Tate Britain: William Blake, romantischer Visionär in Zeiten der Revolution
0

Tate Britain: William Blake Romantischer Visionär in Zeiten der Revolution

William Blake, Albion Rose, Detail, um 1793, Farbiger Kupferstich, 25 x 21,1 cm (Courtesy of the Huntington Art Collections)

William Blake, Albion Rose, Detail, um 1793, Farbiger Kupferstich, 25 x 21,1 cm (Courtesy of the Huntington Art Collections)

Der populäre britische Künstler William Blake (1757–1827) steht im Herbst 2019 im Zentrum der Aufmerksamkeit in der Tate Britain. Lässt sich Blakes romantisch-düsteres Werk neu interpretieren? Wie wirkten sich Krieg, Revolution und Unterdrückung auf seine Bildwelten aus? Welche Bedeutung hat seine Ehefrau, Catherine Blake, im Werkprozess?

William Blake war Maler, Druckgrafiker und Lyriker, der einige der bekanntesten und ikonischen Bilder der englischen Kunstgeschichte geschaffen hat (→ Druckgrafik). Der Romantiker ist berühmt für seine radikalen und rebellischen Ansichten (→ Romantik). Bis heute ist seine Kunst eine Inspirationsquelle für bildende Künstler, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler. Seine persönlichen Kämpfe einer Phase von politischem Terror und Unterdrückung, seine technologische Innovation, seine Vision und sein politisches Handeln sollen in dieser Ausstellung der Tate Britain neu beleuchtet werden.

Dazu zählt auch eine immersive Nachschöpfung des kleinen häuslichen Raumes über dem Geschäft, in dem William Blake im Jahr 1809 seine Kunstwerke präsentierte. Damals zeigte er sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Diese Ausstellung war Blakes einziger Versuch, mit seinem bildnerischen Werk Anerkennung zu finden. Das Publikum erhält die Möglichkeit, den Eindruck dieser Werke nachzuspüren. William Blakes Traum, seine Werke als Fresken im riesigen Format zu sehen, kann ebenfalls mit digitaler Technik erstmals realisiert werden. „The Spiritual Form of Nelson Guiding Leviathan” (um 1805–1809) und „The Spiritual Form of Pitt Guiding Behemoth” (um 1805) werden digital vergrößert.

Catherine Blake

Auch die Rolle von William Blakes Ehefrau, Catherine, wird neu hinterfragt: Die Ausstellung in der Tate Britain wird eine Serie von Illustrationen für „Pilgrim's Progress” (1824–1827) sowie eine Kopie des Buches „The complaint, and the consolation Night Thoughts” von 1797 präsentieren. Von diesen Arbeiten nimmt man heute an, dass sie von Catherine Blake koloriert wurden.

William Blake in der Tate Britain

Zu den Highlights der Londoner Ausstellung zählt eine Auswahl von Werken aus der Royal Collection und einige seiner bekanntesten Gemälde, darunter „Newton“ (1795–um 1805) und „Ghost of a Flea“ (um 1819–1820). Diese komplexe Arbeit wurde von einer Séance-induzierten Vision inspiriert und wird neben einer selten ausgestellten Vorskizze gezeigt. Die Blake-Ausstellung endet mit „The Ancient of Days“ (1827), einem Titelbild für eine Ausgabe von „Europe: A Prophecy“, das nur wenige Tage vor dem Tod des Künstlers fertiggestellt wurde.

Mit mehr als 300 originalen Werken, darunter Aquarellen, Gemälden und Druckgrafiken, wird „William Blake: The Artist“ im Herbst/Winter 2019/2020 die größte Schau zu Blake seit 20 Jahren. Ziel der Kuratoren ist, William Blake als Künstler für das 21. Jahrhundert wiederzuentdecken.

Kuratiert von Martin Myrone, Lead Curator pre-1800 British Art und Amy Concannon Assistant Curator, British Art 1790–1850.

Tate Britain. William Blake: Bilder

  • William Blake, Albion Rose, um 1793, Farbiger Kupferstich, 25 x 21,1 cm (Courtesy of the Huntington Art Collections)
  • William Blake, Pity, um 1795, Farbdruck, Tusche und Aquarell auf Papier, 42,5 x 53,9 cm (Tate)
  • William Blake, Porträt von William Blake, 1802, Bleistift mit schwarzen, weißen und grauen Lavierungen, 24,3 x 20,1 cm (Collection Robert N. Essick)
  • William Blake, Newton, 1795–um 1805, Farbiger Druck, Tusche, Aquarell auf Papier, 46 x 60 cm (Tate)
  • William Blake, Catherine Blake, 1805, Graphit auf Papier, 28,6 x 22,1 cm (Tate. Bequeathed by Miss Alice G.E. Carthew 1940)
  • William Blake, The Ghost of a Flea, um 1819, Graphit auf Papier, 20 x 15,3 cm (Privatbesitz)
  • William Blake, Jerusalem, Platte 28, Probedruck, 1820, Reliefradierung mit Feder und Schwarzer Tusche, Aquarell auf weich gewebtem Papier, 11,1 x 15,9 cm (Yale Center for British Art (New Haven, USA)
  • William Blake, Capaneus the Blasphemer, 1824–1827, Feder, Tusche, Aquarell über Bleistift und schwarze Kreide, 37,4 x 52,7 cm (National Gallery of Victoria, Melbourne)
  • William Blake, Europe Platte I: Frontispitz, The Ancient of Days, 1827, Radierung mit Tusche und Aquarell auf Papier, 23,2 x 12 cm (The Whitworth, The University of Manchester)

Aktuelle Ausstellungen

15. Juli 2024
Xanti Schawinsky

Luxemburg | Mudam: Xanti Schawinsky Play Life Illusion | 2024

Die Schau zeigt Werke aus den wichtigsten Schaffensphasen Schawinskys: von ersten Arbeiten zum Bühnenraum und zum Verhältnis des Menschen zur Maschine, über grafische Arbeiten (1933–1936) bis hin zu seinen Experimenten im Bereich des Theaters nach seiner Ankunft in den USA 1936. Zusätzlich bekommen Schawinskys bildnerischen Arbeiten Raum, mit denen er sich nach und nach der prozesshaften Kunst wie auch der Performance öffnen sollte.
12. Juli 2024
Mohamed Melehi, Ohne Titel, 1983, Zellulosefarbe auf Holz, 150 x 200 cm, © Mohamed Melehi Estate / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Frankfurt | Schirn: Casablanca Art School Eine postkoloniale Avantgarde 1962–1987 | 2024

Nur wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 entwickelt sich in Casablanca ein pulsierendes Zentrum kultureller Erneuerung. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert das einzigartige und einflussreiche Wirken der Casablanca Art School in einer ersten großen, längst überfälligen Ausstellung.
12. Juli 2024
Frans Hals, Malle Babbe, Detail, um 1640, Öl/Lw, 75 x 64 cm (Gemäldegalerie Berlin, SMB, Foto: Jörg P. Anders)

Berlin | Gemäldegalerie: Frans Hals Revolutionäre Porträts aus dem Goldenen Zeitalter | 2024

Die Gemäldegalerie organisiert eine umfassende monografische Ausstellung mit rund 70 Arbeiten, davon zehn aus eigenem Bestand wie die „Malle Babbe“, das „Porträt der Catharina Hooft mit ihrer Amme“ oder der „Singende Knabe mit Flöte“.
7. Juli 2024
Baroness von Freytag-Loringhoven, um 1920 (© Library of Congress, Washington D.C., Prints & Photographs Division, Foto: unbekannt)

Remagen | Arp Museum: Künstlerinnen des Dadaismus der die DADA | 2024

Als Performerinnen, Dichterinnen und Malerinnen haben Frauen den Dadaismus wesentlich geprägt. Erstmals zeigt das Arp Museum die weibliche Dada-Bewegung und untersucht das freiheitliche Streben nach Emanzipation. Ergänzende zeitgenössische Positionen machen die Auswirkungen bis heute sichtbar.
6. Juli 2024
Yayoi Kusama, Foto: Yusuke Miyazaki, courtesy Ota Fine Arts, Victoria Miro und David Zwirner. ©YAYOI KUSAMA

Porto | Serralves Museum of Contemporary Art Porto: Yayoi Kusama: 1945 To Now Retrospektive | 2024

„Yayoi Kusama: 1945 to Now“ erzählt die Lebens- und Werkgeschichte der japanischen Künstlerin und beleuchtet ihre Sehnsucht nach Verbundenheit und die tiefgründigen Fragen nach dem Dasein, die ihre kreativen Erkundungen antreiben.
5. Juli 2024

Wien | mumok: nowhere / now here. Performancefestival

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.