Richard Deacon

Wer ist Richard Deacon?

Richard Deacon (* 15. August 1949, Bangor, Wales) ist ein britischer Künstler der Zeitgenössischen Kunst. Seit den 1980er Jahre zählt er zu den wichtigsten Künstlern der britischen Skulptur, gewann er doch 1987 den Turner Preis. Deacons monumentale, abstrakte Werke werden seither weltweit im öffentlichen Raum aufgestellt.

Für Richard Deacon sind Bewegung und der bewusste Umgang mit vielfältigen Materialien essentielle Elemente seiner Kunst. Mit seinen Skulpturen nimmt der international renommierte Bildhauer spielerisch Bezug auf den menschlichen Körper und mittels der Titel auf Denkwürdigkeiten des Alltags. Deacon ist mit der Keramikerin Jacqueline Poncelet verheiratet und hat zwei Söhne.

Ausbildung

Richard Deacon besuchte von 1968 bis 1969 das Somerset College of Art, Taunton, und von 1969 bis 1972 die St. Martin‘s School of Art, London, die er mit einem BA abschloss. 1974 bis 1977 studierte er am Royal College of Art, London, das er mit einem MA in Environmental Media beendete. 1977/1978 folgte ein Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Chelsea School of Art, London.

Werke

Richard Deacon wurde bekannt mit raumgreifenden wie feingliedrigen Skulpturen, die das Verhältnis von Innen und Außen, offen und geschlossen auf außergewöhnliche Weise neu interpretieren. Er neigt zu Materialien, die er in Streifen oder Folien nutzen kann, und vermeidet seit den 1980ern feste oder geschlossene Formen. Der sich selbst als „Verarbeiter [fabricator]“ bezeichnende Bildhauer nutzte für seine Kunstwerke bereits laminiertes, über Wasserdampf geborenes Holz, Edelstahl, Wellblech, Polycarbonat, Marmor, Ton, Vinyl, Schaum und Leder. Gleichzeitig ist Richard Deacon aber auch ein begeisterter Zeichner und räumt dem Arbeiten auf Papier einen wichtigen Stellenwert in seinem Tun ein:

„Ich glaube, Zeichnen und Denken liegen sehr nahe beieinander.“

Seine häufig ohne Podest auf dem Boden liegenden Objekte, erwecken ob ihrer Verarbeitung und des Aufruhens auf wenigen Punkten den Eindruck von Leichtigkeit. Zudem versteckt der Bildhauer nicht die Spuren der Fertigung, sondern lässt diese offen sichtbar die Gestaltung mitbestimmen. Die häufig aus weiter Entfernung solide wirkenden Konstruktionen zeigen bei näherer Betrachtung, wie die Einzelteile zusammengehalten werden (austretender Kleber, Schrauben und Nieten). Die Titel der Skulpturen sind dem allgemeinen Sprachgebrauch entnommen und überhöhen die abstrakten Formen zu poetischen Symbolen des Alltags.

Biomorphe Abstraktionen und kristalline Elemente durchziehen die Formensprache von Richard Deacon. Wie er diese beiden Stränge der Skulptur des 20. Jahrhunderts zu einer Synthese führt, ist für Tobia Bezzola bei Deacon einzigartig gelöst. Strukturen und Variationen begeistern den Künstler, der seine Skulpturen in Modellen und Marquetten andenkt, um dann an Bewegung (Symbol für Leben) und Oberflächen zu arbeiten. Die Frage, wie er möglichst große „Löcher“ in dennoch solide Körper verpacken konnte, führte zu skelettartigen Konstruktionen, die röhrenförmig und theoretisch unendlich verlängerbar sind.

Die Gestaltung der Oberfläche – Maserung, textile Qualitäten – spielt eine große Rolle in Deacons Werk, der sich jüngst in gefalteten Wandobjekten aus Papier beispielsweise mit dem spätgotischen Maler Konrad Witz und den Faltenwürfen in seinen Bildern auseinandersetzte. Das Interesse des Bildhauers an Mustern, Verdichtungen von wiederholten Strukturen innerhalb von klar definierten Formen und die Schwierigkeit ihrer visuellen Erfassung von Interferenz führten in den letzten Jahren zu großformatigen Zeichnungen, die Richard Deacon als autonome Werke neben seinen Skulpturen auffasst.

Richard Deacon als Lehrer

Seit 1977 ist Richard Deacon Gastdozent unter anderem an der Central School of Art & Design, London, der Chelsea School of Art, London, der Sheffield City Polytechnic, der Bath Academy of Art, der Winchester School of Art, des Ateliers 63, Haarlem und Amsterdam, der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien und der Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem sowie als Berater der Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam.

1978/1979 folgte ein zweiter Aufenthalt in den USA, der von Deacon als künstlerischer Wendepunkt bezeichnet wurde. Seit 1999 ist er Professor an der École nationale supérieure des beaux-arts, Paris. Vertreten wird Richard Deacon unter anderem durch die Galerie Marian Goodman, New York, und Galerie Thaddaeus Ropac, Paris. 2009 wurde Deacon zum Professor für Bildhauerei an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Richard Deacon lebt und arbeitet in New York und London.

Ausstellungen

Seit 1970: Teilnahme an verschiedene Gruppenausstellungen weltweit, darunter an der Nouvelle Biennale de Paris (1985), Sonsbeek ‘86, bei Arnheim (1986), documenta IX (1992) und den Skulptur-Projekte-Münster 1997

1978: erste Einzelausstellung in The Gallery, Brixton, London; seitdem Einzelausstellungen und Retrospektiven in Galerien und Museen weltweit, darunter den Riverside Studios (1984), der Tate Gallery London (1985), dem Museum Haus Lange und Museum Haus Esters, Krefeld (1991), der Whitechapel Art Gallery, London (1998), der Tate Gallery Liverpool (1999), dem PS1 New York (2001), dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck (2006), dem Stedelijk Museum, Amsterdam (2008), dem Sprengel Museum, Hannover (2011)

Seit 1990: Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum unter anderem in Toronto, Auckland, Krefeld, Villeneuve d’Ascq, Wien, Antwerpen, Tokio, Beijing, Haarlem, Paris, San Francisco und New York.

Auszeichnungen

  • 1987: Turner Preis (1984 bereits nominiert)
  • 1992–1997: Trustee der Tate Gallery, London
  • 1995: Robert-Jacobsen-Preis der Stiftung Würth
  • 1996: Chevalier des Arts et Lettres, Ministère de la culture, France
  • Seit 1998: Mitglied der britischen Royal Academy of Arts
  • 1999: Ernennung zum Commander of the Order of the British Empire
  • 2004: Will-Grohmann-Preis der Akademie der Bildenden Künste, Berlin
  • 2005: Ehrendoktorwürde der University of Leicester
  • 2009: Professor der Kunstakademie Düsseldorf
  • 2010: Mitglied der Akademie der Künste in Berlin
  • 2017: Ernst-Franz-Vogelmann-Preis für zeitgenössische Skulptur, Heilbronn

Literatur zu Richard Deacon

  • John Thompson, Pier Luigi Tazzi, Peter Schjeldahl und Penelope Curtis, Richard Deacon, London 2000.
  • New World Order: Richard Deacon (Ausst.-Kat. Tate Liverpool 1999).
  • Ian Tromp, Undetermined Pleasure and Unnecessary Beauty. An Interview with Richard Deacon, Sculpture, Bd. 18, Nr. 9 (November 1999).
  • Charles Harrison, Empathy and Irony: Richard Deacon’s Sculpture, in Richard Deacon: Esculturas y Dibujos 1985–1988 (Ausst.-Kat. Fundación Caja de Pensiones, Madrid 1988), S. 16–27.