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New York | MoMA: Helen Frankenthaler. A Grand Sweep

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 18. November 2025

Das MoMA würdigt im Herbst/Winter 2025/26 die grandiose Helen Frankenthaler! Immerhin nennt das Museum of Modern Art 66 Werke Frankenthalers sein eigen, jüngst schenkte noch die Helen Frankenthaler Foundation das großformatige Acryl-Gemälde „Toward Dark“1 (1988). Damit ist die Künstlerin nicht nur mit einer Vielzahl von Arbeiten auf Papier, sondern auch mit Gemälden in der wichtigen Sammlung vertreten. Die Ausstellung „Helen Frankenthaler. A Grand Sweep“ gibt Einblick in die künstlerische Entwicklung der Amerikanerin, geprägt von kontinuierlichen Experimenten. Charakteristisch für ihre Kunst ist die Großformatigkeit ihrer Werke, die sich durch weite, fließende Farbfelder auszeichnen. Die von Frankenthaler entwickelte Maltechnik, bei der sie stark mit Terpentinöl verdünnte Ölfarben auf ungrundierte Leinwand auftrug, ermöglicht ein Einfärben des Stoffes und damit ein ähnliches Erscheinungsbild wie beim Aquarellmalen. Selbstbewusst konstatierte Frankenthaler:

 „Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Richtungen und Themen in meiner Kunst erkundet. Aber ich glaube, in all meinen Gemälden ist der unverwechselbare Stil einer einzigartigen Künstlerin, der Handschrift einer einzigartigen Künstlerin, erkennbar.“ (Helen Frankenthaler)

Helen Frankenthaler. A Grand Sweep

USA | New York: MoMA, Floor 2, Atrium
18.11.2025 – 8.2.2026

Helen Frankenthaler im MoMA (2025/26)

„Es ging mir um eine großartige, dynamische Komposition. Ich hatte die grundlegende Idee im Kopf – ich wusste, wie die Linien fließen würden. Ich war mir meines Stils sicher.“

Diese Worte fand Helen Frankenthaler zu ihrem Gemälde „Chairman of the Board“ (1971, MoMA). Die Aussage macht die Ambition der Künstlerin deutlich. Bewusst arbeitete sie in monumentaler Größe und entwickelte in Auseinandersetzung mit ihrer Kollegenschaft ein großes Selbstvertrauen. Zwei Jahrzehnte zuvor, im New York der 1950er Jahre, war Helen Frankenthaler mit ihrem Personalstil der Durchbruch in der Gruppe des Abstrakten Expressionismus gelungen. Ihre Formulierung „großartige, dynamische Komposition“ spiegelt zudem die vielschichtige Entwicklung ihrer Karriere und ihre ständige Innovationskraft wider.

 

Abstrakte Landschaften

In den 1950er Jahren entwickelte Helen Frankenthaler ihre charakteristische Technik: Sie goss verdünnte Ölfarbe auf ungrundierte Leinwand und ließ die Farbe in den Untergrund einsickern („soak-stain-technique“), anstatt die Farbe nur auf die Oberfläche aufzutragen. Durch das Einsickern in den Stoff und das Verrinnen der Farben erinnern ihre Gemälde an großformatige Aquarelle.

Bereits ein Jahr nach seiner Entstehung erwarb das MoMA Frankenthalers „Trojan Gates“ von 1955. Die Künstlerin beschrieb dieses Gemälde als Teil einer Serie, die „unförmige, innere Welten oder Tiefeneffekte auf der Oberfläche und in der Perspektive darstellt, die an bestimmten Stellen durch punktuelle Farbflecken strukturiert werden“. Um diesen Tiefeneffekt zu erzielen, verdünnte Frankenthaler ihre Farben mit Terpentin, sodass sie direkt in den Leinwandgrund eindrangen und ihn durchfärbten. Sie verwendete zwar selten die Farbe Schwarz, aber mit ihrer Fleckmaltechnik konnte sie, wie sie selbst sagte, Schwarz „als Farbfläche und nicht als schwarze Linie oder als ‚stabilisierendes Element‘“ einsetzen.

Obwohl Frankenthaler selten explizit auf figurative Bezüge in ihren abstrakten Kompositionen einging, zeigte sie häufig Interesse an der Landschaft. Die Gemälde, die sie im Freien am Land schuf, seien, „voll von Ideen über Landschaft, Raum, Komposition, Perspektive, Wiederholung, Flächigkeit und Licht – all das hat mich inspiriert und prägt bis heute mein Schaffen und meine Experimente.“ 1957 formulierte die Malerin: „Wenn ich mich zu einer Interpretation äußern muss, dann sehe ich in meinen Bildern explosive Landschaften, Welten und Weiten, die auf einer flachen Fläche dargestellt sind.“

Ein weiteres frühes Hauptwerk der Abstrakten Expressionistin in der Sammlung des MoMA ist „Jacob's Ladder“ (1957): Der Titel dieses Werkes bezieht sich auf die biblische Figur Jakob, den Sohn Isaaks und Rebekkas. Wie in der Genesis beschrieben, hatte Jakob einen Traum, in dem er eine Leiter sah, die bis zum Himmel reichte. „Das Bild entwickelte sich (schrittweise während des Malprozesses) zu einer Form, die an eine lebendige Gestalt und eine Leiter erinnert – daher der Titel ‚Jakobsleiter‘.“

 

Formen – Regionen – Atmosphären

Anfang der 1960er Jahre wechselte Helen Frankenthaler zu Acrylfarbe, was klarere Konturen ermöglichte und eine neue Betonung der Formgebung bewirkte. Mit großer Sensibilität für die Beziehung zwischen Malerei und Landschaft verglich sie diese Formen mit geografischen Gebieten und nannte sie „Regionen“ oder „Territorien“. Ende der 1980er Jahre führten diese Materialexperimente zunehmend zu atmosphärisch reizvollen Kompositionen, wie beispielsweise „Toward Dark“ (1988), ein kürzlich erworbenes Gemälde, das in dieser MoMA-Ausstellung erstmals gezeigt wird.

Kuratiert von Samantha Friedman, Kuratorin der Abteilung für Zeichnungen und Druckgrafiken, in Zusammenarbeit mit Elizabeth Wickham, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Malerei und Skulptur.

Frankenthaler im MoMA: Bilder

  • Helen Frankenthaler, Great Meadows (recto); Untitled (Landscape) (verso), 1951, Aquarell- und Acrylmalerei auf Papier (Vorderseite); Aquarellmalerei auf Papier (Rückseite), 56 x 77.4 cm (MoMA, New York, Inv.-Nr. 378.1984.a-b)
  • Helen Frankenthaler, Trojan Gates, 1955, Öl- und Emailfarbe auf Leinwand, 182.9 x 124.1 cm (MoMA, New York, Inv.-Nr. 189.1956)
  • Helen Frankenthaler, Jacob's Ladder, 1957, Öl auf Leinwand, 287.9 x 177.5 cm (MoMA, New York, Gift of Hyman N. Glickstein, Inv.-Nr. 82.1960)
  • Helen Frankenthaler, Chairman of the Board, 1971, Acryl und Filzstift auf Leinwand, 208.4 × 493.6 cm (The Museum of Modern Art, New York. Nina and Gordon Bunshaft Bequest. © 2025 Helen Frankenthaler/Artists Rights Society (ARS), New York)
  • Helen Frankenthaler, Toward Dark, 1988, Acryl auf Leinwand, 300.4 x 224.8 cm (The Museum of Modern Art, New York, Gift of the Helen Frankenthaler Foundation)
  • Helen Frankenthaler, Radius, 1993, Holzschnitt, 71.1 × 71.1 cm (Blattmaß), gedruckt bei Tyler Graphics Ltd., Bedford, New York, X/30 (MoMA, New York, John B. Turner Fund, Inv.-Nr. 294.1994)
  • Helen Frankenthaler, Lighthouse Series XIII, 1999, Acryl auf Papier, 61 x 90.8 cm (MoMA, New York, The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection Gift, Inv.-Nr. 1680.2005)
  • Helen Frankenthaler, Lilac Sweep, 2006, Lithografie, 40.7 x 51 cm (Motiv); 56.6 x 69.8 cm (Blattmaß), gedruckt bei Universal Limited Art Editions, Bay Shore, NY, x/35 (MoMA, New York, Gift of Emily Fisher Landau, Inv.-Nr. 97.2007)

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Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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