Elisabetta Sirani

Wer war Elisabetta Sirani?

Elisabetta Sirani (Bologna 8.1.1638–28.8.1665 Bologna) war eine italienische Malerin und Kupferstecherin des Barock. Die hochgebildete Malerin gründete eine Kunstakademie für Mädchen und Frauen in Bologna, die erst für weibliche Kunstschaffende überhaupt. Sirani selbst wurde als eine der ersten Künstlerinnen in die renommierte Accademia di San Luca in Rom als Mitglied aufgenommen. Trotz ihres kurzen Lebens schuf Elisabetta Sirani über 200 Gemälde, 15 Kupferstiche und Hunderte Zeichnungen.

Elisabetta Sirani starb 1665 im Alter von 27 Jahren vermutlich an einer Buchfellentzündung. Die berühmte Malerin wurde unter großer Anteilnahme in der Cappella Guidotti der Kirche San Domenico bestattet. Ein gemeinsames Epitaph erinnert an die beiden wichtigsten Künstler der Stast: Guido Reni und Elisabetta Sirani

„QVAE NON MIRACULA IVNXIT VITA HOC IN TVMOLO IVNG ERE MORS POTVIT [die nicht das Leben durch Wunder verbunden hat, das konnte der Tod im Grab vereinigen]“

Kindheit und Ausbildung

Elisabetta Sirani wurde am 8. Januar 1638 als älteste Tochter des Künstlers Giovanni Andrea Sirani und seiner Frau Margherita geboren. Ihr Vater handelte mit Kunstwerken, war Maler und Mitarbeiter von Guido Reni (1575–1642). Giovanni Andrea Sirani schuf nicht viele Werke, sondern übernahm Renis Engagement als Lehrer an der ersten Ausbildungsstätte Bolognas im Haus von Ettore Ghislieri.

Wie auch ihre beiden jüngeren Schwestern Barbara und Anna Maria wurde Elisabetta Sirani von ihrem Vater ausgebildet. In Malerei und Musik gleichermaßen talentiert, wurde Sirani auch in humanistischen Fächern unterrichtet. Sie konnte auf die philosophischen, historischen und kunsttheoretischen Bücher in der Bibliothek ihres Vater zugreifen, darunter Cesare Ripas „Iconologia“ (1611).

Wunderkind und professionelle Malerin

Elisabetta Sirani war ein Wunderkind, das seit seinem 17. Lebensjahr als professionelle Malerin arbeitete und zeitlebens unverheiratet blieb. Sie konnte früh Unterstützer und Auftraggeber im Bologneser Bürgertum und der bedeutenden Universität gewinnen. Später zählte sie auch den Großherzog der Toskana, Cosimo III. de‘ Medici, und andere Mitglieder der Familie Medici wie Leopoldo und Margherita de‘ Medici zu ihren Mäzenen. Vermutlich war es ein Agent der Medici wie auch ihr eigener namens Annibale Ranuzzi, die Elisabetta Siranis Bilder vermittelten. Zu den Kunden zählten der Kurfürst von Bayern, Mitglieder der Familie Gonzaga in Mantua und der Familie Farnese in Parma.

Die Malerin bewies ihre Geschäftstüchtigkeit, indem sie seit ihrem 18. Lebensjahr Buch [tacuino di lavoro] über ihre Bilder und Verkäufe führte (1655) und ihre Gemälde signierte. Da die Werke über die Werkstatt ihres Vater veräußert wurden, wurden die Erlöse für die Kosten derselben, der Familie und des Haushalts eingesetzt. Im Vergleich zu Mitarbeitern in der Werkstatt Guido Renis, die am Verkauf der Werke beteiligt waren, erhielt Elisabetta Sirani kein Geld, über das sie selbständig verfügen hätte können. Daher verkaufte die Malerin heimlich Bilder an ihre Freunde, was sie in ihrem Notizbuch verschwieg. Mit dem Geld unterstützte sie ihre Mutter und bezahlte ihren Musikunterricht.

Die adelige Klientel bezahlte häufig mit Silber- und Goldschmuck oder Edelsteinen. Für ihr Bild „Allegorie der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe und der Klugheit“ erhielt Elisabetta Sirani von Leopold de‘ Medici ein Kreuz mit 54 Diamanten. Die Familie Sirani konnte es sich leisten, diese Kleinodien in einem eigenen Schrank in der Wohnung auszustellen. Der Ruhm der Malerin wurde durch Besuche hochstehender Persönlichkeiten in ihrem Atelier noch unterstrichen. Nachweislich kamen die Großherzöge der Toskana, die Fürstin von Braunschweig, Christina von Schweden und der Sohn des Vizekönigs von Böhmen zu ihr auf Besuch.

Schülerinnen

Die Bedeutung von Elisabetta Sirani unterstreicht die von ihr gegründete Kunstakademie für Frauen. Diese gilt als die erste laizistische Ausbildungsstätte für Frauen Europas (außerhalb eines Konvents). Zu ihren zwölf dokumentierten Schülerinnen gehörten Teresa Maria Coriolano und Ginevra Cantofoli (letztere Konkurrentin ihrer Lehrerin), Veronica Fontana (Holzschnitt), Caterina Pepoli und Maria Elena Panzacchi, Camelia Lanteri und Lucrezia Forni, Veronica Franchi (Mythologien) und Lucrezia Scarfaglia. Nachdem ihr Vater 1654 aufgrund einer Gicht-Erkrankung nicht mehr unterrichten konnte, übernahm Sirani auch seine Schüler – und führte die Werkstatt ihres Vaters allein weiter.

Werke

Elisabetta Sirani malte ab etwa 1660 zahlreiche eher klein- und mittelformatige Andachtsbilder mit den gefragten und immer wieder neu variierten Motiven Madonna und Kind, Madonna und Kind mit dem Hl. Johannes und der Heiligen Familie, für die es in der Nachfolge des Konzils von Trient, das die private Andacht der Gläubigen propagierte, eine rege Nachfrage gab.

Ihren ersten Großauftrag erhielt Elisabetta Sirani 1657 von Daniele Granchi, dem Prior der Karthäuserkirche der Certosa di Bologna. Aufträge von Seiten der Orden und der Bruderschaften führten zu zumindest 13 öffentlichen, großformatigen Altarbildern, die in Bologna, von ganz Norditalien bis Genua in Kirchen hingen. Sie malte auch einige Porträts, nach der Mode der Zeit häufig Rollenporträts der Auftraggeber, sowie mehrere Selbstporträts, darunter auch Selbstporträts als Nonne, als Allegorie der Malerei, sowie einige Bilder über allegorische und historisch/mythologische Themen.

Elisabetta Sirani arbeitete außerordentlich schnell, so dass Gerüchte aufkamen, sie habe heimliche Mitarbeiter. Um ihre Fähigkeit zu beweisen, lud Sirani am 13. Mai 1664 ihre Kritiker ins Atelier ein, um innerhalb einer Sitzung ein Porträt zu vollenden. Daraufhin malte sie in ihrem immer offenen Atelier, unter den Augen der Zuschauer entstanden ihre Bilder, die die Auftraggeber gelegentlich am selben Tag schon mitnehmen konnten. Zu den bekannten Anekdoten zählt ein Besuch des Großherzogs der Toskana. Als dieser das Atelier von Elisabetta Sirani besuchte, arbeitete sie gerade an einer Madonna mit Kind. Sirani malte das Bild so schnell fertig, dass der adelige Gast es sogleich nach Florenz mitnehmen konnte.

Auffallend an ihren Historienbildern ist ihre Vorliebe für „starke Frauen“ aus der antiken Mythologie und der biblischen Geschichte. Es gibt Bilder über Circe, Kleopatra, Dalia mit der Schere, Judith mit dem Haupt des Holofernes, Porzia, die ihrem Mann Brutus Stärke und männliche Tapferkeit demonstriert, indem sie sich einen Dolch in ihren Oberschenkel sticht, und Timokleia, die einen Hauptmann Alexanders des Großen, der sie vergewaltigt hatte, an den Beinen packt und ihn kopfüber in den Brunnen stürzt, eine eher selten dargestellte Szene aus den Vite des Plutarch.

Viele ihrer Werke zeigen ihre Bewunderung für Guido Reni (aber einen stärkeren Hell-Dunkel-Kontrast), aber auch Hinweise auf Caravaggio, Annibale und Lodovico Carraccis sowie Albani. Aber auch Giovanni Francesco Barbieri, genannt Guercino, Simone Cantarini zählten zu den von ihr bewunderten Künstlerkollegen. In ihrer kurzen Schaffenszeit von rund zehn Jahren hinterließ sie 14 Kupferstiche und um die 200 Ölgemälde, darunter mehrere großformatige Altarbilder, und eine große Anzahl von Zeichnungen, Aquarellen, Skizzen und vorbereitende Bozzetti für ihre Gemälde.

Tod

Elisabetta Sirani starb am 8. August 1665 im Alter von erst 27 Jahren wahrscheinlich an einer Bauchfellentzündung in der Folge eines Magengeschwürs (ulcera perforata). Elisabetta Sirani wurde unter großer Anteilnahme der ganzen Stadt in der gleichen Grabstätte wie Guido Reni beerdigt. Die Bürger errichteten einen riesigen Katafalk: ein lebensgroßes skulpturales Porträt der Malerin in einem Rundtempel.

Der frühe und plötzliche Tod der berühmten Malerin führte zu wilden Gerüchten und Spekulationen, darunter Selbstmord und Vergiftung durch ihre Magd Lucia Tolomelli. Die junge Dienerin hatte wenige Tage zuvor ihre Kündigung verlangt und soll Sirani ein weißes Pulver in die Suppe geschüttet haben. Vor Gericht wurde sie – nach einer Autopsie des Leichnams – von allen Anschuldigungen durch Elisabettas Vater freigesprochen. Der Bologneser Schrifsteller und Kunstexperte Carlo Cesare Malvasia berichtete über den Prozess und veröffentlichte etwas mehr als 10 Jahre nach ihrem Tod ihre Biografie in „Felsina pittrice: vite de‘ pittori bolognesi“ (1678).

Beiträge zu Elisabetta Sirani

Ginevra Cantofoli, Junge Frau in orientalischer Kleidung,detail, 2. Hälfte 17. Jhdt, Öl/Lw, 65 x 50 cm (Padova, Museo d'arte Medioevale e moderna, legato del Conte Leonardo Emo Capodilista, 1864)

Mailand | Palazzo Reale: Italienische Malerinnen des 16. und 17. Jahrhunderts

150 Werke von 34 Künstlerinnen, die zwischen 1500 und 1600 in Italien lebten, sind 2021 im Palazzo Reale in Mailand ausgestellt: mit Bildern von Artemisia Gentileschi, Sofonisba Angissola, Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Giovanna Garzone und Fede Galizia uvm.