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Thalheim | Museum Angerlehner: Lena Göbel & Maria Moser 2 Captains – 1 Mission

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 22. Juni 2019
Maria Moser, Materie in spiritu, Detail, 2018/19, Öl/Lw, 390 x 390 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

Maria Moser, Materie in spiritu, Detail, 2018/19, Öl/Lw, 390 x 390 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

Lena Göbel (* 1983) und Maria Moser (* 1948) präsentierten in der großzügigen Halle des Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels (OÖ) großformatige Holzschnitte und Abstraktionen. Mutter (Moser) und Tochter (Göbel) werden von Günther Oberhollenzer im spannungsreichen Dialog – Moser arbeitet gestisch-abstrakt und Göbel figurativ – einander gegenübergestellt. Großformatige Leinwände wechseln sich mit „Druckstöcken“ mit skulptural-bildhafter Wirkung ab. Genauer handelt es sich um markige Holzplanken, die von Lena Göbel großflächig bearbeitet werden. Die Holzschnitte bilden in ihrem Werk gleichsam den Grundstock der Aussage, werden sie doch in der folgenden Übermalung mit Ölfarben und Lacken akzentuiert, ausgelöscht oder vertieft.

Lena Göbel & Maria Moser – 2 Captains – 1 Mission

Österreich / Thalheim bei Wels (OÖ): Museum Angerlehner
24.2. – 22.9.2019

Lena Göbel -Maria Moser, Ausstellungsansicht Museum Angerlehner 2019, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS
Lena Göbel -Maria Moser, Ausstellungsansicht Museum Angerlehner 2019, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

 

Maria Moser – Dompteuse ihrer selbst

Maria Moser studierte während der 1970er Jahre an der Wiener Akademie. Ihre großflächigen Abstraktionen entstehen in mehreren Phasen. Ausgangspunkt ihres Arbeitens ist die auf dem Boden legende Leinwand, die sie intuitiv und sichtlich mit Freude an der großzügigen, aktiven Bewegung bemalt und beschüttet. Fußspuren an den Leinwänden bezeugen, wie die Künstlerin sich über ihre Werke bewegt, um die Farbmaterie mit Besen, Bürsten zu verteilen. Nachdem diese erste Schicht des „freien Arbeitens“ getrocknet ist, stellt Moser die Leinwände auf und reagiert auf das einmal Geschaffene. Die Künstlerin beschreibt diesen Moment als einen „inneren Dialog“ mit ihrem Werk, „bei dem es darum geht, geordneter ans Werk zu gehen“. Eine freudvolle „Bändigung der Kräfte“ wäre dieser Prozess, so Maria Moser. Das Resultat changiert zwischen emphatisch-gestischer Malerei und kontrolliertem Farbauftrag, zwischen dem Zufall einer Rinnspur und kraftvollem, subjektivem Strich. Der Bildträger spricht dabei immer mit, speichert die Erinnerung an den Werkprozess und bildet die Folie, vor der sich Farbtöne, aber auch das tiefe Schwarz der Maria Moser entfalten können. Geschüttet, gebürstet, gestrichen – wilde Malerei wieder eingefangen und gezähmt – so zeigen sich die Abstraktionen der Maria Moser. Das Resultat ist ein beständiges Changieren zwischen eruptivem Farbauftrag und leuchtenden Farbtönen, zwischen kontrolliert gesetzten und von der Umwelt geprägten Stellen.

„Ich gehe schon mit einer gewissen Vorstellung [an das Bild, Anm. AM] heran, aber diese wird wieder verworfen, und dann kommt etwas Neues. Der Arbeitsprozess ist sehr fordernd und das eigentliche Um und Auf.“

 

Maria Moser, Triebwerk, 2006, Öl/Lw, 200 x 450 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS
Maria Moser, Triebwerk, 2006, Öl/Lw, 200 x 450 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

Maria Moser, Ferrum loquitur II, 2006, Öl/Lw, 380 x 280 cm; Materie in spiritu, 2018/19, Öl/Lw, 390 x 390 cm; Ferrum loquitur, 2006, Öl/Lw, 400 x 300 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS
Maria Moser, Ferrum loquitur II, 2006, Öl/Lw, 380 x 280 cm; Materie in spiritu, 2018/19, Öl/Lw, 390 x 390 cm; Ferrum loquitur, 2006, Öl/Lw, 400 x 300 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

Maria Moser, Zeitfenster, 2010, Öl/Lw, 120 x 100 cm (Sammlung Angerlehner), über Kreuz, 2007, Öl/Lw, 120 x 100 cm (Sammlung Angerlehner)
Maria Moser, Zeitfenster, 2010, Öl/Lw, 120 x 100 cm (Sammlung Angerlehner), über Kreuz, 2007, Öl/Lw, 120 x 100 cm (Sammlung Angerlehner)

 

Lena Göbel – ironischer Blick auf Heimatkommerz

Lena Göbel arbeitet mit der Technik des Holzschnitts, um ihre in Trachten gekleideten Tiere zuerst in die Holzplanke, dann aufs Papier und schlussendlich in überarbeiteter Form auf die Leinwand zu bekommen. Als Schülerin von Gunter Damisch an der Wiener Akademie (2003–2008) tritt sie in die Fußstapfen eines der profiliertesten Druckgrafiker der österreichischen jüngeren Kunstgeschichte (→ Gunter Damisch. MACRO. MICRO). Im Interview mit Günther Oberhollenzer erläutert Göbel ihre Präferenz für das Medium wegen dessen expressionistischen Charakters, wobei sie „das Plakative, Starke und Wilde“1 an ihm schätzt. Mit ihren vermenschlichten, in Trachten gehüllten Tierdarstellungen nimmt Göbel Themen wie heimatverbundene Kultur und Selphy-Manie auf. Stolz präsentieren sich die Protagonisten, wobei Göbel durch die Behandlung ihrer posierenden Tiere – Ergänzung, Akzentuierung bis Übermalung – eine ironische Note einführt. Mitnichten geht es der oberösterreichischen Künstlerin um ein Akklamieren trachtiger Zustände. Stattdessen zeigen sich Hamster, Karpfen und Vogel in ihrem Selbst bedroht, als wären die Porträts Erinnerungsbilder aus längst vergangenen Zeiten. Dahinter stehen Ironie und Kritik – allerdings nicht an einer altbackenen oder nationalistisch vereinnahmten Heimatverbundenheit, sondern an der Kommerzialisierung derselben. Lena Göbel ist eine Künstlerin, die gerne am Land lebt, wie sie betont – und daher das Ursprüngliche der Tradition zu schätzen weiß. Ihr Antrieb, figurativ zu arbeiten und sich mit dem politisch hochbrisanten Thema auseinanderzusetzen, ist der Umgang damit:

„Es ist wichtig, dass man nicht vergisst, wo etwas herkommt, aber man kann sich auf der gleichen Ebene auch wieder lustig darüber machen. Was mich stört, sind nicht Leuchte, die sich darüber lustig machen, sondern solche, die einfach absolut keine Ahnung haben. Diese Oberflächlichkeiten stören mich am meisten.“

Kuratiert von Günther Oberhollenzer.

 

Lena Göbel, aus den Serien: dunkler ex machina (li) und Karpfumvierat, beide 2018, Holzschnitt, Papier, Öl/LW, 170 x 190 cm/170 x 180 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS
Lena Göbel, aus den Serien: dunkler ex machina (li) und Karpfumvierat, beide 2018, Holzschnitt, Papier, Öl/LW, 170 x 190 cm/170 x 180 cm, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

Lena Göbel, Ausstellungsansicht im Museum Angerlehner 2019, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS
Lena Göbel, Ausstellungsansicht im Museum Angerlehner 2019, Foto: Alexandra Matzner | ARTinWORDS

 

2 Captains – 1 Mission. Lena Göbel & Maria Moser: Ausstellungskatalog

Lena Göbel, Maria Moser (Hg.)
mit Beiträgen von Björn Engholm, Florian Steininger und einem Interview zwischen Lena Göbel, Maria Moser und Günther Oberhollenzer
128 Seiten
ISBN 978-3-99028-841-2
artedition Verlag Bibliothek der Provinz

Zeitgenössische Kunst

22. Januar 2026
Anselm Kiefer, Sophie Brahe, Detail, 2025 (Foto: Nina Slavcheva © Anselm Kiefer)
Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 22. Januar 2026

Mailand | Palazzo Reale: Anselm Kiefer. Die Alchemistinnen

Anselm Kiefer würdigt 2026 die vergessenen Alchemistinnen! Der selbst gerne als "Alchemist" angesprochene Künstler zeigt neue Werke zu Caterina Sforza, Tochter des Mailänder Herzogs Galeazzo Maria Sforza, Isabella Cortese (gest. 1561), Maria la Giudea [Maria, die Jüdin] (1.–3. Jhdt.), Marie Meurdrac (vor 1613–um 1680), Rebecca Vaughan (gest. 1658), Mary Anne Atwood (1817–13.4.1910) und Anne Marie Ziegler (um 1545–7.2.1575).
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18. Dezember 2025
Georg Baselitz, Weißes Bett, weiß, 2022, Öl, Dispersionsklebstoff und Stoff auf Leinwand, 200 x 250 cm, © Georg Baselitz 2026, Foto: Jochen Littkemann
Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 18. Dezember 2025

Salzburg | Museum der Moderne: Baselitz 2026

Georg Baselitz feiert 2026 seinen 88. Geburtstag. Deshalb widmet ihm das Museum der Moderne Salzburg zwei Ausstellungen, die den Bogen schlagen von seinen frühen Zeichnungen bis hin zu seinem monumentalen Spätwerk.
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16. Dezember 2025
Ewa Partum, 1972
Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 16. Dezember 2025

Linz | Francisco Carolinum: Ewa Partum

Ewa Partum (*1945) wird 2026 mit „conceptual exercises“ erstmals umfassend in Österreich gewürdigt. Mail- und Bodyart der 70er und 80er Jahre in Linz.
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Aktuelle Ausstellungen

30. Januar 2026
Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1982, Pastell und Ölstift auf Papier, 74,9 x 55,9 cm (Privatsammlung © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York; Foto: Courtesy of Colour Themes © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York)
Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 30. Januar 2026

Humlebæk | Louisiana: Basquiat – Headstrong

Erstmals sind 2026 Zeichnungen von Jean-Michael Basquiat zu sehen, in denen der Künstler 1982/83 den Kopf als Schwelle zwischen dem sichtbaren Selbst und der inneren Erfahrung.
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30. Januar 2026
Willem van Haecht, Die Kunstkammer von Cornelis van der Geest, Detail, 1628, Öl auf Holz (Antwerpen © City of Antwerp Collection, Rubenshuis, Foto: CC BY-SA KIK-IRPA, Brüssel)
Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 30. Januar 2026

Wien | Gartenpalais Liechtenstein: Geschichte des europäischen Kunstmarkts

Anfang 2026 steht im Gartenpalais Liechtenstein, Wien, die Geschichte des Kunstmarkt im Zentrum. Von der Antike bis zu Wien 1900, von Skulpturen bis Malerei, von Auftragsarbeiten bis zur freien Kunstproduktion für den Massenmarkt (Niederlande), von Sammlern, ihren Agenten und deren Netzwerke wird zu erzählen sein.
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29. Januar 2026
Robert Mapplethorpe, Thomas, 1987 © Robert Mapplethorpe Foundation
Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 29. Januar 2026

Mailand | Palazzo Reale: Robert Mapplethorpe

Robert Mapplethorpe in Mailand nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch die ästhetischen Erkundungen des Fotografen, darunter seine sinnlichen Akte, die sich durch formale Perfektion auszeichnen.
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  1. Über die Mission ein Bild mit Kraft und Leben zu beseelen. Günther Oberhollenzer im Gespräch mit Lena Göbel und Maria Moser, in: 2. Captains – 1 Mission. Lena Göbel & Maria Mose, Weitra 2019 (Ausst.-Kat. Museum Angerlehner, Thalheim, 24.2.–22.9.2019), Weitra 2019, S. 60–78, hier S. 62.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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