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Markus Schinwald auf der 54. Biennale von Venedig Dekonstruierte Körper, verhüllter Raum

Markus Schinwald, Installation im Österreich-Pavillon auf der Biennale von Venedig 2011; Foto: Alexandra Matzner.

Markus Schinwald, Installation im Österreich-Pavillon auf der Biennale von Venedig 2011; Foto: Alexandra Matzner.

Fotokünstlerin Eva Schlegel hat als Kuratorin des Österreich-Beitrags für die 54. Biennale von Venedig Markus Schinwald (* 1973) gewählt, der den Eingang des Pavillons nahezu verschloss und das Innere mit einem schwebenden, weißen Labyrinth füllte. Der white cube Hoffmanns wird so zu einer doppelten Bühne – für die Arbeiten Schinwalds wie für die Betrachter. Die Wand schlängelt sich gleichsam durch den Raum, bildet Falten aus, das Innen kann gleichzeitig auch ein Außen sein. Damit spiegelt die Architektur die verschlungenen Pfade des menschlichen Innenlebens und zwingt ihm zugleich ein Äußeres in Form einer Bewegung auf. Betrachtung wird aktiviert, indem der Betrachter zum Suchenden wird. In Augenhöhe begegnet man den Gemälden, die sog. „Legs“ kriechen erstaunlich hoch wie Spinnen an den Wänden entlang. Immer neue Ecken umrundend, in Wandspalten hineinlugend, stößt man auf Arbeiten oder auf tote Enden.

 

Dekonstrukierte Körper, verhüllter Raum

Diese dekonstruierenden Körperbilder werden von Schinwald vom architektonischen Setting der Präsentation und in die filmische Arbeit transferiert. Die von der Decke hängenden Wände erinnern dabei an den Einsatz von Vorhängen in Schinwalds früheren Ausstellungen. Diese dienten als Bildträger und Sichtbarrieren, als untektonische Raumteiler, und wurden nun zu Wänden verfestigt. Bei aller Schwere des Materials weisen sie jedoch noch immer den Charakter des über den Boden Schwebens auf. Der auf der Biennale erstmals präsentierte Film „Orient“ (2011) wird in diesem architektonischen Rahmen in zwei Teilen gezeigt. Fünf Protagonisten vollführen darin in einer ruinös-phantastischen Architektur artifizielle Bewegungen, passen sich dem Raum und seinen Komponenten an, werden dabei von sakral anmutender Musik und pathetisch-sonoren Stimmen „begleitet“ (deren Erzählung kaum zu folgen ist). Unmögliche Situationen werden genauso wenig gelöst (besser slapstickartig betont), wie die Architektur keinen Aufschluss über die Menschen gibt. Die Poetik der tänzerisch anmutenden, manchmal synchronen Bewegungen, gepaart mit einer Funktions- und gar Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen zeigen Möglich- und Unmöglichkeiten menschlichen Verhaltens auf.

 

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.