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Richard Gerstl (1883–1908) wird oft als Österreichs erster Expressionist bezeichnet. Obwohl er 1908 mit nur 25 Jahren seinem Leben selbst ein Ende bereitete und davor nie ausstellte, war er in Künstlerkreisen geschätzt. Der Künstler führte seine rund 60 überlieferten Gemälde in Auseinandersetzung mit Werken von Vincent van Gogh und Edvard Munch in Richtung einer befreiten Malweise und intensiver Farbigkeit. Während Gustav Klimt in Gerstls Todesjahr seinen goldenen „Kuss“ vollendete, orientierte sich Gerstl an Vincent van Gogh und näherte sich mit wildem Duktus der gestischen Aktionskunst an. Auf dem Höhepunkt des Wiener Jugendstils brach der Wiener Maler mit den Regeln der Schönlinigkeit und dem repräsentativen Frauenbildnis und erzielte mit Hilfe eines gestischen Pinselstrichs, offenen Formen und leuchtenden Farben eine neuartige Innerlichkeit. Die Ausstellung in der Schirn vereint erstmals Gerstls wichtigste Werke in Deutschland und New York: Gemälde aus dem Belvedere, dem Leopold Museum, dem mumok und dem Kunsthaus Zug (Sammlung Kamm) dokumentieren den suchenden Künstler und seinen Weg in die Avantgarde.

 

Wer war Richard Gerstl?

Der Maler Richard Gerstl wurde 1883 als Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmanns in Wien geboren. Er wurde mit nur fünfzehn Jahren an der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen und studierte in der Klasse von Christian Griepenkerl. Dieser war einer der führenden Maler der Ringstraßenepoche und lehrte einen trockenen Akademismus. Richard Gerstl und sein Professor verstanden einander künstlerisch nicht. Nach nur drei Jahren verließ er die Akademie mit der Note „Genügend“. Um sich selbständig künstlerisch weiterzubilden, verbrachte der finanziell unabhängige Kunststudent die Sommer 1900 und 1901 in der freien Malschule des ungarischen Malers Simon Hollósy (1857–1918) in Nagybánya, wo besonders fortschrittliche Lehrmethoden angewandt wurden. Die Künstlerkolonie galt um die Jahrhundertwende als Zentrum moderner Kunst und avancierte zum Treffpunkt für junge, internationale Künstler. Hollósy lehrte Freilichtmalerei, was völlig im Widerspruch zu Griepenkerls Lehre stand.

Zwischen 1902 und 1904 bildete sich Richard Gerstl selbständig weiter, indem er mit zeitgenössischer Literatur, Philosophie, Psychoanalyse, Musik beschäftige. Das Studienjahr 1905/06 besuchte Gerstl erneut die Akademie. Der völlig zurückgezogen lebende, aber äußerst musikbegeisterte Maler war von Heinrich Lefler in dessen „Systemisierte Spezialschule für Landschaftsmalerei“ an der Akademie eingeladen worden. Im Frühjahr 1906 lernte Gerstl Arnold Schönberg und dessen Ehefrau Mathilde kennen. Die Schönbergs und der Schönberg-Kreis nahm ihn mit offenen Armen auf und ließ sich von Gerstl porträtieren.

Auf Einladung Schönbergs verbrachte Richard Gerstl die Sommermonate 1907 mit dessen Kreis in Gmunden am Traunsee. Er widmete sich der Landschafts- und Freilichtmalerei (größte Serie von Landschaften). Zu einem unbekannten Zeitpunkt entwickelte sich zwischen Richard Gerstl und Mathilde Schönberg ein heimliches Liebesverhältnis. Mögliche Ausstellungsbeteiligungen Gerstls in diesem Jahr scheiterten u. a. an der Weigerung des Malers, gemeinsam mit Gustav Klimt (1862–1918) auszustellen. Am 26. August 1908 ertappte Arnold Schönberg seine Ehefrau in flagranti mit dem jungen Maler, beide reisten beschämt vom Traunsee nach Wien zurück. Wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Affäre kehrte Mathilde wieder zu ihrer Familie zurück. Im September 1908 entstand das letzte Selbstporträt Gerstls, das „Selbstbildnis als Akt“ (Leopold Museum, Wien), Mitte Oktober ein „Sitzender weiblicher Akt“ (Leopold Museum). Am frühen Abend des 4. November beendete Gerstl sein Leben. Gleichzeitig fand das Tonkünstler-Orchesterkonzert der Schönberg-Schüler im Großen Wiener Musikvereinssaal statt, zu dem Gerstl nachweislich nicht eingeladen war.

 

 

„Ganz neue Wege“ in der Malerei

Richard Gerstl war davon überzeugt, mit seinen Gemälden einen „ganz neuen Weg“ eingeschlagen zu haben. Er wollte weder künstlerisch noch ausstellungstechnisch Kompromisse eingehen. Wenn er auch einige Porträtaufträge im Freundeskreis erhielt, so verdiente er damit kein Geld, weil die Ergebnisse die Porträtierten erschreckten. Wie auch Oskar Kokoschka (→ Oskar Kokoschka. Fotografie und Malerei) und Egon Schiele (→ Egon Schiele. Gezeichnete Bilder) einige Jahre später stellte sich Richard Gerstl in etwa zwanzig Selbstbildnissen dar. Von den etwa 80 mutmaßlich entstandenen Gemälden sind heute noch etwa 60 Werke auffindbar. Zwischen dem ersten zwischen 1902 und 1904 entstandenen „Selbstbildnis“ und dem letzten „Selbstbildnis als Akt“, das mit dem 12. September 1908 datiert ist (beide Leopold Museum), liegen nur knapp fünf Jahre. Das frühe Bildnis zeigt den Maler, frontal vor blau-türkisem Hintergrund stehend. Er blickt selbstbewusst aus dem Bild, eine Art Aura umgibt seinen Kopf. Gerstl verwandte seine ganze Konzentration auf den Kopf, hier ist das Gemälde am detailliertesten ausgeführt. Im Bereich des Bauches und des Lendentuchs wird die Malerei dünn, fast lasierend. Bewegungsunschärfe oder Pentimenti an den Händen, die grundierte Leinwand großflächig im Bereich des Tuches sichtbar, alles frühe Merkmale einer Malerei, deren Schöpfer sich mit dem avancierten Impressionismus beschäftigt hatte.

Das späteste „Selbstbildnis als Akt“ (1902/04) zeigt einen völlig anderen Umgang mit Farbe, mit Farbmasse. Für Kuratorin Ingrid Pfeiffer wurde Richard Gerstl durch sein Malen mit „meterlangen Pinseln“, den Ritzungen auf der aufgerauten Oberfläche, den Spuren des Pinselstiels zu einem „Vorläufer einer gestischen Aktionskunst“.[1]Ingrid Pfeiffer, Richard Gerstl – ein Überblick, in: Ingrid Pfeiffer, Jill Lloyd (Hg.), Richard Gerstl. Retrospektive (Ausst.-Kat. Schirn, Frankfurt), München 2017, S. 14-22, hier S. 19. Man kann Gerstl durchaus als den malerischsten Maler des Wiener Expressionismus bezeichnen, der sich Maltechniken bediente, die wenige Jahre später auch Oskar Kokoschka (v.a. Ritzungen) aber höchst selten Egon Schiele (seltene pastos ausgeführte Gemälde) beschäftigten. Ohne vorzuzeichnen oder das Bild gar auf klassische Weise aufzubauen, ging Gerstl seine Kompositionen direkt auf der Leinwand an. Da Gestls Werk in einer Phase der Selbstorientierung entstand, lässt es sich nur schwer in ein festgefügtes Raster einordnen. Er scheint avancierteste Bilder und konventionellere Werke gleichzeitig geschaffen zu haben. Wie Ingrid Pfeiffer in ihrem Katalogbeitrag hervorhebt, nutzte Gerstl verschiedene Stilmöglichkeiten, die ihm u. a. der Pointillismus bot, ohne sich gänzlich darauf festzulegen.[2]Ebenda, S. 20. Gerade das letzte Selbstbildnis und die berühmten Gruppenporträts der Schönbergs aus seinem Todesjahr dürfen als prononcierte Werke eines Suchenden gedeutet werden, der sich 1908 bis zur Grenze der Abstraktion vorwagte.

 

 

Die Schwestern Karoline und Pauline Fey (1905)

Mit dem Doppelporträt „Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“ (März/April 1905), eines von zwei Werken Gerstls, das genau datiert werden kann, durchbrach Richard Gerstl alle akademischen Regeln. Er zeigt die beiden Freundinnen in weißen Kleidern. Sie wirken wir Gespenster, so fahl sind ihre Köpfe. Gemeinsam mit den weißen Abendkleidern heben sie sich kontrastreich vom Hintergrund ab. Der dunkelbraune Fond und die weißen Kleider sind nur kursorisch und mit gestischem Pinselstrich ausgeführt. Wenige Monate zuvor war der Maler, der sich mit diesem Bildnis anschickte, Österreichs wichtigster Frühexpressionist zu werden, noch in einem Sanatorium gewesen. Eigentlich hätte er wie sein Bruder Alois zum Militär gewollt, doch aufgrund seiner Statur („physische Schwäche“) wurde er ausgemustert und zurückgewiesen. Die Jahre 1905/06 wurden für die weitere Entwicklung Richard Gerstls wegweisend, lud ihn doch aufgrund des Gemäldes „Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“ Heinrich Lefler in seine Spezialschule auf der Akademie ein und stellte ihm Arnold Schönberg vor. Der Komponist verdiente noch kaum Geld mit seiner Musik und dachte in diesen Jahren daran, sich als Maler eine weitere Einnahmequelle zu erschließen. Hier kam Richard Gerstl als Mallehrer ins Spiel.

 

Richard Gerstl, Arnold Schönberg und Mathilde Schönberg

 

„Zwei wie wir sollten uns nicht durch eine Frau auseinanderbringen lassen.“[3]zitiert nach Otto Breicha 1993, S. 22. (Arnold Schönberg an Richard Gerstl)

 

Im Frühjahr 1906 malte Gerstl lebensgroße Porträts der Schönberg-Familie und ein Jahr später soll er den Komponisten nach einem vernichtend kritisierten Konzert vom Selbstmord abgehalten haben. Für den aus der Musik-Welt kommenden Coffer ist das Verhältnis von Arnold Schönberg und Richard Gerstl für deren künstlerische Entwicklung essentiell.[4]Raymond Coffer, Ein Lied an die Sirene. Die Dreiecksbeziehung zwischen Richard Gerstl, Arnold und Mathilde Schönberg, in: Richard Gerstl (Ausst.-Kat. Richard Gerstl), S. 38–44. Während des gemeinsamen Aufenthalts in Gmunden begann Schönberg am 1. September 1907 an dem ersten Satz seines bahnbrechenden „Zweiten Streichquartetts“ zu arbeiten. Gleichzeitig löste sich Richard Gerstl von seinen Vorbildern (Postimpressionismus, Pointillismus, Van Gogh) und wandte sich einer freien, gestischen Malweise zu. In diesem Sommer malte er „Mathilde Schönberg“ und das „Selbstbildnis, lachend“. Dafür, dass die Affäre zwischen Gerstl und Mathilde Schönberg schon im Sommer 1907 begonnen hätte, gibt es keine Anhaltspunkte.

 

 

Auch 1908 fuhr der Schönberg-Kreis an den Traunsee, um dort die Sommerfrische zu verbringen. Ab 26. Juni hielt sich der Komponist erneut in Gmunden auf, einen Tag später kamen Richard Gerstl und Anton von Webern. Webern brachte für seinen Wochenendbesuch ein Exemplar von Stefan Georges Gedichtzyklus „Der siebente Ring“ mit, das den Komponisten sofort in seinen Bann zog. Die Gedichte Litanei und Entrückung bilden die Textgrundlage für den dritten und vierten Satz seines Zweiten Streichquartetts op. 10, in denen Schönberg eine Sopranstimme einsetzte. Den dritten Satz komponierte er zwischen dem 5. und 11. Juli 1908, den zweiten (Scherzo) bis zum 27. Juli, den vierten bis zum 30/31. Juli. Da die Affäre zwischen Gerstl und Mathilde Schönberg erst am 26. August aufflog (wann immer sie begonnen haben mag), dürfen alle Spekulationen, ob Schönberg seine Enttäuschung musikalisch verarbeitet hat, zurückgewiesen werden.[5]In seiner Dissertation „Richard Gerstl and Arnold Schönberg: A Reassessment of their Relationship (1906–1908) and its Impact on their Artistic Works“ (London 2011) legte Raymond Charles Coffer erstmals die These vor, dass das berühmte Streichquartett von Schönberg keine Verarbeitung der außerehelichen Beziehung seiner Ehefrau Mathilde darstellt, sondern bereits vor dem Bekanntwerden derselben komponiert worden war. Der Flucht Mathildes gemeinsam mit dem Maler nach Wien folgte die Rückkehr der Ehefrau am 30. August.

Gerstl hingegen malte am 12. September 1908 „Selbstbildnis als Akt [Selbstakt mit Palette]“ (Leopold Museum). Der junge Künstler steht völlig nackt mit Pinsel und Palette in der Hand vor einem Sofa. Die Rechte in die Hüfte gestützt blickt er aus dem Spiegel und malt sich mit aufgewühltem Pinselstrich. Ob das Werk als Werk eines Resignierten[6]Diethard Leopold, Richard Gerstl, München 2016, S. 55. (Diethard Leopold) gemeint war oder als Neubeginn eines sich seinen Fähigkeiten bewussten Künstlers (Coffer) bleibt weiterhin Diskussionspunkt der Forschung und hängt von der persönlichen Wahrnehmung der Interpreten ab. Die Liebesbeziehung zu Mathilde dürfte noch nicht gänzlich abgeschlossen gewesen sein, gilt sie gemeinhin als das Modell seines letzten Frauenaktes, der danach entstand.

 

Gerstl, der „österreichische Van Gogh“

Bevor sich Richard Gerstl malerisch dem Werk Vincent van Goghs annäherte, probte er ab Frühling 1907 den Pointillismus (→ Seurat, Signac, Van Gogh – Wege des Pointillismus), wie in „Trasse der Zahnradbahn auf den Kahlenberg“ (Belvedere), „Obstbaum mit Holzstützen“ (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm) zu sehen ist. Mehr als fünfzehn Landschaftsgemälde entstanden während des ersten Aufenthalts Gerstls am Traunsee. Die Familie Schönberg und ihr Kreis hatten ihn erstmals zur gemeinsamen Sommerfrische ins Salzkammergut eingeladen. Auffallend ist – im Vergleich zu den französischen Vorbildern – die Grün-Braun-Tönung der Bilder. Raymond Coffer führt dies vor allem auf das feuchte Wetter und die daraus erwachsende üppige Vegetation der Streuobstwiesen zurück.[7]Siehe Richard Gerstl (Ausst.-Kat.), S. 110.

Nachdem sich Gerstl mit den ersten Skizzen „eingemalt“ und die Gegend rund um das Haus erkundet hatte, weitete er seinen Radius auf die Uferpromenade von Gmunden und Bauerngärten hinter Holzzäunen aus. „Uferstraße bei Gmunden“, „Bauerngarten mit Zaun“ und „Baum mit Häusern im Hintergrund“ (alle drei Leopold Museum) weisen eine deutlich wildere Pinselschrift auf als ihre Vorgänger. Der Farbauftrag erfolgt nicht mehr in Punkten oder in parallel gerichteten, kurzen Strichen, sondern in längeren Strichen, die die Farbe pastos auf der Leinwand verteilen. Insgesamt entsteht der Eindruck eines hastigen, weniger kontrollierten Malvorgangs, der eine spontane Beobachtung auf den Malgrund „wirft“. Bereits mit der pointillistischen Technik hatte sich Richard Gerstl von jeglicher Naturwiedergabe gelöst und war zu einer Verwandlung des Seheindrucks gekommen. Nun fügte er die Auflösung der Objekte auf der Bildfläche dazu. In den Kritiken zu Gerstls erster Ausstellung im Jahr 1931 (!) vermeinten die Rezensenten eines „österreichischen Wunders“ teilhaben zu können, da „der österreichische Van Gogh“ dem Dunkel des Vergessens entrissen wurde. Richard Gerstl hat wohl die Ausstellung von 45 Gemälde Vincent van Goghs in der Galerie Miethke Anfang des Jahres 1906 gesehen (→ Vincent van Gogh. Gezeichnete Bilder). Ludwig Hevesi schrieb in seiner Kritik über „Formen, die ein ewiges Suchen sind und sich niemals finden“[8]Zitiert nach Werner Hofmann, Richard Gerstl, in: Werner Hofmann (Hg.), Experiment Weltuntergang, München 1981, S. 212–213, hier S. 212.. Die Abstrahierungstendenz nahm im Werk Gerstls bis in den Sommer 1908 noch zu – wie die Gruppenporträts des folgenden Jahres und die Landschaftsbilder belegen.

 

 

Juli 1908: Revolutionäre Bildnisse

Während sich Arnold Schönberg mit dem Zweiten Streichquartett abmühte und/oder urlaubte, malte Richard Gerstl am Traunsee großformatige Porträts seiner Freunde: „Mathilde Schönberg im Garten“ (Juli 1908, Leopold Museum), Alexander von Zemlinsky (Juli 1908, Stiftung Sammlung Kamm, Kunsthaus Zug), „Die Familie Schönberg“ (Ende Juli 1908, mumok), „Paar im Grünen“ (Leopold Museum), „Familie Schönberg“ im Gras sitzend (mumok). Das „Gruppenbildnis mit Schönberg“ (23./24. Juli 1908, Stiftung Sammlung Kamm, Kunsthaus Zug) zeigt höchstwahrscheinlich Arnold Schönberg, Mathilde, Alexander und Ida von Zemlinsky und das Ehepaar Horwitz. Zum Vorbild Van Gogh gesellte sich zweifellos auch Edvard Munch (→ Edvard Munch. Archetypen). Die Gesichter gerinnen ihm zu farbigen Masken. Das Spiel mit der Farbe scheint wichtiger zu sein als die Wiedererkennbarkeit der Dargestellten. Angesichts der gleichzeitigen Produktion von Gustav Klimts „Kuss“ (1908, Belvedere → Gustav Klimt in Wien 2012) und dem ersten „Porträt Adele Bloch-Bauer“ (1908, Neue Galerie, New York) erstaunt die völlige Freiheit, die sich Gerstl für seine Entwicklung nahm. Den Jugendstil und seine dekorative Ornamentik völlig außer Acht lassend, ging der junge Maler, inspiriert durch die internationale Moderne, einen einsamen Weg, der ihn zweifellos zu etwas völlig Neuem in der Wiener Moderne führte.

 


 

Selbstmord

Mythos und Wirkung Richard Gerstls sind eng mit seinem Selbstmord im Alter von nur 25 Jahren verbunden. Raymond Coffer konnte in seinen minutiösen Studien die genauen Umstände aufdecken, die sich am 4. November 1908 abspielten. Der Maler wählte eine sichere Methode, um seinem Leben ein Ende zu bereiten; er rammte sich ein Messer ins Herz und erhängt sich im Fallen. Auslöser des spontanen Suizids war wohl Gerstls Erkenntnis, kein Mitglied des Schönberg-Clans mehr zu sein. Wenn sich auch die Hinweise verdichten, dass Mathilde Schönberg die geheime Liebesbeziehung zu Gerstl wiederaufgenommen haben könnte (Sie dürfte das Modell des letzten Frauenaktes sein!), so hatte der Maler doch seinen wichtigsten „Sparringpartner“ in Sachen Kunst verloren. Am frühen Abend des 4. November fand ein Tonkünstler-Orchesterkonzert der Schönberg-Schüler im Großen Wiener Musikvereinssaal statt, zu dem Gerstl nachweislich nicht eingeladen war. Zur selben Zeit beendete der talentierte Expressionist sein Leben.

 

 

Frühexpressionist mit Folgewirkung

 

„Als Richard Gerstl [1908] die Familie Schönberg malte, wurde das kein Bild, sondern eine Explosion, aber sie erfolgte in Österreich und daher war sie unhörbar und bis jetzt eigentlich auch unsichtbar.“ (Fritz Wotruba, 1962)

 

Die Wirkung von Richard Gerstls Werk konnte sich aufgrund der Weigerung des Malers zu Lebzeiten auszustellen erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs entfalten. Es ist dem Bruder Alois Gerstl zu verdanken, dass er die Gemälde bis in die frühen 1930er Jahre in einem Lager aufbehielt und sie Anfang 1931 Otto Nirenstein (Kallir) zeigte.[9]Siehe dazu den Beitrag von Jane Kallir im Katalog: Jane Kallir, Die bemerkenswerte Wiederentdeckung des Richard Gerstl, in: Richard Gerstl (Ausst.-Kat. Schirn), S. 46–50. Der wichtige Wiener Galerist konnte den Frühexpressionisten Gerstl daher erstmals der Öffentlichkeit vorstellen und ihn als Vorläufer von Oskar Kokoschka (1886–1980) und Egon Schiele (1890–1918) aufbauen. Doch die Emigration Nirensteins in die USA im Jahr 1938, die Verunglimpfung expressionistischer Tendenzen durch den Nationalsozialismus unterbrachen das Projekt der Wiederentdeckung. Erst nach 1945 wurden österreichische Kunsthistoriker und Avantgarde-Künstler auf die Leistungen Gerstls aufmerksam.[10]Rainer Fuchs führt in seiner Dissertation folgende Publikationen an: „Schon 1956 nennt Gerhard Schmidt ins einem Buch „Neue Malerei in Österreich“ Gerstl mit Kokoschka und Schiele als Begründer des „österreichischen Expressionismus“ und stuft ihn überdies als einzigen österreichischen Künstler ein, auf den man den Begriff „Fauve“ anwenden könne. Dieser Meinung schließen sich Kristian Sotriffer 1963, Werner Hofmann 1965 und Patrick Werkner 1986 an.“ Weiter: Oswald Oberhuber: „Schiele und Kokoschka sind die einzigen Expressionisten Österreichs, alle anderen gehen über diese Haltung hinweg, ob ins Abstrakte oder Reale, immer im Hintergrund als Basis den Expressionismus. Es sind verblasste, verwischte Aussagen, die sich nicht genau entscheiden.“ Siehe: Rainer Fuchs, Apologie und Diffamierung des „österreichischen Expressionismus“, Wien/Köln 1991, S. 16–17. Der Aktionskünstler Günter Brus setzte sich intensiv mit Gerstl (und auch Schiele) auseinander, der Bildhauer Fritz Wotruba verglich das Schönberg-Familienporträt mit einer Explosion.

 

 

Biografie von Richard Gerstl (1883–1908)

Am 14. September 1883 wurde Richard Gerstl als jüngster von drei Söhnen des Ehepaares Emil Gerstl (1834–1912) und Marie Gerstl (geb. Pfeiffer, 1857–1910) in Wien geboren. Der Vater war jüdischer Abstammung und vermögender Geschäftsmann (Privatier), wodurch die Familie in finanziell stabilen, gutbürgerlichen Verhältnissen lebte. Die Mutter war Christin und bestand auf einer römisch-katholischen Taufe ihrer Söhne.
1889–1895 Besuch der Volksschule in der Bartensteingasse
1895–1897 zwei Jahre am Wiener Piaristengymnasium Maria Treu
1897 Wechsel an die Meixner Privatschule wegen disziplinarischer Schwierigkeiten. Bereits während der Schulzeit erhielt Richard Gerstl Zeichenunterricht von dem Akademiestudenten Otto Frey.
1898 Zwei Monate lang Unterricht an der von Ladislaus Rohsdorfer geleiteten Zeichenschule „Aula“, um sich auf die Aufnahmeprüfung der Akademie der bildenden Künste in Wien vorzubereiten (Sommer). Der erst 15-Jährige wurde an der Akademie angenommen und trat in die Allgemeine Malerschule von Professor Christian Griepenkerl (1838–1912) ein. Richard Gerstl wurde Zeit seines Lebens von seiner Familie finanziell unterstützt. Die Mutter förderte seine künstlerischen Ambitionen, während der Vater diesen eher skeptisch gegenüberstand.
1900/01 An der Akademie hatte Gerstl nur „genügenden“ Erfolg. Er verbrachte daher die Sommer 1900 und 1901 in der freien Malschule des ungarischen Malers Simon Hollósy in Nagybánya, wo besonders fortschrittliche Lehrmethoden angewandt wurden. Die Künstlerkolonie galt um die Jahrhundertwende als Zentrum moderner Kunst und avancierte zum Treffpunkt für junge internationale Künstler. Dem Vorbild des französischen, koloristischen Impressionismus folgend, wurde die Freilichtmalerei gelehrt, was völlig konträr zu Griepenkerls Lehre stand. Gerstls Wunsch seinem Lieblingsbruder Alois in die Armee zu folgen, wurde aufgrund seiner „physischen Schwäche“ abgelehnt.
1901 Das Schüler-Lehrer-Verhältnis zwischen Griepenkerl und Gerstl war von häufigen Differenzen geprägt. Gerstl wurde mit der Note „Genügend“ bewertet, weshalb er die Akademie im Juli 1901 verließ und das Studium für drei Jahre unterbrach. Am 17. Oktober erhielt Gerstl für das 1898 begonnene Studium ein Zeugnis.
1902–1904 Richard Gerstl mietete zwei Zimmer in Wien (Haubenbiglgasse in Döblingen und anschließend im Therese-Krones-Haus auf der Hohen Warte 37 in Heiligenstadt), wo er sich autodidaktisch bildete und mithilfe der Langenscheidt-Methode Italienisch und Spanisch lernte. Er begeisterte sich für Philosophie und Literatur. Sein Interesse galt insbesondere den Abhandlungen Otto Weiningers (1880–1903) und der „Traumlehre“ (1899/1900) Sigmund Freuds (1856–1939) sowie den Theaterstücken von Henrik Ibsen und Frank Wedekind. Zudem beschäftigt er sich intensiv mit Musikwissenschaften. Wöchentlich besuchte Gerstl die Oper und Klassikkonzerte in Wien. Während dieser Zeit lebte er zurückhaltend, u. a. mit seinem Jugendfreund und angehenden Anwalt Waldemar Unger sowie dem etwa gleichaltrigen Studienkollegen Victor Hammer. Verbindungen zu Wiener Künstlerkreisen sind nicht bekannt. Den späteren Überlieferungen seines Bruders Alois zufolge, zu dem er ebenfalls ein enges Verhältnis hatte, hatte er keine hohe Meinung von den zeitgenössischen Wiener Malern. Erstes Selbstporträt (Leopold Museum, Wien), das ihn als Akt vor blauem Hintergrund zeigt und aufgrund des symbolistischen Charakters eine Sonderstellung im Werk des Künstlers einnimmt.
1904 Kurzer Aufenthalt in einem Sanatorium (August). Neuerlicher Eintritt in die Klasse Griepenkerls an der Akademie (Oktober) und Beendigung des Grundkurses der Allgemeinen Malerschule.
1905 Nach zwei Semestern, kurz vor dem Wintersemester 1905/06, musste Gerstl endgültig den Kurs verlassen. Lernte den von ihm hoch geschätzten Direktor der Wiener Hofoper Gustav Mahler kennen und bat um Porträtsitzungen. Zu Gerstls Bedauern lehnte dieser jedoch ab. Malte „Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“ (März/April 1905, Belvedere).
1906 Mietete vorübergehend ein Atelier in der Gumpendorferstraße 11, das er sich vermutlich mit Victor Hammer teilte. Hammer wechselte in die „Systemisierte Spezialschule für Landschaftsmalerei“ von Prof. Heinrich Lefler (1863–1919) an der Akademie der bildenden Künste. Der Mitbegründer des Hagenbundes (1900) galt als besonders fortschrittlich im damaligen Lehrkörper der Akademie. Lefler lud Gerstl im März in seine Klasse ein, nachdem er dessen Gemälde „Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“ (1905, Belvedere) gesehen hatte. Gerstl stimmte zu, unter der Bedingung, ein eigenes Atelier in der Akademie zu bekommen. Unter den Mitschülern befanden sich Franz Wacik, Ignaz Schönfeld, Victor Hammer und Anton Kolig (1886–1950)
Im Frühjahr lernte Richard Gerstl den Komponisten Arnold Schönberg (1874–1951) und dessen Frau Mathilde (1877–1923) kennen, denen er privaten Malunterricht erteilte. Anfang des Sommers porträtierte er Arnold Schönberg (Frühling/Sommer 1906, Wien Museum) und im Juni entstand das erste von acht Bildnissen von Mathilde, das sie mit ihrer Tochter Trudi zeigt („Frau mit Kind (Mathilde Schönberg mit Tochter Gertrud)“, Belvedere). Gerstl fand sofort Aufnahme in den „Schönberg-Kreis“, eine eng verschworene Gruppe von Musikern, Komponisten und Schönberg-Schülern, die er von nun an porträtierte. Über Schönberg lernte er dessen Schwager, den Dirigenten und Komponisten Alexander von Zemlinsky, den Kunsthistoriker Ernst Diez, die Pianistin Smaragda Berg sowie die Komponisten Alban Berg, Anton von Webern, Egon Wellesz, Heinrich Jalowetz und Victor Krüger kennen. Gerstl zog sogar kurzzeitig eine Karriere als Musikkritiker in Erwägung.
1907 Auf Einladung Schönbergs verbrachte Richard Gerstl die Sommermonate mit dessen Kreis in Gmunden am Traunsee. Er widmete sich der Landschafts- und Freilichtmalerei (größte Serie von Landschaften). Neben der Familie Schönberg waren auch die Schönberg-Schüler Victor Krüger, Heinrich Jalowetz, Anton von Webern und Karl Horwitz anwesend. Zu einem unbekannten Zeitpunkt entwickelte sich die freundschaftliche Beziehung zwischen Gerstl und Mathilde Schönberg zu einem heimlichen Liebesverhältnis.
1908 Das gute Verhältnis zu Professor Lefler verschlechterte sich, denn Gerstl stellte das Engagement seines Lehrers im Rahmen des Huldigungs-Festzuges anlässlich des 60-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. am 12. Juni 1908 infrage. Die geplante Ausstellung des Hagenbundes kritisierte er scharf. Lefler zog zwar kurzzeitig in Erwägung, Gerstls Arbeiten im Hagenbund auszustellen, doch verwarf er das Vorhaben aus Furcht vor einem Skandal letztlich. Das Angebot des Präsidenten des „Ansorge-Vereins“, Dr. von Wymetal, zu einer Ausstellung lehnte Gerstl aus unbekannten Gründen ab. Ebenso scheiterte seine geplante Teilnahme an einer Präsentation in der von Carl Moll geleiteten Galerie Miethke, da Gerstl nicht mit Gustav Klimt zusammen ausgestellt werden wollte. Im Februar bezog Gerstl ein zweites Atelier in der Liechtensteinstraße 68/70 im Wohnhaus der Schönbergs.
Zweite Reise mit den Schönbergs nach Gmunden an den Traunsee (Juli). Gerstl sandte am 22. Juli einen Beschwerdebrief an das Ministerium für Kultur und Unterricht, in dem er beklagte, dass seine Bilder in der am 19. Juli eröffneten Schulausstellung nicht ausgestellt wurden. Damit blieb ihm die Chance auf den Spezialschulpreis verwehrt, der letztlich seinem Studienkollegen Ignaz Schönfeld zugesprochen wurde. Das Schriftstück, das vom Ministerium an den Rektor der Akademie weitergegeben wurde, stieß auf heftige Ablehnung und Unverständnis seitens der Professoren. Zwei „Gruppenporträts“ um Schönberg in gestischer Malweise und hohem Abstraktionsgrad.
Ende August erfuhr Arnold Schönberg vom Verhältnis von Gerstl und seiner Frau. Mathilde verließ ihre Familie am Traunsee und fuhr gemeinsam mit Gerstl nach Wien. Wenige Tage später kehrte sie jedoch wieder zu ihrem Ehemann zurück. Sofortiger Bruch zwischen Gerstl und dem „Schönberg-Kreis“ und gesellschaftliche Isolation des Malers. Verließ sein Atelier in der Liechtensteinstraße 68/70 und zog in das Haus seiner Eltern. Letztes Selbstporträt, das „Selbstbildnis als Akt“ (Leopold Museum, Wien). Mitte Oktober Umzug in die Liechtensteinstraße 20. „Sitzender weiblicher Akt“ (Leopold Museum) zeichnet sich durch seinen expressiven und abstrahierenden Stil aus und markiert einen radikalen Schlusspunkt im Œuvre des Künstlers.
Am 4. November vernichtete Gerstl angeblich alle Briefe und schriftlichen Dokumente. Am frühen Abend desselben Tages erhängte und erstach er sich. Zeitgleich zu seinem Selbstmord fand das Tonkünstler-Orchesterkonzert der Schönberg-Schüler im Großen Wiener Musikvereinssaal statt, zu dem Gerstl nachweislich nicht eingeladen war. Aus Furcht vor einem Skandal wurde der Selbstmord von seiner Familie geheim gehalten. Die Affäre mit Mathilde wurde von den Beteiligten ebenfalls verschwiegen und erst rund fünfzig Jahre später publik. Eine ärztliche Unzurechnungsfähigkeitserklärung sicherte Richard Gerstl am 7. November ein christliches Begräbnis auf dem Sieveringer Friedhof in Wien. Die bei seinem Tod hinterlassenen Arbeiten wurden bei der Spedition Rosin & Knauer eingelagert.

 

Richard Gerstl: Bilder

  • Richard Gerstl, Bildnis Carl Zentzytzki, um 1902, Öl auf Leinwand, 53 × 42 cm (Privatsammlung)[11]Die Liste wurde mit Hilfe des Ausstellungskatalogs der Schirn zusammengestellt.
  • Richard Gerstl, Bildnis der Cousine Richard Gerstls (Anna Bäumer), um 1902, Öl auf Leinwand, 47 × 38 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Frauenkopf, um 1902, Öl auf Leinwand, 47 × 37 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Bildnis Waldemar Unger I, 1902/03, Öl auf Leinwand, 42 × 34 cm (Oberösterreichisches Landesmuseum Linz, Schenkung Kastner)
  • Richard Gerstl, Bildnis Waldemar Unger II, 1902/03, Öl auf Leinwand, 44 × 35 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04, Öl auf Leinwand, 159 x 109 cm (Foto © Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Fragment eines lachenden Selbstbildnisses in ganzer Figur, um 1904, Öl auf Leinwand, 170,5 × 74,3 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Die Schwestern Karoline und Pauline Fey, März/April 1905, Öl auf Leinwand, 175 x 150 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Idealbildnis Trude Geiringer, 10. Februar 1906, Bleistift, Tinte und Aquarell auf Papier, 19,5 × 12,4 cm (Privatsammlung, Courtesy Galerie St. Etienne, New York)
  • Richard Gerstl, Grinzing, Frühling 1906, Öl auf Leinwand, 29,7 x 40,2 cm (Privatsammlung, Courtesy Galerie St. Etienne, New York)
  • Richard Gerstl, Bildnis Arnold Schönberg, Frühling/Sommer 1906, Öl auf Leinwand, 182 × 130 cm (Wien Museum)
  • Richard Gerstl, Frau mit Kind (Mathilde Schönberg mit Tochter Gertrud), Juni 1906, Öl auf Leinwand, 160,5 × 108 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis einer jungen Frau im lichtblauen Kleid mit Federhut, Frühling/Sommer 1906, Öl auf Leinwand, 166 × 116 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis des Vaters Emil Gerstl Sommer, 1906, Öl auf Leinwand, 211,1 × 150,3 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis des Reserveleutnants Alois Gerstl, Herbst 1906, Öl auf Leinwand, 153 × 130,2 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Prof. Ernst Diez, Herbst 1906, Mischtechnik auf Leinwand, 184 x 74 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Smaragda Berg, Ende 1906, Öl auf Leinwand, 195 × 137 cm (Privatbesitz)
  • Richard Gerstl, Mutter und Tochter, Ende 1906, Öl auf Leinwand, 145,7 × 120,5 cm (Wien Museum)
  • Richard Gerstl, Dame mit Federhut, Anfang 1907, Öl auf Leinwand, 98,7 × 79,1 cm (Privatsammlung, Courtesy Neue Galerie New York)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis Winter, 1906/07, Pinsel in Schwarz, 44,9 x 31,4 cm (Albertina, Wien)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis (Studie), Winter 1906/07, Leimfarbe auf Leinwand, 69 × 55 cm (Neue Galerie New York)
  • Richard Gerstl, Kleines Selbstbildnis, Winter 1906/07, Öl auf Leinwand, 47 × 37 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis mit Palette, Winter 1906/07, Öl auf Leinwand, 186,5 × 58,5 cm (Wien Museum)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis vor einem Ofen, Winter 1906/07, Öl auf Leinwand auf Karton, 69 × 55 cm (Neue Galerie New York)
  • Richard Gerstl, Trasse der Zahnradbahn auf den Kahlenberg, Frühling 1907, Öl auf Leinwand, 56 × 69,5 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis vor blaugrünem Hintergrund, Frühling/Sommer 1907, Öl auf Karton, 100 × 72 cm (Land Tirol)
  • Richard Gerstl, Obstbaum mit Holzstützen, Sommer 1907, Öl auf Leinwand auf Karton, 35,5 × 20,5 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Obstgarten (Kleines Gartenbild), Sommer 1907, Öl auf Leinwand auf Karton, 35 × 34 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Blumenwiese mit Bäumen, Sommer 1907, Öl auf Leinwand auf Karton, 36 × 38 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Wiese mit Bäumen, Sommer 1907, Öl auf Leinwand, 44 × 34,7 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Uferstraße bei Gmunden, Sommer 1907, Öl auf Leinwand, 32,3 × 33,2 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Obstbaum, Sommer 1907, Öl auf Leinwand auf Karton, 51,5 × 22,5 cm (Richard Grubman and Caroline Mortimer, USA)
  • Richard Gerstl, Bauerngarten mit Zaun, Sommer 1907, Öl auf Leinwand, 36,7 x 51,2 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Baum mit Häusern im Hintergrund, Sommer 1907, Öl auf Leinwand, 35 x 19,4 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis Johann Georg Prillinger, Sommer 1907, Öl auf Karton, 50 × 36 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Mathilde Schönberg, Sommer 1907, Tempera auf Leinwand, 95 × 75 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis, lachend, Sommer/Herbst 1907, Öl auf Leinwand, 40 x 30,5 cm (Belvedere, Wien)
  • Richard Gerstl, Kleine Traunseelandschaft, August 1907, Öl auf Leinwand, 40,3 × 36,1 cm (Richard Grubman and Caroline Mortimer, USA)
  • Richard Gerstl, Baum am Traunsee, September 1907, Öl auf Leinwand auf Karton, 38 × 51 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Traunsee mit »Schlafender Griechin«, September 1907, Öl auf Leinwand, 37,7 × 39,3 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Landschaftsstudie, September 1907, Öl auf Leinwand, 37 × 51 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Die Straße (Motiv aus Nußdorf), Herbst 1907, Öl auf Leinwand, 50,5 × 63 cm (Museum der Moderne Salzburg)
  • Richard Gerstl, Vorhof des Palais Liechtenstein in Wien, Herbst 1907, Öl auf Leinwand, 55,5 × 68,8 cm (Wien Museum)
  • Richard Gerstl, Am Donaukanal, Herbst 1907, Öl auf Leinwand, 63,5 × 47,5 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis, Winter 1907/Frühling 1908, Öl auf Leinwand, 41,7 × 39,2 cm (Leopold Privatsammlung, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis der Mathilde Schönberg im Atelier, Frühjahr 1908, Öl und Mischtechnik auf Leinwand, 171 x 60 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm, Foto: Kunsthaus Zug / Alfred Frommenwiler)
  • Sitzende Frau mit grüner Bluse, Frühling 1908, Öl auf Leinwand, 180,5 × 85,5 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis eines sitzenden Mannes, Frühling 1908, Öl auf Leinwand, 130 × 100 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Bildnis Mathilde Schönberg als Halbfigur, Frühling/Sommer 1908, Öl auf Leinwand, 68 × 100 cm (Privatsammlung, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis Henryka Cohn, Juni 1908, Öl auf Leinwand, 147,9 x 111,9 cm (Foto © Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Paar im Grünen, Juli 1908, Öl auf Leinwand, 111,2 x 90,7 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis Alexander von Zemlinsky, Juli 1908, Öl auf Leinwand, 170,5 x 74,3 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm, Foto: Kunsthaus Zug / Alfred Frommenwiler)
  • Richard Gerstl, Mathilde Schönberg im Garten, Juli 1908, Öl auf Leinwand, 171 x 61 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Die Familie Schönberg, Ende Juli 1908, Öl auf Leinwand, 88,8 x 109,7 cm (Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien)
  • Richard Gerstl, Akt im Garten, Juli 1908, Öl auf Leinwand, 121,1 × 99 cm (Privatsammlung, Courtesy Galerie St. Etienne, New York)
  • Richard Gerstl, Gruppenbildnis mit Schönberg, Ende Juli 1908, Öl auf Leinwand, 169 x 110 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm, Foto: Kunsthaus Zug / Alfred Frommenwiler)
  • Richard Gerstl, Herrenbildnis (grüner Hintergrund) / Bildnis eines Mannes in der Wiese, Sommer 1908, Öl auf Leinwand, 109,5 × 90,2 cm (Privatsammlung, Courtesy Neue Galerie New York)
  • Richard Gerstl, Blick in eine Straße (Kleines Straßenbild), Anfang September 1908, Öl auf Karton, 35,3 × 29 cm (Privatsammlung)
  • Richard Gerstl, Interieur mit Thonetstuhl (Zimmer), Herbst 1908, Öl auf Karton, 49,8 × 35 cm (Privatsammlung, Wien)
  • Richard Gerstl, Bildnis der Mutter Marie Gerstl, vermutlich Herbst 1908, Öl auf Karton, 49 × 35 cm (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm)
  • Richard Gerstl, Selbstbildnis als Akt mit Palette, 12. September 1908, Öl auf Leinwand, 139,3 x 100 cm (Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, Sitzender weiblicher Akt, Herbst 1908, Tempera auf Leinwand, 166 x 116 cm (Foto © Leopold Museum, Wien)
  • Richard Gerstl, um 1902/03, Fotografie (Archiv Otto Breicha)
  • Richard Gerstl, um 1905, Fotografie (Archiv Otto Breicha)

 

Ausstellungskatalog & Inhaltsverzeichnis

Ingrid Pfeiffer und Jill Lloyd in Zusammenarbeit mit Raymond Coffer (Hg.)
mit Beiträge von R. Coffer, P. Demandt, J. Kallir, D. Leopold, J. Lloyd, I. Pfeiffer, M. Sitte
192 Seiten, 122 Abbildungen
23,5 x 28 cm, gebunden
ISBN 978-3-7774-2753-9 (dt.)
ISBN 978-3-7774-2754-6 (engl.)
HIRMER Verlag

Ingrid Pfeiffer, Richard Gerstl— Ein Überblick, S. 14–
Jill Lloyd / Karol Winiarcyk, Richard Gerstls Internationalismus, S. 24
Diethard Leopold, »Zeugnis Einer (Inneren) Krise«? Das Bild der neuen Kunst versus die Legende vom tragischen Künstler, S. 32
Raymond Coffer, Ein Lied an die Sirene. Die Dreiecksbeziehung zwischen Richard Gerstl, Arnold und Mathilde Schönberg, S. 38
Jane Kallir, Die bemerkenswerte Entdeckung und Wiederentdeckung des Richard Gerstl, S. 46 Raymond Coffer, Werkverzeichnis, S. 53
Maria Sitte, Biografie, S. 178

 

Literatur und Links

Ingrid Pfeiffer, Jill Lloyd, Raymond Coffer (Hg.)Richard Gerstl (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt), München 2017.

Diethard Leopold, Richard Gerstl, München 2016.

Max Hollein, Blazenka Perica (Hg.), Die Visionen des Arnold Schönberg. Jahre der Malerei (AUsst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt), Ostfieldern 2002.

Rainer Fuchs, Apologie und Diffamierung des „österreichischen Expressionismus“, Wien/Köln 1991.

Werner Hofmann, Richard Gerstl, in: Werner Hofmann (Hg.), Experiment Weltuntergang, München 1981.

Raymond Coffers ausführliche Biografien finden Sie auf: http://www.richardgerstl.com/gerstl-a-life-in-pictures-2

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   [ + ]

1. Ingrid Pfeiffer, Richard Gerstl – ein Überblick, in: Ingrid Pfeiffer, Jill Lloyd (Hg.), Richard Gerstl. Retrospektive (Ausst.-Kat. Schirn, Frankfurt), München 2017, S. 14-22, hier S. 19.
2. Ebenda, S. 20.
3. zitiert nach Otto Breicha 1993, S. 22.
4. Raymond Coffer, Ein Lied an die Sirene. Die Dreiecksbeziehung zwischen Richard Gerstl, Arnold und Mathilde Schönberg, in: Richard Gerstl (Ausst.-Kat. Richard Gerstl), S. 38–44.
5. In seiner Dissertation „Richard Gerstl and Arnold Schönberg: A Reassessment of their Relationship (1906–1908) and its Impact on their Artistic Works“ (London 2011) legte Raymond Charles Coffer erstmals die These vor, dass das berühmte Streichquartett von Schönberg keine Verarbeitung der außerehelichen Beziehung seiner Ehefrau Mathilde darstellt, sondern bereits vor dem Bekanntwerden derselben komponiert worden war.
6. Diethard Leopold, Richard Gerstl, München 2016, S. 55.
7. Siehe Richard Gerstl (Ausst.-Kat.), S. 110.
8. Zitiert nach Werner Hofmann, Richard Gerstl, in: Werner Hofmann (Hg.), Experiment Weltuntergang, München 1981, S. 212–213, hier S. 212.
9. Siehe dazu den Beitrag von Jane Kallir im Katalog: Jane Kallir, Die bemerkenswerte Wiederentdeckung des Richard Gerstl, in: Richard Gerstl (Ausst.-Kat. Schirn), S. 46–50.
10. Rainer Fuchs führt in seiner Dissertation folgende Publikationen an: „Schon 1956 nennt Gerhard Schmidt ins einem Buch „Neue Malerei in Österreich“ Gerstl mit Kokoschka und Schiele als Begründer des „österreichischen Expressionismus“ und stuft ihn überdies als einzigen österreichischen Künstler ein, auf den man den Begriff „Fauve“ anwenden könne. Dieser Meinung schließen sich Kristian Sotriffer 1963, Werner Hofmann 1965 und Patrick Werkner 1986 an.“ Weiter: Oswald Oberhuber: „Schiele und Kokoschka sind die einzigen Expressionisten Österreichs, alle anderen gehen über diese Haltung hinweg, ob ins Abstrakte oder Reale, immer im Hintergrund als Basis den Expressionismus. Es sind verblasste, verwischte Aussagen, die sich nicht genau entscheiden.“ Siehe: Rainer Fuchs, Apologie und Diffamierung des „österreichischen Expressionismus“, Wien/Köln 1991, S. 16–17.
11. Die Liste wurde mit Hilfe des Ausstellungskatalogs der Schirn zusammengestellt.