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Alfred Kubin: Biografie Lebenslauf und Chronologie zum österreichischen Zeichner und Druckgrafiker

Kurzbiografie und Lebenslauf des österreichischen Grafikers Alfred Kubin: Autodidakt in München, berühmtes Frühwerk, Roman, Blauer Reiter, Mappenwerke, Biennale und Staatspreis.

Der österreichische Grafiker Alfred Kubin (1877–1959) ist bekannt für seine düster-skurrilen Fantasien und einfallsreiche Buchillustrationen. Mit „Die Andere Seite“ (1909) verfasste der 1877 in Leitmeritz (heute: Litoměřice) Kubin einen phantastischen Roman, der ihn auch unter den Literaten seiner Zeit berühmt machte.

 

Kindheit und Jugend

Kindheit und Jugend von Alfred Kubin waren von traumatischen Erfahrungen wie Tod und Verlustgeprägt. Es starben seine Mutter an Schwindsucht (1887), seine Tante und Stiefmutter im Kindbett (1888) und seine erste Freundin Emy an Typhus (1903). Nach wenig erfolgreicher Schulausbildung sollte er bei seinem Onkel Alois Beer in Klagenfurt eine Fotografenlehre abschließen, was misslang. Nach einem Selbstmordversuch am Grab seiner Mutter wurde Alfred Kubin trotz seiner schwachen Konstitution im Januar 1897 in die Armee aufgenommen. Da er bald darauf eine schwere Nervenkrise durchlebte, musste er im Februar und März wurde er in der Nervenheilabteilung des Garnisonsspitals Graz behandelt werden. Danach kehrte er in das Haus seines Vaters in Zell am See zurück.

 

Ausbildung und „Erweckungserlebnis“

Alfred Kubin darf – wie viele seiner Zeitgenossen vom Blauen Reiter – als Autodidakt bezeichnet werden. Er übersiedelte im Frühjahr 1898 zum Studium der Kunst nach München. Dort besuchte er zunächst die private Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte und ab Mai 1899 die Zeichenklasse von Nikolaus Gysis an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Er besuchte den Unterricht nur unregelmäßig und brach das Studium bald ganz ab. Vermutlich im Herbst dieses Jahres kam es zu der entscheidenden Begegnung mit den Radierungen „Paraphrase über den Fund eines Handschuhs“ des berühmten Malers und Graphikers Max Klinger, die bei Kubin einen „Sturz von Visionen schwarz-weißer Bilder“ auslösten und zur eigenen Ausdruckswelt seines alptraumhaft-phantastischen Frühwerks führten. Der erste Schaffensrausch hielt bis 1903 an.

 

„Auf dem Grund der Dinge ist alles Phantasie. Der Künstler ist nur eine Ausstrahlung unter unzähligen der göttlichen Einbildungskraft; je phantasievoller sein Werk ist, umso gewaltiger die Stelle, die sein Name in der Welt einnimmt“1 (Alfred Kubin, Bekenntnis, 1924)

 

Kubins berühmtes Frühwerk

1900 entwickelte Alfred Kubin eine spezielle Technik der sorgfältig gespritzten und lavierten, sorgfältig ausgearbeiteten Tuschfederzeichnung. Bis 1904 entstanden hunderte Bllätter von Kubins berühmtem Frühwerk. Meist konzentrierte er sich auch wenige, eindrucksvolle Symbolfiguren in einem diffus-leeren Raum. Kubin zeigt Visionen sexueller Angst- und Zwangsvorstellungen, Folter, Qual, Übermacht und Ausgeliefertsein, Selbstmord und Krankheit. Seine Blätter wirken wie Einblicke in die geheimen Triebe und Ängste der modernen Seele, die gleichzeitig von Sigmund Freud entdeckt und analysiert wurden. Die schonungslose Offenheit und sein Arbeiten jenseits traditioneller Ikonografie machten die Bilder bald zu Skandalobjekten, die gleichermaßen Aufmerksamkeit und Empörung erweckten. Vor allem in Münchner Künstlerkreisen zählte Alfred Kubin daher bald zu den bekanntesten Protagonisten.

Zu seinen wichtigsten Bekanntschaften und Freunden zählten die Literaten von München, wie Max Halbe, Frank Wedekind und Eduard Graf von Keyerling. Erster wichtiger Sammler und Unterstützer von Alfred Kubin wurde der Sammler und Bonvivant Hans von Weber, den er im Herbst 1901 kennenlernte. Der Münchner Verleger Weber entschloss sich, eine Mappe mit Faksimiledrucken nach Zeichnungen Kubins herauszugeben, der sogenannten „Weber“-Mappe (1903). Dadurch war Kubins anrüchiger Ruhm im deutschsprachigen Raum etabliert. Seine erste Einzelausstellung hatte Alfred Kubin zwischen Ende Dezember 1901 und Januar 1902 in der renommierten Galerie Paul Cassirer in Berlin. Mit seinen vom Symbolismus beeinflussten Zeichnungen erregte er einiges Aufsehen in der Presse und Öffentlichkeit.

Auf der Frühjahrsausstellung der Wiener Secession 1903 war Kubin mit zwölf Werken vertreten. Die Secessionisten nahmen den in München sozialisierten Zeichner freundlich in ihren Reihen auf, besonders aber Fritz von Herzmanovsky-Orlando erwies sich in den folgenden Jahrzehnten als lebenslanger Freund. Im September reisten Kubin und Herzmanovsky-Orlando erstmals nach Dalmatien (heute: Serbien).  Im gleichen Jahr machte Kubin die Bekanntschaft des Schriftstellers Oscar A. H. Schmitz, seinem späteren Schwager. Durch Schmitz bekam er Kontakt mit dem Schwabinger Kreis um Karl Wolfskehl, Stefan George, Ludwig Klages, Alfred Schuler und Franziska von Reventlow. 1904 lernte Kubin Schmitz‘ Schwester kennen. Die drei Jahre ältere Witwe war erst kurz zuvor mit ihrem kleinen Sohn von Frankfurt nach München übergesiedelt. Innerhalb weniger Wochen beschlossen Kubin und sie zu heiraten, er zog in ihre geräumige Wohnung am Englischen Garten. Das junge Glück hielt allerdings nicht lange an, denn Hedwig erkrankte im Dezember an einer schmerzhaften Gesichtsneurose (Trigeminus-Neuralgie), die der Beginn einer fast ununterbrochenen Folge von Krankheiten und einer über 20-jährigen Morphium-Abhängigkeit wurde.

 

Kleisterbilder und „Perle“

Ab 1905 erlebte Alfred Kubin eine längere Schaffenskrise, die erst mit den Kleisterbildern und der Niederschrift seines Romans „Die Andere Seite“ abgeschlossen war. Auslöser für die fehlende Inspiration sah Kubin selbst rückblickend in dem geregelten Leben in „geschlechtlicher Hinsicht“. Das Ausbleiben seiner bisherigen bildnerischen Antriebe stürzten ihn in eine tiefe Krise.

Kubin fuhr im Frühjahr 1905 nach Wien, um auf neue Ideen zu kommen. Hier traf er mit Künstlern der Wiener Secession zusammen und erhielt insbesondere durch Koloman "Kolo" Moser Anregungen, als dieser ihn in die Technik der Kleistermalerei einführte. Im Juni 1905 stellte Alfred Kubin bereits neue Kleisterfarbenbilder in München aus, die, stilistisch und motivisch völlig anders als seine bisherigen Zeichnungen, nur mäßigen Erfolg hatten. Bis 1908 malte Alfred Kubin mit gedämpften, matten Temperafarben exotisch wirkende Kompositionen, denen die Auseinandersetzung mit der Schule von Gauguin und der Nabis deutlich anzusehen ist. Vermittelt wurden ihm deren Technik und Konzepte über den „Malermönch“ Willibrod Verkade, den Kubin bei seinen Besuchen in München traf.

Nachdem Alfred Kubin im Januar 1904 den greisen Odilon Redon in seinem Pariser Atelier besucht hatte, kauften er und Hedwig das kleine Landgut Zwickledt, genannt Schloss Zwickledt in Oberösterreich. Das Paar übersiedelte im Oktober 1904 in die ländliche Region, weshalb Alfred Kubin mit seinen Kollegen und Freunden in Briefkontakt bleiben musste.

 

„Die Andere Seite“

Die Hinwendung Alfred Kubins zur Literatur ist spätestens 1907 zu beobachten, als er sich mit ersten Projekten zu Buchillustrationen, darunter mit Illustrationen zu Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“ und zu einem ersten Novellenband von Edgar Allan Poe, beschäftigte. Der Tod seines Vaters in Schärding (2.11.1907) traf Kubin zutiefst und löste eine weitere schwere Depression aus. Diese Krise überwand er erst 1908, als es innerhalb von acht Wochen seinen Roman „Die Andere Seite“ niederschrieb, in weiteren vier Wochen schuf er dazu Illustrationen. Im Mai 1909 erschien das Buch im Georg Müller Verlag in München und wurde begeistert – von Thomas Mann, Stefan Zweig bis zu Wasily Kandinsky – aufgenommen. Seit dem Erscheinen seines illustrierten Romans „Die Andere Seite“ erhielt Kubin zahlreiche Illustrationsaufträge, für die restlichen Jahrzehnte seines Schaffens bildete seine Tätigkeit als Buchillustrator einen Schwerpunkt.

 

Mappenwerke: Sansara, Sema

Die neue Richtung in Kubins Kunst ist von feinlinigen Federzeichnungen charakterisiert. Er gab die Arbeit mit dem Spritzgitter auf und zog flüssige Linien, die in dichten Überlagerungen Figuren ausbilden. Die Motive findet er nun in „traumhaft“-realistischen Szenen. 40 dieser Blätter reproduzierte der Verleger Georg Müller in der sogenannten „Sansara“-Mappe (1911). Eingeleitet werden sie von der ersten umfangreichen Selbstbilgrafie des nunmehr 33-jährigen Künstlers.

Anfang des Jahres 1911 war es auf Kubins Initiative zum ersten persönlichen Kontakt zu Paul Klee gekommen – damit begann ein besonders für Kubin bedeutsamer künstlerischer Austausch, der bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. Klee lud Kubin im Frühjahr 1912 ein, sich an einer Mappe der neu gegründeten Münchner Künstlergruppe Sema zu beteiligen (auch: Egon Schiele). Er schuf dafür seine erste Lithographie, die der Beginn von Kubins lithographischem Schaffen wurde. Im Juni besuchte ihn Paul Klee in Zwickledt und zeigte ihm hier seine Illustrationen zu Voltaires „Candide“, die für einige Jahre auf Kubin einen starken Einfluss ausübten.

Im September 1913 war Alfred Kubin mit der beachtlichen Anzahl von 19 Zeichnungen am Ersten Deutschen Herbstsalon in Herwarth Waldens Sturm-Galerie beteiligt, der wichtigsten Galeristenausstellung der internationalen Avantgarde in Europa vor dem Ersten Weltkrieg. Das belegt, dass auch der reife Kubin vor dem Ersten Weltkrieg an seine frühen Erfolge anschließen konnte.

 

Kubin und der Blaue Reiter

Bereits im Januar 1904 war Alfred Kubin als Gast auf der neunten Ausstellung der Phalanx vertreten. Die von Wassily Kandinsky geleitete Künstlervereinigung präsentierte über 30 Blättern, daneben wurde unter anderem ein größeres Konvolut des Zeichners John Jack Vrieslander gezeigt.

Ende des Jahres 1909 trat Kubin auf Drängen Alexej von Jawlenskys in die von diesem und Kandinsky neu gegründete Neue Künstlervereinigung München (NKVM) ein. Im Dezember stellte er auf der ersten Ausstellung der Vereinigung in der Galerie Thannhauser in München acht Temperablätter und acht Zeichnungen aus, gefolgt von der zweiten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München im September 1910. Hier waren neben Kubin bereits die wichtigsten Protagonisten des zukünftigen Blauen Reiter vertreten: Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Erbslöh, Alexander Kanoldt, Bossi, Bechtejeff, Kahler.

Am 2. Dezember 1911 forderten Kandinsky, Franz Marc und Münter nach ihrem Bruch mit der Neuen Künstlervereinigung München Kubin auf, mit ihnen gemeinsam auszutreten und sich dem Blauen Reiter anzuschließen. Kubin folgte dieser Bitte als externes Mitglied von Zwickledt aus. Drei Reproduktionen Kubins sind im Almanach des Blauen Reiter zu finden.

Auf der ersten Ausstellung des Blauen Reiter in der Münchner Galerie Thannhauser (18.12.1911–3.1.1912) war er jedoch nicht vertreten, weil fast ausschließlich Gemälde gezeigt wurden. Dafür stellte Alfred Kubin auf der zweiten Ausstellung des Blauen Reiter „Schwarz-Weiß“ die recht hohe Anzahl von 17 Zeichnungen aus (Februar 1912), darunter Orizinalzeichnungen der Sansara-Mappe. Sie fand in der Münchner Kunsthandlung Hans Goltz statt.

Im Frühjahr 1913 hatte Kubin eine große Einzelausstellung in der Galerie Thannhauser in München. Franz Marc machte ihm den Vorschlag, sich gemeinsam mit ihm, Kandinsky, Klee, Erich Heckel und Oskar Kokoschka an einer illustrierten Bibelausgabe zu beteiligen. Kubin übernahm das Buch Daniel und stellte als Einziger seinen Teil vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 fertig; 1918 gab er seine Illustrationen in einem eigenen Band, „Der Prophet Daniel“, heraus.

 

Alfred Kubin im Ersten Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914–1918) zerstreute Kubins großen Münchner Freundeskreis, darunter auch die Künstler des Blauen Reiter, in alle Winde. Kubin wurde mehrfach gemustert, doch jedes Mal wieder zurückgestellt. IM Frühjahr 1915 nahm Alfred Kubin Kontakt mit dem Philosophen Salomo Friedlaender (Mynona) auf. Dessen Philosophie der Schöpferischen Indifferenz wurde für Kubin zu einer Leitlinie seiner weiteren Entwicklung und Hilfe bei der Stabilisierung seiner seit frühen Jahren empfundenen inneren Zerrissenheit. Ausgelöst durch die Nachricht des Kriegstods von Franz Marc, kam es zu einer Entladung der lang aufgestauten Spannungen in Kubins sogenannter buddhistischen Krise (März 1916). Der Ausgleich der Gegensätze wurde für den österreichischen Künstler zum bestimmenden Thema des nächsten Jahrzehnts. Das Kriegsende und den Zerfall der österreichischen Donau-Monarchie erlebte Kubin allein in Zwickledt, seine Frau Hedwig war zur Behandlung ihres Nervenleidens und ihrer Opium-Sucht in einem deutschen Sanatorium.

 

Illustrationen und Mappenwerke

Nach Ende des Ersten Weltkriegs knüpfte Alfred Kubin 1919 wieder Kontakte zur Münchner Kunstszene und widmete sich intensiv Aufträgen zu Buchillustrationen. Daneben begann er zunehmend autobiographische Texte oder Artikel zu schreiben, die teilweise in seinem Sammelband „Von verschiedenen Ebenen“ (1922) wieder abgedruckt wurden. Er beschäftigte sich mit der Sammlung des Leiters der Psychiatrischen Klinik in Heidelberg, Hans Prinzhorn, zur Kunst der „Geisteskranken“ (1922).

In großen Retrospektiven wurde Kubins Werk präsentiert, mit jenem von Paul Klee verglichen und geehrt (Galerie Goltz, München, Februar 1921; Bildband „Dämonen und Nachtgesichte“, 1926; Neue Pinakothek, München, 1927; Galerie Günther Francke, München, Dezember 1930; Neue Galerie von Otto Kallir-Nirenstein, Wien, Frühjahr 1931; Hamburg, 1931; Bauhaus, Dessau, Juni 1932; Graphische Sammlung Albertina, Wien, 1937). Auf Mappenwerke wie „Traumland I und II“ (1922) oder „Filigrane und Rauhnacht“ (1923–1926) folgten noch weitere. Zunehmend nahm er Motive aus der regionalen Märchen- und Sagenwelt des Böhmerwaldes in seine Arbeiten auf.

 

Kubin im NS-Staat

Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im benachbarten Deutschland 1933 erfuhr Kubin zunächst als praktische Einschränkung – Auftragseinbußen, Grenz- und Geldschwierigkeiten, Sorge um seine halbjüdische Frau Hedwig. Er verhielt sich dem Regime gegenüber distanziert. Er beschäftigte sich weiter mit Illustrationsentwürfen und Mappenwerken, vieles fand durch die Verfolgungen der Nationalsozialisten allerdings keinen Verleger mehr und wurde vorerst nicht publiziert.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 befand sich Alfred Kubin im Böhmerwald, aus dem er überstürzt nach Zwickledt zurückkehrte. 1941 erschien trotz Schwierigkeiten sein reich illustrierter Band „Abenteuer einer Zeichenfeder“ in einem deutschen Verlag. Die Kriegsjahre verbrachte Kubin zurückgezogen in Zwickledt, mit der Außenwelt durch eine umfangreiche Korrespondenz verbunden. Das Kriegsende erlebte der Grafiker in seinem Haus, während sich in der Umgebung die amerikanischen Truppen mit den besiegten Deutschen noch einige Scharmützel lieferten, seine Frau Hedwig lag erneut im Krankenhaus in Schärding. Sie starb im Sommer 1948.

 

Letztes Jahrzehnt

Zwischen 1946 und 1957 wurde Alfred Kubin mit neuen Buchillustrationsaufträgen bedacht, unter anderem zu Werken von Ernst Jünger und Georg Trakl. Vermehrt begannen sich Galeristen wie Friedrich Welz aus Salzburg oder Wolfgang Gurlitt aus Linz für Kubin zu interessieren.

Zu den wichtigsten Ehrungen zählten, dass Alfred Kubin 1950 und 1952 auf der Biennale in Venedig vertreten war. 1951 wurde ihm in Wien der Große österreichische Staatspreis für Literatur, Musik, bildende Kunst und Architektur verliehen. Zu seinem 80. Geburtstag fanden 1957 eine Reihe von Ausstellungen statt, unter anderem im Lenbachhaus München und in der Galerie St. Etienne in New York.

Bis zu seinem Tod beschäftigte sich Alfred Kubin mit Handzeichnungen. Am 20. August 1959 starb der Künstler nach achtmonatigem Krankenlager in seinem Haus in Zwickledt. Kubin vermachte seinen künstlerischen Nachlass zu gleichen Teilen der Albertina in Wien und dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. Wohnhaus und Bibliothek in Zwickledt gingen ebenfalls an den österreichischen Staat und wurden 1962 in die Gedenkstätte Kubin-Haus Zwickledt umgewandelt.

 

Ehefrau

  • Hedwig

 

Kinder

  • Keine

 

Weitere Beiträge zu Alfred Kubin

 

Biografie von Alfred Kubin (1877–1959)

  • 10. April 1877

    Am 10. April 1877 wurde Alfred Leopold Isidor Kubin als ältestes Kind des Obergeometers Friedrich Franz Kubin (1848-1907) in Leitmeritz in Nordböhmen geboren, das damals zu Österreich gehörte. Seine Mutter Johanna Jenny (geborene Kletzl, 1847-1887) war die Tochter eines Stabsarztes aus Leitmeritz un d Pianistin.
  • 1879–1883

    Umzug der Familie in die österreichischen Kernlande, nach Salzburg. Nach zweijähriger Tätgkeit als Geometer in Dalmatien kehrte der Vater erstmals zur Familie zurück und lernte seinen Sohn kennen.
  • 1883

    Umzug der Familie in das dörfliche Zell am See im Salzburger Land, wo Kubin seine Volksschuljahre verbrachte.
  • 1887

    Tod der Mutter an Schwindsucht (Tuberkulose). Alfred Kubin war erst zehn Jahre alt. Im September desselben Jahres heiratete sein Vater die Schwester der Mutter.
  • 1888

    Tod der Stiefmutter bei der Geburt der jüngsten Halbschwester Kubins, Rosalie, im Kindbett.
  • 1888–1890

    Alfred Kubin besuchte zwei Jahre lang das Gymnasium in Salzburg mit nur mäßigem Erfolg, ohne Abschluss musste er an die Gemeindeschule in Zell am See zurückkehren.
  • 1891/92

    Der Vater heiratete ein drittes Mal, Irene Kühnel, und gab den 14-jährigen Sohn für eine kunstgewerbliche Ausbildung an die Staatsgewerbeschule in Salzburg. Das Abschlusszeugnis stellte ihm fast nur unbefriedigende Noten aus. Alfred Kubin musste die Staatsgewerbeschule verlassen.
  • 1892–1896

    Als letzten Versuch, seinem Sohn eine Ausbildung zu verschaffen, schickte ihn der Vater nach Klagenfurt, wo er eine Fotografenlehre bei seinem Onkel Alois Beer absolvierte.
  • 1896

    Geprägt von anhaltender Adoleszenzkrise überwarf sich Kubin im vierten Lehrjahr mit seinem Vorgesetzten und fuhr im Oktober an das Grab seiner Mutter in Zell am See, um sich dort zu erschießen. Der Selbstmordversuch scheiterte kläglich, sein Vater schickte ihn zurück zum Onkel nach Klagenfurt, doch dieser entließ ihn fristlos. Alfred Kubin bemühte sich anschließend, als Freiwilliger in die Armee aufgenommen zu werden und wohnte vorübergehend bei Verwandten in der Steiermark.
  • 1897

    Im Januar wurde Alfred Kubin trotz Bedenken wegen seiner schwachen körperlichen Konstitution in die Armee aufgenommen und trat seinen Dienst in Laibach an. Doch bereits nach drei Wochen erlitt er eine schwere Nervenkrise. Im Februar und März wurde er in der Nervenheilabteilung des Garnisonsspitals Graz behandelt und im April wieder entlassen. Sein Vater nahm ihn wieder zu Hause in Zell am See auf.
  • 1898

    Im Frühjahr ging Kubin, auf den Rat eines Freundes der Familie und ausgestattet mit einer kleinen Erbschaft der Großeltern, zum Studium der Kunst nach München. Er besuchte zunächst die private Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte, in dessen viel besuchtem Unterricht er die ersten Kontakte zu anderen jungen Künstlern knüpfte.
  • 1899

    Im Mai wurde Alfred Kubin an der Münchner Akademie der Bildenden Künste in die Zeichenklasse von Nikolaus Gysis aufgenommen. Er besuchte den Unterricht nur unregelmäßig und brach das Studium bald ganz ab. Vermutlich im Sommer oder Herbst dieses Jahres kam es zu der entscheidenden Begegnung mit den Radierungen des berühmten Malers und Graphikers Max Klinger, die bei Kubin einen „Sturz von Visionen schwarz-weißer Bilder“ auslösten und zur eigenen Ausdruckswelt seines alptraumhaft-phantastischen Frühwerks führten (bis 1903).
  • 1900

    Alfred Kubin entwickelte seine Technik der sorgfältig gespritzten und lavierten Tuschfederzeichnung in einer großen Anzahl von Blättern weiter. Er verkehrte mit Freunden, Künstler aus dem Kreis der Sturmfackel, wie Albert Weisgerber oder Gino Finetti, im Café Stefanie und Café Elite im Münchner Künstlerviertel Schwabing, wo er unter anderem die Schriftsteller Max Halbe, Frank Wedekind und Eduard Graf von Keyerling kennenlernte. Zudem hatte er Umgang mit der Kabarettbühne der Elf Scharfrichter, wo auch die Zeichner Ernst Stern und Alexander von Salzmann arbeiteten, die ein Jahr später Mitglieder der von Wassily Kandinsky gegründeten, progressiven Künstlervereinigung Phalanx werden.
  • 1901

    Auf einem Atelierfest lernte Alfred Kubin den Dichter Max Dauthendey kennen, der ihn mit weiteren Schriftstellern bekannt machte. So kam der Kunststudent in Kontakt mit Otto Julius Bierbaum und dessen neu gegründeter Jugendstil-Zeitschrift „Die Insel“.
  • Herbst 1901

    Im Herbst lernte Kubin im Café Stefanie den Sammler und Bonvivant Hans von Weber kennen. Dieser entschloss sich bereits wenige Wochen später, eine Mappe mit Faksimiledrucken nach Zeichnungen Kubins herauszugeben; die Herstellung der Hans von Weber-Mappe verzögerte sich allerdings um mehr als ein Jahr.
  • Ende Dezember 1901–Januar 1902

    Ende Dezember hatte Alfred Kubin seine erste Einzelausstellung in der renommierten Galerie Paul Cassirer in Berlin. Damit erregte er einiges Aufsehen in der Presse und Öffentlichkeit, verdiente damit allerdings kein Geld. Kritiker und Schriftsteller wie Maximilian Harden, Oscar Bie, Max Mardersteig, Karl Scheffler und Max Osborn wurden auf Kubin aufmerksam. Kubin hielt sich aus diesem Anlass selbst in Berlin auf und schloss Freundschaft mit dem Germanisten Hans von Müller, der neben Hans von Weber zum engsten Vertrauten und Briefpartner seiner frühen Jahre bis 1907 wurde.
  • 1903

    Auf der Frühjahrsausstellung der Wiener Secession ist Kubin mit zwölf Werken vertreten. Ab März hielt er sich für mehrere Wochen in Schärding am Inn auf, wohin sein Vater mit der Familie übergesiedelt war, und lernte dort seine „erste Braut“, Emmy Bayer, kennen. Die Hans von Weber-Mappe - Alfred Kubin. Fünfzehn Faksimiledrucke - erschien mit erheblicher publizistischer Werbung in München (100 signierte Exemplare als Luxus-Ausgabe auf Japan-Papier, 1.000 nicht signierte Exemplare). Kubin machte die Bekanntschaft des Schriftstellers Oscar A. H. Schmitz, seinem späteren Schwager. Durch Schmitz bekam er Kontakt mit dem Schwabinger Kreis um Karl Wolfskehl, Stefan George, Ludwig Klages und Alfred Schuler, zu dem auch Franziska von Reventlow gehörte. Im September reiste Kubin mit Fritz von Herzmanovsky-Orlando erstmals nach Dalmatien (heute: Serbien). Damit begann eine lebenslange Freundschaft mit dem österreichischen Literaten und Zeichner, die durch einen beinahe 50-jährigen Briefwechsel dokumentiert ist. Auf der Ausstellung der Wiener Secession war Kubin mit zwölf Arbeiten, bei der Berliner Secession mit 20 Werken vertreten. In Berlin lernte er Edvard Munch kennen. Am 1. Dezember starb Kubins Freundin Emmy Bayer überraschend in einer Münchner Klinik an Typhus.
  • 1904

    Im Januar war Alfred Kubin als Gast auf der neunten Ausstellung der von Kandinsky geleiteten Künstlervereinigung Phalanx mit der großen Anzahl von über 30 Blättern vertreten, daneben wurde unter anderem ein größeres Konvolut des Zeichners John Jack Vrieslander gezeigt. Im Februar lernte er auf einer Einladung bei Karl Wolfskehl Hedwig Gründler kennen, die Schwester des Schriftstellers Oscar A. H. Schmitz. Die drei Jahre ältere Witwe war erst kurz zuvor mit ihrem kleinen Sohn von Frankfurt nach München übergesiedelt. Innerhalb weniger Wochen beschlossen Kubin und sie zu heiraten, er zog in ihre geräumige Wohnung am Englischen Garten. Längere Sommerferien am Chiemsee. Hochzeit am 22. September in Schärding. Im Dezember erkrankte Hedwig erstmals an einer schmerzhaften Gesichtsneurose, die der Beginn einer fast ununterbrochenen Folge von Krankheiten und einer über 20-jährigen Morphium-Abhängigkeit wurde.
  • 1905

    Alfred Kubin erlebte eine längere Schaffenskrise und fuhr im Frühjahr nach Wien. Hier traf er mit Künstlern der Wiener Secession zusammen und erhielt insbesondere durch Koloman Moser neue Anregungen. Die Werke von Pieter Bruegel dem Älteren im KuHM beeindruckten ihn stark. Im Juni stellte er eine Anzahl der neuen Kleisterfarbenbilder in München aus, die, stilistisch und motivisch völlig anders als seine bisherigen Zeichnungen, nur mäßigen Erfolg hatten. Im Herbst unternahmen Alfred und Hedwig Kubin eine Reise nach Südfrankreich. Im November erkrankte Hedwig erneut schwer, während ihrer Klinikaufenthalte verkehrte Alfred Kubin viel mit dem Kreis um Karl Wolfskehl und Franziska von Reventlow, die sich in den Zeiten von Hedwigs Abwesenheit häufig um deren Sohn Otto Gründler kümmerte.
  • 1906

    Im Januar unternahmen Alfred und Hedwig Kubin eine dreiwöchige Reise nach Paris, Kubin besuchte hier den greisen Odilon Redon in seinem Atelier. Im Mai erwarben Alfred und Hedwig Kubin das kleine Landgut Zwickledt, genannt Schloss Zwickledt in Oberösterreich, oberhalb von Wernstein am Inn, auf das sie Kubins Vater aufmerksam gemacht hatte. Im Oktober übersiedelten sie von München in das schlichte alte Haus ohne jeden Komfort in der ländlichen Abgeschiedenheit von Zwickledt, wo sie für den Rest ihres Lebens wohnten.
  • 1907

    Alfred Kubin beschäftigte sich mit ersten Projekten zu Buchillustrationen, darunter mit Illustrationen zu Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“, der allerdings erst Jahre später ohne Kubins Zeichnungen erschien, und zu einem ersten Novellenband von Edgar Allan Poe, im Auftrag des Münchner Verlegers Georg Müller. Im Herbst reiste er für drei Wochen nach Bosnien und Dalmatien. Tod des Vaters in Schärding (2.11.). Sein Tod traf den Sohn zutiefst und löste eine weitere schwere Depression aus.
  • 1908

    Kubin war in der ländlichen Einsamkeit in Zwickledt an einem seelischen und kreativen Tiefpunkt, erst ab April begann er wieder etwas zu arbeiten. Um der lange dauernden Arbeitskrise abzuhelfen, fuhr er im Herbst mit Fritz von Herzmanovsky-Orlando nach Oberitalien und Venedig. Nach seiner Rückkehr schrieb er in einem plötzlichen Schaffensrausch innerhalb von zwölf Wochen seinen Roman „Die Andere Seite“ nieder, in weiteren vier Wochen schuf er dazu Illustrationen.
  • 1909

    Kubins phantastischer Roman „Die Andere Seite“ erschien im Mai im Georg Müller Verlag in München. Unter den Künstlern und Schriftstellern seines Umkreises, etwa Wassily Kandinsky, Franz Marc, Max Dauthendey und Thomas Mann, erfuhrt der Text eine begeisterte Aufnahme. Im September unternahm er zusammen mit Karl Wolfskehl eine Donau- und Dalmatienfahrt, die sie auch über Budapest und Wien führte. Dort lernte er den Schriftsteller Stefan Zweig persönlich kennen, zuvor hatte sich Zweig enthusiastisch über „Die Andere Seite“ geäußert. Ende des Jahres trat Kubin auf Drängen Alexej von Jawlenskys in die von diesem und Kandinsky neu gegründete Neue Künstlervereinigung München (NKVM) ein. Im Dezember stellte er auf der ersten Ausstellung der Vereinigung in der Galerie Thannhauser in München acht Temperablätter und acht Zeichnungen aus.
  • 1910

    Seit dem Erscheinen seines illustrierten Romans „Die Andere Seite“ erhielt Kubin zahlreiche Illustrationsaufträge, für die restlichen Jahrzehnte seines Schaffens bildete seine Tätigkeit als Buchillustrator einen Schwerpunkt. In den ersten Jahren illustrierte er zwei weitere Bände von Edgar Allan Poe, ferner Bücher von Otto Julius Bierbaum, Gérard de Nerval, Wilhelm Hauff, Fjodor Dostojewski sowie E.T.A. Hoffmann und wurde zum Spezialisten für die Bebilderung von „schwarzer“ Literatur. Über den Zeichner Rudolf Großmann lernte Kubin den in Berlin lebenden Lyonel Feininger kennen. Im September beteiligte sich Kubin auch an der zweiten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München mit Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin, Erbslöh, Kanoldt, Bossi, Bechtejeff, Kahler sowie weiteren Künstlern und zeigt acht Illustrationen zu Nervals „Aurelia“. Im selben Monat besuchte ihn der Verleger Georg Müller und beschloss, eine Anzahl seiner neuen Zeichnungen in der Sansara-Mappe herauszugeben, die im folgenden Jahr erschien. Anstelle eines erklärenden Textes, den Müller zu den Zeichnungen erbat, entschloss sich Kubin, eine Selbstbiographie zu schreiben.
  • 1911

    Anfang des Jahres 1911 kam es auf Kubins Initiative hin zum ersten persönlichen Kontakt zu Paul Klee – damit begann ein besonders für Kubin bedeutsamer künstlerischer Austausch, der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs anhielt. Im September, seine Frau Hedwig war erneut im Sanatorium, reiste Kubin nach Prag und traf dort unter anderem Franz Kafka, Max Brodt und Otto Pick. Am 2. Dezember forderten Kandinsky, Marc und Münter nach ihrem Bruch mit der Neuen Künstlervereinigung München Kubin auf, mit ihnen gemeinsam auszutreten und sich dem Blauen Reiter anzuschließen. Kubin kam dieser Bitte als externes Mitglied von Zwickledt aus nach. Auf der ersten Ausstellung des Blauen Reiter in der Münchner Galerie Thannhauser vom 18. Dezember bis 3. Januar 1912 war er als Zeichner jedoch nicht vertreten, weil fast ausschließlich Gemälde gezeigt wurden.
  • Februar 1912

    Alfred Kubin zeigte auf der zweiten Ausstellung des Blauen Reiter „Schwarz-Weiß“ die recht hohe Anzahl von 17 Zeichnungen. Sie fand in der Münchner Kunsthandlung Hans Goltz statt und präsentierte zahlreiche Graphiken unter anderem von Arp, Braque, Delaunay, Derain, Picasso, Kandinsky, Klee, Macke und Marc sowie Brücke-Künstler.
  • Frühjahr 1912

    Kubin beteiligte sich auf Aufforderung Paul Klees an einer Mappe der neu gegründeten Münchner Künstlergruppe Sema. Er lieferte dafür seine erste Lithographie, die der Beginn seines lithographischen Schaffens wurde. Im Juni besuchte ihn Paul Klee in Zwickledt und zeigte ihm hier seine Illustrationen zu Voltaires „Candide“, die für einige Jahre auf Kubin einen starken Einfluss ausübten.
  • 1913

    Die Freundschaft zu Lyonel Feininger vertiefte sich vorübergehend. Im Frühjahr hat Kubin seine erste große Einzelausstellung in der Galerie Thannhauser in München und stellte dort 50 Werke vor. Franz Marc machte ihm den Vorschlag, sich gemeinsam mit ihm, Kandinsky, Klee, Heckel und Kokoschka an einer illustrierten Bibelausgabe zu beteiligen. Kubin übernahm das Buch Daniel und stellte als Einziger seinen Teil vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 fertig. Kubin gab seine Illustrationen 1918 in einem eigenen Band, „Der Prophet Daniel“, heraus. Im September war er mit der beachtlichen Anzahl von 19 Zeichnungen am Ersten Deutschen Herbstsalon in Herwarth Waldens Sturm-Galerie beteiligt, der wichtigsten Galeristenausstellung der internationalen Avantgarde in Europa vor dem Ersten Weltkrieg.
  • 1914–1918

    Im Januar 1914 hielten sich Alfred und Hedwig Kubin drei Wochen in Paris auf. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zerstreute seinen großen Münchner Freundeskreis, den Blauen Reiter, in alle Winde. Alfred Kubin war davon sehr betroffen. Marc und Macke fielen in den ersten Kriegsjahren, Kubin wurde drei Mal gemustert, doch jedes Mal wieder zurückgestellt.
  • Frühjahr 1915

    Alfred Kubin nahm Kontakt mit dem Philosophen Salomo Friedlaender (Mynona) auf. Friedlaenders Philosophie der Schöpferischen Indifferenz wurde für Kubin zu einer Leitlinie seiner weiteren Entwicklung und Hilfe bei der Stabilisierung seiner seit frühen Jahren empfundenen inneren Zerrissenheit. Sein Schwager Oscar A. H. Schmitz, der sich der Psychologie des Freud-Schülers C. G. Jung anschoss, wurde in den Kriegsjahren zu einer weiteren wichtigen Bezugsperson des unter quälender Einsamkeit leidenden Kubin.
  • März 1916

    Ausgelöst durch die Nachricht des Kriegstods von Franz Marc, kam es zu einer Entladung der lang aufgestauten Spannungen in Kubins sogenannter „Buddhistischen Krise“. Der Ausgleich der Gegensätze wurde für ihn zu einem großen Thema des nächsten Jahrzehnts. Das Kriegsende und den Zerfall der österreichischen Donau-Monarchie erlebte Kubin allein in Zwickledt, seine Frau Hedwig war in einem deutschen Sanatorium.
  • 1918

    Die wirtschaftliche Lage in Kubins Haushalt in Zwickledt war durch die Nöte der Kriegszeit besonders schlecht. Es erschienen „Die Blätter mit dem Tod“ in einer „Volksausgabe“ im Verlag Bruno Cassirer in Berlin. Wurde Mitglied der Graphik-Vereinigung „Die Mappe“ in München.
  • 1919–1922

    Alfred Kubin knüpfte wieder vermehrt Kontakte zur Münchner Kunstszene der Nachkriegszeit und widmete sich intensiv Aufträgen zu Buchillustrationen. Daneben begann er zunehmend autobiographische Texte oder Artikel zu schreiben, die teilweise in seinem Sammelband „Von verschiedenen Ebenen“ (1922) wieder abgedruckt wurden.
  • Februar 1921

    Erste große Retrospektive zum Gesamtwerk Kubins der letzten 20 Jahre mit über 100 Blättern in der Münchner Galerie Goltz. D Die Presse reagierte enthusiastisch und stellte Alfred Kubin an die Seite von Paul Klee.
  • 1922

    Erster mehrwöchiger Aufenthalt in der Ortschaft Waldhäuser im Bayerischen Wald bei seinem Freund Reinhold Koeppel. Kubin besuchte die Psychiatrische Klinik in Heidelberg, wo er sich die berühmte Sammlung des Klinikleiters Hans Prinzhorn zur Kunst der Geisteskranken ansah. Sein drittes wichtiges Mappenwerk – nach der Hans von Weber-Mappe von 1903 und Sansara-Mappe von 1911 – erschien unter dem Titel „Traumland I und II“ im Fritz Gurlitt Verlag in Berlin. Im Dezember besuchte er den Verleger in der Reichshauptstadt, dessen prächtiges, im expressionistischen Stil gebautes Haus großen Eindruck auf ihn machte.
  • 1923–1926

    Der „Traumland“-Mappe folgten noch zahlreiche weitere Mappenwerke, darunter „Filigrane und Rauhnacht“. Seit einem Besuch bei dem befreundeten Maler Reinhold Koeppel im Bayerischen Wald an der Grenze zum Böhmerwald, entdeckte Kubin seine Liebe zu dieser Gegend. Fast alle weiteren Sommerferien seines Lebens verbrachte Kubin im Böhmerwald. Er knüpfte Kontakte zu dort ansässigen Künstlern und Schriftstellern, zunehmend drang die regionale Märchen- und Sagenwelt in sein Werk ein.
  • 1924

    Der junge Hamburger Apotheker Kurt Otte kam erstmals nach Zwickled. Er begann systematisch Kubin zu sammeln, insbesondere dessen veröffentlichtes Werk und stand bis zum Tod des Künstlers mit ihm in enger Verbindung. In den frühen 1920er Jahren baute Otte in enger Zusammenarbeit mit Kubin das größte Einzelarchiv (Kubin-Archiv) zu einem bildenden Künstler auf.
  • 1926

    Es erschien Alfred Kubins Bildband „Dämonen und Nachtgesichte“ mit 130 Reproduktionen und einer Fortsetzung seiner Selbstbiographie.
  • 1927–1930

    Anlässlich seines 50. Geburtstags hatte Kubin unter anderem in der Münchner Neuen Pinakothek eine Ausstellung. Im Frühjahr 1927 fuhr er in seine Geburtsstadt Leitmeritz, die er seit frühen Kindheitstagen nicht mehr gesehen hatte. Über den tiefen Eindruck dieser Wiederbegegnung schrieb er den Aufsatz „Besuch in Leitmeritz“, der 1928 im Sudetendeutschen Jahrbuch veröffentlicht wurde.
  • 1929

    Ernst Jünger schrieb 1929 in der Zeitschrift „Widerstand“ eine Rezension über Kubins Roman „Die Andere Seite“ und trat mit dem Künstler in Kontakt.
  • 1930

    Alfred Kubin wurde zum Ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin gewählt. Im Dezember fand in der Galerie Günther Francke in München Kubins bis dahin größte Ausstellung mit 250 Aquarellen, Originalzeichnungen und Lithographien der letzten 30 Jahre statt.
  • 1931–1935

    Im Frühjahr 1931 widmete die Neue Galerie von Otto Kallir-Nirenstein in Wien Kubin eine zweite, umfangreiche Kollektivausstellung. Im Dezember des Jahres fand eine Ausstellung in Hamburg statt, an deren Eröffnung Kubin teilnahm. In den Hamburger Nachrichten erschien erstmals Ernst Jüngers Aufsatz „Alfred Kubins Werk“, der später unter dem Titel „Staubdämonen“ bekannt wurde. Auf der Rückfahrt machte Kubin in Dessau Station, wo er Paul Klee besuchte, der ebenso wie Wassily Kandinsky dort als Lehrer am Bauhaus tätig war.
  • Juni 1932

    Eine Ausstellung mit Zeichnungen Alfred Kubins wurde am Bauhaus in Dessau gezeigt.
  • 1933

    Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im benachbarten Deutschland erfuhr Kubin zunächst als praktische Einschränkung – Auftragseinbußen, Grenz- und Geldschwierigkeiten, Sorge um seine halbjüdische Frau Hedwig. er verhielt sich distanziert. In diesem Jahrzehnt ist er meist mit wechselnden Freundinnen in den Sommerferien im Böhmerwald, so ab 1934 mit der österreichischen Zeichnerin Emmy Haesele.
  • 1936–1939

    Ernennung zum Professor ehrenhalber in Östereich. In zahlreichen, meist österreichischen Galerien wurde Alfred Kubin 1937 zu seinem 60. Geburtstag gewürdigt. Die Graphische Sammlung Albertina in Wien richtete ihm eine große Einzelausstellung aus. Er beschäftigte sich weiter mit Illustrationsentwürfen und Mappenwerken, vieles fand durch die Verfolgungen der Nationalsozialisten allerdings keinen Verleger mehr und wurde vorerst nicht publiziert.
  • 1939

    Der Sammelband „Vom Schreibtisch eines Zeichners“, der Kubins verstreute Schriften zusammenfasst und eine wichtige Publikation für die Rezeption seines Schaffens wurde, erschien. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 kehrte Kubin überstürzt aus dem Böhmerwald nach Zwickledt zurück.
  • 1940–1945

    Im Juni 1940 zeigte sich Kubin vom Tod seines Freundes Paul Klee tief erschüttert. 1941 erschien trotz Schwierigkeiten sein reich illustrierter Band „Abenteuer einer Zeichenfeder“ in einem deutschen Verlag. Die Kriegsjahre verbrachte Kubin zurückgezogen in Zwickledt, mit der Außenwelt durch eine umfangreiche Korrespondenz verbunden. Seine Produktivität ging stark zurück. Das Kriegsende erlebte der Grafiker in seinem Haus, während sich in der Umgebung die amerikanischen Truppen mit den besiegten Deutschen noch einige Scharmützel lieferten, seine Frau Hedwig lag erneut im Krankenhaus in Schärding.
  • 1946–1957

    Neue Buchillustrationsaufträge setzten ein, unter anderem zu Werken von Ernst Jünger und Georg Trakl. Vermehrt begannen sich Galeristen wie Friedrich Welz aus Salzburg oder Wolfgang Gurlitt aus Linz für Kubin zu interessieren. Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde Kubin 1957 zum Ehrenbürger der Stadt Linz ernannt.
  • 15. August 1948

    Tod von Hedwig Kubin (15.8.)
  • 1950–1952

    1950 und 1952 war Alfred Kubin auf der Biennale in Venedig vertreten, 1951 wurde ihm in Wien der Große österreichische Staatspreis für Literatur, Musik, bildende Kunst und Architektur verliehen.
  • 1955

    Einen seiner letzten Sommeraufenthalte verbrachte Kubin 1955 in Zell am See, dem Ort seiner Kindheit. In einer Schenkungsurkunde vermachte Alfred Kubin testamentarisch seinen gesamten künstlerischen Nachlass der Republik Österreich.
  • 1957

    Zu seinem 80. Geburtstag fanden 1957 eine Reihe von Ausstellungen statt, unter anderem im Lenbachhaus München und in der Galerie St. Etienne in New York. Er erhielt das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst überreicht.
  • 1958/59

    Bis zum Ende seiner Kräfte beschäftigte sich Alfred Kubin mit freien Handzeichnungen.
  • 20. August 1959

    Am 20. August 1959 starb der Künstler nach achtmonatigem Krankenlager in seinem Haus in Zwickledt. Er wurde auf dem Friedhof in Wernstein begraben. Kubin vermacht seinen künstlerischen Nachlass zu gleichen Teilen der Albertina in Wien und dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. Wohnhaus und Bibliothek in Zwickledt gingen ebenfalls an den österreichischen Staat und wurden 1962 in die Gedenkstätte Kubin-Haus Zwickledt umgewandelt.
  1. Zit. n. Monika Oberchristl, Gabriele Spindler (Hg.), Alfred Kubin und seine Sammlung (Ausst.-Kat. Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz, 22.10.2015–14.2.2016; Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regenburg, 1.7.–18.9.2016), Weitra 2015, S. 197.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.