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Wien | Belvedere: Dalí – Freud

Salvador Dalí, Komposition mit drei Figuren (Neokubistische Akademie), 1926, Öl auf Leinwand, 190 x 200 cm (Museu de Montserrat, Montserrat © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2019)

Salvador Dalí, Komposition mit drei Figuren (Neokubistische Akademie), 1926, Öl auf Leinwand, 190 x 200 cm (Museu de Montserrat, Montserrat © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2019)

London, Herbst 1938 – Salvador Dalí trifft den aus Wien geflohenen Sigmund Freud. Das erste und einzige Treffen des Künstlers mit seinem Idol kam auf Vermittlung von Stefan Zweig und Edward James zustande. In einer profunden Schau widmet sich das Belvedere dieser folgenreichen Verbindung und zeigt den Einfluss des Psychoanalytikers auf das Werk Dalís.

Zentrale Motive des Surrealismus sind Unterbewusstes und Traum. Hier wird bereits die Faszination deutlich, mit der Künstlerinnen und Künstler dieser Stilrichtung der Psychoanalyse begegneten. Wie sehr sich dessen größter Vertreter Salvador Dalí konkret mit den Theorien Sigmund Freuds auseinandersetzte und wie unvermittelt vieles davon in seinem Werk auftaucht, zeigt ab Oktober 2020 eine umfassende Ausstellung in der Orangerie des Unteren Belvedere. Sie umfasst 150 Gemälde, darunter Skulpturen, Fotografien, Filme, Bücher, Zeitschriften, Briefe und andere Dokumente – vieles davon Leihgaben aus wichtigen Kulturinstitutionen. Die Ausstellung dokumentiert die große Anziehungskraft, die Freud auf den Surrealisten ausübte – und beleuchtet damit zwei der bedeutendsten Strömungen des 20. Jahrhunderts.

Dalí studiert Freud

Salvador Dalí hatte ab den frühen 1920er Jahren Zugang zu Übersetzungen der Schriften Sigmunds Freuds und studierte sie ausführlich. Beeinflusst von dieser Literatur setzte er sich ab 1926 mit der Poetik des Surrealismus auseinander und entwickelte eine neue Bildsprache, die sein Werk bis heute einzigartig macht. Persönlich traf er den Wiener Psychoanalytiker allerdings nur ein einziges Mal, 1938 in London. Die Ausstellung schildert diese und weitere wegweisende Begegnungen des Künstlers wie jene in der Residencia de Estudiantes in Barcelona mit dem Dichter Federico García Lorca oder dem Filmemacher Luis Buñuel. Sie, wie auch der Histologe und Nobelpreisträger Santiago Ramón y Cajal und dessen Zeichnungen vom Nervengewebe wurden letztlich bestimmend für Salvador Dalís surrealistisches Schaffen. Auch sein familiärer Hintergrund hatte großen Einfluss auf sein Werk, weshalb diesem ein weiterer Augenmerk der Schau gewidmet ist – der Künstler setzte sich mit seiner komplexen Jugend intensiv psychoanalytisch auseinander und verarbeitete diese wiederholt in seinen Gemälden.

Kuratiert von Jaime Brihuega.
Quelle: Belvedere, Wien

Salvador Dalí in Wien: Bilder

  • Salvador Dalí, Komposition mit drei Figuren (Neokubistische Akademie), 1926, Öl auf Leinwand, 190 x 200 cm (Museu de Montserrat, Montserrat © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí)
  • Salvador Dalí, Blutende Rosen [Les roses sanglantes], 1930, Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm (Colección de Arte ABANCA © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí)
  • Salvador Dalí, Gradiva findet die anthropomorphen Ruinen wieder (Rückblickende Fantasie), 1931/32, Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm (Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí)
  • Salvador Dalí, Bildnis Sigmund Freud, 1938, Tinte auf Papier, 30 x 27 cm (Freud Museum London © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí)

Beiträge zu Salvador Dali

24. Oktober 2020
Max Ernst: Die Einkleidung der Braut, Detail, 1940 (Peggy Guggenheim Collection, Venedig (Solomon R. Guggenheim Foundation, New York), 76.2553 PG 78, Foto: David Heald © Solomon R. Guggenheim Foundation, New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Potsdam | Museum Barberini: Surrealismus und Magie

Die Ausstellung „Surrealismus und Magie. Verzauberte Moderne“ ist die erste umfassende Werkschau, die das Interesse der Surrealisten an Magie, Mythos und Esoterik in den Blick nimmt. Sie spannt den Bogen von der „metaphysischen Malerei“ Giorgio de Chiricos um 1915 über Max Ernsts ikonisches Gemälde „Die Einkleidung der Braut“ (1940) bis zu den okkulten Bildwelten im Spätwerk von Leonora Carrington und Remedios Varo.
19. Februar 2020
Salvador Dalí, Hummertelefon, 1938 (West Dean College of Arts and Conservation © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Remagen | Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Dalí – Arp Gegenüberstellung der zwei Surrealisten

Salvador Dalí und Hans Arp im Dialog macht erstmals konzentriert die zahlreichen Bezüge zwischen diesen zwei Protagonisten des Surrealismus nachvollziehbar und erlebbar. Im Obergeschoss des Neubaus zeigt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hochkarätige und internationale Leihgaben von Werken der beiden Künstler Salvador Dalí und Hans Arp.
24. April 2019
Salvador Dalí, Versuchung des hl. Antonius, 1946, Öl/Lw, 89,7 x 119,5 cm (Musée d’Art Moderne, Brüssel)

Brüssel | Magritte Museum: Dalí und Magritte Zwei Ikonen des Surrealismus im Dialog

Was verbindet Salvador Dalí mit René Magritte? Beide Künstler gehören zum Surrealismus, wenn auch beide ihre Differenzen mit André Breton hatten. Wichtiger als diese Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe von Pariser Künstlern ist jedoch, ihre Überzeugung, dass sie mit ihren Gemälden das enthüllen könnten, was hinter der einfachen Erscheinung eines gemalten Bildes liegt.

Aktuelle Ausstellungen

14. Februar 2021
Helmar Lerski, Metamorphosis, 885, 1935–1936, Silbergelatinepapier (ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina: Faces. Die Macht des Gesichts Fotografierte Gesichter der Weimarer Republik

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose - Verwandlungen durch Licht“ (1935/36) präsentiert die Ausstellung „Faces” Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik.
2. Februar 2021
Rudolf Wacker, Stillleben mit Puppe und Hund, Detail, um 1923 (© Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger)

Wien | Leopold Museum: 11 österreichische Maler der Ersten Republik „Menschheitsdämmerung. Zwischen lyrischer Empfindsamkeit und sachlicher Weltauffassung“

Alfons Walde, Albin Egger-Lienz, Anton Kolig, Herbert Boeckl, Gerhart Frankl, Anton Faistauer, Josef Dobrowsky, Hans Böhler, Alfred Wickenburg, Rudolf Wacker und Sergius Pauser kennzeichnen den Pluralismus zwischen einem zurückhaltenden, von Innerlichkeit geprägten, expressiven Kolorismus und einer vom nüchternen Blick auf die Dingwelt geleiteten Neuen Sachlichkeit.
10. Januar 2021
Gerhard Richter, 28.2.2020, Detail, Bleistift und Ölkreide, 27 x 40 cm (22102020)

München | Pinakothek der Moderne: Gerhard Richter. Zeichnungen 54 Zeichnungen 3 Graue Spiegel 1 Kugel

In enger Zusammenarbeit mit dem Kurator für Gegenwartskunst des Museums wird Gerhard Richter zwei Suiten seiner jüngst entstandenen Zeichnungen in einer radikalen Rauminszenierung präsentieren.