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Bonn | Bundeskunsthalle: Beethoven Welt, Bürger und Musik beleuchten den Menschen und den Komponisten

Joseph Karl Stieler, Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis, Detail, 1820 (Beethoven-Haus Bonn © Beethoven-Haus Bonn)

Joseph Karl Stieler, Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis, Detail, 1820 (Beethoven-Haus Bonn © Beethoven-Haus Bonn)

Obschon die zentralen Beethoven-Werke Weltgeltung erlangten, bleibt die historische Figur Ludwig van Beethoven (1770–1827) in der öffentlichen Wahrnehmung seltsam diffus und blutleer. Deshalb liegt das zentrale Anliegen dieser Ausstellung mit ihren gut 250 Exponaten darin, Beethoven vor dem Panorama seiner Zeit plastisch zu porträtieren. Das berühmteste Beethoven-Porträt aus dem Beethoven-Haus Bonn lädt das Publikum ein, den enigmatischen Menschen hinter dem berühmten Komponisten neu zu entdecken (→ Joseph Stieler: Ludwig van Beethoven).

Beethovens Welt und Beethoven in der Welt

„Welt“ zielt auf die globale Bedeutung Beethovens bis in die heutige Zeit. Gleichzeitig werden die politisch-historischen Hintergründe des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts sowie die unterschiedlichen Lebenswelten am Übergang vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter sinnlich erfahrbar gemacht.

Beethoven im bürgerlichen Zeitalter

„Bürger“ bezieht sich auf die Positionierung Beethovens im ideengeschichtlichen und kulturhistorischen Kontext der sich grundlegend verändernden, zunehmend von bürgerlichen Werten geprägten Gesellschaft.

Im 19. Jahrhundert verlässt die Musik den exklusiven Rahmen herrschaftlicher Repräsentationsräume. Sie entwickelt ihr Leben in neuen gesellschaftlichen Kontexten der prunkvollen Opern- und Konzerthäuser und wird so immer mehr zum führenden Kommunikationsmedium. In der Ausstellung werden diese neuartigen Begegnungs- und Austauschräume (auch Kaffeehäuser und Salons) vorgestellt.

Beethovens Musik

„Musik“ schließlich bezieht sich auf Beethovens musikalisches Œuvre, dargestellt anhand ausgewählter Schlüsselwerke wie der Symphonie Nr. 3. „Eroica“, der Klaviersonate op. 106 (der sogenannten „Hammerklaviersonate“) oder der „Missa Solemnis“. Sie markieren weniger die Zäsuren innerhalb der allgemeinen Musikgeschichte, sondern vielmehr die Wendepunkte in der Lebens- und Schaffensgeschichte Beethovens. Gleichzeitig dokumentieren sie seine künstlerische Entwicklung und belegen den richtungsweisenden Stil sowie die enorme Wirkungskraft seiner Kompositionen.

Missa Solemnis

Hier richtet sich das Augenmerk auch auf die Arbeitsweise des Komponisten, die anhand der Entstehungsgeschichte der „Missa Solemnis“ (op. 123, D-Dur, 1819–1823) exemplarischen nachgezeichnet wird. Die ursprünglich für die am 9. März 1820 erfolgende Inthronisation des Erzherzog Rudolf von Österreich zum Erzbischof von Olmütz in Angriff genommene Messe, wuchs in vierjähriger Arbeit über den Anspruch einer weihevollen Messe deutlich hinaus. Heute gilt das Stück als Ergebnis der mehrjährigen Gottessuche Beethovens. Kyrie, Gloria und Credo entstanden – zufolge der Skizzenbücher Beethovens - zwischen April 1819 und Juli 1820. Das Sanctus und die ersten beiden Teile des Agnus Dei komponierte er von November 1820 bis Juli 1821. Von April bis August 1822 arbeitete der Komponist am Dona nobis pacem. Ludwig van Beethoven übereichte die Partitur dem Kardinal und Erzbischof am 19. März 1823, weil er dieses Datum irrtümlicherweise für den Jahrestag der Inthronisation hielt. Obschon sich der Kirchenfürst erfreut über die Komposition äußerte, berief er Beethoven dennoch nicht zu seinem Kapellmeister, da dieser die Missa Solemnis nicht zu gewünschten Termin vollendet hatte.

In dieser Zeit entstand eines der bekanntesten Porträts des Komponisten, der sich ungern dieser Prozedur unterzog. Karl Heinz Stieler schuf auf Wunsch von Franz und Antonie Brentano das Bildnis Beethoven, das diesen bei der Arbeit an der Missa solemnis zeigt. In vier Sitzungen zwischen dem 11. Februar bis zum 10. April 1820 vollendete Stieler das lebensgroße Porträt, das im Anschluss bei der Frühjahrsausstellung der Wiener Kunstakademie der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Gezeigt werden Originaldokumente von ersten Skizzen und Originalpartitur, über begleitende Korrespondenz und diverse Abschriften bis hin zu den Druckplatten und der fertigen Erstausgabe des Werks. Die Erstveröffentlichung erfolgte kurz nach Beethovens Tod im April 1827 im Mainzer Schott Verlag.

Beethoven in der Bundeskunsthalle Bonn

Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag im Jahr 2020 ist der Anlass, ihn in seiner Geburtsstadt Bonn mit einer großen Sonderausstellung zu würdigen. Sie soll Beethovens Leben, Werk und Wirkung einem breiten Publikum vermitteln und dabei die seit 200 Jahren kultivierten Mythen und Klischees, die sich um seine Person ranken, hinterfragen. Daher trägt die interdisziplinär angelegte Ausstellung den Titel „Beethoven. Welt.Bürger.Musik“.

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn
Quelle: Pressetext

Bundeskunsthalle Bonn. Beethoven: Bilder

  • Joseph Karl Stieler, Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis, 1820 (Beethoven-Haus Bonn © Beethoven-Haus Bonn)
  • Willibrord Joseph Mähler, Porträt Ludwig van Beethoven, um 1804/05, Öl auf Leinwand (Wien Museum © Wien Museum)
  • Becher mit Notenschrift („Ode an die Freude“), Entwurf und Ausführung: Werkstätte Gottlob Samuel Mohn, 1811, Glas (Wien Museum © Wien Museum)
  • Francois Rousseau, Bönn'sches Ballstück (Maskenball im Bonner Hoftheater mit Musikanten und Tänzern), 1754, Öl auf Leinwand (Schlösser Augustusburg und Falkenlust © UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust Brühl, Foto: Horst Gummersbach)
  • Johann Nepomuk Hechle, Beethovens Arbeitszimmer, 1827, Tusche auf Papier (Wien Museum © Wien Museum)
  • Beethovens letzter Flügel, Hammerllavier, Wien 1826 (Beethoven-Haus Bonn © Beethoven-Haus Bonn)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.