Artemisia Gentileschi

Artemisia Gentileschi (1593–1652) wurde als die Tochter des römischen Malers Orazio Gentileschi (1563–1639) in Rom geboren. Die berühmteste und vielleicht auch bedeutendste Malerin des 17. Jahrhunderts, die mit vielfigurigen Historienbildern überzeugen konnte, arbeitete in Rom, Florenz, Venedig, London und Neapel. Im Kunstbetrieb des Barock ist Artemisia Gentileschi eine absolute Ausnahmeerscheinung.

Malerinnen der Renaissance wie Sofonisba Anguissola aus Cremona (um 1532–1625) und Lavinia Fontana aus Bologna (1552–1614) wurden als Schöpferinnen von Porträts und religiösen Bildern hochgepriesen, währen Fede Galizia (1578–1630) für ihre Stillleben gefeiert wurde. Artemisia Gentileschi war jedoch die erste Frau, die sich eine hohe Reputation als Malerin großformatiger, vielfigurige Kompositionen mit biblischen oder mythologischen Themen erarbeiten konnte. Im barocken Kunstdiskurs stellte das Historienbild den Höhepunkt der Malkunst dar.

Artemisia Gentileschis Bilder zeigen häufig gewalttätige Themen mit weiblichen Protagonisten, was – fälschlich oder richtig – häufig mit ihrer Biografie erklärt wird. Artemisia wurde in Rom von ihrem Vater Orazio Gentileschi (1563–1639) ausgebildet, einem der frühesten Nachfolger von Caravaggio. Im Jahr 1611 wurde die 18-jährige Malerin von dem Künstler Agostino Tassi vergewaltigt. Artemisias Vater hatte ihn beauftragt, sie die Perspektive zu lehren. Im Gerichtsprozess wurde Tassi für schuldig befunden und der Stadt verwiesen. Im folgenden Jahr heiratete Artemisia Gentielschi den wenig bedeutenden Maler Piermatteo Stiattesi und übersiedelte nach Florenz.

In Florenz etablierte sich Artemisia Gentileschi am Hof des Großherzogs der Toskana, Cosimo I. de‘ Medici. Sie war Mitglied des literarischen und künstlerischen Zirkels um den Dichter Michelangelo Buonarroti der Jüngere. In Anerkennung ihrer Leistungen wurde Artemisia Gentileschi 1616 als erste Frau in die Accademia del Disegno aufgenommen.

Ihre Karriere führte Artemisia Gentileschi nach Rom (1620–1626), Venedig (1626–1630) und Neapel (1630–1652). 1638 wurde sie von König Karl I. nach London eingeladen, wo sie bis 1641 blieb und vielleicht wieder gemeinsam mit ihrem Vater arbeitete. In der Königlichen Sammlung befindet sich das berühmte „Selbstporträt als die Allegorie der Malerei ” (1638–1641).

Die Wiederentdeckung der Artemisia Gentileschi begann mit der fiktionalen Biografie von Anna Banti im Jahr 1947. Vor allem die überstandene Vergewaltigung, der Ernst und die Durchsetzungskraft von Artemisia Gentileschi macht sie heute auch zu einem Symbol weiblicher Stärke und Kreativität. Die sich trotz allen Widerständen in der männlichen Kunstwelt des 17. Jahrhunderts zu behaupten wusste.

„Ich habe die Polizze erhalten und das Geld ist mir sofort bezahlt worden, ich danke Euch vielmals, und bis jetzt kann ich Euch mitteilen, dass ich mit dem Bild vorankomme und es Ende dieses Monats fertig sein wird: acht Personen und zwei Hunde, welche ich mehr als die Personen schätze, ich werde Euer Durchlaucht zeigen, was eine Frau alles kann, in der Hoffnung, damit Euren Geschmack zu treffen." (Artemisia Gentileschi, 7. August 1649: Brief an den Aristokraten und Mäzen Don Antonio Ruffo)

Beiträge zu Artemisia Gentileschi

17. Juli 2020
Artemisia Gentileschi, Selbstporträt als hl. Katherina von Alexandria, Detail, um 1615–1617, Öl/Lw, 71.5 x 71 cm (© The National Gallery, London)

London | National Gallery of Art: Artemisia Gentileschi Selbstporträts der italienischen Barockmalerin

Im Zentrum der Ausstellung „Artemisia“ steht das jüngst erworbene „Selbstporträt als Heilige Katharina von Alexandria“. Erstmals wird diese Entdeckung des Jahres 2017 neben eng verwandten Werken von Artemisia Gentileschi ausgestellt.
17. März 2020
Artemisia Gentileschi, Selbstporträt als hl. Katherina von Alexandria, Detail, um 1615–1617, Öl/Lw, 71.5 x 71 cm (© The National Gallery, London)

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15. März 2020
Artemisia Gentileschi, Selbstporträt als hl. Katherina von Alexandria, Detail, um 1615–1617, Öl/Lw, 71.5 x 71 cm (© The National Gallery, London)

Artemisia Gentileschi: Biografie Lebenslauf der italienischen Malerin des Barock

Artemisia Gentileschi (1593–1654 oder später) war eine italienische Malerin des Barock, eine Historienmalerin von internationalem Ruhm. Hier findest du alle wichtigen Informationen über ihre Kindheit, Ausbildung, Vergewaltigung, Weg zum Ruhm und ihre Lebensorte.
8. März 2018
Artemisia Gentileschi, Selbstporträt als die Allegorie der Malerei (La Pittura), Kopf, um 1638/39, Öl/Lw, 98.6 x 75.2 cm (Royal Collection of Her Majesty the Queen Elizabeth II., Royal Collection Trust, RCIN 405551)

Artemisia Gentileschi, Selbstporträt als die Allegorie der Malerei Selbstreflexion und Personifikation als Künstlerin

Artemisia Gentileschi (1593–1652) wurde 1638 von König Karl I. nach London eingeladen und schuf dieses spannende und hochkomplexe Selbstporträt vielleicht in England. Darin zeigt sie sich eindeutig als Malerin bei der Arbeit und gibt zugunsten der Lebendigkeit ihres Bildnisses repräsentative Posen auf.