Maria Lassnig

Wer war Maria Lassnig?

Die österreichische Malerin Maria Lassnig (1919-2014) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, schaffte jedoch erst spät, in den 1980er Jahren, ihren internationalen Durchbruch. Noch während des Zweiten Weltkriegs studierte sie an der Wiener Akademie Malerei - und interessierte sich bereits für den vom Regime diffamierten Expressionismus des Nötscher Kreises. Nach dem Krieg erprobte sie das Informel und Abstraktionen, die eine Nähe zu ihrem Freund Arnulf Rainer verraten. Doch schon bald verließ sie die Abstraktion der Nachkriegsavantgarde, um zu ihrem ureigensten Thema zurückzukehren: dem menschlichen Körper und das Selbstbildnis.

Während der 1960er Jahre lebte Maria Lassnig in Paris und während der 1970er Jahre in New York. Rgelmäßige Aufenthalte in Österreich (Kärnten und Wien) haben sie dennoch mit der österreichischen Kunstszene verbunden bleiben lassen. 1970 besuchte Lassnig in New York einen Kurs für Animationsfilm, ursprünglich mit der Intention, für Walt Disney tätig zu werden. In der Folge entwickelte die Malerin animierte, feministische Kurzfilme, in denen sie mit Witz und Ironie Geschlechterbildern zu Leibe rückte. Mit ihrer realistischen Malerei setzte sie sich jedoch von der New Yorker Avantgarde der 1970er Jahre deutlich ab, weshalb Maria Lassnig Ende der 1970er Jahre wieder nach Europa zurückkehrte.

Im Jahr 1980 wurde Maria Lassnig als erste Frau an eine deutschsprachige Kunstuniversität berufen. Bis 1997 unterrichtete Lassnig an der Angewandten Malerei und prägte eine Reihe von Studierenden. Während der 1980er Jahre vertrat die Malerin Österreich auf der Biennale von Venedig und hatte ihre ersten retrospektiv ausgerichteten Ausstellungen. In diesen Jahren entwickelte sie ihre so genannten Body-Awareness-Bilder, an denen sie bereits 1963 zu arbeiten begonnen hatte, von Körpergefühlsanalysen zur Einfühlung in die Verbindungen im Körper allgemein.

„Ich nannte meine Body-awareness-paintings zuerst ›introspektive Erlebnisse‹, später nannte ich sie überhaupt nicht mehr, als ich, meine Knödel und Quadrate als ›Selbstporträts‹ behauptend, nur Hohn erntete. Ich male Body-awareness seit dem Beginn meiner Malerei, sie ist als ideale Kunstbetätigung zu empfehlen, weil sie nie zu erschöpfen ist.“1 (Maria Lassnig)

 

Ausbildung

Die 1919 geborene Kärntnerin Maria Lassnig erhielt zwischen 1937 und 1941 eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und arbeitete in einer Volksschule im abgelegenen Kärntener Metnitztal, bevor sie sich entschloss, Malerin zu werden.

Daraufhin studierte sie vom Wintersemester 1940/41 bis 1945 Malerei an der Wiener Akademie. Professor Wilhelm Dachauer (1881–1951) kritisierte ihre Gemälde und warf die gebürtige Kärntnerin aus seiner Klasse. Daraufhin trat sie in die Klasse von Ferdinand Andri (1871–1956) ein und studierte Aktzeichnen bei Herbert Boeckl (1894–1966).

Im nationalsozialistischen Wien zeigte Lassnig sich als politisch weitgehend unreflektierte Studentin und erhielt auch
diverse Stipendien. Da alles Moderne „weggeschlossen“ wurde, musste sie sich das „Farbsehen selbst erarbeiten“. Ein Besuch beim Kärntner Maler Franz Wiegele (1887–1944) hatte die Malerin 1942 auf die Spur des vom NS-Regime verbotenen Expressionismus gebracht. Die Werke von Wiegele und Boeckl übten die wichtigsten frühen Einflüssen auf die Selbstfindung der Künstlerin aus. Bereits im Jahr 1945 zeigt sich Maria Lassnig in einem frühen Selbstbildnis als zeichnender Akt mit Kette um den Hals: Bewusst weiblich, man könnte sich an vergleichbare Selbstanalysen von Paula Modersohn-Becker erinnert fühlen, inszeniert sich Lassnig am Ende ihrer künstlerischen Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien und am Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Bild entstand, nachdem sie, aus Wien kommend, den Zug wegen eines Bomenalarms verlassen und zu Fuß nach Klagenfurt gehen musste. Das Selbstporträt zeigt eine ausgesprochene Gleichwertigkeit von Malerei und Zeichnung, die für die folgenden Jahrzehnte wichtig bleiben wird.

Nach Abschluss ihres Studiums kehrte Maria Lassnig nach Klagenfurt zurück. Ihr Atelier war zwischen 1945 und 1950 ein Treffpunkt von Künstlern und Schriftstellern. Das „Selbstporträt expressiv“ (1945) zeigt deutlich die Auseinandersetzung der Malerin mit der österreichischen expressiven Tradition. In der Klagenfurter Galerie Kleinmayr fand 1949 Lassnigs erste Einzelausstellung mit Gemälden und Zeichnungen statt (→ Maria Lassnig: Zeichnungen und Aquarelle).

 

Informel

Für die Entwicklung von Lassnigs Werk war die zweite Hälfte der 1940er Jahre von entscheidender Bedeutung. Zum einen lernte die Malerin 1947 Arnulf Rainer (* 1929) kennen, mit dem sie eine Beziehung einging. Ein Jahr später fertigte sie erste Body-Awareness-Zeichnungen an. Doch bevor Lassnig zu ihren Körperbewusstseinsbildern kam, schuf sie ab 1950 surrealistisch beeinflusste Zeichnungen und Drucke. Für kurze Zeit schloss sich Lassnig der so genannten Hundsgruppe an, die Rainer mitbegründet hatte. Die Vereinigung war stilistisch vielfältig und zählte u.a. informell arbeitende, abstrakte Maler wie Wolfgang Hollegha (* 1929) und Josef Mikl (1929–2008) zu ihren Mitgliedern.

Insgesamt drei Reisen führte das Künstlerpaar nach Paris, wo sie André Breton, Paul Celan und Gisèle Celan-Lestrange sowie Benjamin Péret und die tschechische Künstlerin Toyen (Marie Cermínová) kennenlernten. Toyen führte Marie Lassnig in den Surrealismus ein, den die Malerin als „Befreiung von der Tradition“ empfand“.

Bei ihrem zweiten Besuch 1951 sah sie die Ausstellung „Véhémences Confrontées“ in der Galerie Nina Dausset. Die dort gezeigten informellen und abstrakt-expressionistischen Arbeiten von Künstlern wie Willem de Kooning (1904–1997), Hans Hartung (1904–1989), Jackson Pollock (1912–1956) und Wols (1913–1951) hinterließen bei ihr nachhaltigen Eindruck. Während der frühen 1950er Jahre entstanden Flächenteilungsbilder, in denen sie sich zwar das Vokabular des Informel zueigen machte jedoch nicht dessen Grundlagen wie Gestik, Kalligrafie oder ungezügelte Aktion (→ Abstrakter Expressionismus | Informel).

Maria Lassnig malte unter Einfluss des Informel „(Knödel-) Selbstporträts“ sowie erste „Körperwahrnehmungsbilder“ wie „Körpergehäuse“ (1951). Sie nutzte dafür eine reduzierte Palette und deutete mithilfe der Bildtitel die Striche und Balken in Körper um. In Reaktion auf die Ausstellung in der Galerie Nina Daudet organisieren Lassnig und Rainer im Künstlerhaus Klagenfurt die Schau „Junge unfigurative Malerei“, an der sie auch selbst teilnahmen. Die abstrakte Phase dauerte jedoch nur kurze zwei Jahre und sind von einem subjektiv gefärbten Konstruktivismus geprägt.

 

Konstruierte Körper

Zwischen 1955 und 1958 malte Maria Lassnig kleine, kubistisch beeinflusste Gemälde, auf denen Körper und Köpfe auf Farbflächen reduziert sind. Diese trug die Malerin mit dem Malspachtel auf. Die bevorzugte Farbigkeit setzt sich aus tonigen Grüntönen zusammen, die erst Ende der 1950er Jahre buntfarbigen Aquarellen Platz machte. Die Farbigkeit von Lassnigs Kunst ist an der Theorie des Expressionismus geschult: Die Künstlerin sprach von „Schmerz- und Qualfarben“, von „Nervenstrang- und Krebsangstfarben“. Wenn Maria Lassnig auch 1956 in einer Gruppenausstellung der Wiener Galerie nächst St. Stephan (neben vier männlichen Künstlern, darunter Rainer und Mikl) beteiligt war, so wird sie heute nicht zur Gruppe von St. Stephan gezählt – zu sehr ist diese lose Verbindung durch das maskuline Künstlerbild geprägt.

„Körpergehäuse: Als meine informelle Zeit in Gefahr war, in sterile Abstraktion auszuarten, hatte ich ein großes Verlangen, saftige Realitäten zu malen. Unter Verzicht auf die physiognomischen Wichtigkeiten der Augen, Nase, Mund, wurde der Kopf in Raumteile zerlegt, die Farbflächen der absoluten Graus wurden zu Wangenschildern, zu Stirnschildern, Halszylindern ausgebreitet und dem Hintergrund vorgesetzt. Weil der weiche Pinsel diesen harten Schnitten nicht entsprach, wurde das Palettmesser verwendet.“2 (Maria Lassnig 1985)

 

Körpergefühls-Bilder

„Einsamkeit des Kritischen, Unvermögen der Ausbeutung eines anderen, Meditation und Ansetzen eines wissenschaftlichen Skalpells an einem willigen Objekt, dem Selbst.“3 (Maria Lassnig über ihre Körperbewusstseinsbilder, 1977)

Zehn Jahre nachdem Maria Lassnig zum ersten Mal über die Frage nachgedacht hatte, wie sie ihr Körpergefühl in ein Bild umsetzten könnte, schuf sie 1958 erste farbintensive Körpergefühls-Aquarelle. Lassnig empfand ihren Körper als Gehäuse, wie viele Bildtitel aus den 1950er Jahren wie auch Kommentare der Künstlerin belegen. Doch einfach ihre Hülle zu repräsentieren, war der Malerin nicht genug. Sie setzte „die im Körper vorhandenen Druck- und Spannungsverhältnisse“ und das „innere Körperdrama“4 bildlich um. Gleichzeitig gestaltete sie weiterhin informelle, gestische Ölbilder auf Leinwand. Unter den Werken dieser Umbruchsphase nimmt das Gemälde „Dicke Grüne“ (1961) eine Schlüsselstellung ein, verbindet die Malerin darin doch eine auf dem ersten Blick abstrakte Gestaltung mit einer Körperdarstellung, die durch den Bildtitel markiert wird.

Lassnig empfahl auch später noch ihren Studentinnen und Studenten, während des Malens nicht auf die Leinwände zu blicken. Zu sehr würde das Gesehene von den Empfindungen ablenken. Sie selbst richtete während der Arbeit ihren Blick nach innen, um ihren Körper schlussendlich auf der Leinwand von außen „darzustellen“. Dass das Innenleben nicht immer von äußeren Einflüssen befreit ahrgenommen werden kann, war sich die Künstlerin schmerzhaft bewusst. Um sich möglichst auf sich selbst konzentrieren zu können, legte sich die Malerin neben der Leinwand auf den Boden und hörte beim Arbeiten – auch mit geschlossenen Augen – in sich hinein. Das Sehen selbst thematisierte Maria Lassnig, indem sie – vor allem in den folgenden Bildern der 1970er Jahre – Apparaturen des Sehens wie Augenklappen oder Brillen darstellte oder den Augenbereich einfach aussparte. Im Gegensatz zur Überzeugung, dass die Augen Fenster zur Seele wären, entwickelte Lassnig das Konzept, dass sie gefühllos wären und daher nicht zwangsläufig motivisch wichtig.

Von 1961 bis 1968 lebte Maria Lassnig erneut in Paris. Es entstanden konstruktive Raumbilder, Körpergefühls-Figurationen („Strichbilder“). In die „Körperbewusstseinsbilder“ führte sie 1963 Deformationen und Merkmale von Tieren oder Ungeheuern ein. Damit erweiterte sie die „Strichbilder“ zu „narrativen Strichbilder“. Gemäß ihrer Überzeugung, dass eine Figur auf der Leinwand noch keine Geschichte erzählt, zwei Figuren jedoch eine solche bilden und mehrere sich zu einem Theater zusammenfinden, erweiterte sie den Blick auf sich selbst um den Blick auf die Gesellschaft. Das Blick nach Innen wird um das Sehen ergänzt. Allerdings können beide Perspektiven in den Figuren zusammenfließen, weshalb die monströsen Figuren manchmal miteinander verschmolzene Münder und Nasen haben können.
Der Tod ihrer Mutter im Jahr 1964 traf die Künstlerin tief. Ihre Trauer verarbeitete sie in der Serie „Beweinungsbilder“.

„Wenn ich nicht sagen würde, daß das Körperbilder sind, würden es die Leute nicht wissen. Eigentlich ist es nur mein Bekenntnis, daß sie das als Körperbewußtsein auffassen müssen, weil ich sage, daß es das ist, aber sehen können sie das nicht, bei den richtigen Körpergefühlsbildern sehen sie es nicht. […] Im Unterschied zu meinen Kollegen ist es wichtig, daß ich sage, wovon ich in meinen Bildern ausgehe, welches der Ausgangspunkt ist. Ich habe das erfunden, ich habe das gefunden, und weil es so schwierig ist, war es für mich die Herausforderung. Ich verstehe gut, daß alle anderen das nicht sehen. Ich glaube, es ist für jemanden, der nichts von mir weiß nicht möglich, meine Bilder als Körpergefühlsbilder zu erkennen. Er sieht nur zerstückelte Wesen oder überhaupt nur Striche, die vielleicht manchmal mit etwas Realem enden.“5 (Maria Lassnig, 1995)

 

Amerikanischer Realismus: Lassnig in den USA

„Ich kam mit den Körperbewusstseinsbildern dort an. Die Amerikaner verstanden sie überhaupt nicht.“ (Maria Lassnig)

Jene Werkgruppe, die Maria Lassnig als „amerikanischen Realismus“ bezeichnete, entstand während der 1970er Jahre, als die Künstlerin hauptsächlich in New York City lebte. Sie wandte sich von den in den Sechzigern gefundenen abstrahierten und deformierten Körperbewusstseinsbildern ab und führte innere Wahrnehmung und realistisch wiedergegebene Körper zueinander. Damit reagierte die Künstlerin auf das Unverständnis ihrer amerikanischen Umgebung, war sie doch 1968 nach New York überseidelt. Dort fand sie sich in einer künstlerischen Umgebung, in der Pop Art, Performance, Aktionskunst und Feminismus, Medien- (Film, Video, Foto) und Konzeptkunst wie auch Land-Art zur Avantgarde gezählt wurden.

Im Jahr 1970 besuchte Lassnig einen Zeichentrickfilmkurs an der School of Visual Arts in New York, um bei Walt Disney Productions unterzukommen. Daraufhin begann sie auf der Grundlage ihrer „Körperbewusstseinszeichnungen“ Animationsfilme zu gestalten. Wenn die Künstlerin damit nicht nach Hollywood kam, so erzielt sie mit ihren selbst geschriebenen, gezeichneten und gesprochenen Kurzfilmen ziemlich rasch Anerkennung auf vantgarde-Filmveranstaltungen. Mit diesen Filmen kam Lassnig dem Feminismus der 1970er Jahre am nächsten, darunter „Selfportrait [Selbstporträt]“ (1971), für den Maria Lassnig mit dem New York State Council Arts Award ausgezeichnet wurde, oder „Chairs“ (1971), in dem sie die Verschmelzung von Mensch und Sitzgelegenheit durchspielte. Zusammen mit Martha Edelheit, Carolee Schneemann, Silvia Goldsmith und anderen gründete Lassnig 1974 „Women/Artist/Filmmakers, Inc.“. Die Gruppe organisierte Filmvorführungen unter anderem in Paris, Washington, New York, Wien und Brüssel.

Mit dem Kurzfilm „Art Education“ (1976) deutete sie berühmte Gemälde großer Männer der Kunstgeschichte
wie Michelangelo Buonarroti feministisch um. Gleichzeitig reflektierte Lassnig ihre prekäre Position als Künstlerin innerhalb des Kunstbetriebs in einer Serie von gemalten Selbstporträts, in denen sie ebenfalls Archetypen der westlichen Kunstgeschichte aufgriff – so in „Woman Laokoon“ (1976).

„Amerikanischer Realismus: Realismus wurde für mich ein Ausnahmezustand, Beweis für Zweifler meiner Fähigkeiten, Freude an der sinnlichen Außenwelt, Trauer über die Seltsamkeiten und Teilnahme am Weltgeschehen.“6 (Maria Lassnig)

 

Metamorphosen und Altersporträts

„Innerhalb und außerhalb der Leinwand: Was mich reizte, war aber gerade diese Schwierigkeit. [Der Körper] ist mehr oder weniger das am schwersten zu malende Sujet. Etwas, das man eigentlich nicht sieht.“7 (Maria Lassnig 2006)

1980, im Alter von 61 Jahren, vertrat Maria Lassnig Österreich auf der Biennale von Venedig (gemeinsam mit VALIE EXPORT) und kehrte nach Wien zurück. Auf Betreiben der Wiener Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen, der Bundesministerin Hertha Firnberg und des Rektors Oswald Oberhuber an die Hochschule für Gestaltung in Wien (heute: die Angewandte) berufen, wo sie bis 1989 die Meisterklasse Gestaltungslehre – experimentelles Gestalten bis 1989 leitete. Damit war Maria Lassnig die erste Professorin im deutschsprachigen Raum. 1982 richtete sie das Lehrstudio für experimentellen Animationsfilm ein, dessen erster Leiter Hubert Sielecki wurde. Während der 80er Jahre setzte die öffentliche Anerkennung des Werks ein, wie sich an der exponentiell steigenden Zahl an Ausstellungen und Ehrungen nachweisen lässt.

In den Körperbewusstseinsbildern der späten Jahre thematisiert sich Lassnig als Frau in verschiedenen Rollen, in einer zunehmend technologisierten Welt, in einer kriegerischen Welt. Sie verschmilzt in der Serie „Küchen Krieg“ mit Küchengeräten („Selbstporträt mit Kochtopf“, 1995; „Küchenbraut“, 1988) oder stellt ihre Verwundbarkeit in Krankenhaus-Bildern („Krankenhaus“, 2005) zur Disposition. Vor den „Ereignissen der Außenwelt“, wie dem Ersten Golfkrieg, kapitulierte die Künstlerin nicht, sondern reagierte in Gemälden wie „Sensenmann“ oder „Kriegsfurie“ auf ihn. Mit der Werkreihe „Innerhalb und außerhalb der Leinwand“ (1984/85) nimmt die Malerin erneut das Thema Selbstporträt auf und steigert es noch durch eine Meta-Malerei. Lassnigs Bildtitel „Die innige Verbindung zwischen Maler und Leinwand“ (1986) ist durchaus wörtlich zu verstehen8.

„Ich arbeite an einer Form, die dem entspricht, dem irgendwie nahe kommt, aber eigentlich ist das fast unmöglich: Es vergeht von Sekunde zu Sekunde.“9 (Maria Lassnig im Gespräch mit Hanne Weskott im Februar und Juni 1995)

 

Tod

Kurz bevor Maria Lassnig 2014 im Alter von 94 Jahren verstarb, gründete sie die Maria-Lassnig Stiftung, die seither Museen bei der Organisation von Ausstellungen zur Seite steht und den Nachlass von Maria Lassnig veräußert.

Maria Lassnig starb am 6. Mai 2014 in Wien. Sie wurde 94 Jahre alt.

 

Literatur

  • Beatrice von Bormann, Antonia Hoerschelmann, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Maria Lassnig – Ways of Being (Ausst.-Kat. Albertina, Wien, 6.9.–1.12.2019; Stedelijk Museum, Amsterdam, 6.4.–11.8.2019), München 2019.
  • Kasia Redzisz, Lauren Barnes (Hg.), Maria Lassnig (Ausst.-Kat. Folkwang Museum, Essen, 10.3.– 21.5.2017; Tate Liverpool, Liverpool, 18.5.– 18.9.2016), London 2016.
  • Maria Lassnig. Die Feder ist die Schwester des Pinsels. Tagebücher 1943–1997, hg. von Hans Ulrich Obrist, Köln 2000.
  • Wolfgang Drechsler (Hg.), Maria Lassnig (Ausst.- Kat. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig), Wien 1999.
  • Hanne Weskott (Hg.), Maria Lassnig. Zeichnungen und Aquarelle (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bern, 13.9.-26.11.1995; Musée national d’art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris; Kulturhaus der Stadt Graz, Ende September-Mitte November 1996), München 1995.
  • Wolfgang Drechsler, Peter Gorsen, Maria Lassnig, Klagenfurt 1983.
  • Maria Lassnig. Austria. Biennale di Venezia 1980, hg. vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst
    (Ausst.-Kat. Biennale di Venezia), Wien 1980.

Beiträge zu Maria Lassnig

5. September 2019
Maria Lassnig, Mit einem Tiger schlafen, Detail, 1975, Öl/Lw (Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Österreichischen Nationalbank © Maria Lassnig Privatstiftung)

Maria Lassnig in der Albertina Überblicksschau zum 100. Geburtstag der österreichischen Malerin

Zum 100. Geburtstag von Maria Lassnig wirdmet die Albertina 2019 der bedeutenden österreichischen Malerin eine umfassende Retrospektive.
27. November 2018
Maria Lassnig, Selbstporträt mit Stab, Detail, 1971, Öl und Kohle auf Leinwand, 193 x 129 cm (Maria Lassnig Stiftung, © Maria Lassnig Stiftung)

Stedelijk Museum: Maria Lassnig. Du oder Ich Erste Werkschau der österreichischen Malerin in den Niederlanden

Die Österreicherin Maria Lassnig ist eine führenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts – allerdings in den Niederlanden kaum bekannt. Lassnig wurde für Körperbewusstseinsbilder bekannt, in denen sie die eigenen Körpererfahrungen beschrieb und so ihre Beziehung zu ihrer Umwelt mitbestimmte. Neben Gemälden und Zeichnungen wird die Ausstellung im Stedelijk Museum, Amsterdam, viele Filme und Skulpturen präsentieren. Zu den Höhepunkten der Schau gehört auch, dass einige Werke zuvor noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden.
15. Dezember 2017
Maria Lassnig, Selbstportrait als Blondine, Detail, 1981, Öl auf Karton (© Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv)

Maria Lassnig, Selbstportrait als Blondine Rollenvorbild trifft auf Erwartungshaltung?

Mit überaus ehrlichen Selbstporträts, die mehr Selbstanalysen sind, wurde die Künstlerin aus Kärnten bekannt. In diesem Selbstporträt geht es jedoch weniger um das Verhältnis der Künstlerin zu ihrer Leiblichkeit, als vielmehr um das Verhältnis der Frau zur Gesellschaft.
5. Mai 2017
Maria Lassnig, Juni 1983, Foto: © Kurt-Michael Westermann/ Maria Lassnig Stiftung

Peter Pakesch: „Sie hatte sicher partiell Durchsetzungsprobleme“ Ein Gespräch über das Fördern der 2014 verstorbenen Künstlerin, aktuelle Ausstellungsprojekte und den besonderen Stellenwert der Arbeiten auf Papier

Kurz vor Eröffnung der Ausstellung „Maria Lassnig – Zwiegespräche“ in der Albertina, traf ARTinWORDS Peter Pakesch, Vorstandsvorsitzender der Maria Lassnig-Stiftung. Ein Gespräch über das Fördern der 2014 verstorbenen Künstlerin, aktuelle Ausstellungsprojekte und den besonderen Stellenwert der Arbeiten auf Papier.
1. Mai 2017
Maria Lassnig, Gesichtsschichtenlinien, 1996 (Albertina, Wien © 2016 Maria Lassnig Stiftung)

Maria Lassnig: Zeichnungen und Aquarelle Retrospektive zu den intimen „Zwiegesprächen“ auf Papier

Maria Lassnig (1919–2014) gilt als herausragende Koloristin – auf Leinwand wie auf Papier. Die Albertina würdigt die österreichische Künstlerin mit einer Retrospektive ihrer Zeichnungen und Aquarelle, in denen sie sich bekannt schonungslos mit ihren Emotionen und Körperempfindungen auseinandersetzte.
30. April 2017
Maria Lassnig, Selbstporträt mit Stab, 1971, Öl und Kohle auf Leinwand, 193 x 129 cm (Maria Lassnig Stiftung, © Maria Lassnig Stiftung)

Maria Lassnig: Biografie Leben der österreichischen Malerin

Maria Lassnig Biografie: Ausbildung, Bilder, wichtige Ausstellungen
20. März 2017

Maria Lassnig: Werke & Leben Ausstellung in Essen

Maria Lassnig (1919–2014) gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Bereits im Jahr 1948 stellte sie sich erstmals der Frage, wie sich das Bewusstsein für den eigenen Körper ins Bild übersetzen ließ. Nach einer ersten surrealistischen und informel-abstrakten Phase gelangte sie über die Rezeption kubistischer Akte zum Selbstporträt. Bereits während der 1960er Jahre entwickelte sie die für sie charakteristischen „Körperbewusstseinsbilder“, die sie ab 1970 auch in Animationsfilmen einsetzte.
16. Februar 2017
Franz West, Sitzskulptur, 2004, Aluminium lackiert, 87 x 175 x 163 cm (Foto: Archiv des Künstlers © Verein Archiv Franz West, Albertina, Wien: Sammlung Essl)

Sammlung Essl in der ALBERTINA Privatsammlung in Wien bald wieder zugänglich!

Klaus Albrecht Schröder, Karlheinz Essl und Hans Peter Haselsteiner geben heute die Übergabe der Sammlung Essl an die ALBERTINA bekannt. Für 27 Jahre wird die Albertina die Dauerleihgabe für die konservatorische Verwahrung, wissenschaftliche Aufarbeitung und öffentliche Präsentation übernehmen. Der Bund fördert die digitale Aufarbeitung der Sammlung Essl mit einer Million Euro.
26. Oktober 2015
Ron Mueck, Mother and Child, 2001–2003, Mischtechnik, 24 x 36 x 89 cm (Courtesy the artist und Hauser & Wirth), Installationsansicht "Rabenmütter": Alexandra Matzner.

Mütterbilder von 1900 bis heute Rabenmütter - Zwischen Kraft und Krise

Kinder profitieren von „Rabenmüttern“!? Damit, wenn auch verkürzt, ließ eine Harvard Studie jüngst aufhorchen. Nur, was auf Deutsch als „Rabenmutter“ wie eine Grimm’sche Märchenfigur betitelt und seit dem 19. Jahrhundert das Gegenteil zur innig liebenden, fürsorglichen Mutter bezeichnet wird, heißt auf Englisch „working mother“ oder in der Linzer Ausstellung „Mom of the Year“. Die Kuratorinnen aus Linz - Stella Rollig, Elisabeth Nowak-Thaller und Sabine Fellner - stellen sich angesichts aktueller Entwicklungen und Diskussionen der brennenden Frage nach den Veränderungen des Mutterbildes seit 1900.
5. Juli 2013
Maria Lassnig (* 1919), Mutter Natur, 1999, Installationsfoto: Alexandra Matzner.

Maria Lassnig & Marisa Merz – Goldene Löwen 2013 55. Biennale von Venedig

Maria Lassnig (* 1919) und Marisa Merz (1926-2019) wurden heuer mit den „Goldenen Löwen“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Damit ehrt Massimiliano Gioni zwei Grandes Dames der österreichischen und italienischen Nachkriegskunst, die beide erst spät in ihren Karrieren internationale Aufmerksamkeit geschenkt bekommen haben. Beide Künstlerinnen sind in der Schau „Il Palazzo Enciclopedico“ im Zentralen Pavillon in den Giardini in einem gemeinsamen Saal ausgestellt.
10. Februar 2010
Paul Cézanne, Steingutkrug, 1893/94, Fondation Beyeler, Riehen/Basel © Foto: Peter Schibli, Basel.

Augenschmaus: vom Essen im Stillleben

Die allerorts zu beobachtende Popularität von Kochen und Essen in den Medien findet in Ausstellung und Katalogpublikation „Augenschmaus – vom Essen im Stillleben“ eine ergötzliche visuelle Entsprechung.
24. November 2007
Josef Engelhart, Loge im Sofiensaal, 1903, Öl auf Leinwand, 100 x 95 cm, Wien Museum.

Kunst in Wien und Paris (1880-1960)

Etwa 250 Objekte von mehr als 100 Künstler_innen, gegliedert in 15 Stationen – das ist die nüchterne Bilanz eines der aufwändigsten Ausstellungsprojekte des Wiener Herbstes 2007. Noch bis Anfang 2008 widmet sich das Untere Belvedere der spannenden Frage nach den künstlerischen Beziehungen zwischen der Pariser und Wiener Kunstszene vom Impressionismus zum Informel. Dass Paris ab der Mitte des 19. Jahrhunderts unangefochten eines der europäischen Zentren der Kunstentwicklung war, ist weithin bekannt. Wie sehr haben sich aber österreichische Künstler auf einen Gedankenaustausch mit ihren französischen Kollegen eingelassen? Und vor allem: Hat diese Auseinandersetzung Spuren in ihren Werken hinterlassen?
  1. Maria Lassnig. Austria. Biennale di Venezia 1980, hg. vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst
    (Ausst.-Kat. Biennale di Venezia), Wien 1980, S. 44.
  2. Maria Lassnig, Über die Kopfheiten (1985), in: Maria Lassnig. Die Feder ist die Schwester des Pinsels. Tagebücher 1943–1997, hg. von Hans Ulrich Obrist, Köln 2000, S. 25. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 30.
  3. Zit. n. Wolfgang Drechsler, Kontinuität und Wandel. Sieben Jahrzehnte Malerei, in: Beatrice von Bormann, Antonia Hoerschelmann, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Maria Lassnig – Ways of Being (Ausst.-Kat. Albertina, Wien, 6.9.–1.12.2019; Stedelijk Museum, Amsterdam, 6.4.–11.8.2019), München 2019, S. 9-15.
  4. Siehe: Kasia Redzisz und Lauren Barnes, Einführung: Der Körper entscheidet, in: Ausst.-Kat., S. 4–9, hier S. 4.
  5. Hanne Weskott (Hg.), Maria Lassnig. Zeichnungen und Aquarelle (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bern, 13.9.-26.11.1995; Musée national d’art moderne, Centre Georges Pompidou, Paris; Kulturhaus der Stadt Graz, Ende September-Mitte November 1996), München 1995, S. 70.
  6. Maria Lassnig, Über die innige Verbindung von Maler und Malerei, in: Wolfgang Drechsler (Hg.), Maria Lassnig (Ausst.- Kat. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig), Wien 1999, S. 9–33, hier: S. 9. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 30.
  7. Maria Lassnig und Jörg Heiser, Inside Out, in: Frieze, Nr. 103, Nov.–Dez. 2006, S. 123. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 31.
  8. Anna Fricke, Im Bilde sein Maria Lassnigs Metabilder, in: Ausst.-Kat., S. 18–24, hier S. 19.
  9. Maria Lassnig im Gespräch mit Hanne Weskott im Februar und Juni 1995, in: Josef Helfenstein, Maria Lassnig. Zeichnungen und Aquarelle 1946–1995 (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bern) Bern 1995, S. 38. Zitiert nach ebenda, S. 19.