0

Potsdam | Museum Barberini: Sonne: Die Quelle des Lichts in der Kunst Monets „Impression, Sonnenaufgang“ 2023 in Potsdam

Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, Detail, 1872 (Musée Marmottan Monet, Paris)

Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, Detail, 1872 (Musée Marmottan Monet, Paris)

Claude Monets „Impression, Sonnenaufgang“ (→ Monet: Impression, Sonnenaufgang) kommt im Frühjahr 2023 nach Potsdam! Das Museum Barberini macht Gemälde zum Ausgangspunkt der Ausstellung „Sonne. Die Quelle des Lichts in der Kunst“, die sich der Ikonografie der Sonne von der Antike bis in die Gegenwart widmet. Das Gemälde, das zur Sammlung des Musée Marmottan gehört und nur äußerst selten außerhalb von Paris zu sehen ist, wird für die ersten zwei Ausstellungsmonaten in Potsdam gezeigt.

1872: Claude Monet malte „Impression, Sonnenaufgang” im Hafen von Le Havre. Knapp zwei Jahre später gab da skizzenhaft wirkende Gemälde dem Impressionismus seinen Namen. Anlässlich des 150. Geburtstags des berühmten Bildes organisieren das Musée Marmottan in Paris und das Museum Barberini in Potsdam eine Ausstellung, in der sie die Darstellung der Sonne von der Antike bis in die Gegenwart thematisieren.

Ausgehend von der roten Scheibe der Morgensonne in Monets Gemälde, werfen die beiden Museen den Blick zurück auf die Sonne als Symbol oder Personifikation göttlicher Macht, als motivierendes Element in mythologische Szenen (Fall des Ikarus), als Stimmungsträgerin in der Landschaftsmalerei. Claude Monet hingegen nutzte die Sonne als Mittel zur Intensivierung von Farbe – wie auch die Künstler:innen der Klassischen Moderne.

Präsentiert werden rund 130 Exponate, darunter Gemälde, Skulpturen, Manuskripte, Druckgrafiken, Fotografien und Videos, von Künstlerinnen und Künstlern wie Sonia Delaunay-Terk, Otto Dix, Albrecht Dürer, Olafur Eliasson, Adam Elsheimer, Max Ernst, Caspar David Friedrich, Joan Miró, Claude Monet, Edvard Munch, Odilon Redon, Peter Paul RubensKatharina Sieverding und William Turner.

Sonne in der Kunst

„Von der Sonne z. B., glaube ich, wirst du die Bestimmung genügend finden, daß sie das Leuchtendste ist von den am Himmel um die Erde wandelnden Gestirnen.“ (Platon, Theätet, 5./4. Jahrhundert v. u. Z.)

Als Zeichen oder Personifizierung göttlicher Mächte, als handlungstreibende Kraft in mythologischen Erzählungen, als atmosphärisches Element in Landschaftsgemälden und als Intensivierung der Farbe in der Moderne spielt die Sonne in der europäischen Kunst eine zentrale Rolle. Der Rundgang beginnt mit antiken Bronzen und einem Fragment aus Pompeij, die den griechischen Gott Helios bzw. Apollon zeigen. Der jugendlich schöne Gott und Lichtbringer garantiert die kosmische Ordnung, indem er mit dem Sonnenwagen über das Himmelszelt fährt, so die Vorstellung im Alten Griechenland und in Rom. Eigenschaften wie Ewigkeit, Regeneration, Kraft, Wahrheit und Erleuchtung wurden der Sonnenscheibe schon früh zugeschrieben.  Als etwa im 5. Jahrhundert v. u. Z. Helios mit Apollon verschmolzen wurde, konnte diese Figur als jugendlicher Mann dargestellt werden. Der berühmte Apoll vom Belvedere - eine römische Kopie einer griechischen Bronze - steht stellvertretend für die vielen künstlerischen Würdigungen des Gottes. Als Lichtbringer, Bezwinger des Monsters Python und Führer der Musen ging Apollon nicht nur als göttliches Wesen in die Geschichte ein, sondern wurde schon in der Antike zur Identifikationsfigur: Niemand gerinderer als Alexander der Große ließ sich mit Apollo vergleichen und mit Strahlenkranz abbilden. Mit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion in der Spätantike übertrugen auch Theologen diese Eigenschaften auf Christus. In der Neuzeit als Herrscherallegorie genutzt (Stichwort staatliche Ordnung), dauerte es bis in das 17. Jahrhundert, bis die Sonne auch als Allegorie des Tages diente. Napoleon dürfte einer der letzten Regenten jüngerer Zeit gewesen sein, der sein Gesicht vor einem Kranz leuchtender Sonnenstrahlen inszenieren ließ.

Die Ikonografie der Sonne wird im Museum Barberini von der Antike bis in die Zeitgenössische Kunst erzählt. In neun Kapiteln fügen die Kurator:innen historische Deutungen aneinander: von der Sonne als Personifikation zum Herrschaftssymbol und dem Sturz der Himmelsstürmer Ikarus und Phaeton, von der funktionalen Sichtweise im Christentum zur Geheimlehre der Alchemie und Esoterik, vom Blick zur Sonne und Sonnengesang des Franz von Assisi zur Astronomie, von der impressionistischen Landschaft mit atmosphärischen Farbstimmungen zur intensiven Strahlkraft in der Moderne. Der groß angelegte Horizont versammelt ein beeindruckend mannigfaltiges Spektrum an Sonnendeutungen und -interpretationen. Beeindruckend, wie die Schau auf Monets berühmtes Gemälde hinführt und es in die europäische Geschichte der Sonnenscheibe einbettet!

Sonne. Die Quelle des Lichts in der Kunst: Ausstellungskatalog

Ortrud Westheider, Michael Philipp und Daniel Zamani (Hg.)
Mit Beiträgen von Nils Büttner, Matthias Krüger, Michael Philipp, Helene von Saldern, Ortrud Westheider, Hendrik Ziegler, Michael F. Zimmermann
Hardcover, Pappband mit Schutzumschlag,
288 Seiten, 24 x 30 cm, 219 farbige Abbildungen
ISBN ISBN 978-3-7913-7964-7  (D)
ISBN 978-3-7913-7965-4 (E)
Prestel Verlag

Sonne: Die Quelle des Lichts in der Kunst – digitales Symposium

Zur Vorbereitung der Ausstellung findet am 10. November 2021 von 11 bis 18 Uhr eine Online-Konferenz statt.

  • 11:00 Begrüßung durch Dr. Ortrud Westheider, Museum Barberini, und Marianne Mathieu, Musée Marmottan Monet, Paris
  • 11:15 Dr. Michael Philipp, Museum Barberini, Potsdam: Der lachende Stern. Zur Physiognomie der Sonnendarstellungen von der Antike bis zum 17. Jahrhundert
  • 12:15 Prof. Dr. Marilynn S. Olson und Prof. Dr. Donald W. Olson, University of Texas: Celestial Phenomena in Pictures: Astronomy and Art (Vortrag in englischer Sprache)
  • 13:15 Mittagspause
  • 14:30 Prof. Dr. Nils Büttner, Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart: Helles Licht am Horizont. Die Sonne in der Landschaftsmalerei von Altdorfer bis Turner
  • 15:30 Prof. Dr. Hendrik Ziegler, Philipps-Universität Marburg: Herrschen im Zeichen der Sonne. Politische Dimensionen der Sonnenmetaphorik
  • 16:30 - Kaffeepause
  • 17:00 Prof. Dr. Michael E. Zimmermann, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt: Die Sonne sehen. Blindheit – Einsicht – Impression(ismus)
  • 18:00 Marianne Mathieu, Musée Marmottan Monet, Paris: Impression, Sunrise Today: A Dialogue between Claude Monet and Gérard Fromanger (Vortrag in englischer Sprache)

Sonne: Die Quelle des Lichts in der Kunst: Bilder

  • Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1872 (Musée Marmottan Monet, Paris)

Weitere Beiträge zu Claude Monet

14. Januar 2024
Alfred Sisley, Die Brücke von Hampton Court, Detail, 1874, Öl auf Leinwand (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Köln | Wallraf: PARIS 1874: Revolution in der Kunst Vom Salon zum Impressionismus | 2024

Wie kam es dazu, dass sich Maler:innen jenseits der offiziellen Salon-Ausstellung der Pariser Akademie selbst organisierten? Warum wurde ihre Kunst anfänglich abgelehnt und später weltweit gefeiert? Antworten darauf zeigt das Wallraf im Frühjahr 2024.
29. November 2023
Claude Monet, Saint Germain l'Auxerrois, 1967, Öl auf Leinwand, 79 x 98 cm (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto Jörg P. Anders)

Berlin | Alte Nationalgalerie: Claude Monet Monets früheste Bilder des Impressionismus | 2024

Die drei frühesten Gemälde Monets von Paris stehen am Beginn der impressionistischen Bewegung und einer kleinen, konzentrierten Schau zum Bild der Stadt im Impressionismus. Mit rund 20 Werke der Malerei, Fotografie und Grafik.
15. Oktober 2023
Rembrandt, Juno, Detail (Armand Hammer Collection, Los Angeles)

Houston | MFA: Rembrandt bis Van Gogh aus der Armand Hammer Collection Kunstwerke aus vier Jahrhunderten | 2023/24

Bedeutende Kunstwerke aus vier Jahrhunderten - von Tizian über Rembrandt, die Impressionisten bis Vincent van Gogh - spiegeln die Sammelinteressen von Armand Hammer (1898–1990), dem Museumsgründer in Los Angeles, wider.

Aktuelle Ausstellungen

26. Februar 2024
Emily Kam Kngwarray, Anmatyerr people, Yam awely, 1995 (National Gallery of Australia, Kamberri/Canberra, gift of the Delmore Collection, Donald and Janet Holt 1995 © Emily Kam Kngwarray/Copyright Agency)

Canberra | NGA: Emily Kam Kngwarray Retrospektive | 2023/24

Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über Emily Kam Kngwarrays Werk und vereint die wichtigsten Werke ihres Œuvres, von frühen farbenfrohen Batiktextilien bis hin zu späteren monumentalen Gemälden auf Leinwand.
26. Februar 2024
Kehinde Wiley, The Death of Hyacinth (Ndey Buri Mboup), 2022, oil on canvas, courtesy of the artist and Galerie Templon. © 2022 Kehinde Wiley

Houston | The Museum of Fine Arts: Kehinde Wiley An Archaeology of Silence | 2023/24

25. Februar 2024
Archibald J. Motley Jr., Blues, Detail, 1929, Öl/Lw, 95.9 × 115.3 × 7.9 cm (Mara Motley, MD, and Valerie Gerrard Browne HRN.093)

New York | The Met Fifth Avenue: Harlem Renaissance und europäische Moderne Afroamerikanische Kunst im Dialog | 2024