenden Jahrzehnts vollends entfalten sollte.

Vor knapp zehn Jahren hat die Frage der Datierung der „Vier Jahreszeiten“ noch einen Expertenstreit ausgelöst. Wir dürfen gespannt sein, welche Vorschläge die beiden Kurator:innen 2026 zu Händescheidung und Datierung unterbreiten.

Gian Lorenzo Bernini, Büste von Papst Paul V, seitlich, 1621, Marmor (The J. Paul Getty Museum, Los Angeles)
Gian Lorenzo Bernini, Büste von Papst Paul V, seitlich, 1621, Marmor (The J. Paul Getty Museum, Los Angeles)
Giovanni Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, 1616-1617, Marmor (Privatsammlung, Leihe an das Thyssen Bornemisza Museum, Madrid)
Giovanni Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, 1616-1617, Marmor (Privatsammlung, Leihe an das Thyssen Bornemisza Museum, Madrid)

Berninis Hl. Sebastian für Maffeo Barberini

Zu den ersten Werken, die Gian Lorenzo Bernini für Maffeo Barberini geschaffen hat, zählt der „Heilige Sebastian“ (1616/17, Privatsammlung) aus dem Thyssen-Bornemisza-Museum in Madrid. Ein Dokuments vom 29. Dezember 1617 belegt die Zahlung von 50 Escudos durch Maffeo Barberini an Gian Lorenzos Vater und dadurch die Datierung der Skulptur. Die Provenienz spricht ebenso für einen direkten Auftrag des Kardinals: Der „Heilige Sebastian“ konnte bis zum Palast von Kardinal Maffeo Barberini zurückverfolgt werden, wo er möglicherweise dessen Kapelle schmückte. Die Skulptur wurde erstmals 1628 inventarisiert, als sie vom Familienhaus in der Via dei Giubbonari in das neue Gebäude in der Via delle Quattro Fontane gebracht wurde. Dort gelangte sie in den Besitz von Maffeos Neffen, Kardinal Francesco Barberini (1597–1679).

Für dieses bedeutende Werk aus Berninis Frühphase ließ er sich von Darstellungen der Passion Christi und dem Werk Michelangelo Buonarrotis inspirieren. Kunsthistoriker:innen haben zwei konkrete Werke des Renaissance-Bildhauers als mögliche Vorbilder identifiziert: die Vatikanische „Pietà“ und die „Pietà“ im Museo dell’Opera del Duomo in Florenz, die sich Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom befand. Chronologisch ist der „Heilige Sebastian“ nach dem „Heiligen Laurentius auf dem Rost“ in der Sammlung Contini-Bonacossi (Palazzo Pitti, Florenz) und vor der Gruppe von „Aeneas, Anchises und Ascanius“ in der Galleria Borghese in Rom entstanden.

Carlo Pellegrini und Gian Lorenzo Bernini, Martyrium des Heiligen Mauritius, 1636–1640, Öl auf Leinwand, 333 x 205 cm (Vatikanstadt, Vatikanische Museen, Pinacoteca, Inv.-Nr. D6564) & Giovanni Battista Soria, Holzkasten für den Stuhl des heiligen Petrus, 1636, Geschnitztes, bemaltes und vergoldetes Holz, 271 x 148 x 105 cm; 236 x 134 x 95 cm (ohne Sockel) (Vatikanstadt, Fabbrica di San Pietro in Vaticano, Inv.-Nr. 0317) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Carlo Pellegrini und Gian Lorenzo Bernini, Martyrium des Heiligen Mauritius, 1636–1640, Öl auf Leinwand, 333 x 205 cm (Vatikanstadt, Vatikanische Museen, Pinacoteca, Inv.-Nr. D6564) & Giovanni Battista Soria, Holzkasten für den Stuhl des heiligen Petrus, 1636, Geschnitztes, bemaltes und vergoldetes Holz, 271 x 148 x 105 cm; 236 x 134 x 95 cm (ohne Sockel) (Vatikanstadt, Fabbrica di San Pietro in Vaticano, Inv.-Nr. 0317) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Urban VIII. und die Neugestaltung Roms: Kunst im Dienst des Papsttums

Mit der Wahl Maffeo Barberinis zu Papst Urban VIII. beginnt Gian Lorenzo Berninis eigentliche Glanzzeit, weshalb diese Phase das Zentrum der Ausstellung bildet.

Urban VIII. erkannte, dass kulturelle Förderung untrennbar mit politischer Macht verbunden war. Das profunde Verständnis des Papstes für klassische Vorbilder und literarische Symbolik prägte seine Zusammenarbeit mit Bernini. Urban VIII. wünschte, Rom zu einer neuen künstlerischen Pracht zu führen, um die spirituelle Überlegenheit des Papsttums durch die Sprache der Künste zum Ausdruck zu bringen. In diesem Kontext fungierte Bernini als visueller Stratege, dessen Werke dazu beitrugen, die theologischen, ideologischen und politischen Bestrebungen des Barberini-Pontifikats zu artikulieren.

Modelle, Zeichnungen, Stiche und Archivmaterial eröffnen Einblicke in die komplexen Planungsprozesse hinter jenen Projekten, die das Stadtbild Roms dauerhaft veränderten. Im Palazzo Barberini wird deutlich, dass Berninis Werke nicht nur künstlerische Höchstleistungen, sondern auch Instrumente päpstlicher Selbstdarstellung und Diplomatie waren.

 

400 Jahre Petersdom

Zeichnungen, Stiche und Modelle von Gian Lorenzo Bernini (und seinem Umkreis) laden das Publikum ein, die Rolle des Künstlers bei den bedeutenden Bauprojekten des Petersdoms zu entdecken, vom Baldachin über den Umbau des Querschiffs bis hin zum Grabmal Urbans VIII.

Baldassarre Gambucciari, Castello servito per ripulire l’ornamento della Confessione dei SS. Apostoli nel Vaticano …, Rom 1743, Tafel XXXIV und Zeremonienhammer mit dem Wappen der Barberini (Privatsammlung) & Zeremonialhammer der Barberini © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Baldassarre Gambucciari, Castello servito per ripulire l’ornamento della Confessione dei SS. Apostoli nel Vaticano …, Rom 1743, Tafel XXXIV und Zeremonienhammer mit dem Wappen der Barberini (Privatsammlung) & Zeremonialhammer der Barberini © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Baldachin vom Petersdom in der Ausstellung © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Baldachin vom Petersdom in der Ausstellung © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Der Baldachin von St. Peter – ein Monument der Macht

Berninis Baldachin von St. Peter wird in der Ausstellung in hochauflösenden Rekonstruktionen, Strukturanalysen und frühe Entwurfsstudien vorgestellt. Wenn man bisher den Baldachin als architektonisches und natürlich liturgisches Objekt betrachtet hat, hat ihn noch nicht als Symbol päpstlicher Autorität und Ausdruck der Identität der Familie Barberini wahrgenommen. Seine gedrehten Säulen, die Bronzekonstruktion und die kunstvoll geschnitzten Details veranschaulichen Berninis Fähigkeit, technische Kühnheit der Konstruktion mit reicher Symbolik zu verbinden. Am Baldachin verschmelzen Berninis vielseitige Talente als Bildhauer, Architekt und Erzähler zu einer vollkommen neuen künstlerischen Sprache.

 

Das Grabmal Urbans VIII. zwischen Realismus und Allegorie

Das Grabmal Urbans VIII. verdeutlicht das subtile Zusammenspiel von Realismus und Allegorie. Das realistische Porträt des Papstes steht im Kontrast zu allegorischen Figuren, die Tugenden guter Herrschaft verkörpern. Vorbereitende Zeichnungen offenbaren alternative Entwürfe und verworfene Motive. Sie gewähren dadurch Einblicke in konzeptionelle Auseinandersetzungen zwischen Bernini und den Beratern des Barberini-Papstes und geben Hinweise auf theologische Debatten. Diese Materialien öffnen den Blick auf die intellektuelle Arbeit, die hinter dem fertigen Monument steht. Gian Lorenzo Berninis Rolle als Denker und Entwerfer darf hochgehalten werden, wie die komplexe visuelle Synthesen zeigt, die er entwarf.

Gian Lorenzo Bernini, Elefant aus Reggio Emilia, um 1658, Terrakotta, 59,5 x 54,5 x 27 cm (Privatsammlung) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Elefant aus Reggio Emilia, um 1658, Terrakotta, 59,5 x 54,5 x 27 cm (Privatsammlung) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Palazzo Barberini, oder: Architektur als politisches Statement

Bernini war nicht nur Bildhauer, sondern auch Architekt. Vor allem seine Beiträge zum Palazzo Barberini verdeutlichen seine architektonische Vision. Architekturmodelle, Entwurfsskizzen und Dokumente veranschaulichen den kollaborativen Charakter der Architekturpraxis des 17. Jahrhunderts. Ein Palast wie der Palazzo Barberini war aber nicht nur ein Wohnhaus, sondern die Architektur diente als Ausdruck der Identität und fungiert als Medium politischer Kommunikation der Barberini. Raumaufteilung und Dekoration wurden sorgfältig strukturiert, um Autorität, Gastfreundschaft und kulturelle Raffinesse zu vermitteln. Zeremonielle Funktionen, soziale Hierarchien und ästhetische Ziele fließen in diesem Gebäude zusammen. Berninis architektonische Eingriffe offenbaren seine Meisterschaft in der Inszenierung von Raumfolgen, die das Besuchererlebnis lenken und prägen sollen. Er nutzte Licht, Proportion und Perspektive als wesentliche Werkzeuge, mit denen Bernini die Prachtentfaltung der Barberini zum Ausdruck brachte. Die sinnliche Erfahrung lässt sich deshalb nicht von der politischen Ideologie trennen.

Frühe Porträtbüsten: Charakterstudien in Marmor

Eine Büste des Kardinals Antonio Santacroce von Alessandro Algardi und daneben ein Gemälde der „Büßenden Maria Magdalena“ von Guido Reni, das dem Dargestellten gehörte, verweisen auf den großen Einfluss von Bernini und den Barberini auf die Gattung der Porträtbüste in Marmor. Während des Pontifikats von Urban VIII. nahmen Marmorporträts, die als Galeriestücke konzipiert waren, stark zu.4 Der wachsende Erfolg dieser Gattung, das Ergebnis der außergewöhnlichen Leistungen Berninis, Finellis sowie Algardis, deutet auf einen neuen Zweck und Einsatzort für diese Büsten hin. Nun waren sie nicht mehr „nur“ für Grabdenkmäler, sondern auch als Schmuck für Familienpaläste gedacht. Eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung spielte der Kardinalneffe des Papstes, Francesco Barberini, der um 1627 begann, eine Reihe von Gedenkbüsten seiner Familie für eine Porträtgalerie im Palazzo della Cancelleria (seiner Residenz) zusammenzustellen, obwohl er die Porträts lebender Personen nie in Auftrag gab.

Die gezeigten Porträtbüsten machen deutlich, dass Bernini nie bloß Abbilder schuf. Seine Werke vermitteln Hierarchien, Tugenden und gesellschaftliche Ambitionen gleichermaßen. Bereits hier experimentiert der junge Bildhauer mit der lebendigen Bewegung der Draperie, der dynamischen Drehung der Büste und einer psychologisch aufgeladenen Mimik. Diese Innovationen sollten später zum Markenzeichen seines reifen Stils werden.

Die Porträtgalerie der Barberini-Vorfahren kehrt erstmals an ihren angestammten Platz im Palazzo Barberini zurück. Die Marmorwerke von Gian Lorenzo Bernini, Giuliano Finelli (1601–1653, ehemaliger Mitarbeiter Berninis) und Francesco Mochi (1580–1654), die sich derzeit in zahlreichen Sammlungen befinden, werden hier prominent präsentiert. Besonderes Augenmerk gilt den Bildern und dem Andenken an Urban VIII. Auch Bernini selbst, der Maler, ist vertreten – mit erstmals ausgestellten Gemälden. Die Ausstellung überrascht mit der Erkenntnis: Berninis monumentale Werke haben ihre Wurzeln im intimen Genre des Porträts.

Gian Lorenzo Bernini, Papst Paul V, 1621, flankiert von den Bronzebüsten aus der Ny Carlsberg Glyptotek, 1621–1622 (rechts), und der Büste von Papst Gregor XV, 1621–1622, aus dem Musée © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Papst Paul V, 1621, flankiert von den Bronzebüsten aus der Ny Carlsberg Glyptotek, 1621–1622 (rechts), und der Büste von Papst Gregor XV, 1621–1622, aus dem Musée © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Gian Lorenzo Bernini, Büsten von Urban VIII. (Rom, Privat, Spoleto, Paris, Privat) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Büsten von Urban VIII. (Rom, Privat, Spoleto, Paris, Privat) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Francesco Mochi, Reiterstatue von Carlo Barberini, um 1630, Bronze, Nussbaumholz, 58 x 53 x 28 cm (H 91 cm mit Sockel) (Gallerie Nazionali di Arte Antica, Palazzo Barberini, Rom, Inv.-Nr. 4689) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Francesco Mochi, Reiterstatue von Carlo Barberini, um 1630, Bronze, Nussbaumholz, 58 x 53 x 28 cm (H 91 cm mit Sockel) (Gallerie Nazionali di Arte Antica, Palazzo Barberini, Rom, Inv.-Nr. 4689) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Ein Vermächtnis für Europa: die nachhaltige Wirkung der Barberini-Bernini-Allianz

Doch dem Künstler waren päpstliche Grenzen gesetzt: Als Papst Urban VIII. entdeckte, dass Bernini ohne seine Genehmigung die Büste eines Engländers schuf, entsandte er seinen Neffen, Kardinal Francesco Barberini, um den Künstler anzuweisen, die Arbeit sofort einzustellen.5 Bernini selbst berichtete 1638 in einem Gespräch mit dem britischen Bildhauer Nicholas Stone dem Jüngeren (1586–1647) von diesem Vorfall.6 Der Papst hielt das Vorhaben für unangebracht und befürchtete, es könnte die außerordentliche Großzügigkeit der Kirche gefährden, die Bernini mit der Anfertigung der Büste von König Karl I. von England bewiesen hatte. Dennoch wurde die Büste von Thomas Baker fertiggestellt und ist Berninis einziges erhaltenes Werk, das zu seinen Lebzeiten nach Großbritannien gelangte, da die Büste von Karl I. 1698 beim Brand des Whitehall-Palastes zerstört wurde.

Mit dem Tod Urbans VIII. 1644 endete die Zusammenarbeit zwischen dem Papst und seinem Lieblingskünstler. Berninis Einfluss endete jedoch keineswegs mit dem Tod seines wichtigen Gönners, sondern wirkte durch die Weitergabe seiner Stilprinzipien über Generationen hinweg fort. Maler, Bildhauer, Architekten und Theoretiker nutzten Berninis Werke als Maßstab künstlerischer Exzellenz. Die Ausstellung bettet dieses Vermächtnis in einen breiteren kulturellen Kontext ein und zeigt, wie Berninis Leistungen die europäische Ästhetik bis in die Moderne prägten.

 

Berninis Werkstatt und die Verbreitung seines Stils

Berninis Werkstatt erweist sich als zentraler Ort des künstlerischen Erbes. Anhand von Zeichnungen, Gemeinschaftsarbeiten und pädagogischen Notizen zeigt die Ausstellung, wie Berninis wichtigste Methoden – seine Betonung der Gestik, seine lebhaften Erzählungen, sein fließender Umgang mit verschiedenen Medien – von nachfolgenden Generationen aufgenommen und neu interpretiert wurden. Die Werkstatt fungierte sowohl als Bildungsstätte als auch als kreatives Labor und sicherte so das Überleben und die Weiterentwicklung von Berninis Vermächtnis in ganz Europa.

Kuratiert von Andrea Bacchi und Maurizia Cicconi.

Gian Lorenzo Bernini, Selbstporträts, die Büsten von Thomas Baker und Costanza Piccolomini Bonarelli, Porträt von Urban VIII. © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Selbstporträts, die Büsten von Thomas Baker und Costanza Piccolomini Bonarelli, Porträt von Urban VIII. © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Gian Lorenzo Bernini, Büste von Thomas Baker, um 1637–1638, Marmor, 82,55 x 70 x 36 cm (Höhe 87 cm mit Sockel) (London, Victoria and Albert Museum, A.63-1921) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli
Gian Lorenzo Bernini, Büste von Thomas Baker, um 1637–1638, Marmor, 82,55 x 70 x 36 cm (Höhe 87 cm mit Sockel) (London, Victoria and Albert Museum, A.63-1921) © Installationsaufnahme „Bernini und die Barberini“ im Palazzo Barberini 2026, Foto: Alberto Novelli

Bilder

  • Gian Lorenzo Bernini, Knabe mit einem Drachen, 1616 (Getty Museum, Los Angeles)
  • Giovanni Lorenzo Bernini, Heiliger Sebastian, Detail, 1616-1617, Marmor (Privatsammlung, Leihe an das Thyssen Bornemisza Museum, Madrid)
  • Gian Lorenzo Bernini, Büste von Papst Paul V, 1621, Marmor (The J. Paul Getty Museum, Los Angeles)
  • Gian Lorenzo Bernini, Porträt von Costanza Bonarelli, 1637–1638, Marmor (Florenz, Museo Nazionale del Bargello)

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  • Porträt der japanisch-amerikanischen Künstlerin Ruth Asawa, wie sie inmitten mehrerer ihrer aus Drahtschlingen gefertigten Skulpturen auf dem Boden kniet, November 1954, Detail, Foto: Nat Farbman/The LIFE Picture Collection/Shutterstock, Artwork © 2025 Ruth Asawa Lanier, Inc., Courtesy David Zwirner
    Riehen b. Basel | Fondation Beyeler: Ruth Asawa
    20. Februar 2026
  • Baden-Baden | Museum Frieder Burda: Simon Hantaï. Entfaltung der Farbe
    17. Februar 2026
  • Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband, Detail, 1940 (Nickolas Muray Collection, Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin) Foto: © Nickolas Muray Collection, Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin, Werk: © Banco de México, Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust, México, D.F./VBK, Wien, 2010.
    London | Tate Modern: Frida Kahlo 2026
    15. Februar 2026
  • Arnold Böcklin, Die Toteninsel, 1883, Öl auf Holz, 80 x 150 cm (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger)
    Berin | Alte Nationalgalerie: Böcklin. Maler – Mythos
    8. Februar 2026
  • Rembrandt van Rijn, Hl. Hieronymus lesend in einer italienischen Landschaft, Detail, um 1653, Kupferstich und Kaltnadel, auf Japanpapier, 25,9 x 21 cm (erworben von der J. Pierpont Morgan 1905, The Morgan Library & Museum (RvR 165)
    New York | The Morgan: Rembrandts Löwen. Kunst und Exil in den Niederlanden
    31. Januar 2026
  • Albrecht Dürer, Elsbeth Tucher, Detail, 1499, Öl auf Lindenholz, 29,1 x 23,3 cm (Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel)
    Kassel | Schloss Wilhelmshöhe: DÜRER für hessische Fürsten
    25. Januar 2026
  • Jan van Eyck, Giovanni (?) Arnolfini und seine Ehefrau, Die Arnolfini Hochzeit, 1434 (© National Gallery, London)
    London | National Gallery: Van Eyck: Die Porträts
    22. Januar 2026
  • Wien | Albertina Modern: Franz West
    15. Januar 2026
  • Alexandra Exter, Skizze für das Theaterstück "Salome", Detail, 1917, 52 × 35 cm, Gouache auf Papier (ALBERTINA, Wien – Privatsammlung)
    Wien | Albertina: Künstlerinnen der ALBERTINA
    14. Januar 2026
  • Pablo Picasso, Buste de femme, Detail, 1940, 64 × 46 cm, Öl auf Papier auf Leinwand (Museum Berggruen, Berlin © Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026, Foto: bpk)
    Wien | Albertina: Picasso – Bacon
    14. Januar 2026
  • Albrecht Dürer, Feldhase, Kopf, 1502 (© Albertina, Wien)
    Wien | Albertina: 250 Jahre Albertina
    14. Januar 2026
  • Erika Giovanna Klien, Diving Bird, 1939, Öl/Lw, 111 × 96 cm (Österreichische Galerie Belvedere, Wien)
    Wien | Belvedere: Erika Giovanna Klien
    31. Dezember 2025
  • Trude Fleischmann, Gertrud Falke, um 1927 © Leopold Museum, Wien | Foto: Leopold Museum, Wien
    Wien | Leopold Museum: Fotografie der 1920er und 1930 Jahre
    26. Dezember 2025
  • Max Oppenheimer, Die Schachpartie, 1925-30, Öl auf Leinwand, 55,2 × 78,2 cm (Oesterreichische Nationalbank, Foto Sammlung Oesterreichische Nationalbank)
    Wien | Leopold Museum: Kunst der Oesterreichischen Nationalbank
    26. Dezember 2025
  • Herbert Boeckl, Gruppe am Waldrand, Detail, 1920 (© Leopold Museum, Wien)
    Wien | Leopold Museum: Boeckl & Josephsohn
    22. Dezember 2025
  • Amsterdam | Rijksmuseum: Willem de Kooning
    17. Dezember 2025
  • Oskar Kokoschka, Olda Palkovskà, Detail, 1937, Öl auf Leinwand, 90 × 67 cm (Fondation Oskar Kokoschka, Vevey, Inv.-Nr. 70) © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien 2026
    Salzburg | Museum der Moderne Altstadt (Rupertinum): Kokoschkas Hintergründe
    17. Dezember 2025
  • Charlotte Perriand im Refuge Bivouac, 1937, © Archives Charlotte Perriand.
    Salzburg | Museum der Moderne Mönchsberg: Charlotte Perriand
    17. Dezember 2025
  • MuseumsQuartier Wien © MuseumsQuartier Wien, Foto: Roland Töffel
    Wien | MQ Freiraum: Vision und Wiederstand – Wie das MQ die Stadt Wien veränderte
    16. Dezember 2025
  • Linz | LENTOS: Max Pechstein
    16. Dezember 2025
  • Jiří Kolář, Das ausruhende Nationaltheater, 1960 (Lentos Kunstmuseum Linz, Bildrecht, Wien 2026)
    Linz | LENTOS: 200 Jahre Fotografie
    16. Dezember 2025
  • Wien | Wien Museum: Schiele & Peschka
    15. Dezember 2025
  • Marina Abramović, Pietà (Anima Mundi), Detail, 1983–2002, C-print, 183 × 183 × 5.5 cm
    Venedig | Gallerie dell’Accademia: Marina Abramović
    15. Dezember 2025
  • André Derain, Brücke über den Riou, 1906 (MoMA)
    Paris | Musée Bourdelle: André Derain
    13. Dezember 2025
  • Kurt Schwitters, Ausgerenkte Kräfte, 1920/möglicherweise 1938, Detail, Collage und Assemblage mit Fragmenten aus Stoff, Druckerzeugnissen, Pappe, Holz und Metall sowie Öl auf Karton in eigenhändigem Holzrahmen 105,5 x 86,7 x 9 cm (mit Kasten) (Kunstmuseum Bern, Schenkung Professor Dr. Max Huggler, 1966 © Kunstmuseum Bern)
    Paris | Musée Picasso: Kurt Schwitters
    10. Dezember 2025
  • Richard Prince, Untitled (cowboy), 1999, Ektacolor photograph, edition of 3, 154.9 x 82.6 cm
    Wien | Albertina: Richard Prince
    9. Dezember 2025
  • Winfred Gaul, Autobahn II,1965 (Stiftung Sammlung Kemp, Kunstpalast, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn; Foto: Kunstpalast – LVR-ZMB – Annette Hiller)
    Düsseldorf | Kunstpalast: Winfred Gaul
    9. Dezember 2025
  • Jörg Immendorff, Landschaft, die ich brauche, Öl auf Leinwand, 220 x 270 cm (Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Kunstpalast, Düsseldorf – LVR-ZMB – Stefan Arendt, © Nachlass Jörg Immendorff)
    Düsseldorf | Kunstpalast: Jörg Immendorff
    9. Dezember 2025
  • Niki de Saint Phalle, I am the Nana Dream House, 1967, Druck © Niki Charitable Art Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2025
    Düsseldorf | Kunstpalast: Niki de Saint Phalle. Dream Machine
    8. Dezember 2025
  • Elmgreen & Dragset, The Visitor mit Stillleben mit Gemüse, The Visitor, 2025, Bronze, Lack, 178 x 61 x 33,5 cm; Cornelis de Heem, Stillleben mit Gemüse und Früchten vor einer Gartenbalustrade, 1658, Öl auf Kupfer, 69,8 x 87,1 cm (Städel Museum, Frankfurt a.M., Foto: Studio Elmgreen & Dragset)
    Frankfurt | Städel Museum: Elmgreen & Dragset. Stillleben mit Gemüse
    8. Dezember 2025
  • Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel d.Ä., Geduld (Patientia), Detail, 1557, Kupferstich (Kupferstichkabinett, Städel Museum, Frankfurt a.M.)
    Frankfurt | Städel Museum: Bruegel. Druckgrafiken
    8. Dezember 2025
  • Dora Maar, Mannequin mit Dauerwelle, 1935, Silbergelatine-Azug auf Barytpapier auf Karton, 23,4 x 17,7, cm (Städel Museum, Frankfurt a.M., Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026)
    Frankfurt | Städel Museum: SurFace. Über Haut
    8. Dezember 2025
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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