Axel Hütte, Rheingau Nebel-1, Germany, 2009 © Axel Hütte, VG Bild-Kunst Bonn 2025
Mit seinen malerisch anmutenden Werken zählt Axel Hütte (*1951 in Essen) zu den international bedeutendsten Fotokünstlern der Gegenwart. Im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt der in Düsseldorf und Berlin arbeitende Hütte seine großformatigen Aufnahmen von Bergen, Gewässern oder Gletschern. Bis Mitte Juni sind diese ebenso poetischen wie rätselhaften Naturaufnahmen an farblich subtil abgestuften Ausstellungswänden zu sehen. Für Axel Hütte sind seine „Stillen Weiten“ imaginäre Landschaften, die sich im Kopf der Betrachter:innen mit Erzählungen füllen sollen.
Deutschland | Remagen:
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
9.2. – 15.6.2025
Großformatige Landschafts- und Naturaufnahmen bringen die ganze Welt nach Remagen. Im Nebel versinkende Berge und tropische Wälder, wirbelnde Gewässer, mächtige Gletscher und das ewige Eis der Antarktis stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, ergänzt durch geheimnisvoll schimmernde Nahaufnahmen von Blumen, Brückenfragmenten und auch verschwommenen Spiegelungen. 32 Fotografien und vier Videoarbeiten aus den Jahren 1997 bis 2024 und bietet im Arp Museum Bahnhof Rolandseck einen retrospektiven Blick auf das Werk Axel Hüttes.
Für seine Aufnahmen bereist Axel Hütte alle Kontinente, wie ein Blick auf die Bildtitel verrät. Die Aufnahmen entstehen mit einer Plattenkamera in Langzeitbelichtung (bis zu 40 Minuten).1 Wichtig ist dem Fotokünstler, dass weder Tiere noch Menschen von den mystischen, stillen Landschaften ablenken. Hütte bietet keine Erzählung, sondern poetische Beschreibungen der Natur. Zusätzlich verfremdet er die Kompositionen durch formale Mittel wie Unschärfe, Ausschnitte, auf den Kopf gestellte Spiegelungen. Mit diesen künstlerischen Eingriffen verwandelt der Düsseldorfer die Naturschilderung in eine Landschaft und in einen Diskurs mit der deutschen Romantik.
Dass viele bei Axel Hüttes Nebelbildern an die Landschaften Caspar David Friedrichs denken, ist nicht verwunderlich. Beide verbindet die Liebe zum felsigen Gebirge und zum flüchtigen, verhüllenden Nebel. Doch anders als der Fotokünstler wollte der Romantiker in seinen Landschaften sein Ich, sein Fühlen und Sein ausdrücken. Axel Hütte hingegen betont seine konzeptuelle Distanz zur Kunst des frühen 19. Jahrhunderts:
„Ich reflektiere über die Romantik, aber ich arbeite kaltblütig.“2 (Axel Hütte)
Man könnte nun lange darüber nachdenken, ob die beiden nicht doch mehr verbindet, als es auf den ersten und zweiten Blick den Anschein hat. Der Dresdner sammelt seine Naturmotive in Skizzenbüchern und komponiert die Landschaften im Atelier, um einen möglichst überzeugenden Raum für seine gedanklichen Konzepte zu entwickeln. Axel Hütte hingegen unterwirft sich der Natur, indem er seine Aufnahmen nie digital nachbearbeitet. Stattdessen schleppt er seine schwere Ausrüstung durch die Landschaft, sucht den idealen Standpunkt und muss dann warten, bis Licht und Wetter die perfekte Atmosphäre schaffen. Dabei bedient er sich der Codes der Romantik, die er aber so offen verwendet, dass sie immer wieder neu interpretiert werden können.
Axel Hütte reflektiert in seinen Landschaften formale Aspekte wie Fläche versus Raum, Schärfe versus Unschärfe. Es kann nicht darum gehen, eine Landschaft erkennbar abzubilden oder die Schönheit der Natur zu bewundern. Mächtige Bergmassive hüllt er in Nebel, so dass ihre Dimension nicht einmal mehr zu erahnen ist. Die in den letzten Jahren entstandene Serie „Flowers“ (2020-2024) fügt sich gleichsam komplementär in dieses Konzept ein: Die schlanken Stängel und Blüten der Blumenstudien erscheinen vor schwarzem Hintergrund und besitzen einen hellen Schatten. Die Blumen locken nicht mit üppiger Pracht, sondern wirken eher wie leuchtende Raumzeichnungen. Überhaupt scheint der Fotograf in dieser Ausstellung eine möglichst farblose, stimmungsvolle Atmosphäre schaffen zu wollen. Einzige Ausnahme ist die bereits erwähnte Eisenbahnbrücke: In Japan fand Hütte eine in intensivem Rot gestrichene Konstruktion. Sie durchbricht die Stille von Hüttes Welten.
Die in enger Zusammenarbeit mit Axel Hütte entstandene Ausstellung vereint 33 Werke aus den Jahren 1997 bis 2024. Das Architektur- und Designbüro sauerbruch hutton entwickelte ein überzeugendes Farbkonzept. In einem subtilen Farbspiel greifen die Berliner Architekten die Momente der Unschärfe, die Spuren des Lichts und die fließenden Übergänge in Hüttes Bildern auf und schaffen einen sanft modulierten architektonischen Rahmen. Fazit: Äußerst gelungen!