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Schweinfurt | Museum Georg Schäfer: Malerinnen und Maler der Romantik Deutsche Künstlerinnen treffen erstmals auf ihre männlichen Zeitgenossen

Maria Angelika Weiß, Mädchenbildnis, Detail, 1826, Öl auf Leinwand, 62,5 x 49,5 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)

Maria Angelika Weiß, Mädchenbildnis, Detail, 1826, Öl auf Leinwand, 62,5 x 49,5 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)

Malerinnen der Romantik in Deutschland im Kontext der männlichen Kunstproduktion ihrer Zeit zu diskutieren, ist das Ziel dieser spannenden Ausstellung im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Während in den Jahrhunderten zuvor Künstlerinnen im Bereich der Tafelmalerei allenfalls der Status von Ausnahmetalenten und Einzelgängerinnen zuerkannt wurde, erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ihr Aufbruch als eine sich durch Briefkontakte vernetzende Gruppe.

Talent kennt kein Geschlecht
Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe

Deutschland | Schweinfurt: Museum Georg Schäfer
16.2. – 10.5.2020

Dieser Aufbruch, ausgehend von wenigen den Frauen offenstehenden Akademien, traf auf erhebliche Vorurteile seitens der männlichen Kollegen. Im September 1818 schrieb etwa Julius Schnorr von Carolsfeld aus Rom, dass er eine deutsche Malerin zur Nachbarin erhalten soll, deren Bekanntschaft er vermeiden werde, denn sie sei „weder jung, schön noch liebenswürdig, noch kann sie was […] Ich kann diesen Schlag von Weibern nicht leiden“. Doch nach ihrer Ankunft tauschte er für sie sogar seine Atelierwohnung und urteilte: „Sie ist ein sehr liebes Mädchen. Ohne alles Falsch“. Sie bezeichnete sein Wesen anlässlich des ersten Treffens als „einnehmend und ritterlich“.

1834 forderte die englische Kunstschriftstellerin Anna Jameson von den deutschen Malerinnen, in ihren Werken solle der „weibliche Verstand“ und ihre Hand als eigene Macht zum Ausdruck kommen. Und beginnend mit Raffael, reihte sie deren Werke ein in die lange Geschichte der Malerei – ein Statement, das damals so wenig selbstverständlich war wie überhaupt das Urteil einer Frau in Sachen Kunst.

Malerinnen und Maler der Romantik in Schweinfurt

Für die Ausstellung wurden 90 Arbeiten, hauptsächlich Gemälde, aus 23 Museen, Kirchen und privaten Sammlungen ausgewählt. Viele Werke waren noch nie oder sehr lange nicht öffentlich zu sehen. Die Ausstellung geht der Frage des spezifisch Weiblichen und des Rollenspiels in der Romantik nach.

Dabei sind die Themenkreise in acht Sektionen chronologisch angelegt und reichen von der Stillebenmalerei über höfische Porträts, Familie und Geselligkeit bis hin zu Italien und Raffael als Vorbild. Durch die Gegenüberstellung mit Werken von männlichen Zeitgenossen ergeben sich spannende Vergleiche hinsichtlich der Themenbehandlung, der Qualität wie auch der Bildtraditionen von ca. 1770 bis 1840.

Vertreten sind 16 Künstlerinnen sowie 20 Künstler:

  • Caroline Bardua (1781 Ballenstedt im Harz – 1864 Ballenstedt im Harz)
  • Julie Gräfin von Egloffstein (1792 Erlangen – 1869 Marienrode)
  • Marie Ellenrieder (1791 Konstanz – 1863 Konstanz)
  • Maria Theresia Flachner (um 1735 – ? Würzburg)
  • Electrine Freiin von Freyberg, geb. Stuntz (1797 Strasburg – 1847 München)
  • Katharina Geiger, verh. Sattler (1789 Schweinfurt – 1861 Schloss Mainberg)
  • Margarethe Geiger (1783 Schweinfurt – 1809 Wien)
  • Sophie L. Hartz (1805 Berlin – 1850 oder 1851 Berlin)
  • Angelika Kauffmann, verh. Zucchi (1741 Chur – 1807 Rom)
  • Marianne Kürzinger, auch Kirzinger, verh. Kunz (1767 oder 1770 München – 1809 München)
  • Barbara Krafft, geb. Steiner (1764 Iglau – 1825 Bamberg)
  • Ludovike Simanowiz, geb. Reichenbach (1759 Schorndorf – 1827 Ludwigsburg)
  • Louise Seidler (1786 Jena – 1866 Weimar)
  • Anna Dorothea Therbusch, geb. Lisiewska (1721 Berlin – 1782 Berlin)
  • Catharina Treu, verh. König (1743 Bamberg – 1811 Mannheim)
  • Maria Angelika Weiß, verh. Freiin von Gumppenberg-Pöttmes (1797 Kempten – 1876 Kempten)
  • Ernestine Wendel (1790 Erfurt – 1859 Berlin)
  • Albrecht Adam (1786 Nordlingen – 1862 München)
  • Karl Joseph Begas (1794 Heinsberg – 1854 Berlin)
  • Karl Blechen (1798 Cottbus – 1840 Berlin)
  • Wilhelm Böttner (1752 Ziegenhain bei Schwalmstadt – 1805 Kassel)
  • Josef Danhauser (1805 Wien – 1845 Wien)
  • Franz Eybl (1806 Wien – 1880 Wien)
  • Conrad Geiger (1751 Erlangen – 1808 Schweinfurt)
  • Josef Mathias Grassi (1757 Wien – 1838 Dresden)
  • Joseph Hauber (1766 Geratsried im Allgau – 1834 München)
  • Philipp Friedrich von Hetsch (1758 Stuttgart – 1838 Stuttgart)
  • Georg Friedrich Kersting (1785 Güstrow – 1847 Meisen)
  • August von Kloeber (1793 Breslau – 1864 Berlin)
  • Georg Melchior Kraus (1737 Frankfurt am Main – 1806 Weimar)
  • Franz Krüger (1797 Grosbadegast – 1857 Berlin)
  • Friedrich von Olivier (1791 Dessau – 1859 Dessau)
  • Heinrich Olivier (1783 Dessau – 1848 Berlin)
  • Moritz Daniel Oppenheim (1800 Hanau – 1882 Frankfurt am Main)
  • Johann Baptist Pflug (1785 Biberach an der Ris – 1866 Biberach an der Ris)
  • Johann Heinrich Ramberg (1763 Hainholz bei Hannover – 1840 Hainholz bei Hannover)
  • Ferdinand von Rayski (1806 Pegau – 1890 Dresden)
  • Friedrich Wilhelm Schadow (1788 Berlin – 1862 Düsseldorf)
  • Joseph Stieler (1781 Mainz – 1858 München)
  •  Johann Friedrich August Tischbein (1750 Maastricht – 1812 Heidelberg)
  • Johann Nikolaus Treu (1734 Bamberg – 1786 Würzburg)
  • Johannes (Jonas) Veit (1790 Berlin – 1854 Rom)
  • Gottfried Wilhelm Völcker (1775 Berlin – 1849 Berlin)
  • Georg Ludwig Vogel (1788 Zürich – 1879 Zürich)
  • Karl Wilhelm Wach (1787 Berlin – Berlin 1845)
  • Ferdinand Georg Waldmüller (1793 Wien – 1865 Hinterbrühl bei Mödling)
  • Franz Xaver Winterhalter (1805 Menzenschwand im Schwarzwald – 1873 Frankfurt am Main)
  • Johann Eleazar Zeissig, gen. Schenau (1737 Großschönau – 1806 Dresden)
  • Johann Georg Ziesenis d. J. (1716 Kopenhagen – 1776 Hannover)

Quelle: Museum Georg Schäfer

Talent kennt kein Geschlecht. Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe: Ausstellungskatalog

Wolf Eiermann (Hg.)
Mit Beitragen und Katalogtexten von Susanne Bayer, Franziska Gradl, Esther Hornung, Barbel Kovalevski, Astrid Reuter, Robert Seegert, Ramin Shafiai, Toshina Tolvaj
208 Seiten, 120 Abbildungen in Farbe
24 x 28 cm, gebunden
ISBN 978-3-7774-3508-4
HIRMER Verlag

Malerinnen und Maler der Romantik in Deutschland: Bilder

  • Angelika Kauffmann Porträt der Freifrau von Bauer, 1786, Öl auf Leinwand, 76 x 64 cm (Staatsgalerie Stuttgart © bpk  Staatsgalerie Stuttgart)
  • Maria Angelika Weiß, Mädchenbildnis, 1826, Öl auf Leinwand, 62,5 x 49,5 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)
  • Franz Eybl, Bildnis des Freiherrn von Jaccomini und dessen Tochter, 1834, Öl auf Holz, 36 x 29 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)
  • Julie Gräfin von Egloffstein, Königin Therese von Bayern, 1836, Öl auf Leinwand, 135 x 103,5 cm (Wittelsbacher Ausgleichsfonds, Schloss Nymphenburg © Wittelsbacher Ausgleichsbonds)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.