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Egon Schiele: Biografie Leben und Werk des österreichischen Expressionisten

Egon Schiele, Selbstbildnis mit Lampionsfrüchten, 1912 © Leopold Museum, Wien.

Egon Schiele, Selbstbildnis mit Lampionsfrüchten, 1912 © Leopold Museum, Wien.

Egon Schiele (1890–1918) ist einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des österreichischen Expressionismus. Schiele verstarb mit nur 28 Jahren an der Spanischen Grippe. In den knapp zehn Jahren seines künstlerischen Schaffens malte er über 330 Ölgemälde und erarbeitete sich mehrere Tausend Zeichnungen.

Ausbildung

Der in Tulln als Sohn eines Eisenbahners geborene, frühreife Künstler studierte zwischen 1906 und 1909 an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Klasse von Christian Griepenkerl, mit dem bereits vor ihm Richard Gerstl seine Schwierigkeiten hatte. Der stockkonservative Lehrer vertrat weder künstlerische Ziele, die der junge Schiele akzeptieren konnte, noch verfügte er über moderne Lehrmethoden. Daher brach Egon Schiele sein Studium nach dem dritten Jahr 1908 ab und wandte sich seiner Ausstellungstätigkeit zu.

Neukunstgruppe

Bereits an der Akademie hatte Egon Schiele gemeinsam mit Komilitonen die Neukunstgruppe gegründet, um sich selbst zu organisieren und internationale Ausstellungsbeteiligungen zu erhalten. Egon Schiele schrieb ein Manifest, das 1914 in der "Aktion" veröffentlicht wurde. Darin hielt er die unbedingte Modernität als wesentliches Charakteristikum ihres Kunstwollens fest.

Expressionist der ersten Generation

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gelang es Schiele, bereits internationale Kontakte aufzubauen und beispielsweise 1912 im Folkwangmuseum in Hagen gemeinsam mit Wilhelm Lehmbruck (→ Wilhelm Lehmbruck. Werke und Leben) auszustellen. In diesen Jahren prägte er seinen typischen Stil, für den er dunkle Erdtöne mit wenigen leichtenden Primärfarben kombinierte. Die wichtigsten Themen sind Eros und Körperlichkeit, Tod und Leben, die Liebe, wofür er von Arbeiten Gustav Klimts und Ferdinand Hodlers ausging. In Klimt fand Schiele einen wichtigen Förderer, der sogar seine Zeichnungen erwarb und ihn an die eigenen Mäzene weiterempfahl. Einzigartig sind Schieles ab 1910 entstehende Aktdarstellungen - meist intime Zeichnungen. Hier erforschte er die Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers, von gesuchten Posen, Grimassen und Nacktheit.

Egon Schiele im Ersten Weltkrieg

Den Ersten Weltkrieg verlebte Egon Schiele nach einer kurzen Phase der Grundausbildung in Prag in Niederösterreich und Wien. Kurz vor dem Einrücken 1915 hatte er sich von seiner Freundin Wally getrennt und die bürgerliche Edith geheiratet. Seine schöne Handschrift und wohl auch ein Kontakt - so weiß man - haben ihn vor dem Fronteinsatz bewahrt (ganz im Gegensatz zu Oskar Kokoschka). Als Lagerwärter und Schreiber von Lagerlisten konnte Schiele während der Kriegsjahre seine Karriere weiterverfolgen.

Eine Höhepunkt in Schieles Ausstellungstätigkeit stellt seine Organsation der 49. Ausstellung der Wiener Secession 1918 dar. Er gestaltete dafür das Plakat und präsentierte seine Gemälde im Zentrum der Gruppenausstellung. Auf dem Plakat zum Thema "Die Tafelrunde" versammelt er an einem L-fömigen Tisch seine Mitstreiter. Der Platz von Gustav Klimt im Bildvordergrund bleibt leer. Um ihre Verbundenheit zu symbolisieren, formte Schiele die Kunstschaffenden als anonyme Mönche (mit Tonsur), wobei ihm der Ehrenplatz am Kopf der Tafel zustand. Wenn auch die Figuren höchst abstrahiert gezeigt werden, waren Schieles Kollegen ob seiner Dominanz nicht sehr erfreut.

Auf der Ausstellung konnte Egon Schiele sein reifes Werk präsentieren, das einen gänzlich anderen Maler zeigt als die Frühwerke. Mit der Präsentation gelang ihm der gesellschaftliche Durchbruch in Wien. So stellte er dem Publikum folgende Werke vor: "Bildnis Edith Schiele" (1918, Belvedere), "Bildnis Viktor Ritter von Bauer" (1918, Belvedere), "Tod und Mädchen" (1915, Leihgabe der Münchner Sezession, heute Belvedere), "Mutter mit zwei Kindern III" (1915-1917, Belvedere), "Die Familie" (1918, Belvedere), "Liegende Frau" (1917, Leopold Museum).

Tod

Als Egon Schiele und seine Ehefrau Edith Ende Oktober 1918 an der Spanischen Grippe erkrankten, versuchte die wohlhabende Malerin Broncia Koller-Pinell dem Maler noch vergeblich mit Lebensmittellieferungen zu helfen. Als er am 31. Oktober 1918 in Wien verstarb, galt er bereits als der legitime Nachfolger von Gustav Klimt, der am 6. Februar des gleichen Jahres verstorben war. Vier Tage vor ihm war die im sechsten Monat schwangere Edith an der gleichen Krankheit verschieden.

Ehefrau

  • Edith Schiele (geb. Harms): ⚭ 17.6.1915. Edith und ihre Schwester Adele waren Nachbarinnen von Schieles Atelier an der Hietzinger Hauptstraße (ab 1913). Schieles Freundin Wally musste die drei als Anstandsdame ins Kino begleiten. Die Hochzeit war eine Kriegstrauung und fand mit erleichterten Formalitäten und ohne Aufgebot in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche in der Dorotheergasse (1010 Wien) statt.

Kinder

  • keine

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Biografie von Egon Schiele (1890–1918)

  • 1890

    Am 12. Juni 1890 wurde Egon Leo Adolf Schiele als Sohn des Oberoffizials der k.k. Staatsbahn Adolf Eugen Schiele (1850–1905) und dessen Frau Marie Schiele (geb. Soukup, 1862–1935) in Tulln (NÖ) geboren. Die Familie war 1887 nach Tulln übersiedelt, als Adolf Schiele Stationsvorstand wurde. Egon Schiele hatte zwei Schwestern, Melanie (1886–1974) und Gertrude (genannt Gerti, 1894–1981, verheiratet mit dem Maler Anton Peschka). Die 1883 geborene Schwester Elvira starb bereits 1893 an Gehirnhautentzündung. Der Vater war Stationsvorstand in Tulln, die Familie wohnte daher in einer Dienstwohnung am Tullner Bahnhof (vier Räume, 125 Quadratmeter groß).
  • 1896–1902

    Volksschule in Tulln, Realgymnasium in Krems (ab September 1901) und schnelle Rückkehr in die Bürgerschule in Tulln, wo Schiele das Jahr abschloss. Bereits während seiner Schulzeit fertigte Schiele Zeichnungen an. Huptsächlich zeigen sie den Tullner Bahnhof und die dort stehenden oder rangierenden Eisenbahnzüge.
  • 1902

    Ab Herbst im neu errichteten Landes-Real- und Obergymnasium in Klosterneuburg, da Schiele schlechte Noten (Zensuren) nach Hause gebracht hatte. Schieles Vater wurde (Syphilis) in den Krankenstand versetzt. Bald beschwerten sich die Lehrer, dass Schiele den Unterricht durch Zeichnen störte.
  • 1904

    Übersiedlung der Familie aus Tulln nach Klosterneuburg (Herbst). Im September Besuch von Krumau, der Geburtstadt von Marie Schiele, wo der Vater einen Selbstmordversuch unternahm.Tod des Vaters vermutlich an progressiver Paralyse, d. h. Syphilis (31.12.1904). Der 14-jährige Egon Schiele war tief getroffen.
  • 1905

    Schieles Vormund wurde der wohlhabende Onkel väterlicherseits und Taufpate, der in Wien lebende Ingenieur und Oberinspektor der k. k. Staatsbahnen Ing. Leopold Czihaczek (1842–1929). Wegen schlechter Schulleistungen musste Egon Schiele ein Jahr wiederholen.
  • 1905/06

    Freundschaft mit dem Zeichenlehrer Ludwig Karl Strauch (1875–1959), der bei Christian Griepenkerl an der Wiener Akademie studiert hatte, und sich als Landschafts- und Porträtmaler betätigte. Aufgrund nterdurchschnittlicher Leistungen beendete Egon Schiele seine Schullaufbahn ohne positiven Abschluss. Neben Ludwig Karl Strauch, der Schieles außerordentliches künstlerisches Talent erkannte, unterstützten der Augustiner Chorherr Wolfgang Peuker, ein Kunsthistoriker und Schieles Religionslehrer, sowie sein außerschulischer Mentor und Förderer in Klosterneuburg, der Maler Max Kahrer, Schieles Kunststudium.
  • Sommer 1906

    Egon Schiele hatte sich endgültig entschieden, Künstler werden zu wollen. Er bereitete sich intensiv für die Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule vor. Er definierte seine künftige Rolle in der Gesellschaft über seine elegante Kleidung und ein Automobil.
  • 3. Oktober 1906

    Der schlechte Schulerfolg Schieles zwang dessen Mutter, sich Gedanken über die Berufsausbildung ihres Sohnes zu machen. Die Familie dachte an eine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule. Die vorgelegten Zeichnungen wurden als so gut bewertet, dass man Schiele den Besuch der Akademie für bildende Künste empfahl. Der 16-jährige Egon Schiele bestand die Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und trat als jüngster Student seines Jahrgangs in die Allgemeine Malklasse der Akademie der bildenden Künste in Wien unter der Leitung von Christian Griepenkerl ein.
  • 1907/08

    Übersiedlung nach Wien. Höchstwahrscheinlich erster Kontakt mit Gustav Klimt (1862–1918). Gemeinsam mit Gerti mehrere Bahnfahrten nach Triest, wo er am Hafen malt. Wieder zurück, bezog Schiele sein erstes Atelier in der KUrzbauergasse 6 im II. Wiener Gemeindebezirk.
  • 1908

    Besuch der Wiener Kunstschau. Erste Ausstellungsbeteiligung mit zehn Arbeiten im Kaisersaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg (15.5. bis Ende Juni). Der Kunstsammler Heinrich Benesch wiude auf Schiele aufmerksam.
  • 1909

    Mit vier Werken war Egon Schiele an der Internationalen Kunstschau in Wien vertreten (neben Werken von Vincent van Gogh, Edvard Munch, Henri Matisse, Pierre Bonnard, Paul Gauguin, Jan Toroop, Oskar Kokoschka, Georges Minne). Lernte Josef Hoffmann kennen, der ihn mit der Wiener Werkstätte (WW) in Kontakt brachte.
  • 3. Juli 1909

    Ungünstige Beurteilungen an der Akademie, zunehmend divergierende Ansichten mit Griepenkerl. Gründung der Neukunstgruppe (mit Anton Faistauer, Anton Peschka, Erwin Dominik Osen und Hans Massmann) und Abbruch des Studiums. Abschlusszeugnis vom 3. Juli 1909, das nur mit „genügend“ gespickt ist. Schon am 17. Juni 1909 hatte Schiele mit Gustav Pisko einen Vertrag unterzeichnet. Im Dezember erste Ausstellung der Neukunstgruppe im Salon des Kunsthändlers Gustav Pisko, Lothringerstraße 14, III. Bezirk. Schiele lernte den Kunstkritiker Arthur Roessler, den Internisten und Kunstsammler Dr. Oskar Reichel, den Kunstsammler Carl Reininghaus und den Verleger Eduard Kosmack kennen. Schiele schrieb Gedichte (1909/10), inspiriert durch Arthur Rimbaud. Freundschaft mit Max Oppenheimer (1885–1954)
  • 1910

    Egon Schiele und die Neukunstgruppe stellten im Club Deutscher Künstlerinnen in Prag aus (ab 1.2.). Anfang des Jahres Bekanntschaft mit dem Gynäkologen Erwin von Graff, in dessen Klinik er Studien nach kranken Schwangeren und Babys anfertigte. Angeregt durch Otto Wagner Beginn einer Porträtserie von Wiener Persönlichkeiten (unvollendet). Zweite Ausstellungsbeteiligung in Klosterneuburg. Drei Bildkarten nach modebetonten Entwürfen Schieles von der WW aufgelegt.
  • Mai-Dezember 1910

    Über Josef Hoffmann Teilnahme Schieles an der „Internationalen Jagdausstellung“(Mai-Oktober) im Prater mit „Gelber Akt“ (1910, Leopold Museum). Am 12. Mai fuhr Egon Schiele gemeinsam mit Anton Peschka, seinem späteren Schwager, und Erwin Dominik Osen nach Krumau, um eine Künstlerkolonie zu gründen (bis 1.6.). Ab 6. Juni verlor Schiele die finanzielle Unterstützung durch seinen Onkel. Nach Wien zurückgekehrt, bewohnte Schiele bis Oktober ein Atelier in der Alserbachstraße 39 im IX. Bezirk; danach zog er in die Grünbergstraße 31 (12. Bezirk). Otto Wagner soll Egon Schiele geraten haben, eine Serie von bekannten Wiener Persönlichkeiten zu malen, um bekannt zu werden. Sein eigenes Bildnis ist nicht über Kopf- und Händestudien hinausgekommen. Sechs weitere wurden ausgeführt, jene nach dem Maler Zakovesk und dem Verleger Kosmack sind die bedeutendsten.
  • Herbst 1910

    Im Herbst stellte Egon Schiele wieder im Chorherrenstift Klosterneuburg aus. Der Eisenbahnbeamte Heinrich Benesch begann Schiele zu sammeln. Dessen Bild „Sonnenblume“ begeistert ihn so sehr, dass er den jungen Maler besuchte und zu einem passionierten Sammler von dessen Zeichnungen und Aquarellen wurde. Die Sammlung Benesch bildet heute den Grundstock der Schiele-Sammlung der Albertina. In diesem Jahr intensiver Kontakt zu Max Oppenheimer.
  • 1911

    Albert Paris Gütersloh verfasste einen ersten Aufsatz über Schiele: „Egon Schiele. Versuch einer Vorrede“. April–Mai erste Einzelausstellung in der Galerie H. O. Miethke in Wien. Traf Walburga (Wally) Neuzil, die bis 1915 eine besondere Stellung in seinem Leben einnahm. Übersiedelung am 13. Mai nach Krumau (mit Wally?). Schiele malte v. a. kleinformatige Gemälde nach der Altstadt. Anfang August wurden beide aus der Stadt ausgewiesen und - nach einer kurzen Zwischenstation bei Schieles Mutter - Übersiedelung nach Neulengbach. Im September 1911 lernte Schiele durch den Kunstkritiker Artur Roessler den Münchner Kunsthändler Hans Goltz (1873–1927) kennen, der Schiele vertrat und ihm mehrere Ausstellungen in Deutschland verschaffte. Im November Aufnahme in der Künstlervereinigung SEMA (mit Paul Klee, Alfred Kubin).
  • 1912

    Anfang des Jahres Ausstellung mit der Neukunstgruppe im Künstlerhaus im Budapester Künstlerhaus (mit Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka). Über Goltz Kontakt mit Karl Ernst Osthaus (1874–1921), der im Museum Folkwang in Hagen eine repräsentative Ausstellung präsentierte. Im Frühjahr im Hagenbund vertreten, was ihm den Kontakt zu Franz Hauer sowie Magda Mautner-Markhof brachte. Teilnahme an der Sonderbundausstellung in Köln (Mai–September). Die SEMA-Mappe erschien.
  • Neulengbach-Affäre: 11.4.-7.5.1912

    11. April Vorladung 13. April–7. Mai Inhaftierung: 21 Tage Untersuchungshaft und drei Tage zusätzlicher Arrest. Bei der Verhandlung wurde ein Blatt, das an Schieles Schlafzimmerwand gepinnt war, vom RIchter verbrannt. Die „Aufzeichnungen“ Schieles aus dem Gefängnis sind eine Erfindung von Artur Roessler (1922).
  • Sommer 1912

    Nach seiner Entlassung schrieb er an Artur Roessler, dass er noch immer ganz „zerrüttet“ wäre. Im Sommer Reise nach Klagenfurt in Kärnten (mit Wally), Triest (alleine). Seit 25. Mai lief in Köln die „Internationale Sonderbund-Ausstellung“, auf der Egon Schiele mit drei Werken vertreten war. Das bedeutete den internationalen Durchbruch. Zudem wurden seine Bilder in der Kunsthandlung Arnold in Dresden auf im Juli auf der Ausstellung des Hagenbundes („Die Eremiten“) gezeigt. Durch diese Ausstellung lernte Egon Schiele Franz Hauer kennen, der ihn bis zu seinem frühen Tod 1914 sammelte.
  • Herbst 1912

    Im Herbst hielt sich Egon Schiele in München auf (August), Lindau, Bregenz, Zürich. Im November bezog Egon Schiele ein neues Atelier in der Hietzinger Hauptstraße 101 in Wien XIII, das er bis zu seinem Tod nutzte. Klimt stellte ihn dem Industriellenehepaar Serena und August Lederer vor, deren Sohn Erich dem Künstler freundschaftlich verbunden blieb und eine bedeutende Kollektion von Zeichnungen und Gouachen Schieles aufbaute. Weihnachten und Neujahr bei Lederers in Györ.
  • 1913

    Ab 17. Januar 1913 Mitgliedschaft im Bund Österreichischer Künstler (Präsident Gustav Klimt) und Teilnahme an einer Ausstellung in Budapest. Einjähriger Vertrag mit dem Münchner Kunsthändler Hans Goltz, der Schiele im Sommer eine Kollektivausstellung widmete. Viele Reisen, Im Sommer gemeinsam mit Wally bei Arthur Roessler in Altmünster am Traunsee (Schnappschüsse) und am Kärntner Ossiacher See. Mitarbeit an Franz Pfemferts Berliner Zeitschrift „Die Aktion“.
  • 1914

    Druck des Manifests der Neukunstgruppe in „Die Aktion“. Schiele bekam den 1913 ausgelobten Carl-Reininghaus-Preis nicht zugesprochen und war in einer finanziell schwierigen Lage. Hans Goltz bot ihm eine Reise nach Paris an, die Schiele jedoch nie antrat. Lernte Anfang des Jahres die Schwestern Harms kennen. Erlernte von Robert Philipp das Anfertigen von Holzschnitten und Radierungen. Ab Herbst gab Schiele Hans Böhler (1884–1961) Kunstunterricht, was Schieles finanzielle Lage verbesserte. Experimente mit fotografischen Selbstbildnissen, hierfür Zusammenarbeit mit dem Fotografen Anton Trčka. Hochzeit seiner Schwester Gertrude mit Anton Peschka im November. Vom Ausbruch des Ersten Weltkrieg anfgangs nicht betroffen und zwei Mal als untauglich ausgemustert.
  • 1915

    Erste erfolgreiche Einzelausstellung in der Wiener Galerie Arnot (Ende Dezember 1914–Januar 1915). Entschied sich Edith Harms zu heiraten, Trennung von Wally und im Mai dritte und positive Musterung. Am 17. Juni 1915 heiratete Egon Schiele Edith Harms, Hochzeitsreise nach Prag und Einrücken zur Grundausbildung dort. Beginn des Einsatzes als Einjährig-Freiwilliger des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 74. Rückkehr nach Neuhaus und Wien als Bewachungssoldat.
  • 1916

    Teilnahme an der Wiener Kunstschau in der Berliner Secession.„Die Aktion“ gab ein Egon-Schiele-Heft, Nr. 34/35, heraus. Schiele führt ein Kriegstagebuch. Stationierung in Liesing, heute der 23. Wiener Gemeindebezirk, zur Bewachung von Kriegsgefangenen sowie als Schreiber in der k. k. Offizierstation für kriegsgefangene Offiziere in Mühling in Niederösterreich.Zeichnungen nach russischen und österreichischen Offizieren im Kriegsgefangenenlager in Mühling.
  • 1917

    Versetzung in die k.k. Konsumanstalt für die Gagisten der Armee im Felde nach Wien, zeichnete Magazine und Filialen. Bekanntschaft mit dem dort als Offizier dienenden Kunsthändler Karl Grünwald. Organisierte die Kriegsausstellung 1917 im Prater gemeinsam mit Albert Paris von Gütersloh. Pläne für die Gründung einer „Kunsthalle“ nach Vorbild der Wiener Secession scheitern am Geldmangel. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen in Wien, München, Amsterdam, Stockholm und Kopenhagen. Vermittelte Klimts „Beethoven-Fries“ an die Familie Lederer. Erster Ankauf von Papierarbeiten Schieles durch die k. k. Österreichische Staatsgalerie (Belvedere) unter Direktor Franz Martin Haberditzl. Im Dezember starb Wally in Sinj bei Split, Dalmatien.
  • 1918

    Tod von Gustav Klimt (6.2.). 49. Ausstellung der Secession mit Beteiligung von vielen Mitgliedern der Neukunstgruppe. Öffentlicher und finanzieller Durchbruch für Egon Schiele, der 19 großformatige Gemälde und 29 zum Teil aquarellierte Zeichnungen präsentierte. Franz Martin Haberditzl erwirbt Schieles Bildnis der Frau des Künstlers, Edith Schiele und damit erstmals ein Gemälde des Künstlers zu dessen Lebzeiten für ein österreichisches Museum. Ende April Versetzung an das k.k. Heeresmuseum im Arsenal. Im Sommer bei Broncia Koller-Pinell und ihrem Mann Hugo Koller in Oberwaltersdorf, südlich von Wien. Schiele mietete ab Juli ein zusätzliches Atelier in der Wattmanngasse 6 in Wien XIII.
  • Oktober 1918

    Tod der im sechsten Monat schwangeren Edith Schiele am 28. Oktober und von Egon Schiele am 31. Oktober 1918 an der Spanischen Grippe.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.