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Alfred Wickenburg Werk & Leben

Alfred Wickenburg, Burgenländisches Stillleben II, 1968, Öl auf Leinwand, 52,5 x 69 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York/ © Henriette Gorton-Wickenburg 2016)

Alfred Wickenburg, Burgenländisches Stillleben II, 1968, Öl auf Leinwand, 52,5 x 69 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York/ © Henriette Gorton-Wickenburg 2016)

Alfred Wickenburg (1885–1978) gilt als einer der Hauptvertreter des „österreichischen Kubismus“ der Zwischenkriegszeit, in dem kubistische Stilmittel im Sinn des Expressionismus für die eigenen ästhetischen Zwecke adaptiert wurden. Seine Ausbildung in München, Paris und Stuttgart ließ den in Graz geborenen Maler früh mit konstruktiven Konzepten an ihren originären Entstehungsorten in Kontakt kommen. Kristalline Abstraktion anstelle der simultanen Darstellung verschiedener Perspektiven ist nur eine der Unterschiede zum französischen Kubismus. Auch im Werk von Alfred Wickenburg steht die kristalline Abstraktion und expressive Farbigkeit für die Transformation der sinnlichen Welt ins Geistige. Häufig wählte Wickenburg religiöse Szenen, die er in kubischer Gestaltung und plastischer Wirkung umsetzte.

Ausbildung

Die außergewöhnliche Karriere von Alfred Graf von Wickenburg begann bereits mit seinem Ausstellungsweg. Von 1904 bis 1914 führte ihn sein Studium von der Münchner Ažbe-Schule (1904–1905), über einen kurzen Aufenthalt in der Dachauer Künstlerkolonie, nach Paris. Zwischen 1906 und 1909 studierte Wickenburg für vier Jahre in Paris, wo er an der Académie Julian auf Jean-Paul Laurens (1838–1921) traf. Sein Malereistudium führt ihn weiter an die Stuttgarter Akademie (1910–1914). Hier suchte er die Malklasse von Christian Landenberger sowie die Komponierklasse von Adolf Hölzel. Zu seinen Studienkollegen gehörten Oskar Schlemmer (1888–1943) und Willi Baumeister (1889–1955). Während seiner ersten Teilnahme an der Ausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein in Stuttgart präsentierte Wickenburg Arbeiten in dem von Adolf Hölzel eingerichteten „Expressionisten-Saal“. Der Maler aus der Steiermark war kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Kreis von Otto Baumeister, Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Hermann Stenner, Josef Eberz und andere Maler „der jüngsten Richtung“ (Katalogvorwort) vertreten. Die Jahre des Ersten Weltkriegs leistet Alfred Graf von Wickenburg als Offizier ab. Erst ab 1918 konnte er daher als freischaffender Künstler tätig werden.

 

Maler des „österreichischen Kubismus“

Seine Ausbildung in München, Paris und Stuttgart ließ den in Graz geborenen Maler früh mit konstruktiven Konzepten an ihren originären Entstehungsorten in Kontakt kommen. Doch rezipierte der Künstler den Kubismus von Picasso und Braque in eigenständiger Weise. Er adaptierte kubistische Stilmittel im Sinn des Expressionismus für die eigenen ästhetischen Zwecke. Kristalline Abstraktion anstelle der simultanen Darstellung verschiedener Perspektiven ist nur eine der Unterschiede zum französischen Kubismus. Auch im Werk von Alfred Wickenburg steht die kristalline Abstraktion und expressive Farbigkeit für die Transformation der sinnlichen Welt ins Geistige. Häufig wählte Wickenburg religiöse Szenen, die er in kubischer Gestaltung und plastischer Wirkung umsetzte.

 

 

Durch die Rückkehr von Alfred Wickenburg nach Graz im Jahr 1923 wurde die Hauptstadt der Steiermark zum Zentrum kubistischer Kunst in Österreich. Die im gleichen Jahr gegründete Grazer Secession und Wickenburgs Lehrtätigkeit machten Graz zum Mittelpunkt avantgardistischer Kunstproduktion. Seine Stillleben der 1920er Jahre sowie „Rinaldo und Armida“ (1923) sind wichtige Exponate, welche die Auseinandersetzung des Steirers mit der Pariser und Stuttgarter Avantgarde zeigen. Für die Aufgabenstellung Glasfenster nutzte Wickenburg ähnliche Strukturen, die er hier jedoch gänzlich flächig einsetzte.

 

 

Alfred Wickenburgs Malerei der Nachkriegszeit unterscheidet sich grundlegen von seiner Produktion der Zwischenkriegszeit. Anstatt geometrischer Gurndformen nutzte er nach 1945 intensive Farben im post-expressiver Manier.

„Kunstwerke sind wie Könige: man muss warten, bis sie einen ansprechen.“ (Alfred Wickenburg nach Rainer Maria Rilke, 1933)

 

Österreichische Maler der Zwischenkriegszeit, die sich mit dem Kubismus beschäftigten

  • Alfred Wickenburg (1885–1978)
  • Kurt Weber (1893–1964): Schüler von Alfred Wickenburg von 1923 bis 1927
  • Hans Stockbauer (1910–1982)
  • Friedrich Aduatz (1907–1994)
  • Maximilian Reinitz (1872–1935)
  • Eduard Bäumer (1892–1977)

Biografie von Alfred Wickenburg (1885–1978)

Am Juli 1885 wurde Alfred Matthias Konstantin Capello Graf von Wickenburg in Bad Gleichenberg in der Steiermark in eine adelige Familie geboren. Er wuchs in einem kultivierten und kunstinteressierten Umfeld auf. Bereits die Gestaltung seines künstlerischen Ausbildungswegs lässt auf eine aufgeschlossene, den internationalen zeitgenössischen Kunstströmungen unvoreingenommen gegenüberstehende Persönlichkeit schließen.
1904–1905 Umzug nach München und Ausbildung in der Ažbe-Schule. Kurzer Aufenthalt in der Dachauer Künstlerkolonie
1906–1909 Vierjähriger Aufenthalt in Paris, wo er an der Académie Julian bei Jean-Paul Laurens (1838–1921) studierte.
1910–1914 Studium an der Stuttgarter Akademie neben Oskar Schlemmer und Willi Baumeister u. a. die Malklasse von Christian Landenberger sowie die Komponierklasse von Adolf Hölzel.
1914 Teilnahme an der Ausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein in Stuttgarter: Hölzel richtete den „Expressionisten-Saal“ ein, wo Wickenburg im Kreis von Baumeister, Itten, Schlemmer, Stenner und weiterer Maler „der jüngsten Richtung“ (Katalogvorwort) vertreten war.
1914–1918 Kriegsdienst als Offizier.
1918 Wickenburg arbeitete als freischaffender Künstler.
1920–1923 Studien in Italien: Aufenthalte in Rom, Florenz und Venedig.
1923 Rückkehr nach Graz; Mitbegründer der Grazer Secession u.a. gemeinsam mit Wilhelm Thöny (1888–1949). Alfred Wickenburg unterrichtete Kunst am Akademischen Gymnasium in Graz.
1928 Ausstellung in der Galerie du Taureau in Paris.
1934 Teilnahme an der Biennale von Venedig
1934–1936 Professor für Landschafts- und Stilllebenmalerei an der Landeskunstschule Graz.
1936 Teilnahme an der Biennale von Venedig.
1937 Teilnahme an der Exposition l’Art autrichienne im Musée du Jeu de Paume; Weltausstellung in Paris (im Spanischen Pavillon waren Picasso: Guernica, Miró und Alexander Calder ausgestellt). Berufung zum Professor für Zeichnen an der Landesfreskoschule in Graz (bis 1956).
1939 Mitglied der Wiener Secession bis zu ihrer Auflösung.
1945 Mitglied der wieder gegründeten Wiener Secession.
1950 Teilnahme an der Biennale von Venedig, Ausstellung in der Galerie Gurlitt in Linz.
1951 Mitglied der Jury für den Österreichischen Staatspreis.
1952 Delegierter Österreichs bei der UNESCO in Venedig.
1957 Alfred (Graf) Wickenburg wurde der Österreichische Kunstpreis verliehen. Berufung in den Kunstsenat.
1958 Teilnahme an der Biennale von Venedig
Am 25. Dezember 1978 starb Alfred Wickenburg in Graz.

 

Alfred Wickenburg: Bilder

  • Alfred Wickenburg, Das Paradies, 1919, Öl auf Leinwand, 146,5 x 190 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Selbstbildnis in persischer Tracht, 1920, Öl auf Leinwand, 81 × 67 cm (LENTOS Kunstmuseum Linz)
  • Alfred Wickenburg, Römisches Liebespaar, 1921, Öl auf Leinwand, 178 x 195,5 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923, Öl auf Leinwand, 110,5 x 159,5 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Enigma, 1943, Öl auf Leinwand, 66 x 50,5 cm (© Belvedere, Wien - Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Altes Haus im Frühling, 1950, Öl auf Leinwand, 99,4 x 129,5 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Betender Ritter, 1957, Öl auf Leinwand, 121 x 133 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Maria zwischen Sonne und Mond, 1960, Dickglas, mit Beton gefasst, 116 × 198 cm (Originalfenster in der Michaelskapelle des Schlosses Seggau bei Leibnitz)
  • Alfred Wickenburg, Zwei Glasfensterentwürfe für die St. Josefskirche in Greith: Apostelsymbol, um 1962, Aquarell über Bleistift auf Papier, 57,2 x 41 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Burgenländisches Stillleben II, 1968, Öl auf Leinwand, 52,5 x 69 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Apennin, 1970, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Wahrsagerin, 1973, Öl auf Leinwand, 100 × 140 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)
  • Alfred Wickenburg, Ausblick auf Montegrotto, 1975, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm (© Belvedere, Wien/Leihgabe aus Privatbesitz, New York)

Literatur

Wien – Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880–1960 (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien, 3.10.2007–13.1.2008), Wien 2007.

Merken

Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.