Toba Khedoori

Wer ist Toba Khedoori?

Toba Khedoori (*20.11.1964, Sidney) ist eine australisch-US-amerikanische Künstlerin der Gegenwart (→ Zeitgenössische Kunst), bekannt für präzise ausformulierte Zeichnungen. Darin verwebt die Künstlerin Zwei- und Dreidimensionales, Gelebtes und Erträumtes, Gesehenes und Gehörtes sowie räumliche und zeitliche Erfahrungen.

Toba Khedoori lebt und arbeitet in Los Angeles (seit 1990).

Kindheit und Ausbildung

Toba Khedoori wurde am 20. November 1964 in Sydney, Australien, geboren. Sie ist die Zwillingsschwester der Künstlerin Rachel Khedoori. Die beiden haben irakisch-jüdische Abstammung1 und wuchsen in Australien auf.

Ausbildung

Toba Khedoori studierte bis 1988 am San Francisco Art Institute, 1990 an der Skowhegan School of Painting and Sculpture und bis 1994 an der University of California in Los Angeles.

Rachel und Toba Khedoori trafen in San Francisco den Künstler Jason Rhoades (1965–2006); sie wurden Teil eines von Rhoades zusammengestellten Scherzkollektivs. Rachel Khedoori und Rhoades heirateten und haben eine Tochter.

Werke

Toba Kheedoris Arbeiten sind das Resultat eines langen, konzentrierten Fertigungsprozesses. Ihre Werke können an der Grenze zwischen Zeichnung und Malerei verortet werden, wobei sich mit ihnen auch haptische Qualitäten verbinden.

Dafür überzieht Toba Khedoori große, aus mehreren Papierbahnen zusammengesetzte Flächen mit einer Emulsion aus synthetischem Wachs und schabt sie dann mit einer Rasierklinge glatt. Auf die so präparierte Fläche zeichnet die Künstlerin mit Grafit nach vorbereitenden Skizzen das linear angelegte Motiv direkt auf das Papier. Gelegentlich verwendet sie auch Ölfarbe, um dem Gegenstand Plastizität zu geben. Die fertige Zeichnung heftet sie direkt an die Wand. Da der Zeichengrund weich ist, sind Korrekturen kaum möglich, aber es bleiben doch gelegentlich die Schatten von verworfenen Linien oder nicht zu Ende gezeichneten Teilen stehen, wie sich auch die Spuren des Arbeitens und des Arbeitsraumes – etwa Fussel – in die Oberflächen einschreiben und der Perfektion der Zeichnung entgegenstehen.

Khedoori reduziert Gebäude (Brücken, Hausfassaden), Fenster oder Gegenstände wie Kinosessel, Kamine, Geäste, Gräser, Wolken oder Horizontlinien auf ihre Grundstrukturen; dadurch wirken diese wie minimalistische Skulpturen. Da die dargestellten Motive häufig von ihrem ursprünglichen Kontext losgelöst sind, besetzen sie einen weiten, leeren Bildraum. Durch die ausgesprochen präzise Ausführung und, damit einhergehend, einen großen Detailreichtum bestechen die Werke Khedooris – und wirken doch geheimnisvoll.

Der Kunstkritiker Jerry Saltz charakterisierte Khedoori anlässlich ihrer zweiten Ausstellung bei David Zwirner als

„visionäre Minimalistin – eine Künstlerin, die den dreidimensionalen Raum des Minimalismus auf einer zweidimensionalen Fläche abbildet“.2

Malerei

Seit 2008 arbeitet die Künstlerin auch Gemälde auf Leinwänden aus, die im Verhältnis zu den Papierarbeiten deutlich kleiner angelegt sind. In ihnen ist die Auseinandersetzung mit den im Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur anzusiedelnden Themen weiter fortgesetzt. Dabei ist das Wechselspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion potenziert. Manche Arbeiten entziehen sich einer klaren Lesbarkeit, sodass die Wirkung von Linien, Strukturen und Farben in den Vordergrund rückt. Unabhängig von ihrem Abstraktionsgrad geht von den Gemälden eine ungewöhnliche, stille und bemerkenswerte Kraft aus, die repräsentativ für das gesamte Schaffen von Khedoori ist. Sie beflügelt Fragen zu den grundlegenden Parametern des Lebens und begründet dadurch die philosophische Metaebene ihres Werkes.

Auszeichnungen, Stipendia

  • 2002: Stipendium der MacArthur Foundation

Ausstellungen

  • 2023: „Toba Khedoori“ bei David Zwirner New York
  • 2021–2022: „Toba Khedoori“ im Fridericianum, Kassel (DT)
  • 2019–2020: „Resonating Spaces“ in der Fondation Beyeler in Basel (CH): Eine große Auswahl von Werken Khedooris wurde in der Gruppenausstellung präsentiert.
  • 2017: Einzelausstellung im Pérez Art Museum Miami (PAMM)
  • 2016: große Einzelausstellung von Khedooris Werken im Los Angeles County Museum of Art. Das war die erste Museumsausstellung seit über einem Jahrzehnt.
  • 2015: „Rachel Khedoori” bei Hauser & Wirth New York
  • 2011: Gisela Capitain, Köln (DT), und Rochester Art Center, Rochester MN
  • 2010: „Rachel Khedoori“ bei Hauser & Wirth London
  • 2009: Teilnahme an der „53. Biennale von Venedig“
  • 2006: Teilnahme an der Liverpool Biennale
  • 2004: Teilnahme an der „26. Biennale von São Paulo“
  • 2004: Villa Arson, Nzza (FR)
  • 2003: St. Louis Art Museum, Missouri
  • 2002: Royal Hibernian Academy, Dublin
  • 2002: Hauser & Wirth Zürich
  • 2001: Whitechapel Gallery, London
  • 2001: Museum für Gegenwartskunst, Basel, und Kunstverein Braunschweig. Das war Toba Kheedoris erste europäische institutionelle Einzelausstellung.
  • 1997: Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.
  • 1997: Khedooris erste museale Einzelausstellung fand im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, statt. Sie reiste weiter zum Walker Art Center, Minneapolis.
  • 1995: Teilnahme an der Whitney Biennale
  • 1994: Toba Kheedori hatte 1994 ihre Debüt Show gemeinsam mit ihrer Schwester Rachel. Seither wird sie von David Zwirner vertreten.

Beiträge zu Toba Khedoori

14. August 2023
Toba Khedoori, Untitled, 2021 © Toba Khedoori. Foto: Evan Bedford. Courtesy the artist, David Zwirner und Regen Projects, Los Angeles

New York | David Zwirner: Toba Khedoori Gitter und Pflanzen | 2023

Toba Khedoori zeigt Hauptwerke seit 2017 bei David Zwirner New York.
20. Mai 2019
Toba Khedoori, Untitled (doors), Detail, 1999, Öl und Wachs auf Papier, 335,3 × 485,1 cm (Privatsammlung, Courtesy David Zwirner, New York / London, © Toba Khedoori, Courtesy Regen Projects, Los Angeles & David Zwirner, Foto: © Fredrik Nilsen)

Fondation Beyeler: Resonating Spaces Zeitgenössische Künstlerinnen und ihr Verhältnis zum Raum

Leonor Antunes, Silvia Bächli, Toba Khedoori, Susan Philipsz, Rachel Whiteread reflektieren Raum in einer Ausstellung der Fondation Beyeler (Herbst 2019)
29. Mai 2015
Fritz Panzer, Rolltreppe, 2006, Drahtskulptur, 320 x 450 x 145 cm, Courtesy Krobath, Foto: Alexandra Matzner.

Drawing Now Aktuelle Zeichnungen in der Albertina

36 Positionen geben einen Einblick in die Spielarten zeitgenössischen Zeichnens der letzten zehn Jahre - so fasst Kuratorin Elsy Lahner die aktuelle Ausstellung der Albertina kurz und bündig zusammen.
  1. https://www.newyorker.com/culture/culture-desk/an-l-a-artist-who-anticipated-our-trumpian-moment (letzter Aufruf 14.8.2023).
  2. https://www.lacan.com/khedoori.htm (letzter Aufruf 14.8.2023).