Hans Haacke
Wer ist Hans Haacke?
Hans Haacke (* 12.8.1936, Köln) ist ein zeitgenössischer deutsch-amerikanischer Konzeptkünstler (→ Zeitgenössische Kunst). Seit 1965 dauerhaft in New York sesshaft, lehrte er 35 Jahre lang an der renommierten Cooper Union. Als Gründungsfigur der künstlerischen Institutionskritik hat der deutsch-amerikanische Künstler das komplexe Verhältnis von Kunst und Gesellschaft offengelegt und nachfolgende Generationen von Künstler:innen nachhaltig geprägt.
Seit den frühen 1970er Jahren nimmt Haacke gesellschaftspolitische Strukturen in den Blick und unterzieht sie einer scharfen, oft schonungslosen Analyse. Dabei bedient er sich soziologischer Methoden der Beobachtung und Befragung, recherchiert Hintergründe, Daten und Fakten, um Machtverhältnisse innerhalb und außerhalb des Kunstbetriebs offen zu legen. Seit den 1980er Jahren thematisiert er die Zusammenhänge von Biografien und Unternehmensgeschichten mit historischen politischen Auseinandersetzungen, Interessenskonflikten von öffentlichen Institutionen, Privatpersonen sowie Repräsentant:innen aus Politik und Wirtschaft und nicht zuletzt antidemokratischen Tendenzen. Die zum Teil heftigen Diskussionen um sein Werk, die mehrfach zum Ausschluss von Ausstellungen führten, betrachtet Haacke als Teil seiner künstlerischen Arbeit.
Hans Haacke lebt und arbeitet seit 1965 in New York.
Kindheit
Hans Haacke wurde am 12. August 1936 in Köln geboren und wuchs in Bad Godesberg auf.
In einem Interview erzählte Haacke, dass er durch seinen Zeichenlehrer motiviert worden war, Künstler zu werden. Anhand von Realismus und Impressionismus des 19. Jahrhundert erklärte der Pädagoge, dass Kunst verhältnismäßig wenig damit zu tun habe, „ob man gut zeichnen kann, sondern dass Künstler sich beim Malen ihrer Bilder etwas gedacht haben, dass es wirklich ihr Bild der Welt, ihrer gesellschaftlichen Gegenwart war. Das hat mich beeindruckt.“1
Ausbildung
Hans Haacke studierte von 1956 bis 1960 an der Staatlichen Werkakademie in Kassel (heute: Kunsthochschule Kassel) unter anderem bei Stanley William Hayter, Marie-Louise von Rogister (1899–1991) und Fritz Winter. Diese Institution war in der der Bauhaus-Tradition verwurzelt und bildete vor allem Kunsterzieher:innen aus.
Durch die Vermittlung von Arnold Bode arbeitete Haacke 1959 als Werkstudent bei der „documenta 2“, wo er beim Aufbau mitarbeitete, als Aufsicht Dienst tat und die Besucher:innen vor den Kunstwerken fotografierte. Im selben Jahr besuchte er erstmals eine Ausstellung von Otto Piene in Bonn und nahm Kontakt zu diesem auf. Später lernte Haacke auch Heinz Mack und Günther Uecker kennen.
Im Jahr 1960 machte Hans Haacke seinen Abschluss an der inzwischen in Staatliche Hochschule für bildende Künste Kassel umbenannten Akademie mit dem 1. Staatsexamen in Kunsterziehung.
Werke
Ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ermöglichte Haacke einen einjährigen Aufenthalt in Paris (1959/60), wo er Stanley William Hayters Kunstschule für experimentelle Druckgrafik, das „Atelier 17“, besuchte. In Paria malte Hans Haacke optisch animierende Bilder und schuf ebensolche Druckgrafik. In dieser Phase orientierte er sich u.a. an Arbeiten von Rafael Soto und den Mitgliedern von der Groupe de Recherche d’Art Visuel (GRAV), darunter François Morellet, Julio Le Parc und Horacio Garcia Rossi. In der winzigen Galerie von Iris Clert besuchte Hans Haacke Ausstellungen von Yves Klein, Jean Tinguely, Vassilakis Takis und Arman. So fotografierte er am 27. November 1960 in einer ganzen Serie von Yves Kleins Aktion mit der Zeitung Dimanche auf der Place de Varsovie in Paris.2
In den von gleichmäßigen Strukturen bedeckten Gemälden von 1960 löste sich der junge Künstler von den gestischen, informellen Werken seines Lehrers Fritz Winter und von den tachistischen Tendenzen, die er in Paris kennengelernt hatte. So arbeitete er beispielsweise in „Ce n’est pas la voie lactée [Das ist nicht die Milchstraße]“ mit dicht aneinander gesetzten blauen Punkten, mit denen er die Fläche optisch in Vibration versetzen wollte.3 Dank unterschiedlich dichter Anordnung entstehen dunklere und hellere Partien, dadurch bildet sich eine Art blauer Raum, der das Raster der Farbtupfer konterkariert.
Hans Haacke war von 1961 bis 1962 Fulbright-Stipendiat an der Tyler School of Art an der Temple University in Philadelphia. 1962 lernte er den amerikanischen Schriftsteller und Kunsttheoretiker Jack Burnham4 (1931–2019) kennen, dessen Systemtheorie für ihn wegweisend wurde. Anschließend ging Haacke für ein Jahr nach New York, wo er in der Wittenborn One-Wall-Gallery an der Madison Avenue ausstellte. In diesem Jahr nahm er erstmals an einer Ausstellung mit der Düsseldorfer Gruppe ZERO unter dem Titel „NUL 1962“ im Stedelijk Museum Amsterdam teil, wo er Plexiglasarbeiten und Reliefs zeigte. Bis 1965 stellte Haacke insgesamt zehn Mal mit der Gruppe ZERO in Italien, den Niederlanden, Großbritannien, den USA und Deutschland aus.
Im August 1963 reiste Haacke mit dem Bus nach Washington DC, um den Marsch der Bürgerrechtsbewegung mit der berühmt gewordenen Rede Martin Luther Kings zu besuchen. Anfang September kehrte er wieder nach Köln zurück, da sein zweijähriges Studentenvisum nicht verlängert werden konnte. Dort lehrte er an der Pädagogischen Hochschule in Kettwig, der Modeschule in Düsseldorf (als Nachfolger Otto Pienes) und an anderen Institutionen.
Schon Haackes frühe Arbeiten als Konzeptkünstler thematisierten Systeme und Prozesse. Er stellte in seinen Werken auch Interaktionen zwischen physikalischen und biologischen Systemen, Tieren, Pflanzen und Zuständen von Wasser und Wind dar. Manche von Haackes Ansätzen bewegen sich in Richtung der Land Art.
Zwischen 1963 und 1967 entwickelte er den „Condensation Cube“ in einer kleineren (1963–1965) und einer größeren Variante (1963–1967). Seine erste Einzelausstellung in Deutschland hatte Haacke 1965 unter dem Titel „Wind und Wasser“ in der Galerie Schmela in Düsseldorf. Im November kehrte der Künstler nach New York zurück, wo er nun dauerhaft lebt.
Im Januar 1966 fand seine erste Einzelausstellung in der Howard Wise Gallery in New York unter dem Titel „Wind and Water“ statt. Im Oktober 1967 eröffnete eine Einzelausstellung in der Hayden Gallery am MIT in Cambridge, die 2011 unter dem Titel „HANS HAACKE 1967“ reaktiviert wurde.
Die General System Theory des Biologen Ludwig von Bertalanffy5 (1901–1972) erschien 1968, welche Haackes Auseinandersetzung mit systemischen Theorien nachhaltig prägte.
Als das Museum of Modern Art die von K. G. Pontus Hultén kuratierte Ausstellung „The Machine as Seen at the End of the Mechanical Age“ (27.11.1968–9.2.1969) zeigte, befand sich die „Tele-Sculpture“ (1960) von Takis unter den Ausstellungsexponaten. Am Nachmittag des 3. Januar 1969 betraten Takis und eine Gruppe seiner Kollegen das MoMA, nahmen das Werk mit und trugen es in den Museumsgarten, wo sie einen Sit-in veranstalteten.6 Mit dieser Aktion protestierten sie gegen die Aufnahme des Werks in die Ausstellung. John und Dominique de Menil hatten das Werk dem MoMA gespendet, und das Museum hatte als Eigentümer das Recht, das Werk nach eigenem Ermessen auszustellen. Takis war jedoch der Meinung, dass das Werk nicht seine aktuelle Ästhetik widerspiegelte, und er war der Ansicht, er sollte die Kontrolle über seine Ausstellung haben, unabhängig davon, wem es gehörte. Der Zweck seiner Demonstration bestand darin, einen offenen Dialog zwischen „Museumsdirektoren, Künstlern und der Öffentlichkeit“ über Museumspolitik und Künstlerrechte anzustoßen. Letztlich stimmte das MoMA zu, das Stück aus der Ausstellung zu entfernen, und das Ereignis diente als Katalysator für die Gründung der Art Workers’ Coalition – einer Gruppe von Kreativen, Kritikern und Museumsmitarbeitern, die sich für Museumsreformen einsetzten, insbesondere im Hinblick auf die Rechte der Künstler.7
Am 13. Januar 1969 wurde Haackes ältester Sohn Carl Samuel Selavy geboren, was Haacke im Multiple „Geburtsregistrierungsschein“ (Kollaboration Linda & Hans Haacke) dokumentierte. Im Frühjahr nahm er an der von Harald Szeemann kuratierten Gruppenausstellung „Live in Your Head: When Attitudes Become Form (Works – Concepts – Processes – Situations – Information)“ in der Kunsthalle Bern teil. Im selben Jahr lehnte Haacke aufgrund der Errichtung der Militärdiktatur in Brasilien die Teilnahme an der São Paulo Biennale ab und wurde im Herbst 1969 als Mitbegründer aktives Mitglied der Art Workers‘ Coalition (AWC). Unter dem Eindruck des Vietnamkrieges und der Ermordung Martin Luther Kings empfand Haacke die Dringlichkeit eines gesellschaftlichen Bezugs seiner Arbeit. Die erste Arbeit war allerdings noch nicht sehr kritisch: Für die New Yorker Howard Wise Gallery bat der Künstler 1969 die Besucher:innen, ihre Wohn- und Geburtsorte auf großen Karten mit einem Pin zu markieren („Gallery Goers’ Birthplace and Residence Profile“). Diese Aktion bezeichnet Hans Haacke als seinen ersten Versuch, die gesellschaftliche Umgebung der Kunstwelt begreifbar zu machen.
Für die Gruppenausstellung „Information“ (1970) im New Yorker Museum of Modern Art entwickelte Haacke eine Befragung der Museumsbesucher:innen, den MoMA Poll, der erstmals das Gesellschaftliche aktiv einbezieht. Er nahm zudem an der Ausstellung „Software“ im Jewish Museum New York teil.
1971 wurde Hans Haacke zu einer Einzelausstellung in das Solomon R. Guggenheim Museum in New York eingeladen. Er schuf dafür die Arbeit „Shapolsky et al. Manhattan-Immobilienbesitz – Ein gesellschaftliches Realzeitsystem, Stand 1.5.1971“, die sich mit Immobilienbesitz und -spekulationen beschäftigt. Aufgrund dieser Analyse sagte Direktor Thomas Messer die Ausstellung sechs Wochen vor der Eröffnung ab. Die Leitung argumentierte sinngemäß, dass es sich dabei um eine spezifisch soziale Studie handle, die nicht Kunst sei. Spekuliert wurde immer wieder über Verstrickungen einzelner Trustees des Guggenheim Museums in die dokumentierten Immobiliengeschäfte. Der Kurator der Ausstellung, Edward Frey, der sich mit Haacke solidarisierte, wurde entlassen. Das Werk gilt seither als Ikone der politischen Konzeptkunst. Haackes Werke wurden daraufhin rund 15 Jahre lang nicht mehr in amerikanischen Museen gezeigt.
In Köln eröffnete die Galerie Paul Maenz mit einer Einzelausstellung von Hans Haacke. Ab diesem Jahr nutzte der Künstler für den Verkauf seiner Kunst den von Seth Siegelaub entworfenen Vertrag (Artist’s Reserved Rights Transfer and Sale Agreement). In diesem Vertragsformular wurde erstmals das Mitspracherecht des Künstlers bei der weiteren Verwendung des Kunstwerkes sowie die finanzielle Beteiligung des Künstlers und seiner Galerie am Gewinn bei Weiterverkäufen festgelegt.
Haacke nahm im Oktober 1972 an der „documenta 5“ teil, im November folgte eine Einzelausstellung im Museum Haus Lange in Krefeld. Dort zeigte er die Installation „Rheinwasseraufbereitungsanlage“.
Der Künstler erhielt 1973 ein Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation. Erste Einzelausstellung in der John Weber Gallery in SoHo, New York, die Haacke über Carl Andre kennenlernte und die zukünftig vertreten wird.
Im Jahr 1974 war Hans Haacke in Köln tätig: Er dokumentierte die Provenienz von Édouard Manets Spargelbündel, den Ankauf für die Kölner Sammlung auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Fördervereins Hermann Josef Abs und dessen Rolle im Dritten Reich. Das für die Jubiläumsausstellung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln eingereichte „Manet-PROJEKT '74“ (1974) wurde abgelehnt und am Tag der geplanten Presseeröffnung stattdessen in der Galerie Paul Maenz mit einer Reproduktion des Spargel-Stilllebens von Édouard Manet gezeigt. Die Arbeit wurde nach dieser Zensur institutionell erstmals in der Ausstellung Art Into Society – Society Into Art im Institute of Contemporary Arts (ICA) in London präsentiert.
Für die Haacke-Einzelausstellung im Museum of Modern Art Oxford 1978 entstand die Arbeit „A Breed Apart“, die sich kritisch mit dem Staatskonzern British Leyland auseinandersetzte, der Polizei- und Militärfahrzeuge in Rassentrennung praktizierende Staaten wie das damalige Südafrika exportierte.
Die internationale Reputation des Künstler nahm ab Mitte der 1970er Jahre nachweislich zu: Er nahm im Oktober 1972 erstmals an der „documenta 5“ sowie 1976 erstmals an der Biennale in Venedig teil; dem folgte Haackes Teilnahme an der „documenta 7“ (1982) in Kassel, der „documenta 8“ (1987) und der „documenta 10“ (1997).
Für die von Laszlo Glozer und Kasper König kuratierte Großausstellung „Westkunst“ (1981) konzipierte Haacke „Der Pralinenmeister“, eine Arbeit über den einflussreichen Kölner Sammler Peter Ludwig. Die Kuratoren entschieden sich gegen die Präsentation des Werks, das stattdessen zeitgleich in der Galerie Paul Maenz in Köln gezeigt wurde (Mai – Juni 1981).
Hans Haacke konzipierte die Ausstellung „Nach allen Regeln der Kunst“ im Neuen Berliner Kunstverein n.b.k. im Kreuzberger Künstlerhaus Bethanien in Berlin direkt an der Mauer (1984).
Im Rahmen des steirischen herbst realisierte Hans Haacke die Installation „Und Ihr habt doch gesiegt“ (1988) im Grazer Stadtzentrum: Er rekonstruierte die Ummantelung der Mariensäule in Form eines Obelisken, den die Nationalsozialisten 1938 als „Siegesmahl“ errichtet hatten, und widmete diesen 50 Jahre später den Opfern des NS-Terror-Regimes. Kurz vor Ende der Ausstellung verübten Neonazis einen Brandanschlag auf die viel diskutierte Arbeit.
Seit Ende der 1980er Jahre wandte sich Haacke verstärkt der Malerei und großen skulpturalen Installationen zu. Anlässlich seiner Ausstellung in der Londoner Tate Gallery 1988 wurde unter anderem ein Porträt der Premierministerin Margaret Thatcher gezeigt, das in „Nebenrollen“ die bekannten Kunstmäzene Maurice und Charles Saatchi präsentierte.
Haackes umstrittenes Gemälde eines rauchenden Cowboys von 1990 verwandelte ein klassisches Picasso-Gemälde in eine Zigarettenwerbung. Die Arbeit kann auch als Reaktion auf die finanzielle Unterstützung des Tabakkonzerns Phillip Morris für die Kubismus-Ausstellung des Museum of Modern Art im Jahr 1990 verstanden werden. Haacke veröffentlichte ein Buch über die Ideen und Praktiken der zeitgenössischen Konzeptkunst („Framing and Being Framed“).
Hans Haacke wurde im Folgejahr mit dem Distinguished Artist Award for Lifetime Achievement der College Art Association of America ausgezeichnet und erhielt den Deutschen Kritikerpreis für das Jahr 1990 sowie die Auszeichnung als Ehrendoktor für Bildende Kunst des Oberlin College, Ohio (1991).
Hans Haacke realisierte 1993 im Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig die aufsehenerregende Installation „GERMANIA“, ein Trümmerfeld als Referenz auf die Rolle des Gebäudes im Nationalsozialismus und als Kommentar zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Dafür erhielt er zusammen mit Nam June Paik den Goldenen Löwen der Biennale.
Im Jahr 1995 tat sich Haacke mit Pierre Bourdieu zusammen: Eine Aufzeichnung ihrer Gespräche erschien als Buch („Free Exchange“), in dem Haacke und Bourdieu ihr gemeinsames Interesse am Verhältnis von Kunst und Politik darlegten.
Nach intensiven Debatten im Bundestag richtete Haacke die Arbeit „DER BEVÖLKERUNG“ im nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes in Berlin ein (2000).
Für seine erste Einzelausstellung in Österreich entwickelte der Künstler 2001 die Installation „Mia san Mia“, die gemeinsam mit früheren Arbeiten zu Geschichtspolitik und Identitätskonstruktion im lokalen Kontext gezeigt wurde.
Erste Ausstellung Haackes in der Paula Cooper Gallery in New York, von der er seit 2005 vertreten wird.
In den Deichtorhallen in Hamburg und in der Akademie der Künste in Berlin wurde Haacke 2006 mit der zweiteiligen Retrospektive „Wirklich – Werke 1959–2006“ gewürdigt. Im Rahmen dieser Werkschau ließ Haacke für sein Kunstwerk „Kein schöner Land. Weil sie nicht deutsch aussahen“ die Fassadenfenster des Gebäudes der Akademie der Künste (Berlin) temporär mit Plakaten bekleben, auf denen die Schicksale von 46 Todesopfern rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland seit 1990 geschildert wurden.
Von März 2015 bis September 2016 war Haackes „Gift Horse“ auf dem Trafalgar Square in London zu sehen: Das dargestellte Skelett eines Pferdes bezieht sich auf ein Werk von George Stubbs in der benachbarten National Gallery, um einen Vorderlauf ist ein „Geschenkband“ drapiert, das einen Liveticker mit den Aktienkursen des FTSE 100 zeigt.
Hans Haacke gestaltete 2021 einen Bauzaun am Berliner Kulturforum mit Plakaten, die den Satz „Wir (alle) sind das Volk“ in zwölf verschiedenen Sprachen zeigen.
Lehre
Haacke lehrte ab 1965 unter anderem an der University of Washington in Seattle, dem Douglas College der Rutgers University in New Jersey und dem Philadelphia College of Art. Von 1967 bis 2022 lehrte Hans Haacke zuerst als Dozent und später als Professor of Art an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York. Zu seinen Student:innen zählen unter anderen die Künstler Walter Dahn und Jiří Georg Dokoupil.
1973 unterrichtete Haacke als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg; 1980 folgte eine Gastprofessur an der Gesamthochschule in Essen und 1994 eine Gastprofessur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.
Im Jahr 1987 lehrte Haacke als Regents-Dozent an der University of California in Berkeley.
Auszeichnungen
- 1978: Hans Haacke erhielt ein Stipendium des National Endowment for the Arts (NEA; Nationale Stiftung für die Künste), der einzigen staatlichen Kulturfördereinrichtung der USA auf Bundesebene.
- 1991: Deutscher Kritikerpreis für das Jahr 1990
- 1991: Ehrendoktor für Bildende Kunst des Oberlin College, Ohio
- 1997: Kunstpreis der Kurt Eisner Kulturstiftung
- 1998: Ehrendoktortitel der Bauhaus-Universität Weimar
- 2001: Kunstpreis der Helmut-Kraft-Stiftung
- 2002: Die College of Art Association ehrte Hans Haacke mit dem Distinguished Teaching of Art Award.
- 2004 Würdigung von Haackes Arbeit durch den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum
- 2006: Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum
- 2008: Ehrendoktortitel des San Francisco Art Institute
- 2015: Mit der „Fourth Plinth commission“ am Trafalgar Square in London erhielt Haacke einen der weltweit renommiertesten Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum und entwickelte das „Gift Horse“.
- 2016: Ehrendoktortitel des Maryland Institute College of Art
- 2017: Roswitha Haftmann Stiftung, der höchstdotierte europäische Kunstpreis
- 2020: Kaiserring der Stadt Goslar
Literatur zu Hans Haacke
- Hans Haacke. Retrospektive, hg. v. Ingrid Pfeiffer und Luisa Ziaja (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt, 8.11.2024–9.2.2025; Belvedere 21, 1.3.–9.6.2025), Frankfurt a. M. / Wien 2024.
- Ursula Ströbele, Hans Haacke und Pierre Huyghe. Non-Human Living Sculptures seit den 1960er-Jahren, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Berlin/Boston 2024.
- Alexander Alberro (Hg.), Working Conditions. The Writings of Hans Haacke, Cambridge, Mass. 2016.
- Rachel Churner (Hg.), Hans Haacke (mit Essays und Interviews von und mit Jack Burnham, Edward F. Fry, Walter Grasskamp, Yve-Alain Bois, Douglas Crimp, Rosalind Krauss, Leo Steinberg, Benjamin H. D. Buchloh, Rosalyn Deutsche, Luke Skrebowski, Sam Durant, Jack McGrath), Cambridge, Mass. 2015 (October Files 18).
- Walter Grasskamp, Molly Nesbit und Jon Bird (Hg.), Hans Haacke, London/New York 2004.
- Kasper König und Michael Diers (Hg.), Hans Haacke – DER BEVÖLKERUNG. Aufsätze und Dokumente zur Debatte um das Reichstagsprojekt, Köln 2000.
- Pierre Bourdieu und Hans Haacke, Freier Austausch, Frankfurt am Main 1995.
- Hans Haacke. Artfairismes, Centre Georges Pompidou, Paris, 1993.
- Hans Haacke. Bodenlos, hg. von Klaus Bußmann und Florian Matzner, Deutscher Pavillon der Biennale von Venedig, 1993.
- Hans Haacke. Unfinished Business, New Museum, New York, 1986.
- Hans Haacke – Nach allen Regeln der Kunst, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin / Kunsthalle Bern, 1984.
- Hans Haacke. Volume II / Works 1978–1983, Van Abbemuseum, Eindhoven / The Tate Gallery, London, 1984.
- Hans Haacke. Volume I, The Museum of Modern Art, Oxford / Van Abbemuseum, Eindhoven, 1979.
- Hans Haacke. Recent Work, The Renaissance Society at the University of Chicago, Chicago, 1979.
- Hans Haacke, hg. von Georg Bussmann, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main, 1976.
- Kasper König (Hg.), Hans Haacke. Framing and Being Framed. 7 Works 1970–75, Halifax/New York 1975.
- Edward F. Fry, Hans Haacke. Werkmonographie, Köln 1972.
- Hans Haacke, New York. Demonstrationen der physikalischen Welt. Biologische und gesellschaftliche Systeme, Museum Haus Lange, Krefeld, 1972.
- Jack Burnham (Hg.), Hans Haacke. Wind and Water Sculpture, Evanston 1967.
- Hans Haacke im Gespräch mit Franziska Leuthäußer (New York, 25. Mai 2016). Café Deutschland. Im Gespräch mit der ersten Kunstszene der BRD (letzter Aufruf 24.2.2025).
- Ingrid Pfeiffer, Realzeit-, Natur- und andere Systeme. Zum Frühwerk von Hans Haacke, in: Hans Haacke. Retrospektive, hg. v. Ingrid Pfeiffer und Luisa Ziaja (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt, 8.11.2024–9.2.2025; Belvedere 21, Wien, 1.3.–9.6.2025), München 2024, S. 21–32, hier S. 23.
- Hans Haacke, Vortrag auf der Jahrestagung des Intersocietal Color Council im Frühjahr 1968 in New York, in: „Ich halte mich nicht für einen Naturalisten […] Konzeptualisten oder einen Kinetiker […]“; Jeanne Siegel, „An Interview with Hans Haacke“, in: Arts Magazine 45, Nr. 7, Mai 1971, zit. nach Edward Fry, Hans Haacke. Werkmonographie, Köln 1972, S. 38.
- Jack Burnham (1931–2019) war ein amerikanischer Künstler und Kunsttheoretiker, der sich vor allem während der späten 1960er Jahre mit den Entwicklungen der kybernetischen und systemischen Kunst beschäftigte. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen „Beyond Modern Sculpture. The Effects of Science and Technology on the Sculpture of This Century“ (1968) und „The Structure of Art” (1973).
- Ludwig von Bertalanffy (Atzgersdorf 1901–1972 Buffalo, New York) war ein aus Österreich stammender Biologe, der wesentlich zur Entwicklung der Systemtheorie beitrug. Kennzeichnend für seinen theoretischen Ansatz war die Untersuchung gemeinsamer Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen „Biophysik des Fließgleichgewichts“ (1953) und „Robots, Men and Minds“ (1967).
- Sculptor Takes Work out of Modern Museum Show, in: New York Times (4.1.1969), S. 24.
- Lucy Lippard, The Art Workers’ Coalition: Not a History, in: Studio International, Bd. 180, Nr. 927 (November 1970), S. 171–74.