0

Mailand | Palazzo Reale: Italienische Malerinnen des 16. und 17. Jahrhunderts Weibliches Kunstschaffen von Manierismus bis Barock

Ginevra Cantofoli, Junge Frau in orientalischer Kleidung,detail, 2. Hälfte 17. Jhdt, Öl/Lw, 65 x 50 cm (Padova, Museo d'arte Medioevale e moderna, legato del Conte Leonardo Emo Capodilista, 1864)

Ginevra Cantofoli, Junge Frau in orientalischer Kleidung,detail, 2. Hälfte 17. Jhdt, Öl/Lw, 65 x 50 cm (Padova, Museo d'arte Medioevale e moderna, legato del Conte Leonardo Emo Capodilista, 1864)

Mehr als 150 Werke von 34 Künstlerinnen, die zwischen 1500 und 1600 in Italien lebten, beleuchten auf heterogene Weise Lebens- und Arbeitsbedingungen weiblicher Kunstschaffender. Die berühmtesten Malerinnen dieser Zeit sind Artemisia Gentileschi, Sofonisba Angissola, Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Giovanna Garzone und Fede Galizia – alle werden in der Mailänder Ausstellung vertreten sein. Ihre Gemälde erzählen die Geschichten von talentierten und „modernen“ Frauen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, familiären Wünschen und individuellem Können.

Italienische Malerinnen zwischen 1500 und 1600

Mit der Ausstellung „Die Damen der Kunst. Geschichten von Frauen zwischen 1500 und 1600“ werden Kunst und unglaubliche Lebensgeschichten von 34 verschiedenen Künstlerinnen wiederentdeckt. Über 150 Werke bezeugen die intensive kreative Vitalität von bereits „modernen“ Frauen zwischen Hochrenaissance, Manierismus und Barock. Zu sehen sind die bekanntesten, aber auch weniger bekannten Künstlerinnen, darunter Neuentdeckungen wie die römische Adlige Claudia del Bufalo. Zu den erstmals ausgestellten Bildern gehören auch die „Madonna Immaculata und der Hl. Franz von Borja“ (1663) der Palermitanischen Chiesa del Gesú di Casa Professa von Rosalia Novelli und das Gemälde „Mystische Vermählung der Hl. Katharina” (1576) von Lucrezia Quistelli aus der Pfarrkirche von Silvano Pietra bei Pavia.

Die Ausstellung zeigt nicht nur die kompositorische Meisterschaft dieser Malerinnen, sondern auch jene soziale Rolle, die sie zu ihrer Zeit einnehmen konnten und wollten. Einige haben sich an großen internationalen Höfen etabliert, andere entwickelten sich zu echten Unternehmerinnen. Alle Künstlerinnen mussten sich mit ihren Idealen und unterschiedlichen Lebensstilen auseinandersetzen.

Von Artemisia Gentileschi bis Elisabetta Sirani

Unter den im Palazzo Reale ausgestellten Heldinnen der Kunst des 16. Jahrhunderts dominiert die hochberühmte Person der Artemisia Gentileschi: Tochter des römischen Malers Orazio Gentileschi, etablierte sich Artemisia als Ikone des Selbstbewusstseins und der Revolte, als Künstlerin und Unternehmerin. Ihre Kunst konkurrierte mit jener ihrer Zeitgenossen; mit ihrem Erfolg bot sie ein Beispiel für den Kampf gegen die Autorität und die väterliche künstlerische Kraft, gegen die den Frauen aufgezwungene Beschränkung. Ihre „Pala della Madonna dell’Itria“ (1578), die sie in Paternò (Sizilien) malte, wird zum ersten Mal ihren Bestimmungsort verlassen.

Sofonisba Anguissola stammte aus Cremona. Anguissola lebte über zehn Jahre am Hofe Philipps II. in Madrid, bevor sie nach Sizilien zog, wo sie 1624 Anthonis van Dyck besuchte. Von dieser Künstlerin wird unter anderem das berühmte „Schachspiel“ (1555) ausgestellt.

Lavinia Fontana aus Bolognese war die Tochter des manieristischen Malers Prospero Fontana. Sie ist mit 14 Werken, darunter das „Selbstporträt im Atelier“ (1579), die „Weihe an die Jungfrau“ (1599) und einige mythologische Gemälde von seltener Sinnlichkeit in der Mailänder Schau vertreten.

Die Bologneser Malerin Elisabetta Sirani (1638–1665) zeigt mit ihren kraftvollen Gemälden weiblichen Mut und Rebellion angesichts männlicher Gewalt. Ginevra Cantofoli interessiert sich mit „Junger Frau in orientalischer Kleidung“ (2. Hälfte 17. Jh.) für weibliche Eleganz. Fede Galizia (1578–1630) ist mit ihrer ikonischen „Judith mit dem Haupt von Holofernes“ (1596) vertreten. Giovanna Garzoni (1600–1670), eine weitere sehr moderne Frau im 16. Jahrhundert, lebte zwischen Venedig, Neapel, Paris und Rom: zu sehen sind seltene und kostbare Werke auf Pergament.

Kuratiert von Anna Maria Bava, Gioia Mori und Alain Tapié. Die für die Ausstellung ausgewählten Werke stammen von 67 verschiedenen Leihgebern, darunter die Uffizien, das Capodimonte-Museum, die Pinacoteca di Brera, das Castello Sforzesco und die Galleria Nationale von Umbrien, Galerie Borghese, Königliche Museen von Turin, Nationale Kunstgalerie von Bologna, Musée des Beaux Arts in Marseille und Muzeum Narodowe in Posen (Polen).

Italienische Malerinnen von 1500 bis 1600: Bilder

  • Fede Galizia, Judith mit dem Haupt des Holofernes, 1601, Öl/Lw, 123 x 92 cm (Ministero per i Beni e le Attività culturali e per il Turismo – Galleria Borghese)
  • Ginevra Cantofoli, Junge Frau in orientalischer Kleidung, 2. Hälfte 17. Jhdt, Öl/Lw, 65 x 50 cm (Padova, Museo d'arte Medioevale e moderna, legato del Conte Leonardo Emo Capodilista, 1864)
  • Elisabetta Sirani, Venus und Amor, 1664, Öl/Lw, 101x85 cm (Privatsammlung)
  • Elisabetta Sirani, Kleopatra, um 1664, Öl/Lw, 110 x 91 cm (Privatsammlung)

Weitere Beiträge zur Kunst von Frauen

19. Mai 2024
Marina Abramović, Rythm, Performance 1974 © Courtesy of the Marina Abramović Archives / 2024, ProLitteris, Zurich.

Zürich | Kunsthaus: Marina Abramović 50 Jahre Performancekunst | 2024/25

50 Jahre Performancekunst von und mit Marina Abramović (*1946). Die Ausstellung gibt einen Überblick und präsentiert ihre Kunst als Erhebung des menschlichen Geistes, als Meditation und Heilung.
18. Mai 2024
Penny Slinger, The Larval Worm, 1969/2014 (© Penny Slinger / VG Bild-Kunst, Bonn 2024, Courtesy of Blum & Poe)

Heilbronn | Kunsthalle Vogelmann: Surrealismus Welten im Dialog | 2024

Mit fantastischen, radikal subjektiven Motiven revolutionierte der Surrealismus die Kunst ab den 1920er Jahren. Die Aktualität ihrer Ideen zeigt die spannende Gegenüberstellung bedeutender Surrealist:innen der ersten Stunde mit nachfolgenden Künstler:innen, darunter Cindy Sherman und Erwin Wurm.
16. Mai 2024
Angelika Kauffmann, Farbe – Colouring, ab 1778/vor Mai 1780, Öl/Lw, queroval, 130 x 149,5 cm (Royal Academy of Arts, London © Royal Academy of Arts, London/ Foto: John Hammond)

London | Tate Britain: Britische Künstlerinnen 1520–1920 Erfolgreiche Frauen im britischen Kunstbetrieb | 2024

Mit über 150 Werken räumt die Ausstellung mit Stereotypen über Künstlerinnen in der Kunstgeschichte auf und analysiert den steinigen Weg von Frauen in die Kunstwelt. Mit Werken von Mary Beale, Angelika Kauffmann, Elizabeth Butler und Laura Knight.

Aktuelle Ausstellungen

17. Mai 2024
Franz Grabmayr, Sandgrube, 1969, Öl auf Jute (ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner © Bildrecht, Wien 2024)

Wien | Albertina: Franz Grabmayr Farbe, Dynamik, die Kraft des Lebendigen | 2024

„Farbe, Dynamik, die Kraft des Lebendigen – das sind die Mittel meiner Bildgestaltung“, so beschreibt Franz Grabmayr seine Malerei. Aus der Nähe betrachtet gemahnen seine oft bis zu 60 kg schweren, plastischen Gemälde an abstrakte, zufällige Kompositionen. Doch sind Künstler und Werk in der Natur beheimatet.
17. Mai 2024
Jacob Matham nach Hendrick Goltzius, Der gestrandete Wal bei Berjhey, Detail, 1598 (Narodniy Galeria Prag)

Prag | Waldstein Reithalle: Von Michelangelo bis Callot Druckgrafik des Manierismus | 2024

Die Druckgrafik spielte im Manierismus eine entscheidende Rolle für die rasche Verbreitung von Motiven und Konzepten. Gleichzeitig etablierte sie sich aber auch als eigenständige künstlerische Disziplin mit technischer als auch künstlerischer Exzellenz.
16. Mai 2024
Angelika Kauffmann, Farbe – Colouring, ab 1778/vor Mai 1780, Öl/Lw, queroval, 130 x 149,5 cm (Royal Academy of Arts, London © Royal Academy of Arts, London/ Foto: John Hammond)

London | Tate Britain: Britische Künstlerinnen 1520–1920 Erfolgreiche Frauen im britischen Kunstbetrieb | 2024

Mit über 150 Werken räumt die Ausstellung mit Stereotypen über Künstlerinnen in der Kunstgeschichte auf und analysiert den steinigen Weg von Frauen in die Kunstwelt. Mit Werken von Mary Beale, Angelika Kauffmann, Elizabeth Butler und Laura Knight.