New York | MoMA: Mondrian. Boogie Woogie (2027)

Piet Mondrian, Victory Boogie Woogie, 1942-1944 (Dauerleihgabe im Kunstmuseum Den Haag)
Das MoMA widmet von 21. März bis 31. Juli 2027 dem niederländischen Künstler Piet Mondrian eine „musikalische“ Ausstellung: „Mondrian. Boogie Woogie“. Als erste Station der gemeinsam mit dem Kunstmuseum Den Haag organisierten Ausstellung (→ Mondrian: Boogie Woogie (Wanderausstellung 2027/28)) zeigt das MoMA Broadway Boogie Woogie gemeinsam mit Victory Boogie Woogie und präsentiert erstmals beide Werke seit 30 Jahren wieder nebeneinander.1
Broadway Boogie Woogie gehört seit 1943 zur ständigen Sammlung des Museums (→ Werkanalyse Broadway Boogie Woogie); Victory Boogie Woogie reist eigens aus dem Kunstmuseum Den Haag an, wo es als Dauerleihgabe der Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed beheimatet ist (→ Werkanalyse Victory Boogie Woogie).2 Eine Reise des empfindlichen, nie ganz vollendeten Spätwerks gilt als große Ausnahme.
Mondrian. Boogie Woogie
USA | New York: MoMA
21.3. – 31.7.2027
Mondrian tanzt in New York
Mondrian in New York (1940–1944)
Die Ausstellung im MoMA folgt einem chronologischen Aufbau, der mit Mondrians Ankunft in New York im Oktober 1940 beginnt und mit seinem Tod 1944 endet. Parallel dazu erzählt sie die Geschichte des Boogie-Woogie selbst: von seinen Wurzeln im amerikanischen Süden über die Great Migration bis zu seiner New Yorker Blütezeit in den 1940er Jahren.3
Gezeigt werden rund 30 Werke, darunter neben den beiden Boogie-Woogie-Bildern auch New York City (1942), in dem Mondrian die schwarze Linie erstmals vollständig zugunsten durchgehender farbiger Linien aufgab. Das bedeutete einen entscheidenden Zwischenschritt auf dem Weg zu Broadway Boogie Woogie und Victory Boogie Woogie.4 Zu sehen sind außerdem die so genannten „transatlantischen“ Gemälde, die Mondrian aus Europa mitbrachte und in New York weiterbearbeitete, sowie Schriften, Aufnahmen, Fotografien und Migrationsdokumente.
Zwei Bilder, gleichzeitig begonnen
Mondrian arbeitete in seinem New Yorker Atelier während der dunkelsten Kriegsjahre gleichzeitig an beiden Gemälden. Broadway Boogie Woogie wurde nach seiner Fertigstellung umgehend vom MoMA erworben, Victory Boogie Woogie blieb bei Mondrians Tod 1944 unvollendet: Zahlreiche Klebebandstücke auf der Leinwand zeigen, dass er bis zuletzt nach der endgültigen Komposition suchte.5
Café Society und die New Yorker Jahre
Die New Yorker Station widmet sich besonders dem Umfeld, in dem beide Bilder entstanden: dem legendären Café Society, auch Café Society Downtown, dem einzigen New Yorker Lokal, in dem zu jener Zeit Schwarze und Weiße gemeinsam auftreten und im Publikum sitzen durften. Gegründet wurde der Club kurz vor Mondrians Ankunft von Barney Josephson; zu den prägenden Musiker:innen zählten das „Boogie Woogie Trio“ – Albert Ammons, Meade „Lux“ Lewis und Pete Johnson –, dazu Mary Lou Williams, Billie Holiday und Lena Horne. Die drei Pianisten hatten im Dezember 1938 beim legendären Konzert „From Spirituals to Swing“ in der Carnegie Hall für Furore gesorgt.6
Mondrian tanzte regelmäßig im Café Society zur Musik des Boogie-Woogie, einem Musikstil mit Wurzeln in der afrikanischen Diaspora, der zur entscheidenden Inspirationsquelle seines Spätwerks wurde.7 Das musikalische Begleitprogramm unter der Leitung von Jason Moran und Brent Hayes Edwards nimmt diesen Bezug direkt auf; die Ausstellung inszeniert einen Abend im Café Society mit originalen Club-Utensilien, Fotografien, historischem Filmmaterial und eigens komponierter Musik von Jason Moran.8
Mondrians Überfahrt: Archivmaterial zur Flucht 1940
Gezeigt wird auch persönliches Archivmaterial zu Mondrians Flucht von London nach New York im Jahr 1940. Er verbrachte die Überfahrt an Deck eines Schiffs in einem von deutschen U-Booten bedrohten Konvoi, mit zusammengerollten Leinwänden und einer Schwimmweste. Erst der Anblick der New Yorker Skyline brachte ihm nach dieser angsterfüllten Reise Entspannung und neue künstlerische Freiheit.9
Wissenschaftliche Aufbereitung
Augmented-Reality-Anwendungen und hochauflösende 3D-Repliken erlauben es dem Publikum, Mondrians Arbeitsprozess an beiden Bildern im Detail nachzuvollziehen.10 Eine zweisprachige Begleitpublikation versammelt neue Forschung zur Geschichte der Boogie-Woogie-Musik, zu Mondrians New Yorker Ateliers und zu den Ergebnissen der materialtechnischen Untersuchung beider Werke; Leah Dickerman liefert die einleitende Rahmung, weitere Beiträge stammen u. a. von Wietse Coppes, Brent Hayes Edwards, Fred Moten und Caitlin Ryan.11
Kuratorin Leah Dickerman beschreibt die beiden parallelen Geschichten, die der Ausstellung zugrunde liegen – Mondrians und die des Boogie-Woogie – als „stories of migration, diaspora, encounter, and reimagination [Geschichten von Migration, Diaspora, Begegnung und Neuinterpretation]", die für das Verständnis der amerikanischen Moderne zentral seien.12
Ausstellung | Mondrian. Boogie Woogie |
Institution | The Museum of Modern Art, New York |
Laufzeit | 21. März – 31. Juli 2027 |
Kuratorium | Leah Dickerman (Director, Research Programs), Carlota Ortiz Monasterio (Curatorial Assistant) |
Musikprogramm | Jason Moran (Musiker, Komponist), Brent Hayes Edwards (Wissenschaftler) |
Kooperationspartner | Kunstmuseum Den Haag, Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (RCE), RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis |
Ausgestellte Bilder und Fotografien
- Piet Mondrian, Broadway Boogie Woogie, 1942–1943, Öl auf Leinwand, 127 x 127 cm (The Museum of Modern Art, New York. Anonymes Geschenk)
- Piet Mondrian, Victory Boogie Woogie (unvollendet), 1942–1944, Öl, farbiges Papier und Tape (Klebeband) auf Leinwand, 127 × 127 cm (Kunstmuseum Den Haag – Dauerleihgabe Cultural Heritage Agency of the Netherlands / Ministry of Education, Culture and Science)
- Charles Peterson, Albert Ammons und Meade Lux Lewis im Café Society Downtown, 1939, Gelatinesilberprint (vergrößert), 8 x 10 in. (Courtesy of Don Peterson)
- Fritz Glarner, Piet Mondrian in seinem Atelier mit seinem Grammophon, 1943 oder 1944, Gelatinesilberprint, 20.8 × 12.8 cm (Piet Mondrian Archive, RKD – Netherlands Institute for Art History, Den Haag © Estate of Fritz Glarner, Kunsthaus Zürich)
- Arnold Newman, Piet Mondrian, 1942, Gelatinesilberprint, späterer Abzug, 32.5 × 23.8 cm (The Museum of Modern Art, New York. Gift of Gary Davis)
- Fritz Glarner, Piet Mondrian in seinem Atelier, 1943 oder 1944, Gelatinesilberprint, 12.8 × 20.8 cm (Piet Mondrian Archive, RKD – Netherlands Institute for Art History, Den Haag © Estate of Fritz Glarner, Kunsthaus Zürich)
- Boogie-Woogie Dream, Filmstill, 1941 (veröffentlicht 1944), Regie: Hans Burger. Periscope Film
- Fritz Glarner, Piet Mondrians Atelier, ohne Datum, Farbfotografie (Kunsthaus Zürich, Bequest of Louise Glarner, 1979. © Estate of Fritz Glarner, Kunsthaus Zürich)
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026; Pressemitteilung Kunstmuseum Den Haag/MoMA, Juli 2026.
- Kathleen L. Housley, „Emily Hall Tremaine: Collector on the Cusp", in: Woman's Art Journal 21, Nr. 2 (2000/2001), S. 16–21; J. L. Locher, Victory Boogie Woogie, Gemeentemuseum Den Haag, Zwolle 2000, zit. n. Jürgen Stoye, Piet Mondrian's Victory Boogie Woogie, 1942-44, in: Landscape Biographies, Amsterdam 2015, S. 235–252; 1998 erwarb eine niederländische Stiftung das Werk und übereignete es dem Staat.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Harry Cooper, Mondrian, Hegel, Boogie, in: October 84 (Frühjahr 1998), S. 131–132; MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Ebd.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Ebd.
- Ebd.
- Ebd.
- Ebd.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
