Angelika Kauffmann

Wer war Angelika Kauffmann?

Angelika Kauffmann (1741–1807) war eine gebürtige Schweizer Malerin, Zeichnerin und Radiererin des Klassizismus, die zu den gefragtesten Porträtistinnen und Historienmalerinnen des späten 18. Jahrhunderts zählt. Die Bedeutung Kauffmanns lässt sich an ihrer Ausbildung in Italien, ihren Wohnsitzen in Rom und London und Aufträgen für ein internationales aristokratisches und großbürgerliches Klientel ermessen. Angelika Kauffmann gehörte zudem zu den Gründerinnen der Royal Academy in London und war mit dem berühmten Bildhauer Antonio Canova eng befreundet. Johann Gottfried Herder nannte Kauffmann die „vielleicht kultivierteste Frau Europas“.

Kindheit und Ausbildung

Maria Anna Angelica Catharina Kauffmann kam am 30. Oktober 1741 in Chur, Freistaat der Drei Bünde in der Schweiz (heute Kanton Graubünden) zu Welt. Ihr Vater Joseph Johann Kauffmann (1707–1782) war ein österreichischer Portrait- und Freskenmaler und ab 1739 fürstbischöflicher Hofmaler in Chur. Nach dem damals geltenden Vorarlberger „Bürgerrecht“ war die väterliche Abstammung maßgeblich, weshalb Angelika Kauffmann Schwarzenberger Bürgerin und damit Österreicherin war.  Zeitlebens pflegte sie eine enge Verbindung zu ihrer Heimat Vorarlberg.

Angelikas Mutter war die Schweizerin Cleofea Kauffmann, geborene Lutz, war Hebamme. Die ersten Lebensjahre verbrachte sie im italienischsprachigen Veltlin, von 1752 bis 1766 lebte Angelika Kauffmann in Vorarlberg. Die sechsjährige Angelika Kauffmann galt bereits als zeichnerisches Wunderkind. Zudem zeigte die Sopranistin großes musikalisches Talent und lernte fünf Sprachen. In ihrem ersten Selbstbildnis präsentiert sich die Zwölfjährige als Sängerin und demonstriert ihr Doppeltalent. In jungen Jahren machte sie sich bereits als Portraitmalerin und Sängerin in Österreich und Italien einen Namen.

1752 zog die Familie von Chur nach Como (Lombardei), wo ihr Vater für die Grafen von Salis arbeitete, einem alten Schweizer Adelsgeschlecht aus Soglio im Bergell im Süden Graubündens. Sie wurden später auch zu den größten Auftragsgebern Angelika Kauffmanns. Ihre ersten Lehrer waren ihr Vater, zudem prägten sie verschiedene Privatlehrer privat in Como und Mailand (in Malerei und Musik). Im Alter von zwölf Jahren malte Angelika Kauffmann 1753 ihr erstes Selbstbildnis.

Die Familie Kauffmann unternahm zwischen 1754 und 1757 ausgedehnte Reisen nach Italien an den Mailänder Hof des österreichischen Generalsgouverneurs, Francesco III. d´Este, Herzog von Modena und Reggio, Parma, Florenz, Bologna. Angelika Kauffmann lernte in ihrer Jugendzeit viele herrschaftliche Paläste, Villen und Theater kennen, die sie ob ihrer Pracht und Geschichte sehr faszinierten.

Frühe Werke in Schwarzenberg

Als Angelika Kauffmanns Mutter am 1. März 1757 in Mailand starb, entschloss sich Kauffmann, die Karriere als Sängerin aufzugeben und sich professionell der Malerei zu widmen. Mit ihrem Vater zog die 16-jährige Angelika ins väterliche Haus nach Schwarzenberg im Bregenzerwald, wo dieser die Kirche ausmalte und etliche ihrer Jungendwerke entstanden.

Nach einem verehrenden Brand in der örtlichen römisch-katholischen Pfarrkirche Schwarzenberg, übernahm ihr Vater die innere Neugestaltung. Angelika Kauffmann fertigte hierfür 13 Apostelfiguren al fresco nach den Vorlagen von Giovanni Battista Piazzetta (1682–1754), einem italienischen Maler und Radierer des Barock und Rokoko. 1802 spendete sie auch noch das Hochaltarbild mit der Darstellung der „Krönung Mariae“. Diese Arbeiten blieben die einzigen Werke auf dem Gebiet der Wandmalerei Angelika Kaufmanns.

Erste Porträts

Zwischen 1757 und 1759 reiste Angelika Kauffmann im Auftrag des Fürstbischofs von Konstanz, Franz Konrad von Rodt (1706–1775), nach Meersburg und Tettnang, in Baden-Württemberg. Dort erhielt sie auch einen weiteren Auftrag zu Portraits der gräflichen Familie Montfort.

Als Kauffmann gemeinsam mit ihrem Vater 1760 eine Reise nach Italien antrat, um die Kunst der Antike und der Renaissance vor Ort studieren zu können, finanzierten sie sich die Reise durch das Porträtieren von Einheimischen.

Italien (1759/60–1766)

Vater und Tochter Kauffmann hielten sich für längere Zeit in Mailand, Modena, Parma und Florenz auf (1760–1762). In den berühmten Sammlungen der Modena d´Este in Mailand, Sampieri in Bologna, Medici in Florenz, Borghese in Rom, setzte sich Angelika Kauffmann mit den Werken der Alten Meister auseinander. In der Medici-Sammlung durfte sie als Frau nur in einem separaten Studio arbeiten, abgeschottet von ihren Kollegen. Kopierend schulte sie sich an den Werken von Guido Cagnacci, Annibale Carracci, Antonio da Correggio, Guercino, RaffaelRembrandt van Rijn und Guido Reni und fertigte zahlreiche Kopien für englische Sammler wie Alexander, 4th Duke of Gordon (Bildnis, Privatsammlung, 1762; Kopien, ehem. Goodwood, Gordon Castle). Sie arbeitete dabei bis zur Erschöpfung und musste sich von dem amerikanischen Arzt Dr. John Morgan behandeln lassen. Als Dank schenkte sie ihm ihr erst kürzlich aufgefundenes „Selbstbildnis mit Schmuckkränzchen“. In Florenz knüpfte Kauffmann wichtige Kontakte zu Engländern wie Horace Mann, englischer Gesandter am Hof des Großherzogs der Toskana, zum jungen Benjamin West aus Philadelphia, später Direktor der Royal Academy of Arts in London.

Am 5. Oktober 1762 wurde Angelika Kauffmann mit 21 Jahren zum Ehrenmitglied der Accademia Clementina di Bologna gewählt. Fünf Tage später, am 10. Oktober 1762, erhielt sie das Diplom der Accademia del Disegno. Angelika Kauffmanns hatte das Bestreben, in der Historienmalerei zu Ruhm zu gelangen, einer Gattung, die vornehmlich Männern vorbehalten war.

Bereits 1762 verband Angelika Kauffmann eine enge Freundschaft mit Johann Friedrich Reiffenstein (1719–1793), einem Maler und Altertumsforscher der in Rom auch als deutscher Cicerone, resp. Fremdenführer, für prominente Reisende arbeitete und auch als Kunstagent tätig war. Er war es auch, der Kauffmann in die Technik der Radierung einwies. So entstanden von 1762 bis 1779 insgesamt 41 eigenhändige Radierungen Kauffmanns. Schon 1763 entwickelte Johann F. Reiffenstein den Plan zur Gründung einer Akademie in Karlsruhe unter dem Direktorat Angelika Kauffmanns, den er der Badischen Markgräfin Karoline Luise unterbreitete.

Rom (1763–1766)

Zwischen Januar 1763 und 1766 lebte Angelika Kauffmann mit ihrem Vater in Rom, wo sie viele Porträts schuf und 1763/64 entstanden ihre ersten großformatigen Historienbilder, die ihr den Durchbruch als Historienmalerin ermöglichen: „Trauernde Penelope“ und „Bacchus entdeckt die von Theseus verlassene Ariadne auf Naxos“ bilden das Fundament ihrer Karriere als Historienmalerin. Mit diesen Szenen aus den Epen Homers und Vergils trug Angelika Kauffmann zur Wiederbelebung der Antike in der Malerei bei. Voraussetzung dafür waren Begegnungen mit Künstlern wie Pompeo Batoni und Gavin Hamilton und das Studium der Perspektive bei Giovanni Battista Piranesi. Sie zeichnete unerlaubt männliche Akte und betrieb ein intensives Antikenstudium.

Von Juli 1763 bis April 1764 reisten Angelika Kauffmann und ihr Vater nach Neapel und Ischia, wo sie vom König von Neapel die Erlaubnis bekam, im Palazzo Capodimonte einige Kopien anfertigen zu dürfen. Zu dieser Zeit, spezialisierte sich Kauffmann auf Portraits, vorwiegend von Italienreisenden und Engländern. 1764 malte Kauffmann das Bildnis des englischen Schauspielers David Garrick (1717–1779), das ihr so gut gelang, dass ihr Vater es nach London zur Ausstellung der Society of Artists schickte. Durch dieses Bildnis erlangte die klassizistische Malerin auch in England Berühmtheit.

Vor allem das 1764 entstandene Bildnis von Johann Joachim Winckelmann (1717–1768 → Angelika Kauffmann: Johann Joachim Winckelmann), dem berühmten deutschen Archäologen, Bibliothekar, Antiquar und Kunstschriftsteller der Aufklärung, sicherte der Malerin internationale Aufmerksamkeit. Kauffmann folgte Winckelmanns Leitsatz von „edler Einfalt und stiller Größe“. Mit seinem Portrait im Typus des Gelehrtenbildnisses, erlangte Kauffmann schlagartig internationale Bekanntheit. In Rom erhielt Angelika Kauffmann zahlreiche Porträtaufträge von Grand Tour Reisenden aus England, Frankreich, Polen, Russland und Deutschland. Diese Verbindungen halfen ihr später in London wichtige Kontakte zu englischen Auftraggebern zu knüpfen.

Am 5. Mai 1765 gelang Angelika Kauffmann mit dem Bild „Die Hoffnung“ die Aufnahme zum Mitglied der Accademica di San Luca in Rom. Im selben Jahr trat Angelika Kauffmann noch eine Reise über Bologna nach Venedig an.

London (1766–1781)

Vater und Tochter Kauffmann übersiedelten 1766 auf Empfehlung Lady Wentworth nach London, wo sie vorrübergehend in einer Wohnung in der Suffolk Street in Charing Cross lebten. Kurz darauf bezog Angelika Kauffmann ihre erste eigene Wohnung in der Suffolk Street 27 bei Robert und Mary Home, Eltern der Schriftstellerin Anne Home (verh. Hunter). Für die aufstrebende Künstlerin war das „Decorum“ essentiell. Sie verfügte über vier Zimmer, darunter eines zum Arbeiten und einen Schauraum für ihre Werke. Sie führte einen gehobenen Lebensstil mit Diener und Magd, da vornehme Damen zu den Porträtsitzungen zu ihr nach Hause kamen. Für dieses Klientel griff sie die Van-Dyck- oder Orient-Mode auf und erhob die antikisierende Kleidung zur Mode.

Am 30. Juni besuchte Kauffmann dort den englischen Maler Joshua Reynolds (1723–1792) in dessen Atelier. Im Oktober begann sie Reynolds zu portraitieren. Obschon sie seinen Heiratsantrag ablehnte, förderte Reynolds sie weiterhin. Kauffmann und Reynolds porträtierten einander gegenseitig (Plympton bei Plymouth). Während ihres langen Aufenthaltes in London entwickelte Kauffmann einen Porträtstil, der in vielen Bereichen der Auffassung von Joshua Reynolds folgte. So verzichtete sie auf Standeszeichen und betonte die Individualität der Dargestellten. Die Verbindung von Anmut und Gefälligkeit, eine locker legere Haltung und antike Versatzstücke lassen den Einfluss der englischen Porträtmalerei erkennen.

Am 22. November 1767 heiratete Angelika Kauffmann den angeblichen Grafen Frederick de Horn, sein eigentlicher Name war jedoch Brandt (er starb 1780/81). Nach kurzer unglücklicher Ehe stellte er sich als Heiratsschwindler heraus und mit verschwand Kauffmanns Ersparnissen. Die Ehe wurde am 10. Februar 1768 durch ein Gericht der anglikanischen Staatskirche für ungültig erklärt.

Angelika Kauffmann und die britische Porträt- und Blumenmalerin Mary Moser (1744–1819) waren 1768 die einzigen Frauen von 34 Gründungsmitgliedern der Royal Academy of Arts, die von Joshua Reynolds geleitet wurde. Die beiden Künstlerinnen blieben für die nächsten 200 Jahre, die einzigen weiblichen Mitglieder der Royal Academy. Schon 1762, im Alter von 21 Jahren, war Angelika Kauffmann in Bologna erstmals in einer Kunstakademie aufgenommen worden, kurz darauf auch in jenen von Florenz, Rom und später Venedig, wenn auch nicht immer als Vollmitglied. Keine weitere Künstlerin ihrer Zeit konnte sich rühmen, Mitglied von fünf ehrwürdigen Akademien zu sein. Dennoch war ihr Zugang zu den Entscheidungsgremien an den Akademien höchst eingeschränkt. Für weibliche Mitglieder bestanden Sonderregeln: Sie durften nicht persönlich an den Versammlungen der Akademie teilnehmen und ihre Stimme nur schriftlich abgeben. Der Zutritt zur Aktzeichenklasse war ihnen strikt untersagt. Kauffmanns Mitgliedschaft an der Royal Academy blieb nicht ohne Konflikte. Während der sogenannten Hone-Affäre stellte sie ihre Mitgliedschaft zur Disposition, falls das sie diskriminierende Gemälde „Der Zauberer“ von Nathaniel Hone (Dublin, National Gallery of Ireland) nicht aus der Ausstellung entfernt würde.

Von 1769 bis 1797 beteiligte sich Kauffmann mit rund 80 Gemälden an den Jahresausstellungen, in den ersten Jahren zeigte sie ausschließlich Historien, erst später kamen literarische und allegorische Sujets sowie Porträts hinzu. 1780 erhielt Angelika Kauffmann von der Royal Academy den Auftrag, für das Somerset House vier ovale Deckengemälde mit Allegorien zu malen: „Erfindung“, „Farbe“, „Zeichnung“ und „Komposition“.

Zu dieser Zeit begann Kauffmann zahlreiche religiöse Darstellungen und antike Szenen nach Homer, Vergil oder Tasso zu malen. Kleinformatige gefühlvolle Bilder, die berühmte Frauen, ihre Empfindsamkeit und ein sentimentales Frauenideal transportierten und als Heldinnen im Mittelpunkt standen, wie Ariadne auf Naxos, Kalypso, Cornelia, die Mutter der Gracchen oder die Irre Marie nach einer Erzählung von Laurence Sterne‘s (1713–1768) Bestseller „Eine empfindsame Reise“. Die Werke Kauffmanns kamen bei ihren Kunden sehr gut an und prägten so das neue Weiblichkeitsideal der Aufklärung.

In London wurde Angelika Kauffmann zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen des Klassizismus und erlangte auch international große Bekanntheit, nicht zuletzt, dank ihrer hervorragenden Kontakte in der Kunstszene. Viele ihrer Gemälde wurden in hohen Auflagen im Tiefdruckverfahren des Punktstiches (auch Opus Mallei genannt) und der Crayonmanier (auch Kreidetechnik oder Pastellstich genannt) vervielfältigt. Vor allem die Arbeiten William Wynne Ryland (1732–1783) und Francesco Bartolozzi (1728–1815), die Stiche nach Kauffmann anfertigten, erfreuten sich großer Beliebtheit. Angesichts des geringen Interesses des britischen Publikums an Historienbildern wandte sich Kauffmann zunehmend Stimmungsbildern im kleinen Format zu. Als Thema wählte sie liebende und verlassene Frauen. Die neue Form des Einfiguren-Historienbildes einer trauernden Ariadne, Kalypso oder Irren Marie machten Kauffmann bald zur Wegbereiterin der Empfindsamkeit.

Im Juli 1781 heiratete die 39-jährige Kauffmann auf Wunsch ihres Vaters den 55-jährigen venezianischen Maler Antonio Zucchi (1726–1795) in London, der u.a. Mitarbeiter von Giovanni Battista Piranesi und Giovanni Volpato gewesen war. Zucchi wurde in Folge auch Kauffmanns Manager und führte ab 1781 Buch über ihre Aufträge und Einnahmen. Mit ihm schloss sie einen Ehevertrag, der ihr die freie Verfügung über ihre Einkünfte sicherte. Das Paar unternahm etliche Reisen, unter anderem nach Flandern, Schwarzenberg, Innsbruck, Verona, Padua und Venedig. Zusammen mit ihrem kränklichen Vater und ihrem Ehemann verließ sie im Sommer 1781 endgültig London, um sich in Rom nieder zu lassen. Joseph Johann Kauffmann verstarb Anfang Januar 1782 während eines Zwischenaufenthaltes in Venedig.

Italien: Rom (1782–1807)

Im Mai 1782 kam Angelika Kauffmann in Rom an, im November richtete sich das Paar ein Haus mit Atelier bei Santa Trinitá dei Monti auf dem Pincio in Rom ein. Sie bewohnten einen Palazzo in der Via Sistina 72, in dem der deutsche Maler Anton Raphael Menges (1728–1779) bis zu seinem Tod gelebt hatte. Der Salon von Angelika Kauffmann wurde zum kosmopolitischen Treffpunkt der geistigen Elite des 18. Jahrhunderts (Aristokraten, Künstlern, Diplomaten, Bankiers und Intellektuellen, darunter der um 15 Jahre jüngere Antonio Canova). Zu Kauffmanns Auftraggebern zählte unter anderem Kaiser Joseph II. (1741–1790) der Zar von Russland, Paul I., die Könige von Neapel und Polen sowie auch Papst Pius VI. Auf Einladung von Königin Maria Karoline verbrachte sie ab 1782 mehrere Sommer am Hof von Neapel und schuf dort ihr größtes Gruppenbildnis, das der Königlichen Familie von von Neapel und Sizilien mit Ferdinand IV. und seiner Frau Königin Maria Karoline von Österreich mit den gemeinsamen Kindern (1784, Öl/Lw, Neapel, Museo Nazionale di Capodimonte), lehnte aber die Berufung zur Hofmalerin ab.

Sie pflegte Freundschaften mit Literaten, Wissenschaftlern und bildenden Künstlern, wie mit der französischen Künstlerin Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun (1755–1842), dem Schweizer Maler und Grafiker Salomon Gessner (1730–1788), dem deutschen Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) oder dem Schweizer Arzt Samuel Auguste Tissot (1728–1797).

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) kam 1787 nach Rom. Es entwickelte sich zwischen Kauffmann und Goethe eine tiefe Freundschaft. Auch Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenbach (1739–1807), die in Begleitung mit dem deutschen Dichter, Übersetzer, Theologe und Philosoph der Weimarer Klassik, Johann Gottfried Herder (1744–1803) reiste, war Gast in der Via Sistina 72. Letzterer bezeichnete Angelika Kauffmann als die „kultivierteste Frau Europas“. Kaufmann porträtierte alle drei und zählte bald sie zu den engsten Vertrauten des Goethe Kreises.

Der Bruder ihres Ehemannes, der Kupferstecher Giuseppe Carlo Zucchi (1721–1805), brachte 1788 den ersten Teil einer Biografie über seine berühmte Schwägerin heraus. 1795 starb Kauffmanns Ehemann Antonio Zucchi. Ab diesem Zeitpunkt lebte Angelika Kauffmann sehr zurückgezogen und widmete sich immer stärker religiösen Themen. Besondere Bedeutung hatte für die gläubige Katholikin der Auftrag Papst Pius’ VI. 1791 für die Schweizer Kapelle in der Basilica della Santa Casa in Loreto. Aufgrund der Besetzung Roms durch die Franzosen kam es 1798 zur Entwertung von Kauffmanns Vermögen. Angelika Kauffmann erhielt 1805 einen letzten großen Portraitauftrag von Kronprinz Ludwig I. von Bayern (1786–1868).

Tod

Angelika Kauffmann verstarb am 5. November 1807 im Alter von 66 Jahren. Sie und ihr Ehemann Antonio Zucchi wurden in der Kirche Sant´Andrea delle Fratte in Rom bestattet. Ihr Begräbnis wurde von Antonio Canova (1757–1822) organisiert und allgemein als das feierlichste nach dem großen Raffael bezeichnet. Canova, Vincenzo Pacetti, Guillaume Guillon-Lethière, der Direktor der französischen Akademie in Rom, und Giovanni Gherardo de’ Rossi, der Direktor der portugiesischen Akademie, trugen den Sarg. Eine große Menschenmenge, darunter Professoren der Akademie sowie Künstlerkollegen und Freunde begleiteten die Künstlerin auf ihrem letzten Weg.

Ihre Bilder „Christus und die Samariterin“ und „David und Nathan“ flankierten den Sarg. Die Inschrift auf ihrem Grabstein verrät ihre Herkunft:

„Angelica, Tochter des Johann Joseph Kauffmann / aus Schwarzenberger Haus / welcher der hohe Ruhm der Malerei den Anspruch auf ein Kenotaph / im Pantheon eingebracht hat“, bevorzuge es, neben ihrem Mann Antonio Zucchi bestattet zu werden, „mit dem sie im höchsten Einvernehmen gelebt hat“.1

Angelika Kauffmann hinterließ ein beträchtliches Vermögen, etwa 800 Werke (Ölgemälde), rund 400 Zeichnungen, 40 Radierungen, eine Freskoserie und wenige Pastelle. Weiters besaß Kauffmann eine große Kunst- und Büchersammlung. Nach ihren Werken entstanden unzählige Kopien, Nachahmungen und Fälschungen.

Ihr Vetter, Johann Peter Kaufmann, der bei Canova gelernt hatte, schuf eine Büste von Angelika Kauffmann. Ein Jahr nach ihrem Ableben wurde sie neben jener Raffaels im Pantheon aufgestellt.

Literatur über Angelika Kauffmann

  • Verrückt nach Angelika Kaufmann (Ausst.-Kat. Museum Kunstpalast Düsseldorf; Royal Academy of Arts, London), München 2020.

Beiträge zu Angelika Kauffmann

23. Juni 2020
Angelika Kauffmann, Selbstporträt der Künstlerin am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, Detail, Rom 1794, Öl/Lw, 147,3 x 215,9 cm (Nostell Priory, West Yorshire © National Trust Images/John Hammond)

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27. Februar 2020
Maria Angelika Weiß, Mädchenbildnis, Detail, 1826, Öl auf Leinwand, 62,5 x 49,5 cm (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt)

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Malerinnen der Romantik in Deutschland im Kontext der männlichen Kunstproduktion ihrer Zeit zu diskutieren, ist das Ziel dieser spannenden Ausstellung im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt.
29. Januar 2020
Angelika Kauffmann, Bildnis Johann Joachim Winckelmann, Detail, 1764, Öl auf Leinwand (Kunsthaus Zürich)

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30. Dezember 2019
Angelika Kauffmann, Selbstporträt der Künstlerin am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, Detail, Rom 1794, Öl/Lw, 147,3 x 215,9 cm (Nostell Priory, West Yorshire © National Trust Images/John Hammond)

Angelika Kauffmann: Biografie Lebenslauf der klassizistischen Malerin und Freundin von Goethe

Biografie und Lebenslauf von Angelika Kauffmann (1741–1807): Kindheit und Ausbildung, erster Aufenthalt in Italien, London, zweiter Aufenthalt in Italien (Rom), Tod und Nachruhm.
  1. Zitiert nach Bettina Baumgärtel, ≫Die ganze Welt ist verrückt nach Angelika≪, in: Verrückt nach Angelika Kaufmann (Ausst.-Kat. Museum Kunstpalast Düsseldorf; Royal Academy of Arts, London), München 2020, S. 10–17, hier S. 10.