Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun

Wer war Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun?

Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun (1755–1842), europaweit geschätzte Porträtmalerin des Rokoko und Klassizismus. Von ihr sind etwa 660 Porträts und 200 Landschaftsbilder erhalten, davon sind 37 Selbstporträts (20 eigenhändige Kopien).

Ausbildung

Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun war die Tochter des nur mäßig erfolgreichen Pariser Malers Louis Vigée (1715–1767) und der Friseurin Jeanne Maissin (1728–1800), weshalb ihr Vater ihr erster Lehrmeister war. Nach dem frühen Tod des Vaters ließ sie sich von Gabriel Briard und später Claude-Joseph Vernet ausbilden.

Porträtistin

Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun verdiente rasch Geld mit Porträtaufträgen. Vor allem die Damen der Gesellschaft entdeckten die als hübsch geltende, aus armen Verhältnissen stammende Vigée und ließen sich gerne von ihr malen. Am 11. Januar 1776 heiratete Elisabeth-Louise den Kunsthändler Lebrun, der ihre künstlerische Tätigkeit weiter unterstützte.

Den Durchbruch erzielt die 24-jähirge Porträtistin, als sie 1778 Königin Marie-Antoinette verewigen durfte. Die Königin setzte auch die Aufnahme ihrer Lieblingsmalerin in der Akademie durch (gegen den Widerstand der männlichen Kollegen und mithilfe der Stimme von König Ludwig XVI.). Sie wurde am 31. Mai 1783 gemeinsam mit Adélaide Labille-Guiard zum Akademiemitglied. Die Gunst der Königin brachte Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun eine Vielzahl von Aufträgen ein, allerdings war die enge Verbindung der Malerin mit ihrem hochgestellten Modell 1789 der Grund, Paris zu verlassen.

Emigration und Rückkehr nach Paris

Zuerst emigrierte sie gemeinsam mit ihrer Tochter nach Italien, wo sie in Rom Porträts malte, dann reiste sie weiter nach Neapel, Wien, Berlin und St. Petersburg, wo sie Mitglieder des hohen Adels porträtierte. Ein heute in den Uffizien verwahrtes Selbstporträt Vigée-Lebruns von 1790 war ein Geschenk an den Großherzog der Toskana, den Bruder Marie-Antoinettes und späteren Kaiser Leopold II. von Österreich. Deshalb arbeitet die Malerin auch gerade an einem Bildnis von Marie-Antoinette an der Staffelei. Vermutlich wollte die Künstlerin sich damit auch als loyale Royalistin zu erkennen geben. Gekleidet ist Elisabeth Vigée-Lebrun in ein Kostüm mit Anklängen an die Mode der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, womit die Malerin ihre Beweunderung für Anthonis van Dyck zum Ausdruck brachte. Das durch die Drehung spontan wirkende Selbstporträt ging in die schon damals berühmte Galleria dei autoritratto [Galerie der Selbstporträts] ein.

Am 18. Januar 1802 konnte sie wieder nach Paris zurückkehren, wo sie in der Umgebung in einem Landhaus lebte. Um 1810 malte sie Madame de Staël, die sie auf einer Reise in die Schweiz kennengelernt hatte. Die Frauenrechtlerin und Dichterin ist in der Verkleidung der Corinna dargestellt, der Heldin ihres gleichnamigen Romans.

Vigée-Lebrun in Wien

Anfang 1793 kam Elisabeth Vigée-Lebrun nach Wien, wo sie sich bis April 1795 aufhielt. Sie schuf auch in der Residenzstadt der Habsburger bedeutende Porträts - allen voran für die fürstliche Familie Liechtenstein. So malte sie "Karoline Fürstin von Liechtenstein, geb. Gräfin von Manderscheidt, als Iris" (Frau von Fürst Alois I.) und deren Schwägerin Hermenegilde in der Rolle der Ariadne. Beide Porträts hingen im klassizistischen Majoratshaus der Familie in der Herrengasse (abgerissen). Da sich im Werk von Vigée-Lebrun keine weiteren Rollenporträts nachweisen lassen, dürfte sie sich dafür - wie auch für die freiere Malweise und das Ideal der Natürlichkeit - an den Bildnissen von Angelika Kauffmann orientiert haben. Auch ihre Kenntnis der "Attitüden" der Lady Hamilton in Neapel und der Darstellungen von Tänzerinnen in Fresken in Herculaneum nutzte die Malerin fruchtbar. Wie unkonventionell die Darstellung auf die Zeitgenossen gewirkt haben muss, verrät, dass de Großeltern des Fürsten ihr Befremden ausdrückten. Vigée-Lebrun schrieb dazu in ihren "Souvenirs":

"Ich brachte das große Porträt der Fürstin Liechtenstein, das ich damals machte, nach Hietzing, um es zu vollenden. Diese junge Fürstin war sehr gutaussehend: ihr hübsches Gesicht hatte einen lieblichen und himmlischen Ausdruck, der mich auf die Idee brachte, sie als Iris darzustellen. Sie ist in ganzer Figur gemalt, und schwebt in die Lüfte, ihr Schleier, in den Farben des Regenbogens, umgibt sie und schwebt um sie herum. Man muss hinzufügen, dass ich sie mit nackten Füßen malte; aber als das Bild in der Galerie des Prinzen platziert wurde, waren die Oberhäupter der Familie sehr schockiert zu sehen, dass man die Fürstin ohne Schuhe zeigte. Der Fürst erzählte mir, dass er unter dem Porträt ein hübsches Paar Ballschuhe anrbingen ließ, die - so sagte er zu den Großeltern - im Begriffe waren, zu entgleiten und auf den Boden zu fallen."

Elisabeth Vigée-Lebrun hinterließ in Wien ein verlebendigtes Porträt mit verschiedenen Bewegungsmotiven und einem Landschaftshintergrund. Allerdings wird erst Ferdinand Georg Waldmüller die Landschaft in den 1820er Jahren als Wienerwald erkennbar gestalten.