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Ausstellungen im Lenbachhaus 2018 Dan Flavin, Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz

Hilma af Klint, Series WU/Rosen, Group III, No. 5, Detail (By courtesy of the Hilma af Klint Foundation, Foto: Albin Dahlström, Moderna Museet, Stockholm, Schweden)

Hilma af Klint, Series WU/Rosen, Group III, No. 5, Detail (By courtesy of the Hilma af Klint Foundation, Foto: Albin Dahlström, Moderna Museet, Stockholm, Schweden)

Noch bis zum 8. April 2018 ist die höchst erfolgreiche Präsentation „Gabriele Münter: Malen ohne Umschweife)“. Dann folgen eine Neupräsentation der Sammlung „Kunst nach 1945“ unter dem Titel „I'm a Believer. Gegenwartskunst aus dem Lenbachhaus und der KiCo Stiftung“ (ab 20.3.2018) und eine Soloshow von Stephan Dillemuth. Über den Sommer kann man in Dan Flavins Lichtinstallation „Untitled (for Ksenija)“, die der amerikanische Lichtkünstler 1994 zur Eröffnung des Kunstbaus gestaltet hat, in ebendiesem eintauchen.

Der Herbst 2018 wird dann wieder historisch, wenn „Phantastisch! Alfred Kubin und der Blaue Reiter“ (ab 16.10.2018) die Beziehung Kubins zur Münchner Künstlergruppe untersucht und die „Weltempfänger. Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz“ im Kunstbau des Lenbachhauses (ab 6.11.2018) die mystische Seite der Erfindung der Abstraktion näher unter die Lupe nimmt.

Ist der Österreicher Alfred Kubin, der seine künstlerische Arbeit in München begann, für seine düsteren, fantastischen, teils frauenverachtenden Grafiken berühmt, haben es die drei Künstlerinnen Houghton, Klingt und Kunz (noch) nicht in die Überblickswerke der Kunstgeschichte geschafft. Erst vor wenigen Jahren wurden die Schwedin Hilma af Klint (1862–1944) und die Schweizerin Emma Kunz (1892–1963) als Biennale-Künstlerinnen der weltweiten Öffentlichkeit vorgestellt (→ Mystiker, Outsider und anerkannte Künstler_innen). Die Spritistinnen und Vertreterinnen dreier Generationen näherten sich über Symbole, Visionen oder Kraftströme einer abstrakten Bildsprache an, lange noch bevor das Dreigestirn Kandinsky, Mondrian und Malewitsch sich dieser Möglichkeit bewusstwurde. Es wird interessant sein zu sehen, welche unterschiedlichen „Stile“ aus dem Interesse für das Unsichtbare, okkulte Phänomene, den Spiritismus abgeleitet wurden, welche Konzepte hinter den Bildern stehen und welche Biografien zu diesen außergewöhnlichen Leistungen führten. Nur eins seit schon verraten: Die Britin Georgiana Houghton wurde erst 2016 in der Londoner Courtauld Gallery wiederentdeckt“. Hilma af Klint empfand sich selbst nicht als Künstlerin, sondern nur als „Medium“, dem Geistwesen die Bilder diktierten. Die Schweizerin Emma Kunz fand ihre Kompositionen mit der Hilfe eines Pendels. Dem „Geistigen in der Kunst“ kann ab 6. November 2018 im Kunstbau nachgegangen werden.

 

Ausstelungen im Lenbachhaus 2018

I'm a Believer. Gegenwartskunst aus dem Lenbachhaus und der KiCo Stiftung (ab 20.3.2018)

Die Sammlung „Kunst nach 1945“ wird im Frühjahr 2018 neu präsentiert. Die Präsentation fußt auf der Sammlungshistorie des Lenbachhauses, in der es immer wichtig war, das Werk einzelner herausragender Künstler eingehend zu verfolgen und deren Schaffen in Werkgruppen darzustellen. Ebenso ist es unsere gängige Praxis, junge Künstler in Dialog mit älteren Positionen zu bringen und somit inhaltliche Rückbezüge und Möglichkeiten der Auseinandersetzung innerhalb der Sammlung herzustellen. U.a. mit Thomas Bayrle, Miriam Cahn, Hans-Peter Feldmann, Maria Lassnig, Ulrike Ottinger, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Andy Warhol.

 

 

Stephan Dillemuth. Regulär: 10 Euro Ermäßigt: 5 (17.4.–9.9.2018)

Stephan Dillemuth verkörpert unterschiedliche Rollen: den Fernsehmoderator, der ein Video von Stephan Dillemuth ankündigt und dann aus dem Bühnenbild fällt; den Revolutionär in einem Arbeitertheaterstück; den Maler, der rauchend der Inspiration harrt und, in seiner ausdauernden Rolle, den Professor für Kunstpädagogik an der Münchener Akademie der Bildenden Künste.
Die Rollen, die Künstler und Künstlerinnen gesellschaftlich übernehmen, sind ein Dreh­ und Angelpunkt der Arbeit des in Bad Wiessee und München lebenden Künstlers und Lehrenden. Bayern, als biografische wie historische Reibungsfläche, tritt in seinen Arbeiten über die Jahrzehnte wiederholt in Erscheinung. Dillemuths frühe Gemälde basierten auf regional spezifischem Kitsch: Postkartenmotive von Paaren und Kindern in Tracht, die Schönheitengalerie aus dem Schloss Nymphenburg, Südtiroler Engel. Am Lenbachhaus treffen diese frühen Bilder auf Installationen der 2000er Jahre.

 

Dan Flavin: Untitled (for Ksenija) – Kunstbau des Lenbachhauses (1.7.–31.8.2018)

Dan Flavin (1933–1996) entwickelte seine raumgreifende Lichtinstallation „UNTITLED (FOR KSENIJA)“ 1994 zur Eröffnung des Kunstbaus, den der Architekt Uwe Kiessler zum Ausstellungsraum gestaltet hatte. Heiner und Philippa Friedrich, New York, schenkten dem Lenbachhaus die Arbeit im Andenken an ihre Eltern Erika und Harald Friedrich und Dominique und John de Menil.

Flavin gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Minimal Art. Der wesentliche Ansatz dieser Kunstrichtung liegt in einer radikalen Reduzierung der bildnerischen Mittel auf die objektiven Gegebenheiten einfacher Formstrukturen. Diese werden unter Ausschaltung aller handschriftlichen Gestaltungsmerkmale nach industriellen Normen gefertigt. In den vier Lichtlinien greift Flavin die spezifischen architektonischen Gegebenheiten des Kunstbaus auf und betont die charakteristische Krümmung des langgestreckten, ca. 110 m langen Raumes. Das farbige Licht erzeugt intensive Farbreflexionen und geht mit dem Raum eine atmosphärische Verbindung ein.

 

 

Phantastisch! Alfred Kubin und der Blaue Reiter (16.10.2018–17.2.2019)

Häufig wird der österreichische Zeichner Alfred Kubin (1877–1959) als ein Gründungsmitglied des Blauen Reiter genannt, seine konkreten Beziehungen zu diesem Künstlerkreis sind jedoch so gut wie unbekannt. Die Ausstellung zeichnet erstmals mit einer Fülle von Werken, Dokumenten und Fotografien die komplexen persönlichen und künstlerischen Verflechtungen nach: Es ist fast völlig in Vergessenheit geraten, dass Kubins erste Ausstellung in München und sein berühmtes, aufsehenerregendes Frühwerk mit den drastischen Visionen von Trieb- und Zwangsvorstellungen, die Einblicke „in die Dunkelkammer der modernen Seele“ erlaubten, 1904 von Wassily Kandinsky in der Künstlervereinigung Phalanx präsentiert wurde. Fünf Jahre später – Kubin hatte eine Phase des Umbruchs hinter sich, seinen Roman „Die andere Seite“ niedergeschrieben und war von München nach Zwickledt in Oberösterreich gezogen – wurde er 1909 zur Neuen Künstlervereinigung München um Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werfekin hinzugezogen. Auch nach der Abspaltung des Blauen Reiter 1911 wurde Kubin umgehend in einem Brief von Gabriele Münter zum Mitmachen aufgefordert. Jetzt waren es die seelischen, phantastischen und traumhaften Dimensionen, die die Künstlerfreunde an Kubins neuartigen, kalligraphisch flüssigen Tuschfederzeichnungen faszinierten. Bei der 2. Blauer Reiter-Ausstellung präsentierte er vielfigurige Szenen, die in beunruhigend irrationaler Weise einen Teppich des Lebens ausbreiten, wobei oft ein geheimnisvolles „Zwischenreich“ aufscheint. Es ist diese geistige Dimension, der sich etwa auch Kandinsky, Franz Marc oder Paul Klee in ihren Werken verbunden fühlten. → Alfred Kubin und der Blaue Reiter

 

 

Weltempfänger. Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz – Kunstbau des Lenbachhauses (6.11.2018–10.3.2019)

Die Ausstellung gibt Einblick in eine außergewöhnliche und weitgehend unbekannte Episode der Moderne: Völlig unabhängig voneinander entwickelten Georgiana Houghton (1814–1884) in England, Hilma af Klint (1862–1944) in Schweden und Emma Kunz (1892–1963) in der Schweiz eine jeweils eigene abstrakte, mit Bedeutung hochaufgeladene Bildsprache. Mit großer Ausdauer und Durchsetzungsvermögen folgten sie ihren Überzeugungen; gemeinsam war ihnen der Wunsch, Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches sichtbar zu machen. Zum ersten Mal werden wir ihre äußerst selten gezeigten Werke gemeinsam in einer Ausstellung präsentieren.

Weltempfänger. Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz

 

 

Ausstellungen im Lenbachhaus 2018: Bilder

  • Ulrike Ottinger, Aus der Serie Journée d'un G. I., Nr. 2, 1967 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Foto: Lenbachhaus)
  • Dan Flavin, Untitled (For Ksenija), 1994 (Schenkung Heiner und Philippa Friedrich, New York, im Andenken an ihre Eltern Erika und Harald Friedrich und Dominique und John de Menil, Foto: Lenbachhaus, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017)
  • Alfred Kubin, Eindringlinge, 1914 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Lenbachhaus)
  • Alfred Kubin, Die Dame auf dem Pferd, 1903 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017, Foto: Lenbachhaus)
  • Alfred Kubin, Vepuppte Welt, 1905 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017, Foto: Lenbachhaus)
  • Georgiana Houghton, The Flower of Samuel Warrand, 1862 (Victorian Spiritualists' Union, Melbourne, Foto: VSU)
  • Hilma af Klint, Series WU/Rosen, Group III, No. 5 (By courtesy of the Hilma af Klint Foundation, Foto: Albin Dahlström, Moderna Museet, Stockholm, Schweden)
  • Emma Kunz, Werk-Nr. 020 (Foto: Emma Kunz Zentrum, CH-5436 Würenlos © Anton C. Meier)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.