Abram Archipow

Wer war Abram Archipow?

Abram Archipow (russ. Абрам Ефимович Архипов ; Jegorowo 15.8.1862–25.9.1930 Moskau) war ein russischer Maler des Impressionismus. Gemeinsam mit Konstantin Korowin, Sergei Winogradow und Valentin Serow zählte er zu den „Moskauer Impressionisten“ (→ Impressionismus in Russland). Archipow ist berühmt für in leuchtenden Farben gemalte typisierte Darstellungen von Bauernmädchen in folkloristischen Trachten. Als Lehrer vermittelt er den künftigen Avantgardisten einen freien Umgang mit den malerischen Mitteln.

Kindheit & Ausbildung

Abram Jefimowitsch Archipow wurde am 15. August 1862 im Dorf Jegorowo im Gouvernement Rjasan als Sohn einer Kleinbauernfamilie geboren.

Bereits als Jugendlicher verließ Abram Archipow 1877 sein Heimatdorf, um in Moskau an der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur zu studieren. Zu seinen Lehreren gehörten Wassili Polenow, Wassili Perow, Illarion Prjanischnikow, Alexei Sawrassow und Wladimir Makowski. In der Klasse von Polenow lernte Archipow Konstantin KorowinSergei Winogradow und Valentin Serow kennen.

Im Jahr 1884 setzte Archipow sein Studium an der Kaiserlichen Akademie der Künste in St. Petersburg fort, kehrte aber nach zwei Jahren an die Moskauer Hochschule zurück, die er mit Auszeichnung abschloss. Für das Bild „Krankenbesuch [Посещение больной]“ erhielt er eine Silbermedaille. In den Jahren 1886 und 1912 besuchte er Westeuropa, darunter Frankreich, Deutschland und Italien.

Zwischen Realismus und Impressionismus

1891 trat Abram Archipow der von Iwan Kramskoi gegründeten Genossenschaft der Peredwishniki [Wanderer] bei. In seinen Gemälden dominieren nun ländliche Sujets. Seine frühen Genreszenen haben einen sozialkritischen Charakter und thematisieren den oft beschwerlichen Alltag der Landbevölkerung. Mit weiteren Studenten Polenows – Konstantin Korowin, Sergei Winogradow und Valentin Serow – erprobte Archipow die impressionistische Landschaftsmalerei, die ihnen bald den Namen „Moskauer Impressionisten“ eintrug.

Nachdem Mamontow die Bahnlinie 1897 fertiggestellt hatte, zog es auch Archipow in Russlands Norden: Zwischen 1902 und 1912 fuhr er jeden Sommer nach Archangelsk. In Werken wie „Im Norden“ (1909/10, Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau) trug er die Farbe mit dem Palettmesser auf und gab die Farbwelt des Nordens mit kühleren und kräftigeren Farbtönen wieder. Geprägt durch die Freilichtmalerei, fand Abramow in der Landschaft zu seinem charakteristischen, gestischen Duktus. Der breite Pinselstrich sowie eine leuchtende Palette sind auch typisch für seine folkloristischen Darstellungen von Bäuerinnen.

1914 überraschte Abram Archipow das Publikum mit bewegten, heiteren Gemälden russischer Bäuerinnen, die er mit einer neuen, leuchtenden Farbpalette gemalt hatte. Diese Bilder zeigen lebendige Szenen aus dem ländlichen Alltag seiner Heimatprovinz Rjasan. Damit wandte sich Abram Archipow von den silbrigen Ockertönen seiner früheren Arbeiten ab. Beispielhaft ist diese Neuausrichtung seiner Kunst in dem Gemälde „Besuch“ (1914, Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau) nachvollziehbar: Es schildert eine Gruppe von Bäuerinnen in hellem Gegenlicht in einem Bauernhaus, einer sogenannten Isba. Abram Archipow malte die traditionelle russische Frauentracht aus Kleiderrock mit Bluse (Sarafan), sich bauschenden Röcken und blumenverzierten Tüchern mit pastosen, ungemischten Farben. Das große Format verleiht den ins Monumentale gesteigerten Gestalten zusätzlich Würde. Das typische Rot der russischen Bauerntrachten unterstreicht den volkstümlichen Charakter von Archipows Impressionismus. Sowohl in Haltung wie auch Ausführung erinnert Archipows Motivwahl an den zeitgleich in Spanien arbeitenden Joaquin Sorolla.

Lehre

Ab 1894 unterrichtete Abram Archipow an der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur in Moskau die Klasse für Landschaftsmalerei (bis 1924). Zu seinen Schülern gehörten neben Stanislaw Shukowski auch die Avantgardisten David Burljuk, Robert Falk und Alexander Kuprin.

Zehn Jahre später, 1904, wurde Archipow Mitglied der 1903 gegründeten Union der russischen Künstler. Damit gehörte er einer der einflussreichsten Vereinigungen des frühen 20. Jahrhunderts an, der sich auch sein Schüler Shukowski sowie Igor Grabar, Nikolai Meschtscherin, Nicolas Tarkhoff und Sergei Winogradow anschlossen.

Tod

Abram Archipow starb am 25. September 1930 in Moskau.