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Paris | Grand Palais: Henri Matisse 1941–1954 Malerei ohne Grenzen | 2026

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 20. Juli 2025
Henri Matisse, La Tristesse du roi [Die Traurigkeit des Königs], 1952, Gouache papers, cut and pasted on paper mounted on canvas 292 × 386 cm (Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris © Succession H. Matisse Photo © Centre Pompidou, Mnam-Cci/Philippe Migeat/Dist. Rmn-Gp)

Henri Matisse, La Tristesse du roi [Die Traurigkeit des Königs], 1952, Gouache papers, cut and pasted on paper mounted on canvas 292 × 386 cm (Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris © Succession H. Matisse Photo © Centre Pompidou, Mnam-Cci/Philippe Migeat/Dist. Rmn-Gp)

Henri Matisse (1869–1954) zählt zu den bedeutendsten Malern Frankreichs – und des Centre Pompidou. Bereits 1905 etablierte er sich als Anführer der fauves (→ Fauvismus), deren Buntfarbigkeit er bis zu seinem Spätwerk beibehielt. Während des 2. Weltkriegs hielt sich der Künstler in Südfrankreich auf, obwohl er ein Visum nach Brasilien hatte. Ab 1943 bewohnte er ein kleines, unprätentiöses Haus, die Villa Le Rêve in Vence. Seit Anfang der 1940er Jahre körperlich schwer angeschlagen, malte und zeichnete Matisse viel im Bett. Der Künstler heftete ganze Werkzyklen friesartig an die Wand und sprach diesbezüglich vom „Kino seiner Inspiration.“

Henri Matisse, la peinture sans limites 1941–1954

Frankreich | Paris: Grand Palais
24.3. – 26.7.2026

Henri Matisse, Nu bleu, la grenouille, 1952, mit Gouache bemalte und ausgeschnittene Papiere auf Papier auf Leinwand, 141 × 134,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen / Basel, Sammlung Beyeler, © Succession Henri Matisse / 2023, ProLitteris, Zurich, Foto: Robert Bayer
Henri Matisse, Nu bleu, la grenouille, 1952, mit Gouache bemalte und ausgeschnittene Papiere auf Papier auf Leinwand, 141 × 134,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen / Basel, Sammlung Beyeler, © Succession Henri Matisse / 2023, ProLitteris, Zurich, Foto: Robert Bayer

Matisse 1941–1954

Mit fast 80 Jahren erfand sich Henri Matisse neu, indem er die Scherenschnitt-Gouache als Medium nutzte, das sich durch seine Fähigkeit, durch Einfachheit Universalität zu erreichen, als eigenständige und souveräne Bildsprache etablierte. Die Technik, die sich sowohl für Reproduktionen als auch für monumentale Auftragsarbeiten eignete, bot vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und erlaubte es Matisse, die dekorative Dimension seiner Kunst vollends zum Ausdruck zu bringen.

In dieser Phase seines Lebens arbeitete Matisse an einigen seiner bedeutendsten Werke: Nach einem Luftangriff 1943 begann Matisse mit „Jazz“, seinem berühmtesten Künstlerbuch. Cut-outs, Scherenschnitte, die er seit über zehn Jahren als Hilfsmittel zur Korrektur oder Verfeinerung von Kompositionen eingesetzt hatte, nutzte Matisse nun als eigenständige Technik. Für den Künstler tat sich damit ein neues, und für die Zukunft bedeutsames Experimentierfeld auf. Sein ganzes künstlerisches Leben hatte er sich mit der Bildfläche auseinandergesetzt. In seinen letzten Werken, darunter „Großes rotes Interieur“ (1948), den vier Versionen von „Der blaue Akt“ (1952) oder „La Tristesse du roi [Die Traurigkeit des Königs]“ (1952) verband er Flächigkeit, Sparsamkeit der Mittel und Dekorativität mit Monumentalität und seine Vision einer friedlichen Welt.

 

Matisse im Grand Palais 2026

Die Ausstellung im Frühjahr 2026 beleuchtet diese grundlegende Transformation, die allem, was er berührt, ein Gefühl von Dimension und Raum verleiht – von den kleinsten Werken, die wie direkt aus dem Schnitt seiner Schere in die Farbe entstanden scheinen, bis hin zu den aufwendigsten großformatigen Kompositionen.

Die Ausstellung zeigt, dass er keineswegs „mit dem Malen aufgehört hat, das durch Scherenschnitte ersetzt worden wäre“, wie oft fälschlicherweise behauptet wurde, sondern dass die Malerei nach wie vor im Mittelpunkt seines Schaffens steht, immer ausladender im Raum und großzügiger in ihren Farben. Zu sehen sind die wichtigsten Werke dieser Periode, darunter die letzte Gemäldeserie „Intérieurs de Vence“ aus den Jahren 1947/48; das Album „Jazz“, eines der Highlights des Künstlerbuchs, das zusammen mit seinem in der Sammlung des National Museum of Modern Art aufbewahrten Modell präsentiert wird – ein radikal modernes, von Musik inspiriertes Werk; die Serie „Thèmes et Variations“ und die Tuschezeichnungen; die Hauptelemente des Programms der Kapelle von Vence; die monumentalen Tafeln von „La Gerbe et Les Acanthes“; und als krönender Abschluss die großen Gouache-Figuren, wie etwa „La Tristesse du roi“, „Zulma“, „La Danseuse créole“ und die Serie „Nues blues“, die für diese Ausstellung zum ersten Mal zusammengeführt werden.

Matisses letzte Schaffensperiode war geprägt von einer immer stärker werdenden Symbiose zwischen Atelier und Kunstwerk. Die Ausstellung versucht, diese sich ständig wandelnde Umgebung vor Ort nachzubilden und den Besuchern Zugang zu Matisses „Garten“ zu gewähren, indem sie einen Raum nach dem anderen erschließt.

Die Ausstellung „Henri Matisse, la peinture sans limites 1941–1954“ vereint mehr als 230 Werke aus der Sammlung des Centre Pompidou, Privatsammlungen sowie nationalen und internationalen Institutionen, ergänzt um bedeutende Leihgaben, die in Frankreich noch nie oder nur sehr selten zu sehen waren (u. a. Hammer Museum in Los Angeles, MoMA, MET, National Gallery of Art in Washington, Barnes Foundation und Beyeler Foundation).

 

Bilder

  • Henri Matisse, La Tristesse du roi [Die Traurigkeit des Königs], 1952, Gouache papers, cut and pasted on paper mounted on canvas 292 × 386 cm (Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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