Lucrezia Quistelli della Mirandola

Wer war Lucrezia Quistelli della Mirandola?

Lucrezia Quistelli della Mirandola (Florenz 19.10.1538–1594) war eine italienische Malerin der Florentiner Renaissance. Sie war bekannt für ihre Malerei und studierte bei Alessandro Allori. Quistelli heiratete den Grafen Clemente Pietra und sie hatten acht Kinder, sechs Töchter und zwei Söhne.

Kindheit

Lucrezia Quistelli wurde am 19. Oktober 1538 in Florenz geboren. Quistelli wurde im Jahr 1541 in der Kirche San Procolo getauft. Sie war die Tochter von Alfonso Quistelli und Giulia Santi. Alfonso Quistelli arbeitete mit Alessandro de'Medici zusammen; der Herzog von Florenz war auch der Steuerprüfer der Stadt, Quistelli erhielt eine Position im Hauptrechtsbeistand des Herzogs.

Darüber hinaus begann Alfonso Quistelli, sich am literarischen Mäzenatentum zu beteiligen, in der Hoffnung, den sozialen Status der Quistelli in Florenz zu steigern. Durch die Teilnahme am literarischen Geschehen lernte er Benedetto Varchi gut kennen. Sie kamen sich so nahe, dass Varchi Alfonso ein pastorales Sonett für seine Frau Giulia Santi widmete – in Erinnerung an den Verlust von Cosmi, Lucrezias jüngerem Bruder. Varchi kannte Alessandro Allori und Agnolo Bronzino. Diese Verbindung ist das stärkste Indiz dafür, dass Allori der Vormund von Lucrezia wurde.

Die Mutter von Lucrezia war Giulia di Sigismondo Santi, Tochter von Lucrezia Rabbia und Sigismondo Santi aus Ferrera. Die Familie Santi stammte aus Humanisten und Höflingen. Lucrezia wurde nach ihrer Großmutter benannt. Lucrezias Mutter war vor der Ehe mit Alfonso Quistelli bereits einmal verheiratet. Ihr erster Ehemann Alberto II Pio von Savoyen war 1532 getötet worden. Giulia Santi heiratete im folgenden Jahr Alfonso Quistelli. Nach dem Tod von Santis Vater arbeitete ihre Familie in den Haushalten der Medici-Herzöge.

Ausbildung

Die Verbindung der Quistellis zu berühmten Künstlern und Schriftstellern prägte Lucrezias Erziehung. Im Florenz des Cinqucento erhielten die Kinder von Adeligen eine humanistische Erziehung, verbunden mit Unterricht bei Alessandro Allori und anderen erfolgreichen Künstlern. Lucrezia hatte möglicherweise eine akademische Beziehung zum Hauslehrer ihrer älteren Brüder, dem Latinisten Dionigi Lippi. Lippi schrieb einen Brief an Lucrezia, in dem er ihren Glauben und ihre Reinheit lobte. Neben dem Unterricht von Bronzino lernte Allori Literatur von Silvano Razzi, einem kamaldulensischen Schriftsteller und Priester, der an der Seite von Giorgio Vasari arbeitete und mit Varchi befreundet war.

Es ist davon auszugehen, dass Lucrezias künstlerische Inspirationen von ihrer Erziehung und ihrem Umfeld geprägt waren. Alfonso besaß das Gemälde „Madonna mit Kind und Heiligen“ von Jacopo Pontormo. Lucrezia wurde in der Kirche San Procolo getauft. Die Kirche San Procolo besaß Altarbilder von berühmten Künstlern wie Filippino Lippi, Lorenzo Monaco und Ambrogio Lorenzetti. Die Kapelle Capponi, eine Kirche in Santa Felicita, die sich einst in ihrer unmittelbaren Nähe befand, beherbergte Kunstwerke von Pontormo. In der Kirche San Barnaba, der Begräbnisstätte ihrer Familie und dem Ort, an dem das Gelübde ihrer Schwester und ihrer Tochter abgelegt wurde, befinden sich das Altarbild von San Barnaba und die Verkündigung von Sandro Botticelli.

Da Lucrezia in Florenz aufwuchs und gläubig war, kann es sein, dass sie Suor Plautilla Nelli, die erste weibliche Kunsschaffende in Florenz, kannte und sich von ihr inspirieren ließ. Nelli war Nonne und Malerin, ihre Kunstwerke befanden sich im Besitz vieler Männer in Florenz, und sie unterrichtete Frauen in ihrem Kunstatelier. Auch Vasari erwähnt Nelli in den „Lebensläufen der Künstler“.

Ehe und Mutterschaft

Im Jahr 1568 mieteten Clemente Pietra und Quistelli den Palazzo Pandolfini in Florenz von der Familie Salvati. Er lag in der Nähe der Kirche San Barnaba, in der Quistellis Familie begraben ist. Lucrezia Quistelli bezahlte die Rechnungen und die Miete und kümmerte sich um einige der Angelegenheiten der Familie Salvati.

Graf Clemente wurde am 9. Februar 1574 mit einem in Gift getränkten Dolch gestochen und verstarb am 13. Februar 1574. Ein anonymes Gedicht in der „Cronica“ von Guiliano de' Ricci schildert die Ermordung des Grafen und den Kummer von Lucreiza. Mit Hilfe von Dienern kümmerte sie sich um ihre acht Kinder. Ihre Verbindungen und die feudalen Bindungen ihres verstorbenen Mannes ermöglichten es ihren Kindern, in den Adelsstand einzuheiraten oder ein klösterliches Leben zu führen.

Werke

Von Lucrezia Quistelli hat sich nur ein signiertes Werk erhalten (siehe unten). Die Malerin konnte als adelige Frau kein Geld für ihre Kunst erhalten (keine Aufnahme in die Zunft, Standesregeln). Dennoch könnten ihr einige Werke zugeschrieben werden. Dies ist vor allem auf ihre Ausbildung bei Alessandro Allori zurückzuführen.

  • Die Mystische Hochzeit der Heiligen Katharina, um 1576, Öl auf Leinwand, 180 x 120 cm, signiert (Santa Maria e San Pietro in Silvano Pietra)
  • Die Geißelung Christi, Öl auf Tafel, um 1570–1580 (Florenz San Barnaba)
  • Pietà [Klage über den toten Christus], Öl auf Bleilegierung, um 1560, 23 x 20 cm (Samuel Courtauld Trust, Courtauld Gallery, London)
  • Porträt eines Herrn (Museo de Arte de Sāo Paulo)

Die Mystische Hochzeit der Heiligen Katharina

Das Gemälde „Mystische Hochzeit der Heiligen Katharina“ (um 1576) ist das einzige erhaltene und signierte Kunstwerk von Lucrezia Quistelli. Das Ölgemälde auf Leinwand misst stattliche 180 x 120 cm. Es befindet sich in der Kirche Santa Maria e San Pietro in Silvano Pietra. Expert:innen der Gabbantichità Antiquariato Modernariato Restauri restaurierten und reinigten das Gemälde im Jahr 2015 und entdeckten dabei die Signatur „L. Quistelli“.

Lucrezia Quistelli in der Kunstkritik

Giorgio Vasari erwähnt Lucrezia Quistelli in seinem Beitrag zur Bologneser Bildhauerin Properzia de' Rossi, zusammen mit den Namen mehrerer anderer prominenter Künstlerinnen wie Sofonisba Anguissola und Lavinia Fontana.

Sie wird auch in Girolamo Tiraboschis Abhandlung „Notizie de'Pittori, Scultori, Incisori, e Architetti“ von 1785 erwähnt. Tiraboschi beklagt, dass außer der kurzen Erwähnung durch Vasari keine weiteren Nachrichten über ihr Werk überliefert sind.

Sheila Barker widmete Lucrezia Quistelli einen Aufsatz im Sammelband „Women Artists in Early Modern Italy: Careers, Fame, and Collectors“ [Brepols, Mai 2016].

Tod

Lucrezia Quistelli starb 1594 in Florenz.