Louise Moillon

Wer war Louise Moillon?

Louise Moillon (Paris 1610–1696 Paris) war eine französische Malerin des Barock. Sie gehört zu den berühmtesten französischen Stilllebenmaler:innen des 17. Jahrhunderts, sogar König Charles I. von England erwarb ihre Werke. Heute sind etwa 40 Werke Moillons bekannt, viele sind in bedeutenden Kunstmuseen ausgestellt.

Kindheit und Ausbildung

Louise Moillon wurde 1610 in Paris als Tochter des Malers Nicolas Moillon (1555–1619) geboren. Sie hatte sechs Geschwister. Ihr Bruder, Isaac Moillon (1614–1673), ausgebildet an der Académie royale de peinture et de sculpture [Königlichen Akademie für Malerei und Bildhauerei], gehört ebenfalls zu den bekannten französischen Malern Mitte des 17. Jahrhunderts.

Louise Moillon entstammte einer strenggläubigen hugenottischen Familie und wuchs im Pariser Stadtteil St-Germain-des-Prés in einer von Kunst und Malerei auf. Das Viertel war als Zufluchtsort für religiös verfolgte protestantische Flüchtlinge vor allem aus den südlichen Niederlanden bekannt. Dort lebten und arbeiteten einige traditionelle niederländische Maler, die zur Entwicklung von Moillons Malstil beigetragen haben könnten. Am holländischen Kunstmarkt florierte bereits die Stilllebenmalerei, in Frankreich war sie jedoch noch nicht etabliert; die Königliche Akademie sah das Stillleben als nicht prestigeträchtig an. Allerdings war es im Handel einträglich, denn an den kleinformatigen Bildern war insbesondere das wohlhabende Pariser Bürgertum interessiert, um damit seine Stadthäuser zu dekorieren.1 Nicolas Moillon verkaufte Druckgrafik, Zeichnungen sowie Gemälde, teilweise von ihm selbst gemalt.

Moillons Vater war Landschafts- und Porträtmaler, Kunsthändler und Mitglied der Académie de Saint-Luc. Er erteilte seiner Tochter auch den ersten Unterricht in Malerei. Louises Vater starb, als sie 10 Jahre alt war. Ihre Mutter, Marie Gilbert, war die Tochter eines Goldschmieds; sie heiratete in zweiter Ehe den protestantischen Künstler, den Stilllebenmaler und Bilderhändler François Garnier (um 1600 – vor 1658). Louise setzte bei ihm ihre künstlerische Ausbildung fort. Er lehrte sie, Früchte darzustellen, ohne eine Symbolik der Objekte mitzudenken. Im Vergleich zu Garniers Bildern steigerte Moillon den Eindruck von Frische der Früchte, indem sie gezielt Wassertropfen platzierte. Diese Merkmale finden sich in Garniers Werken selten. Es beweist, dass Moillon eigene Wege in der Stilllebenmalerei ging.

Werke

Louise Moillon spezialisierte sich auf die Stilllebenmalerei, wobei sie in der Regel Ölfarbe auf Leinwand oder Holzplatte verwendete. Sie schuf auch Werke, in denen sie hauptsächlich Früchte darstellte, die in der Regel auf Tischen arrangiert waren. Damit wandte sie sich fast zur gleichen Zeit wie Clara Peeters der Gattung des Stilllebens zu und prägte diese in ähnlicher Weise. Moillon konnte schon vor ihrem 20. Lebensjahr ihre ersten Stillleben verkaufen.

Die meisten Werke von Luise Moillon sind vor ihrer Ehe in den Jahren zwischen 1630 bis 1640 entstanden. Sie malte Körbe und Platten mit Früchten und Gemüse, Vasen mit Blumen, manchmal auch Stillleben mit menschlichen Figuren, z. B. „La marchande de fruits et de légumes“ (1630, Louvre). Moillon war eine der ersten französischen Stillleben-Künstlerinnen, die vor 1650 zusammen mit einem anderen Maler namens Jacques Linard Figuren und Stillleben kombinierte.

Louise Moillon nutzte eine reduzierte Farbpalette mit Naturtönen, arrangierte die Lebensmittel in Körben oder Schalen wenig theatralisch, in der Regel auf einem Tisch oder Stein nahe an der Kante vor dunklem Hintergrund. So erzeugte sie räumliche Tiefenwirkung. Ihre Bilder zeichnen sich aus durch eine ruhige Ästhetik und durch eine detailgenaue Ausführung, die auf genauer Beobachtung beruht. So war sie in der Lage die Textur exotischer Früchte genauso darzustellen wie sie die Kompositionen möglichst ruhig ausrichtete. Moillon nutzte Trompe-l'oeil-Elemente der flämischen Malerei und verband sie kontrastreich mit kühlen und warmen Farbtönen, die Aspekte der französischen Genremalerei waren.

In manchen Gemälden fügte Moillon noch angeschnittene Früchte sowie Fruchtschnitze hinzu. Allerdings verzichtete sie im Gegensatz zu Peeters darauf, Messer mit abzubilden, und die herausgeschnittenen Teile korrespondieren nicht immer mit dem angeschnittenen Obst.2

Ehe und Kinder

Im Jahr 1641 heiratete Louise Moillon den wohlhabenden und erfolgreichen Holzhändler Etienne Girardot de Chancourt, der aus einer aus Burgund kommenden Hugenottenfamilie stammte. Nach der Eheschließung malte sie nicht mehr so häufig, es war für sie wirtschaftlich wohl schlicht nicht mehr notwendig, dass sie weiterhin als Künstlerin tätig war. Dennoch ist sich die Forschung uneins, ob Moillon die Malerei ganz aufgab; anhand stilistischer Vergleiche werden immer wieder Gemälde, meist unbezeichnete, auf Jahre nach ihrer Heirat 1640 datiert.3

Die Verfolgung der französischen Protestanten nach dem Edikt von Fontainebleau 1685 traf auch Louise Moillon und ihre Familie. Es wird vermutet, dass Moillons Ehemann ins Gefängnis kam, nachdem er sich geweigert hatte, zum Katholizismus zu konvertieren. Zwei ihrer Kinder flohen vermutlich ins Exil nach England.

Tod

Louise Moillon starb 1696 im Alter von 86 Jahren und wurde katholisch bestattet.

  1. Vgl. dazu bes. Alsina 2009, S. 23; Bartha-Kovács/Latry 2021, S. 124.
  2. Bartha-Kovács/Latry 2021, S. 123 f.
  3. Vgl. dazu Alsina 2009, Nr. 50–69, wobei die Debatte auch datierte Werke umfasst, deren Inschriften nicht eindeutig zu entziffern sind; vgl. weiter Bartha-Kovács/Latry 2021, S. 123 f.