Helga Philipp
Wer war Helga Philipp?
Helga Philipp (Wien 2.6.1939–5.11.2002 Wien) war eine österreichische Künstlerin der Op Art. Philipp schuf ein vielfältiges Œuvre, das Plastik, Objektkunst, Grafik, Malerei und Skizzen umfasst. Zwischen 1962 und 1968 erarbeitete Helga Philipp kinetische Objekte, mit denen sie zu den Pionier:innen der Op Art wurde, da sie neue Möglichkeiten eröffnete, Kunst und mathematisch-rationale Wahrnehmungsexperimente miteinander zu vereinen. Helga Philipp arbeitete in Ton und Stein, sie schuf Objekte aus Plexiglas, Spiegeln, Gummischläuchen, Beton und Eisen. Im Bereich der Grafik nutzte sie Transparentpapier und Grafit. Die Farbigkeit ihrer Malereien wurde lange von Aluminium- und Grafitstaub bestimmt.
„beschauer – bild bild – beschauer existenz des bildes durch den beschauer existenz des beschauers durch das bild […] einbeziehung des raumes in das bild bewegung im raum im bild […] veränderung des bildes durch veränderung des lichts veränderung des bildes durch veränderung des beschauers“1 (Helga Philipp 1967/68)
Kindheit & Ausbildung
Helga Philipp wurde am 2. Juni 1939 in Wien, Österreich, geboren.
Helga Philipp studierte ab ihrem 14. Lebensjahr Bildhauerei bei Hans Knesl an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (heute: die Angewandte) (ab 1953).
Werke
- Helga Philipp, Ohne Titel, 1972, Nachlass Helga Philipp, Foto: © Thomas Freiler.
- Helga Philipp, Kinetisches Objekt, 1966–1968, Folie, Glas, Siebdruck, Holz 115 × 115 cm, Nachlass Helga Philipp und Galerie Hubert Winter, Wien, Foto: © David Auner.
Nachdem Helga Philipp 1958 das Werk von Jesus Rafael Soto (1923–2005) auf der Biennale von Venedig2 (1964, 1966 und 1970) entdeckt hatte, begann sie 1958 sich mit kinetischer Kunst zu beschäftigen.
Zwischen 1962 und 1968 entwickelte Philipp kinetische Objekte aus Plexiglas, mit denen sie zur Pionierin der Op Art in Österreich wurde und Kontakt zur Wiener Kunstszene fand.
Im Jahr 1965 stellten Marc Adrian (1930–2008) und Helga Philipp gemeinsam in der Galerie Hildebrand in Klagenfurt aus. Darauf folgte eine Teilnahme an der Schau „Neue Tendenzen 3“, weitere Künstler:innen waren Getulio Alviani, Marina Apollonio, Hartmut Böhm, François Morellet, Otto Piene, Bridget Riley, Erwin Thorn oder Ludwig Wilding in Zagreb, und eine Ausstellung im studio f in Ulm. Noch im selben Jahr wurde Philipp Assistenzprofessorin von Herbert Tasquil an der Akademie für angewandte Kunst Wien (1965–2002).
Philipps Werke haben keine Titel, sondern sind nummeriert. Als ein Mitglied der Wiener Gruppe animierte sie Kurt Krens Film „11/65 Bild Helga Philipp“ zu Experimenten mit geometrischen Überlagerungen, besonders beeindruckend sind die „Kinetischen Objekte“ von 1962/63. Darin verband Philipp jeweils zwei schwarze Siebdrucke auf Plexiglas so miteinander, dass durch Bewegung der Betrachter:innen ein irisierender Effekt entsteht. Philipps Ausstellungbeteiligung in der Frankfurter Galerie d – Vereinigung für moderne bildende Kunst im Rahmen der Ausstellung „Op-Pop“ (1966) machte ihre Kunst international bekannt. Der Erfolg setzte sich 1967 mit ihrer Teilnahme an der Ausstellung „Kinetika“ im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien fort.
Wie schwierig es für Künstler:innen der geometrischen Abstraktion in Wien gewesen sein muss, lässt das Manifest der Gruppe Austria aus dem Jahr 1967 erahnen. Mitbegründerin war Helga Philipp anlässlich einer Ausstellung im Forum Stadtpark in Graz gemeinsam mit Richard Kriesche und Jorrit Tornquist. Sie wollten „kundtun: dass es uns gibt, dass es uns in österreich gibt, dass es uns schön lange in österreich gib.“3 Marc Adrian und nur wenig später Helga Philipp gingen Fragestellungen zu Phänomenen optischer Täuschungen (Wahrnehmung vs. Erkenntnis) nach. Die Beschäftigung mit geometrischen Grundformen bildete die Basis für Arbeiten in Serien und Kunstwerke, die sich verändern, sobald man sich vor ihnen bewegt.
1968 stellte Philipp zusammen mit Marc Adrian und Richard Kriesche in der Galerie nächst St. Stephan aus. Im Sommer fand im ICA London unter Beteiligung von Adrian die Ausstellung „Cybernetic Serendipity“ zu den Möglichkeiten der Computerkunst statt. Philipps Teilnahme an der Schau „Tendenzen 4“ (1968/69) in Zagreb brachte ihr einen Preis in der Kategorie „Computers and visual research“ ein – in der Jury saß u. a. Umberto Eco.
Zwischen 1969 und 1972 schuf sie auch mehrere Serien von Siebdruckgrafiken, die auf einem Kreisraster aufbauen. Grafiken aus Kartonringen und Prägungen mit Kreismotiven entstanden in den Jahren 1972 und 1973. Helga Philipp hat dabei die Kartonringe händisch mit einer Grafitschicht überzogen. Im Jahr 1973 stellte die Künstlerin im Austrian Institute in New York. Vom Kreismotiv gelangte Philipp in der zweiten Hälfte der 70er Jahre schließlich zur Linie, die sie zunächst im Prägedruck, dann in einem Objekt und Ende der 70er Jahre in mehreren Reihen von Grafiken auf Büttenpapier in Grafit ausgeführt.
Beginnend mit „Domino“, entstanden ab Mitte der 1980er Jahre Helga Philipps charakteristische Gemälde in Schwarz- und Grautönen; in dieser späten Werkphase lässt sich erneut ein automatisierter Pinselduktus erkennen. Sowohl in ihren „Shaped Canvases“ als auch den danach entstandenen Großformaten, Kompositionen aus einfachen geometrischen Formen, macht sich auch der Einfluss der amerikanischen Malerei der 60er Jahre bemerkbar. Als Assistentin an der Angewandten (1965–2002) prägte Helga Philipp die Vertreter:innen der Neuen Geometrie (Neo-Geo).
Zwischen 1991 und 1996 entstanden Schichtgrafiken, später eine Reihe von Grafiken auf schwarzem Hintergrund. In späteren Arbeiten, vor allem in jenen um das Jahr 2000 entstandenen blau-schwarzen Gemälden, setzte sie sich vermehrt mit der Dynamik und Gewichtung von kontrastierenden Farbflächen auseinander. Viele von Philipps Arbeiten setzen sich mit der Reflexion von Licht auseinander – durch die Verwendung von Metall, Silberpapier, einer Wasseroberfläche oder auch der Struktur der aufgetragenen Farbe aus Grafit- und Aluminiumpigment.
Als Lehrstück für konkrete Kunst (Schrage, 2002) wurden ihre farbigen Siebdruckzyklen bezeichnet.
Auszeichnungen und Preise
- 2001: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst
Tod
Helga Philipp starb am 5. November 2002 in Wien.
Literatur zu Helga Philipp
- Adrian, Kriesche, Philipp, Rockenschaub - Abstract Loop Austria, hg. v. Agnes Husslein-Arco und Axel Köhne (Ausst.-Kat. Belvedere 21, Wien, 28.1.–29.5.2016) Wien 2016.


