Karl Hofer: Biografie | ARTinWORDS
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Karl Hofer: Biografie Lebenslauf des deutschen Malers des "Magischen Realismus"

Karl Hofer, Tiller Girls, Detail vor 1927 (Kunsthalle Emden)

Karl Hofer, Tiller Girls, Detail vor 1927 (Kunsthalle Emden)

Karl Hofer (Karlsruhe 11.10.1878–3.4.1955 Berlin) war ein deutscher Maler des Expressionismus und des Magischen Realismus (→ Neue Sachlichkeit). Der in Karlsruhe ausgebildete Künstler lebte bis 1913 in Rom, Paris und Berlin; zudem bereiste er Indien. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er in einem französischen Internierungslager und in der Schweiz, bevor er 1919 zu seiner Familie nach Berlin zurückkehren konnte. In den 1920er Jahren gelang Karl Hofer u.a. mit Tanz- und Varietészenen der nationale wie internationale Durchbruch. Seit 1920 lehrte Hofer an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste, nach dem Zweiten Weltkrieg war er als ihr Direktor im Amt. Da sich Hofer bereits früh gegen den Nationalsozialismus positionierte, wurde seine Kunst als „entartet“ eingestuft. Während eines Bombenangriffs wurde sein Berliner Atelier mit unzähligen Werken zerstört. Nach 1945 trat der streitbare Maler gegen die Auffassung ein, dass Figuration und Abstraktion einander diametral gegenüberstehen würden.

„das Zentralproblem der bildenden Kunst ist und bleibt der Mensch und das Menschliche, das ewige Drama“1 (Karl Hofer, 1955)

Kindheit

Karl Christian Ludwig Hofer (Schreibweise auch Carl Hofer) wurde am 11. Oktober 1878 in Karlsruhe geboren.2 Sein Vater war der Militärmusiker Karl Friedrich Hofer, der vier Wochen nach der Geburt seines Sohnes an Tuberkulose starb. Seine Mutter Ottilie (geb. Hengst) war die Schwester des Bildhauers Theodor Hengst und des Glasmalers Max Hengst. Da Karl Hofers Mutter den Lebensunterhalt als Haushälterin – zunächst im Karlsruher Schloss und später in Frankfurt am Main – verdienen musste, wurde Karl ab 1879 bei zwei betagten Großtanten, Jacobine und Luise Hengst, untergebracht. Sie verdienten ihr bescheidenes Einkommen als Weißnäherinnen. Dank der finanziellen Unterstützung seiner Großtanten konnte Hofer die höhere Bürgerschule in Karlsruhe besuchen. Er ging mit ihnen in die Großherzogliche Gemäldegalerie, unternahm erste Zeichenversuche und begann sich für Literatur zu interessieren. Als Jacobine und Luise Hengst 1889 in ein Pfründnerhaus zogen, wo die Damen versorgt wurden, wurde Karl Hofer bis 1892 in einem Waisenhaus untergebracht.

Mit 14 Jahren begann Karl Hofer in Karlsruhe eine kaufmännische Lehre in der Chr. Fr. Müller’schen Hofbuchhandlung, der ein Verlag mit Druckerei angeschlossen war. Diese Ausbildung schloss er drei Jahre später ab (1892–1895). Im Jahr 1895 wurde Hofer kaufmännischer Gehilfe und arbeitete im Kontor der Hofbuchhandlung. Er zeichnete intensiv und übte sich in der Technik des Aquarells.

Hofer, der sich neben Kunst und Literatur auch für das Theater interessierte, lernte 1896 den drei Jahre jüngeren Schüler und späteren Philosophen Leopold Ziegler (1881–1958) kennen.

„Durch Hofer, der seine Rettung vor untergeordneter Schreibearbeit noch leidenschaftlicher, noch verbissener betrieb, als ich meine Erlösung von der Schule erhielt mein Hang zur Philosophie und Musik ein wohltätiges Gegengewicht. Viel weniger verstiegen als ich selber, mir an Jahren und Einsichten, an Willenskraft und an Begabung fraglos überlegen, erschloss mir Hofer eine bisher fremde Welt, in der ich jedoch zu meiner Freude sehr bald Fuß faßte.“3

Ausbildung

Karlsruhe

Der 18-jährige Hofer erhielt im Februar 1897 ein Stipendium des Großherzogs von Baden. Grundlegend dafür waren die Beziehungen von Zieglers Mutter zum großherzoglichen Hof und der Unterstützung des seit zwei Jahren an der Kunstakademie lehrenden Landschaftsmalers und Grafikers Leopold Graf von Kalckreuth (1855–1928). Diesem hatte Hofer seine Arbeiten vorgelegt. Das Stipendium ermöglicht ihm die Aufnahme eines Studiums an der Großherzoglich Badischen Kunstschule Karlsruhe, wo er die Zeichen-, Gips- und Aktklassen absolvierte. Im Sommer besuchte Hofer einen Onkel in Baden bei Zürich, reiste nach Bern sowie zu einem weiteren Onkel nach Genf und macht einen Abstecher nach Frankreich.

Karl Hofer lernte an der Akademie den angehenden Maler, Grafiker und Typografen Emil Rudolf Weiß (1875–1942) kennen. Dieser brachte Hofer die Literatur der französischen Symbolisten Charles Baudelaire (1821–1867), Stéphane Mallarmé (1842–1898), Arthur Rimbaud (1854–1891) und des belgischen Dichters Émile Verhaeren (1855–1916) nahe. Darüber hinaus weckte er sein Interesse für die Kunst des norwegischen Malers und Grafikers Edvard Munch (1863–1944). Hofer fühlte sich um 1900 vom Symbolismus, vertreten durch Odilon Redon, Arnold Böcklin angezogen.
Zu Hofers engem Freundeskreis an der Akademie gehörten neben Weiß der angehende Maler und Grafiker Wilhelm Laage (1868–1930) und der Bildhauer Karl Albiker (1878–1961). Zusammen mit Weiß reiste Hofer 1899 zum ersten Mal nach Paris.

Nach der Berufung Hans Thomas (1839–1924) an die Karlsruher Kunstakademie wurde Hofer 1899 dessen Schüler und 1901 sein Meisterschüler:

„Karl Hofer ist noch sehr jung, und er müßte vom Akademiegesetz wegen jetzt in die sog. Malklasse; er ist aber ein so eigenartiges Talent und kann schon so viel, was außerhalb der Schulregeln gewachsen ist, daß ich von meiner Machtvollkommenheit Gebrauch machte und ihn über die Köpfe der Lehrer weg annahm.“4 (Hans Thoma)

Paris

Im August 1900 übersiedelte Hofer für einen mehrmonatigen Studienaufenthalt nach Paris und bezog ein kleines Atelier auf dem Montparnasse. Er besuchte den Louvre, entdeckte Gemälde des französischen Malers Henri Rousseau (1844–1910) und lernte den bedeutenden Kunsthistoriker, Schriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe (1867–1935) kennen, der ihn auf die Werke des auf Kreta geborenen Manieristen El Greco (1541–1614) und des deutschen Malers und Grafikers Hans von Marées (1837–1887) aufmerksam machte. Marées Fresken in der Statione Zoologica in Neapel hielt er auch später noch „für die einzige moderne Lösung einer Freskenaufgabe seit der Renaissance und Antike.“

Durch Meier-Graefe erhielt Hofer auch Einblicke in bedeutende Pariser Privatsammlungen und Galerien. Er sah dort Arbeiten unter anderem von Jean-Baptiste Camille Corot (1796–1875), Honoré Daumier (1808–1879), Eugène Delacroix (1798–1863), Vincent van Gogh (1853–1890) und Paul Cézanne (1839–1906), die ihn tief beeindruckten. Hofer besuchte auch die Pariser Weltausstellung von 1900 und ging zum ersten Mal ins Kino. Für seine eigene Malerei blieb der Aufenthalt jedoch ohne große künstlerische Ausbeute. Die dort entstandenen Werke zerstörte Hofer höchstwahrscheinlich noch vor Ort.

Stuttgart

Im Herbst 1902 wechselt Karl Hofer – zusammen mit seinen Mitstudenten Laage und Weiß – als Meisterschüler Kalckreuths nach Stuttgart an die Königliche Akademie der bildenden Künste und freundete sich mit dem Schweizer Bildhauer Hermann Haller (1880–1950) an.

Hofer schuf 1902/3 Aquarellvorlagen zu dem Kinderbuch „Rumpumpel“. Das erfolgreiche Buch für junge Mütter und ihre Kleinsten, mit Texten der Schriftstellerin Paula Dehmel (1862–1918) wurde bis in die 1920er Jahre mehrfach aufgelegt.

1903 wurde Karl Hofer die Goldene Medaille der Stuttgarter Akademie zugesprochen, und er schloss sein Studium ab.

Ehefrauen und Kinder

Bei einer Schiffsreise durch die Nordsee lernte Hofer in Cuxhaven die angehende, in Wien geborene jüdische Konzertsängerin Mathilde (Thilde) Scheinberger (1874–1942) kennen. Sie gehörte einer jüdischen Familie an, wurde aber nicht im jüdischen Glauben erzogen und trat später in die evangelische Kirche ein. Im Dezember 1902 verlobte sich das Paar, und am 14. April 1903 folgte die Heirat in Wien.

Das Paar hatte drei Söhne: Karl Johannes Arnold, genannt Carlino (Zürich 15.8.1904–1947), Titus Wolfgang (Rom 3.11.1905–17.5.1906) und Hans-Rudi (Paris 17.2.1911–1961 Berlin).

Anfang der 1920er Jahre nahm Karl Hofer eine Beziehung zu Elisabeth Schmidt (1891–1975) auf, die er als Modell durch Emil Rudolf Weiß und seine Frau, die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis (1888–1965), kennengelernt hatte. Im Sommer 1926 hatte er ein kurzfristiges Liebesverhältnis mit der Malerin, Sängerin und Ex-Frau von Hermann Hesse, Claudia Ruth Wenger (1897–1994).

Seit 1927 lebten Karl und Mathilde Hofer getrennt. Karl Hofer reichte 1931 die Scheidung von seiner Frau Mathilde ein, was jedoch vom Berliner Kammergericht – wie auch 1933 – abgelehnt wurde. Ab Anfang 1938 lebte Mathilde Hofer in Wiesbaden; die Ehe von Mathilde und Karl Hofer wurde am 8. Juli 1938 geschieden.

Karl Hofer heiratete am 7. November 1938 sein langjähriges Modell Elisabeth (Liesel) Schmidt.

Vertrag mit Theodor Reinhart

Wesentlich für Karl Hofers weitere Entwicklung war seine Bekanntschaft mit dem Schweizer Unternehmer und Mäzen Theodor Reinhart (1849–1919), der Hofer mäzenatisch unterstützte und dem Künstler die Übersiedelung nach Rom ermöglichte.

Bei einem Aufenthalt auf der Havelinsel Pichelswerder bei Berlin- Charlottenburg im Sommer 1901 lernte Hofer den Schweizer Philosophie-Studenten und späteren Dichter Hans Reinhart (1880–1963) kennen. Er malte ein ganzfiguriges Einzelporträt von ihm, welches Reinharts Vater, der Winterthurer Industrielle, Kunstsammler und Mäzen Theodor Reinhart erwarb. Reinhart wurde Hofers väterlicher Freund und unterstützte den Künstler die kommenden 18 Jahre großzügig als Mäzen.

Im Jahr 1904 schloss Karl Hofer einen Fünfjahresvertrag mit Reinhart, in dem eine regelmäßige Unterstützung vereinbart wurde. Im Gegenzug erhielt Reinhart jedes Jahr zunächst drei, später vier Bilder Hofers. Der Vertrag wurde später um fünf Jahre bis 1913 verlängert.

Rom – Paris – Indien – Berlin

Rom

Dank des Mäzens Theodor Reinhart konnten Karl und Mathilde Hofer nach Rom übersiedeln (1903–1908). Von 1908 bis 1913 lebte die Familie Hofer in Paris, wo u.a. Paul Klee seinen Landsmann im April 1912 besuchte. Unterbrochen wurde dieser Aufenthalt 1910 und 1911 durch Reisen Hofers nach Indien. Kurz darauf, im Jahr 1913, zog Karl Hofer nach Berlin.

Um den heißen Sommermonaten in Rom zu entfliehen, reisten Karl Hofer und seine Frau von Juli bis Oktober 1904 in die Schweiz. In Zürich wurde am 15. August der erste Sohn Karl Johannes Arnold, Carlino genannt, geboren. Hofer lernte in Bern Paul Klee (1879–1940) kennen. In Köln erschien das von Richard Dehmel (1863–1920) herausgegebene Kinderbuch „Der Buntscheck. Ein Sammelbuch herzhafter Kunst für Ohr und Auge deutscher Kinder“, zu dem unter anderem Hofer und Weiß Illustrationen beisteuerten.

Am 3. November 1905 wurde der zweite Sohn Titus Wolfgang in Rom geboren, der wenige Monate später, am 17. Mai 1906, an einer Lungenentzündung starb. 14 Werke von Karl Hofer wurden in der von der Zürcher Kunstgesellschaft organisierten Ausstellung moderner Kunstwerke im Künstlerhaus in Zürich gezeigt. Präsentationen im Kunstverein Karlsruhe und dem Folkwang-Museum in Hagen schlossen sich an.

In Rom, wo nach Hofers Auffassung die „Atmosphäre von Form“ herrschte, verflüchtigte sich der inhaltsschwere symbolistische Einfluss und er beschäftigte sich fortan – wie sein großes Vorbild Marées – mit den Form- und Farbproblemen bei der Gestaltung der Bildfläche. Marées war im Austausch mit seinem Mäzen und Freund, dem Kunsttheoretiker Konrad Fiedler auf den Spuren des autonomen Kunstwerks, das jeglichen inhaltlichen, narrativen Ballast abwerfen wollte, der in der offiziellen deutschen Kunst zwischen 1850 und 1900, insbesondere in der Historienmalerei gefordert wurde.

Im Jahr 1906 war Karl Hofer mit zehn Gemälden neben Franz Bunke (1857–1939) und Ludwig von Hofmann (1861–1945) in einer Ausstellung im Großherzoglichen Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar vertreten. Im Folgejahr erschien in der bedeutenden Berliner Zeitschrift „Kunst und Künstler“ unter dem Titel „Neue deutsche Römer“ ein Artikel von Julius Meier-Graefe, der sich intensiv mit Hofers Malerei auseinandersetzt.

Paris

Bereits am Ende seines römischen Aufenthalts erschien Karl Hofer der starke Einfluss der formalen Elemente und die Vernachlässigung des rein Malerischen als Gefahr. Er übersiedelte 1908 – wiederum durch Meier-Graefe bestärkt – mit seiner Familie nach Paris, wo das Ehepaar unter anderem die Bekanntschaft von August Macke (1887–1914) und seiner Frau Elisabeth (1888–1978) machte.

„Wir waren auch bei Hofers eingeladen, die in der Rue Boulard 20 ein Atelierhäuschen bewohnten. […] Das Atelier von Hofer war sehr groß und geräumig. Er zeigte uns bereitwillig seine Bilder. Er war damals begeisterter Cézanne-Anhänger, und manche seiner Bilder hatten eine Ähnlichkeit in der Art der Komposition und der Farbtöne. Aber alles war viel schwerer, erdgebundener. […] Hofer und seine Frau waren beide sehr gastlich und behielten uns zum Tee da, den wir in dem Wohnraum hinter dem Atelier einnahmen. […] Es mußte Hofer wohl recht gut gehen damals, denn ich weiß, daß er von ungefähr 2000 frs sprach, die er monatlich in Paris verbrauchte.“5 (Elisabeth Erdmann-Macke in ihren Erinnerungen)

Bereits im Herbst 1907 hatte Karl Hofer die rund 50 Werke umfassende Paul Cézanne-Retrospektive gesehen. Die Werke des französischen „Vaters der Moderne“, dessen Kunst schließlich den Weg in den Kubismus eröffnet hatte, veränderten mit dem bisweilen auch aufscheinenden Einfluss El Grecos erneut die Malerei Hofers. Der Karlsruher Künstler schätzte Cézanne so hoch, dass er u.a. Macke auf dessen Werk aufmerksam machte.

Nach seiner ersten Indien-Reise kehrte Karl Hofer 1911 über Winterthur nach Paris zurück. Durch Vermittlung von Gertrud Osthaus (1880–1975), Ehefrau des Kunstmäzens und Sammlers Karl Ernst Osthaus (1874–1921), lernte er nun den Bildhauer und Grafiker Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) kennen.

Indien (1910/11 und 1913)

Auf Einladung von Theodor Reinhart reiste Karl Hofer zusammen mit dessen Sohn Werner im Oktober 1910 mit dem Seedampfer Kleist von Genua via Ceylon nach Indien. Die meiste Zeit verbrachte der Künstler an der Malabarküste in Tellicherry (dem heutigen Thalassery) im indischen Bundesstaat Kerala. Er fotografierte, malte, zeichnete, unternahm Exkursionen in die nähere Umgebung und nahm Sprachunterricht. Während seines Aufenthalts in Indien kam Karl Hofers Sohn Hansrudi zur Welt (17.2.1911). Anfang April 1911, kurz vor Ende seines Indienaufenthaltes, besuchte Hofer Haidarabad (heute: Hyderabad), Benares (heute: Varanasi), Agra, Delhi, Jaipur und Ajmir im Norden Indiens.

„Inzwischen ist mein tägliches Dasein ein sehr geregeltes geworden. „Morgens 6 Uhr aufstehen, Tee, dann eine Stunde Bootsfahrt, selbst rudern in einem Eingeborenenboot, wie sie bei uns in den Museen stehen, dann Frühstück, dann kommt der Munschi, d. h. Lehrer, der mir Unterricht in Malayalan gibt, ab 10 Uhr erscheinen die Modelle, gewöhnlich 3–4 aufs Mal, prachtvolle Buben. Ich arbeite im Freien unter einer Art gedeckter Halle, wo der Wagen vorfährt, und kann so die Modelle in der Sonne haben. Endlich erreicht, was ich seit Jahren ersehne. 12 Uhr Mittagessen, 2 Uhr wieder Modell bis 4 oder 5, dann je nachdem Boot, Ausruhen, Spazierengehen oder Wagenfahrt, 8 Uhr Abendessen, ½ 10 in die Klappe. Temperaturen im Dezember himmlisch, keinerlei Viehzeug, kurzum, es ist erreicht.“6 (Karl Hofer in einem Brief an Mathilde nach Paris)

Von Januar bis April 1913 unternahm Hofer zusammen mit Hans Reinharts Bruder Georg (1877–1955) eine zweite Reise nach Indien. Die meiste Zeit wohnte und arbeitete er in dem kleinen Dorf Chewarra in Kerala. Nach der Rückkehr aus Indien übersiedelte die Familie im Oktober nach Berlin.

„Ich fühle mich je länger je wohler in meinem kleinen Paradies. Ich halte es, was äußere Umstände anbetrifft, für den Höhepunkt meines Daseins.“7 (Karl Hofer in einem Brief an Theodor Reinhart)

Durchbruch in Deutschland

Seit 1905 wurden Hofers Bilder regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt, 1908 war er auf der Frühjahrsausstellung der von Max Liebermann gegründeten „Berliner Secession“ vertreten. Im Folgejahr 1909 wurde Hofer temporär Mitglied der „Neuen Künstlervereinigung München (N.K.V.M.)“. In der Ausstellung von 1909 – veranstaltet von der Galerie Goltz – war Hofer u. a. mit seinem Werk „Am südlichen Strand“ (Sammlung Hartwig Garnerus) vertreten.

1913 wurde Hofer Mitglied der neuen „Freien Secession“ in Berlin und war auf deren erster Ausstellung 1914 zu sehen, zusammen mit Max Liebermann, Erich Heckel, Ernst Ludwig KirchnerMax Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff.

Bereits seit 1905 stand Karl Hofer in Paris in Kontakt mit dem Sammlerehepaar Gertrud und Karl Ernst Osthaus. Der Maler forderte das schon 1905 von Osthaus erworbene Gemälde „Frauenraub“ (1905) 1908 wieder zurück und vernichtete es. Im Jahr 1912 erstand Osthaus für das Folkwang Museum in Hagen das Gemälde „Zwei Frauen“ (1907). Damit konnte er sich über seinen ersten Ankauf eines seiner Werke für ein Museum freuen.

„Auch Karl Ernst Osthaus hatte sich für mich interessiert und Bilder von mir erworben, die mir später gar nicht gefielen.“8 (Karl Hofer, 1953)

Erster Weltkrieg

Im Sommer 1914 wurde die Familie Hofer bei einem Aufenthalt im französischen Badeort Ambleteuse bei Boulogne vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht und interniert. Mathilde und die Söhne durften im November 1914 über die Schweiz nach Deutschland zurückkehren, während Karl Hofer bis 1917 im Internierungslager bleiben musste. Zuerst befand er sich auf der Île d’Yeu und später in einem Hotel in Carnac Plage in der Bretagne.

Schweiz

Am 26. November 1917 wurde Karl Hofer, dank der Intervention von Theodor Reinhart, aus der französischen Gefangenschaft in die Schweiz entlassen und bezog Wohnung und Atelier in Zürich.

Zusammen mit Hermann Haller unternahm Hofer 1918 eine Reise ins Tessin. Eine erste Tessiner Landschaft mit dem Titel „Montagnola (Tessin)“ entstand in Öl auf Leinwand. In der Zürcher Galerie Tanner fand eine Einzelausstellung mit circa 40 Werken statt.

Am 17. Januar 1919 starb Theodor Reinhart, und Karl Hofer kehrte aus der Schweiz nach Deutschland zu seiner Familie zurück.

Karl Hofer in Berlin

Karl Hofer kehrte 1919 zu seiner Familie nach Berlin zurück. In Berlin sicherte ein Zweijahresvertrag mit der Kunsthandlung Cassirer und ihrem Gründer Paul Cassirer (1871–1926) vorerst seine Existenz. Noch im selben Jahr richtete Cassirer in seinen Galerieräumen eine Einzelausstellung Hofers mit 38 Gemälden aus.

Bereits im folgenden Jahre (1920) wurde Karl Hofer an die Hochschule für die bildenden Künste in Charlottenburg berufen und 1921 zum Professor ernannt. Die Hochschule für die bildenden Künste wurde 1924 mit der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zu den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst zusammengeschlossen. Zu seinen wichtigsten Schülern zählt Willi Baumeister. In Anerkennung seiner Verdienste als Künstler und als Hochschullehrer wurde Hofer 1923 in die Preußische Akademie der Künste, Sektion Bildende Kunst, aufgenommen. In der Reihe „Junge Kunst“ erschien eine von dem Journalisten und Kunstkritiker Benno Reifenberg (1892–1970) verfasste, erste Monografie über Hofer (1924).

Der mittlerweile über 40-jährige Hofer vertrat Mitte der 1920er Jahre einen Stil, der in der Kunstwissenschaft als „Magischer Realismus“ bezeichnet wurde und zur Neuen Sachlichkeit gezählt wird. Zeitlebens interessierte er sich für den Tanz, was zahlreiche, in den 1920er Jahren entstandene Werke belegen. Vermehrt wurden Bar- und Varietészenen zum Thema seiner Bilder. Gleichzeitig erlebte er seinen künstlerischen Durchbruch, der sich in zahlreichen nationalen Ausstellungen, aber auch international dokumentieren lässt. So stellte Karl Hofer 1924 am Carnegie Institute in Pittsburgh aus und nutzte die Gelegenheit, die USA zu bereisen.

„Nie habe ich eine Figuration nach der äußeren Natur des Zufälligen geschaffen. Der Impressionismus vermochte mich darum nicht zu berühren. Die Ekstasen des Expressionismus lagen mir nicht. Der Mensch und das Menschliche war und ist immerdauerndes Objekt meiner Darstellungen.“9 (Karl Hofer)

Von Juli bis Anfang September 1925 hielt sich Hofer erstmals länger in Muzzano bei Lugano auf. Er reiste von nun an regelmäßig in den Sommermonaten in das Tessin und widmete sich in zahlreichen Gemälden der Landschaft und ihren Bewohner:innen. Die bedeutende Berliner Galerie Flechtheim organisierte die Ausstellung „Karl Hofer. Bilder aus dem Tessin“.

„Mein Leben hier verläuft sehr gleichmäßig, ich stehe jeden morgen 6 auf, koche mir Kaffee, dann geht’s gleich an die Arbeit oder ich laufe zwei Stunden in der Gegend herum, alle paar Tage mal zu Fuß nach Lugano. Getanzt wird auch, wir haben uns ein Grammophon verschafft, und ich tanze mit ein paar Mädels vom Dorf. […] Trotzdem ich viel rumlaufe, hab ich wohl nie so viel gearbeitet wie hier.“10 (Karl Hofer in einem Brief an Mathilde Hofer, 27.8.1925)

Zusammen mit dem Maler Alexander Kanoldt (1881–1939) gründete Karl Hofer 1927 in Freiburg im Breisgau die Künstlervereinigung Badische Secession. Im Oktober reiste der Künstler für zwei Monate in die USA. Er gehörte der Jury der „26. Gemäldeausstellung des Carnegie Institute in Pittsburgh“ an und besuchte in Philadelphia, Washington und New York Privatsammlungen und Museen. Karl und Mathilde Hofer gingen von nun an getrennte Wege.

Anlässlich seines 50. Geburtstags 1928 fanden Ausstellungen in der Kunsthalle Mannheim und in der Berliner Secession statt. Im selben Jahr wurde er Vorstand der „Berliner Secession“ und ein Jahr später Mitglied des Senats der Preußischen Akademie der Künste (1929). Zu diesem Zeitpunkt besaßen bereits 27 Museen Werke Hofers.

Karl Hofer erwarb 1931 am Luganer See das Haus La Torrazza di Caslano.

„Schon in den zwanziger Jahren verbrachte ich die meinem Wesen einzig gemäße Zeit des Sommers in dem mir lieb gewordenen Tessin, zuerst in Muzzano, sodann in Carabbietta, jeweils nach einem Aufenthalt in Winterthur. Dieses Land, in dem sich so heiter leben läßt, fesselte mich derartig, daß ich im Jahre 1932 (sic!) in La Torrazza di Caslano bei Lugano ein am See gelegenes Anwesen erwarb, in dem ich mit meiner zweiten Frau bis zum Ausbruch des unseligen Weltkrieges jeweils die Hälfte des Jahres verbrachte.“11

Hofer im NS-Regime

„Sie wundern sich, daß in meinem Werk viel Vorahnung des Kommenden sich findet. Der Künstler ist eben ein Seismograph, der das Unheil vorausregistriert. Nicht nur bei mir findet sich diese Erscheinung.“ (Karl Hofer in einem Brief an Hans-Carsten Hager, 1947)

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Hofers Gesamtwerk als „entartet“ verfemt. Bereits vor 1933 hatte sich der Maler gegen den Nationalsozialismus positioniert. So wandte er sich 1931 gegen Kritik in der von Goebbels herausgegebenen Zeitung „Der Angriff“, die behauptete, Hofer wäre Jude und würde dafür sorgen, dass der Staatspreis der Akademie der Künste an Juden vergeben werde. Im selben Jahr beteiligte er sich mit dem Beitrag „Faschismus, die dunkle Reaktion!“ an der Umfrage „Wie kämpfen wir gegen ein Drittes Reich?“ der Berliner Zeitung „Welt am Abend“. In diesem argumentierte er für eine überparteiliche Initiative gegen die NSDAP. Am 1. April 1933 wurde Hofer auf einem Plakat gemeinsam mit Oskar Schlemmer und weiteren Lehrern der Berliner Kunsthochschule als „Vertreter des zersetzenden liberalistisch-marxistisch-jüdischen Ungeistes“ diffamiert. Er wurde daraufhin beurlaubt und im April 1934 als erster Professor entlassen.

Wie Werner Heldt im „Aufmarsch der Nullen“ (1933/1934) erahnte Karl Hofer das kommende Unheil und schuf magische Metaphern, etwa in „Die Gefangenen“ (1933, Berlinische Galerie, Berlin), welche die Entwürdigung und Entindivualisierung des Menschen thematisieren. Trotz seiner Ablehnung des Nationalsozialismus konnte Hofer seine Verfemung durch diesen zunächst nicht nachvollziehen, da er seine Kunst als deutsch verstand. Deshalb hielt er seine Beurlaubung für einen Kollateralschaden.
Noch in der Ausstellung der „Berliner Secession“ im Sommer 1933 besagte das Katalogvorwort, dass sich in Hofers Kunst das Deutschtum offenbaren würde. Zur selben Zeit beteiligte er sich mit dem Artikel „Der Kampf um die Kunst“ an einer Reihe von Wortmeldungen zur deutschen Kunst in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“. Dort argumentierte Hofer unter anderem damit, dass neben dem Militär kein Bereich der Gesellschaft so „judenfrei“ gewesen wäre wie die Kunst. Er beschwor zudem die Gefahr, dass einzelne Künstler als national herausgestellt und die anderen damit der Vernichtung anheimfallen würden. Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft versuchte also auch Hofer auf deren Ideologie bis zu einem gewissen Grad einzugehen. Später blendete Hofer seinen Artikel in der „DAZ“ aus, als er etwa seinen Freund Leopold Ziegler für seinen Versuch kritisierte, in einer Rede 1934 Ähnlichkeiten zwischen seiner Position und der Ideologie der Nationalsozialisten herauszustellen, um seine Berufung zum Rektor der Frankfurter Universität zu erreichen. Im selben Jahr erhielt Hofer auf der „International Exhibition of Paintings“ für sein Gemälde „Pastorale“ (1933) den 2. Preis des Carnegie Institute.

Im Juli 1937 wurden 311 Arbeiten Hofers als „entartet“ aus deutschen Museen entfernt, verkauft, eingetauscht oder zerstört. Karl Hofer war mit acht Gemälden sowie einigen grafischen Arbeiten in der NS-Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in München vertreten. Heinz Lederer, der Chef der Landesleitung Berlin der Reichskammer der bildenden Künste, attestierte am 31. Januar 1938, Hofer habe sich

„durch experimentelle Umstellung auf modische Gegebenheiten von einer ursprünglich brauchbaren Mittelbegabung zu einer der gefährlichsten Systemzeit-Kunstgrößen entwickelt. […] Insbesondere sind zahlreiche jüngere Künstler durch Hofer als Lehrer und als Vorbild in solchem Maße verwirrt worden, daß die Auswirkungen seines Schaffens und Wirkens als geradezu verheerend angesehen werden müssen.“

Im Jahr 1938 erhielt er auf der „International Exhibition of Paintings“ in Pittsburgh für sein Gemälde „Im Wind“ (1937) den 1. Preis des Carnegie Institute. Wegen der Ehe mit Mathilde, die nach den nationalsozialistischen Ehegesetzen als Jüdin galt, obwohl sie der evangelischen Kirche angehörte, drohte Karl Hofer im „Dritten Reich“ der Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste. Am 8. Juli wurde die Ehe von Karl und Mathilde Hofer geschieden. Da die Bestätigung der Ehescheidung das Propagandaministerium zu spät erreichte, wurde Karl Hofer im Oktober 1938 dennoch aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Er durfte daraufhin seine Werke nicht mehr öffentlich im Kunsthandel oder auf Auktionen verkaufen; der Ausschluss galt daher als Berufsverbot. Am 7. November 1938 heirateten Karl Hofer und die nach NS-Bestimmungen „arische“ Elisabeth Schmidt. Daraufhin wurde Hofer vom Präsidenten der Reichskammer im Februar 1939 wieder aufgenommen, und das Berufsverbot war damit aufgehoben.
Mathilde Hofer war nach der Scheidung nicht mehr durch das, was die Nürnberger Gesetze eine „privilegierte Mischehe“ nannten, geschützt. Sie erhielt am 22. August 1942 einen Deportationsbefehl, dann vermutlich zuerst ins Ghetto Theresienstadt und später ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht, wo sie am 21. November 1942 ermordet wurde.

Der künstlerisch schwerste Schlag für Karl Hofer war die Vernichtung fast des gesamten frühen und mittleren Werks in seinem Berliner Atelier bei einem alliierten Bombenangriff in der Nacht des 1. März 1943: Mehr als 150 Gemälde, 1500 Zeichnungen, diverse Skizzenbücher und seine gesamten Aufzeichnungen wurden vernichtet.

„Etwa einhundertfünfzig Bilder, über tausend Zeichnungen nebst allem, was mich an mein früheres Dasein band, alles, was diese Aufzeichnungen hätte illustrieren können, war dahin, bis auf den Schlüssel, den ich in der Tasche trug.“ (Karl Hofer in seinen Erinnerungen)

Die Malerin Erika von Hornstein, verheiratete Erika Bausch (1913–2005), versorgte ihn mit Malutensilien.

„Ich ging in mein eigenes kleines Atelier unter dem Dach und suchte zusammen, was ich an Leinwänden, Keilrahmen, Pinseln, Spachteln und Ölfarben besaß. Zu kaufen gab es dies alles seit langem nicht mehr. Ich brachte es Hofer noch am gleichen Tag.“12

Karl Hofer fing sogleich wieder an zu arbeiten und schuf innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Gemälden. Allerdings wurde im November 1943 auch die Wohnung von Karl und Elisabeth Hofer zerstört. Das Kriegsende erlebte der Maler in einem Versteck in einem Babelsberger Sanatorium. Carlino, der Sohn von Mathilde und Karl Hofer, wurde 1947 bei dem Versuch, zwei Einbrecher in einem Schuhgeschäft zu stellen, von einem der Täter getötet.

Hofers Kulturpolitik in der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hofer im Juli 1945 zum Direktor der Hochschule der Künste in Berlin berufen. In dieser Zeit widmete er sich vor allem der kulturpolitischen Arbeit. Er war Gründungsmitglied des Kulturbundes und dessen Vizepräsident (1945–1947), der sich eine demokratische Erneuerung Deutschlands zum Ziel gesetzt hatte. Zusammen mit Oskar Nerlinger gab er bis 1949 die Zeitschrift Bildende Kunst heraus und wurde 1950 erster Präsident des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes. Dennoch fühlte sich der späte Hofer mit seinem Festhalten am Ideal des Menschenbildes und der deutschen Tradition der figurativen Malerei unverstanden.

Nach der Katastrophe des „Dritten Reichs“ begann in Deutschland die Internationalisierung und Vorherrschaft der abstrakten Kunst, die vor allem einer Grundstimmung entgegenkam, nämlich mit der Illusion der „Stunde Null“ einen Neuanfang wagen zu können, der jeden Missbrauch der Kunst zu Machtzwecken ausschließen sollte. Die Konfrontation von Figuration und Abstraktion mündete schließlich 1950 im sogenannten Darmstädter Gespräch auf der Mathildenhöhe, in dessen Zentrum insbesondere die Thesen des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr („Verlust der Mitte“) auf der einen und die Überzeugungen der Vertreter der Abstraktion wie Willi Baumeister auf der anderen kämpferisch vertreten wurden.

Nach Kriegsende war Hofer am Aufbau der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Wilmersdorf, später in Charlottenburg, beteiligt, deren Direktor er seit Juli 1945 war. Er holte namhafte expressionistische Künstler wie Max Pechstein (1881–1955), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Georg Tappert (1880–1957) an die Akademie. Zusammen mit dem Maler und Grafiker Oskar Nerlinger (1893–1969) gab Hofer in der Sowjetischen Besatzungszone die Kunstzeitschrift „bildende kunst. Zeitschrift für Malerei, Graphik, Plastik und Architektur“ heraus (1947–1949).

Er erhielt 1948 die Ehrendoktorwürde der Berliner Universität und wurde Ehrenbürger der Badischen Akademie der bildenden Künste. Mit Schmidt-Rottluff und Karl Hartung (1908–1967) gründete Hofer 1950 erneut den Deutschen Künstlerbund, dessen Auflösung 1936 durch die Nationalsozialisten erzwungen worden war. Auch wurden ihm 1952 der Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste (gemeinsam mit René Sintenis) und 1953 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zugesprochen. Sein autobiographischer Bildband „Aus Leben und Kunst“ erschien 1952 und ein Jahr später seine erweiterte Autobiographie „Erinnerungen eines Malers“. Ebenfalls 1953 wurde Hofer für hervorragende Leistungen das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen, und er erhielt den Berliner Kunstpreis.

Schüler von Karl Hofer

Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst

Im Jahr 1955 entbrannte zwischen Hofer und dem Kunstkritiker Will Grohmann (1887–1968), , den der Künstler selbst 1953 an die Hochschule berufen hatte und der ein vehementer Verfechter und Förderer der abstrakten Kunst war, ein öffentlicher, polemisch geführter Streit über die gegenstandslose Kunst. Während Hofer den Kunstkritiker zu den „Panegyrikern“ der internationalen abstrakten Kunst zählte, warf ihm dieser vor, die Kunst der Gegenwart aus einer „geradezu rätselhaften Haßpsychose“ heraus anzugreifen. Hofer plante tatsächlich einen umfassenden schriftlichen Angriff, der sich schon im Titel gegen das Manifest der abstrakten Kunst schlechthin richtete, nämlich gegen Wassily Kandinskys 1912 erstmals und 1952 erneut in der von Nina Kandinsky autorisierten Auflage erschienene Schrift „Über das Geistige in der Kunst“. Hofer erlebte das Erscheinen seiner Kampfschrift „Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst“ nicht mehr, denn im selben Jahr 1955, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung, erlitt der Künstler einen Schlaganfall, dem er wenig später erlag.

Ein Teil der Schrift wurde 1956 posthum in redigierter Form von Kurt Martin herausgegeben. Das Buch blieb ohne bedeutende Wirkung. Teile des Manuskripts sind untergegangen, und das gesamte noch erhaltene Fragment wurde von Daniel Kupper im Auftrag Elisabeth Hofer-Richolds im Hofer-Archiv gesichtet und 1995 kommentiert herausgegeben. Zusammen mit den von Christine Fischer-Defoy ebenfalls 1995 herausgegebenen Reden und Stellungnahmen gibt es Einblick in ein Denken und Schaffen, das die Entwicklung der deutschen Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusst und geprägt hat.

Tod

Am 3. April 1955 gab es einen öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Hofer und dem Kunstkritiker Will Grohmann über Figuration und Abstraktion. Die Kontroverse war der Anlass für Ernst Wilhelm Nay, Willi Baumeister und Fritz Winter, aus dem Deutschen Künstlerbund auszutreten. Hofer starb während der Auseinandersetzung an den Folgen eines Schlaganfalls.

Posthume Ehren

Einige von Hofers Werken wurden posthum 1955 auf der „documenta 1“ in Kassel gezeigt. Die Bedeutung Hofers für die deutsche Malerei der Nachkriegszeit liegt in seinem Beharren darauf, dass der Gegensatz von figurativer und abstrakter Malerei unsinnig sei; ihm erschien die „Wertunterscheidung von gegenständlich und ungegenständlich als eine sinnlose Absurdität“. Die geschichtliche Entwicklung hatte aus dem Deutsch-Römer Hofer einen „desillusionierten Idealisten“ werden lassen: Werner Haftmann war der Meinung, dass gerade

„die Insistenz in der Litanei dieses persönlichen Stils hat Hofer seinen unverrückbaren Platz in der deutschen Malerei zwischen den Kriegen gegeben. Da war ein Mensch, der mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen begann; und dann war es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlug“.

Bei der „documenta 14“ wurde Hofers „Mann in Ruinen“ in der Kasseler Neuen Galerie gezeigt.

Biografie von Karl Hofer (11.10.1878–3.4.1955)

  • 11.10.1878

    Karl (Carl) Johannes Christian Hofer wurde am 11. Oktober 1878 in Karlsruhe geboren. Sein Vater, Karl Friedrich Hofer, ein Militärmusiker, starb kurz nach der Geburt seines Sohnes an Tuberkulose.
  • 1879–1889

    Da Hofers Mutter Othilde (Ottilie), geb. Hengst, den Lebensunterhalt nun allein als Haushälterin, zunächst im Karlsruher Schloss und später in Frankfurt am Main, bewältigen musste, wuchs Karl Hofer die kommenden zehn Jahre bei seinen betagten Großtanten Jacobine und Luise Hengst auf, die ihr bescheidenes Einkommen als Weißnäherinnen verdienten.
  • 1884–1892

    Dank der finanziellen Unterstützung seiner Großtanten konnte Hofer die höhere Bürgerschule in Karlsruhe besuchen. Er ging mit ihnen in die Großherzogliche Gemäldegalerie, unternahm erste Zeichenversuche und begann sich für Literatur zu interessieren.
  • 1889–1892

    Jacobine und Luise Hengst zogen in ein Pfründnerhaus, wo die Damen versorgt wurden. Karl Hofer wurde in einem Waisenhaus untergebracht.
  • 1892–1895

    Der 14-jährige Hofer begann in Karlsruhe eine kaufmännische Lehre in der Chr. Fr. Müller’schen Hofbuchhandlung, der ein Verlag mit Druckerei angeschlossen war.
  • 1895

    Hofer wurde kaufmännischer Gehilfe und arbeitete im Kontor der Hofbuchhandlung. Er zeichnete intensiv und übte sich in der Technik des Aquarells.
  • 1896

    Hofer, der sich neben Kunst und Literatur auch für das Theater interessierte, lernte den drei Jahre jüngeren Schüler und späteren Philosophen Leopold Ziegler (1881–1958) kennen.
  • Februar 1897

    Der 18-jährige Hofer erhielt ein Stipendium des Großherzogs von Baden. Grundlegend dafür waren die Beziehungen von Zieglers Mutter zum großherzoglichen Hof und der Unterstützung des seit zwei Jahren an der Kunstakademie lehrenden Landschaftsmalers und Grafikers Leopold Graf von Kalckreuth (1855–1928). Diesem hatte Hofer seine Arbeiten vorgelegt. Das Stipendium ermöglicht ihm im Februar die Aufnahme eines Studiums an der Großherzoglich Badischen Kunstschule Karlsruhe, wo er die Zeichen-, Gips- und Aktklassen absolvierte. Im Sommer besuchte Hofer einen Onkel in Baden bei Zürich, reiste nach Bern sowie zu einem weiteren Onkel nach Genf und macht einen Abstecher nach Frankreich.
  • 1898

    Karl Hofer lernte an der Akademie den angehenden Maler, Grafiker und Typografen Emil Rudolf Weiß (1875–1942) kennen. Dieser brachte Hofer die Literatur der französischen Symbolisten Charles Baudelaire (1821–1867), Stéphane Mallarmé (1842–1898), Arthur Rimbaud (1854–1891) und des belgischen Dichters Émile Verhaeren (1855–1916) nahe. Darüber hinaus weckte er sein Interesse für die Kunst des norwegischen Malers und Grafikers Edvard Munch (1863–1944).
  • 1899

    Hofer wurde an der Akademie Schüler des Malers und Grafikers Hans Thoma (1839–1924). Zu Hofers engem Freundeskreis an der Akademie gehörten neben Weiß der angehende Maler und Grafiker Wilhelm Laage (1868–1930) und der Bildhauer Karl Albiker (1878–1961). Zusammen mit Weiß reiste Hofer 1899 zum ersten Mal nach Paris.
  • August 1900/01

    Im August 1900 übersiedelte Hofer für einen mehrmonatigen Studienaufenthalt nach Paris und bezog ein kleines Atelier auf dem Montparnasse. Er besuchte den Louvre, entdeckte Gemälde des französischen Malers Henri Rousseau (1844–1910) und lernte den bedeutenden Kunsthistoriker, Schriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe (1867–1935) kennen, der ihn auf die Werke des auf Kreta geborenen Manieristen El Greco (1541–1614) und des deutschen Malers und Grafikers Hans von Marées (1837–1887) aufmerksam machte. Durch Meier-Graefe erhielt Hofer Einblicke in bedeutende Pariser Privatsammlungen und Galerien. Er sah dort Arbeiten unter anderem von Jean-Baptiste Camille Corot (1796–1875), Honoré Daumier (1808–1879), Eugène Delacroix (1798–1863), Vincent van Gogh (1853–1890) und Paul Cézanne (1839–1906), die ihn tief beeindruckten. Hofer besuchte auch die Pariser Weltausstellung von 1900 und ging zum ersten Mal ins Kino. Für seine eigene Malerei blieb der Aufenthalt jedoch ohne große künstlerische Ausbeute. Die dort entstandenen Werke zerstörte Hofer höchstwahrscheinlich noch vor Ort.
  • 1901

    Bei einem Sommeraufenthalt auf der Havelinsel Pichelswerder bei Berlin- Charlottenburg lernte Hofer den Schweizer Philosophie-Studenten und späteren Dichter Hans Reinhart (1880–1963) kennen. Er malte ein ganzfiguriges Einzelporträt von ihm, welches Reinharts Vater, der Winterthurer Industrielle, Kunstsammler und Mäzen Theodor Reinhart (1849–1919) erwarb. Reinhart wurde Hofers väterlicher Freund und unterstützte den Künstler die kommenden 18 Jahre großzügig als Mäzen.
  • Herbst 1902

    Im Herbst 1902 wechselt Karl Hofer – zusammen mit seinen Mitstudenten Laage und Weiß – als Meisterschüler Kalckreuths nach Stuttgart an die Königliche Akademie der bildenden Künste und freundete sich mit dem Schweizer Bildhauer Hermann Haller (1880–1950) an.
  • 1902/03

    Bei einer Schiffsreise durch die Nordsee lernte Hofer in Cuxhaven die angehende, in Wien geborene jüdische Konzertsängerin Mathilde (Thilde) Scheinberger (1874–1942) kennen. Im Dezember folgte die Verlobung und am 14. April 1903 die Heirat in Wien. Hofer schuf Aquarellvorlagen zu dem Kinderbuch „Rumpumpel“. Das erfolgreiche Buch für junge Mütter und ihre Kleinsten, mit Texten der Schriftstellerin Paula Dehmel (1862–1918) wurde bis in die 1920er Jahre mehrfach aufgelegt.
  • 1903

    Karl Hofer erhielt die Goldene Medaille der Stuttgarter Akademie und schloss sein Studium ab.
  • 1903–1908

    Dank des Mäzens Theodor Reinhart war es Karl und Mathilde Hofer möglich, nach Rom zu übersiedeln. Ein 1904 zwischen Mäzen und Künstler abgeschlossener Vertrag sicherte eine regelmäßige finanzielle Unterstützung gegen den Tausch von Gemälden (zuerst drei, später vier Werke) zu.
  • 1904

    Um den heißen Sommermonaten in Rom zu entfliehen, reisten Karl Hofer und seine Frau von Juli bis Oktober 1904 in die Schweiz. In Zürich wurde am 15. August der erste Sohn Karl Johannes Arnold, Carlino genannt, geboren. Hofer lernte in Bern Paul Klee (1879–1940) kennen. In Köln erschien das von Richard Dehmel (1863–1920) herausgegebene Kinderbuch „Der Buntscheck. Ein Sammelbuch herzhafter Kunst für Ohr und Auge deutscher Kinder“, zu dem unter anderem Hofer und Weiß Illustrationen beisteuerten.
  • 1905

    Am 3. November 1905 wurde der zweite Sohn Titus Wolfgang in Rom geboren, der wenige Monate später, am 17. Mai 1906, an einer Lungenentzündung starb. 14 Werke von Karl Hofer wurden in der von der Zürcher Kunstgesellschaft organisierten Ausstellung moderner Kunstwerke im Künstlerhaus in Zürich gezeigt. Präsentationen im Kunstverein Karlsruhe und dem Folkwang-Museum in Hagen schlossen sich an.
  • 1906

    Mit zehn Gemälden war Karl Hofer neben Franz Bunke (1857–1939) und Ludwig von Hofmann (1861–1945) in einer Ausstellung im Großherzoglichen Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar vertreten.
  • 1907

    In der bedeutenden Berliner Zeitschrift „Kunst und Künstler“ erschien unter dem Titel „Neue deutsche Römer“ ein Artikel von Julius Meier-Graefe, der sich intensiv mit Hofers Malerei auseinandersetzt. Im Herbst 1907 sah Karl Hofer die rund 50 Werke umfassende Paul Cézanne-Retrospektive in Paris, die in tief beeindruckte.
  • 1908

    Karl Hofer beteiligte sich an der Frühjahrsausstellung der Berliner Secession.
  • 1908–1913: Paris

    Hofer übersiedelte mit seiner Familie nach Paris. Dort machte das Ehepaar unter anderem die Bekanntschaft von August Macke (1887–1914) und seiner Frau Elisabeth (1888–1978).
  • 1909

    Karl Hofer wurde temporär Mitglied der Neuen Künstlervereinigung München.
  • 1910/11: 1. Indien-Reise

    Auf Einladung von Theodor Reinhart reiste Karl Hofer zusammen mit dessen Sohn Werner im Oktober 1910 mit dem Seedampfer Kleist von Genua via Ceylon nach Indien. Die meiste Zeit verbrachte der Künstler an der Malabarküste in Tellicherry (dem heutigen Thalassery) im indischen Bundesstaat Kerala. Er fotografierte, malte, zeichnete, unternahm Exkursionen in die nähere Umgebung und nahm Sprachunterricht. Während seines Aufenthalts in Indien kam Karl Hofers Sohn Hansrudi zur Welt (17.2.1911). Kurz vor Ende seines Indienaufenthaltes, besuchte Hofer Haidarabad (heute: Hyderabad), Benares (heute: Varanasi), Agra, Delhi, Jaipur und Ajmir im Norden Indiens (Anfang April 1911).
  • 1911

    Rückkehr über Winterthur nach Paris. Hofer lernte durch Vermittlung von Gertrud Osthaus (1880–1975), Ehefrau des Kunstmäzens und Sammlers Karl Ernst Osthaus (1874–1921), den Bildhauer und Grafiker Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) kennen.
  • 1912

    Erster Ankauf eines seiner Werke für ein Museum: Osthaus erstand für das Folkwang Museum in Hagen das Gemälde „Zwei Frauen“ (1907). Der Maler forderte das schon 1905 von Osthaus erworbene Gemälde „Frauenraub“ (1905) 1908 wieder zurück und vernichtete es.
  • 1913: 2. Indien-Reise

    Von Januar bis April 1913 unternahm Hofer zusammen mit Hans Reinharts Bruder Georg (1877–1955) eine zweite Reise nach Indien. Die meiste Zeit wohnte und arbeitete er in dem kleinen Dorf Chewarra in Kerala. Karl Hofer wurde Mitglied der Freien Secession, die sich von der Berliner Secession abgespalten hatte. Nach der Rückkehr aus Indien übersiedelte die Familie im Oktober nach Berlin.
  • 1914–1917: Internierung

    Die Familie Hofer verbrachte ihre Sommerferien 1914 im französischen Badeort Ambleteuse und wurde dort vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht. Hofer wurde für drei Jahre in ein französisches Lager, zuerst auf der Île d’Yeu und später in einem Hotel in Carnac Plage in der Bretagne, interniert. Seine Frau und seine Söhne durften im November 1914 über die Schweiz nach Berlin zurückkehren.
  • 1917

    Am 26. November wurde Karl Hofer, dank der Intervention von Theodor Reinhart, aus der französischen Gefangenschaft in die Schweiz entlassen und bezog Wohnung und Atelier in Zürich.
  • 1918

    Zusammen mit Hermann Haller unternahm Hofer eine Reise ins Tessin. Eine erste Tessiner Landschaft mit dem Titel „Montagnola (Tessin)“ entstand in Öl auf Leinwand. In der Zürcher Galerie Tanner fand eine Einzelausstellung mit circa 40 Werken statt.
  • 1919

    Am 17. Januar 1919 starb Theodor Reinhart. Hofer kehrte aus der Schweiz nach Deutschland zu seiner Familie zurück. Der Maler schloss einen Zweijahresvertrag mit dem bedeutenden Berliner Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer (1871–1926), der noch im selben Jahr in seinen Galerieräumen eine Einzelausstellung mit 38 Gemälden des Künstlers ausrichtete.
  • 1920/21

    Karl Hofer erhielt einen Lehrauftrag an der Berliner Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg und wurde 1921 zum Professor ernannt.
  • 1923

    Hofer wurde Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Sektion Bildende Kunst.
  • 1924

    In der Reihe „Junge Kunst“ erschien eine von dem Journalisten und Kunstkritiker Benno Reifenberg (1892–1970) verfasste, erste Monografie über Hofer.
  • 1925

    Von Juli bis Anfang September 1925 hielt sich Hofer erstmals länger in Muzzano bei Lugano auf. Er reiste von nun an regelmäßig in den Sommermonaten in das Tessin und widmete sich in zahlreichen Gemälden der Landschaft und ihren Bewohner:innen. Die bedeutende Berliner Galerie Flechtheim organisierte die Ausstellung „Karl Hofer. Bilder aus dem Tessin“.
  • 1927

    Zusammen mit dem Maler Alexander Kanoldt (1881–1939) gründete Karl Hofer in Freiburg im Breisgau die Künstlervereinigung Badische Secession. Im Oktober reiste der Künstler für zwei Monate in die USA. Er gehörte der Jury der „26. Gemäldeausstellung des Carnegie Institute in Pittsburgh“ an und besuchte in Philadelphia, Washington und New York Privatsammlungen und Museen. Karl und Mathilde Hofer gingen von nun an getrennte Wege.
  • 1928

    Anlässlich seines 50. Geburtstags fanden in der Berliner Secession und in der Kunsthalle Mannheim große Retrospektiven mit Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Grafiken statt.
  • 1929

    Hofer wurde Mitglied des Senats der Preußischen Akademie der Künste.
  • 1931

    Karl Hofer erwarb am Luganer See das Haus La Torrazza di Caslano.
  • 1931/32

    Karl Hofer reichte die Scheidung von seiner Frau Mathilde ein, was jedoch vom Berliner Kammergericht – wie auch 1933 – abgelehnt wurde.
  • 1933

    Karl Hofer wurde im April 1933 als erster Professor aus dem Hochschuldienst entlassen, nachdem er sich seit Beginn der 1930er Jahre kritisch über den aufkommenden Nationalsozialismus geäußert hatte.
  • 1934

    In Pittsburgh erhielt Hofer auf der „International Exhibition of Paintings“ für sein Gemälde „Pastorale“ (1933) den 2. Preis des Carnegie Institute.
  • 1937

    Im Juli 1937 wurden 311 Arbeiten von Karl Hofer aus deutschen Museen entfernt. Acht Gemälde sowie einige grafische Arbeiten wurden in der Feme-Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt.
  • 1938

    Seit Anfang 1938 lebte Mathilde Hofer in Wiesbaden; die Ehe von Mathilde und Karl Hofer wurde am 8. Juli geschieden. Hofer heiratete am 7. November 1938 sein langjähriges Modell Elisabeth (Liesel) Schmidt (1891–1975). Hofer hatte Elisabeth durch Emil Rudolf Weiß und seine Frau, die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis (1888–1965), bereits in den 1920er Jahren kennengelernt. Hofer wurde aus der Preußischen Akademie der Künste und aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und mit einem Berufsverbot belegt. In Pittsburgh erhielt Hofer auf der „International Exhibition of Paintings“ für sein Gemälde „Im Wind“ (1937) den 1. Preis des Carnegie Institute.
  • 1939

    Im Februar wurde Hofer wieder in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen und auch sein Berufsverbot wurde aufgehoben. Letzter, mehrmonatiger Sommeraufenthalt im Tessin vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Im Kunstverein Winterthur fand anlässlich des 60. Geburtstags von Hofer eine Einzelausstellung mit 41 Gemälden und 16 Zeichnungen statt.
  • 1942

    Mathilde Hofer erhielt am 22. August 1942 einen Deportationsbefehl. Sie verbrachte mehrere Tage im Gefängnis, wurde dann vermutlich zuerst ins Ghetto Theresienstadt und später ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 21. November ermordet wurde.
  • 1943

    In der Nacht des 1. März 1943 wurde Hofers Atelier durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Mehr als 150 Gemälde, 1500 Zeichnungen, diverse Skizzenbücher und seine gesamten Aufzeichnungen wurden vernichtet. Die Malerin Erika von Hornstein, verheiratete Erika Bausch (1913–2005), versorgte ihn mit Malutensilien. Karl Hofer fing sogleich wieder an zu arbeiten und schuf innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Gemälden. Im November wurde durch einen Bombenangriff auch Hofers Wohnung zerstört.
  • 1945

    Nach Kriegsende wurde Hofer zum Direktor der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Wilmersdorf, später in Charlottenburg, berufen. Er holte namhafte expressionistische Künstler wie Max Pechstein (1881–1955), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Georg Tappert (1880–1957) an die Akademie.
  • 1947

    Bei dem Versuch, zwei Einbrecher in einem Schuhgeschäft zu stellen, wurde Hofers Sohn Carlino getötet.
  • 1947–1949

    Zusammen mit dem Maler und Grafiker Oskar Nerlinger (1893–1969) gab Hofer in der Sowjetischen Besatzungszone die Kunstzeitschrift „bildende kunst. Zeitschrift für Malerei, Graphik, Plastik und Architektur“ heraus.
  • 1948

    Karl Hofer wurde Ehrenbürger der Badischen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe und erhielt von der Universität Berlin die Ehrendoktorwürde.
  • 1949

    Aufgrund des Washingtoner Abkommens von 1946, welches die Liquidierung deutschen Vermögens in der Schweiz regelte, wurde Hofers Besitz am Luganer See beschlagnahmt und ein Jahr später versteigert.
  • 1950

    Mit Schmidt-Rottluff und Karl Hartung (1908–1967) gründete Hofer erneut den Deutschen Künstlerbund, dessen Auflösung 1936 durch die Nationalsozialisten erzwungen worden war.
  • 1952

    Zusammen mit Renée Sintenis erhielt Hofer den Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. In Berlin erschien seine erste Autobiografie „Aus Leben und Kunst“.
  • 1953

    Für hervorragende Leistungen wurde Hofer das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen, und er erhielt den Berliner Kunstpreis. Seine erweiterte Autobiografie erscheint unter dem Titel „Erinnerungen eines Malers“.
  • 1955

    Zwischen Hofer und dem Kunsthistoriker und -kritiker Will Grohmann (1887–1968), den der Künstler selbst 1953 an die Hochschule berufen hatte, brach ein öffentlich ausgetragener, erbitterter Richtungsstreit über Gegenständlichkeit versus Abstraktion aus. Hofer trat vom Amt des Direktors der Hochschule zurück.
  • 3.4.1955: Tod

    Am 3. April 1955 starb Karl Hofer an den Folgen mehrerer Schlaganfälle in Berlin.
  1. Karl Hofer, Zur Situation der bildenden Kunst, in: Der Monat, 7. Jg., Heft 77 (1955), S. 425–432, zit. n. Karl Hofer. Schriften, hg. v. Daniel Kupper, Berlin 1995, S. 291.
  2. Diese Biografie folgt im Wesentlichen: Karl Hofer. Werkverzeichnis der Gemälde, hg. von Markus Eisenbeis, bearb. von Karl Bernhard Wohlert, 3 Bde., Köln 2007; Karl Hofer. Figure Nature morte Paesaggi | Figuren Stillleben Landschaften (Ausst.-Kat. Museo Castello San Materno, Ascona, 26.5.–29.9.2024), Leipzig 2024.
  3. Zit. nach: Leopold Ziegler. Karl Hofer. Briefwechsel 1897–1954, in: Leopold Ziegler, Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. von Andreas Hüneke, Bd. 3, Würzburg 2004, S. 9.
  4. t. nach: Hans Thoma. Aus achtzig Lebensjahren. Ein Lebensbild aus Briefen und Tagebüchern, hg. v. Joseph August Beringer, Leipzig 1929, S. 270.
  5. Elisabeth Erdmann-Macke, Erinnerungen an August Macke, Frankfurt am Main 1987, S. 167.
  6. Karl Hofer in einem Brief an Mathilde Hofer, 6.12.1910, zit. nach: Andreas Hüneke (Hg.), Karl Hofer. Malerei hat eine Zukunft. Briefe, Aufsätze, Reden, Leipzig / Weimar 1991, S. 126–127.
  7. Karl Hofer in einem Brief an Theodor Reinhart, 30.3.1913, zit. nach: Ursula und Günter Feist (Hg.), Karl Hofer Theodor Reinhart. Maler und Mäzen. Ein Briefwechsel in Auswahl, Berlin 1989, S. 327.
  8. Karl Hofer, Erinnerungen eines Malers, Berlin 1953, S. 178.
  9. Zit. n. Die Sammlung Schedlmayer. Eine Entdeckung (Ausst-Kat. Leopold Museum, Wien, 10.9.2021–16.1.2022), Wien 2021, S. 140.
  10. Karl Hofer in einem Brief an Mathilde Hofer, 27.8.1925, zit. nach: Hüneke 1991, S. 162–163.
  11. Zit. nach: Karl Hofer, Erinnerungen eines Malers, Berlin 1953, S. 223.
  12. 9
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.