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Metz | Centre Pompidou Metz: Louise Nevelson. Mrs. N’s Palace

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 24. Januar 2026
Louise Nevelson, An American Tribute to the British People, 1960–1965 (Tate Modern, London)

Louise Nevelson, An American Tribute to the British People, 1960–1965 (Tate Modern, London)

Louise Nevelson (1899–1988), eine Ikone mit unnachahmlichem Stil, gilt heute als eine der wichtigsten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Dreißig Jahre nach ihrem Tod wirkt Nevelsons Vermächtnis in der jungen zeitgenössischen Szene bis in die Welt der Mode nach. Die Künstlerin verbindet nicht nur die Alte und die Neue Welt, sondern auch zwei Jahrhunderte. 1899 in Kiew geboren, emigrierte sie sechs Jahre später mit ihren Eltern in die USA. Nevelson verließ Rockland in Maine im Alter von 19 Jahren, um zu heiraten und schließlich in New York ihre künstlerischen Ambitionen zu verfolgen. Diese Träume führten sie auch in die Alte Welt. Um eine künstlerische Ausbildung zu absolvieren, studierte sie 1931 bei Hans Hofmann in München und ein Jahr später in New York bei George Grosz; nun arbeitete sie auch mit dem mexikanischen Wandmaler Diego Rivera und traf seine Frau Frida Kahlo. Zwischen diesen Engagements studierte sie Tanz bei Ellen Kearns und trat als Statistin in mehreren Filmen auf, die im vornationalsozialistischen Berlin und Wien gedreht wurden.

Louise Nevelson. Mrs. N’s Palace

Frankreich | Metz: Centre Pompidou Metz, Galerie 2
24.1. – 31.8.2026

Louise Nevelson im Centre Pompidou Metz 2026

Nevelsons Kunst wird in der Regel im Zusammenhang mit dem Kubismus, dem Konstruktivismus, Kurt Schwitters, ihrem „imaginären Großvater“, wie Hans Arp in seinem Gedicht über die Künstlerin in der Zeitschrift „XXème siècle“ (1960) schrieb, dem Readymade oder den Collagen der Dadaismus und Surrealismus gesehen. Ihre Inspirationsquellen sind jedoch weitaus breiter gefächert und ihr Werk fordert dazu auf, sich in einer Phase der Kunstentwicklung zu begeben, in der Tanz und Performance eine führende Rolle spielen. Deshalb dreht sich die Ausstellung um die Bühne.

„Ich gehöre keiner Bewegung an,“ erklärte die Bildhauerin immer stolz, obwohl ihr Werk häufig mit dem Minimalismus in Verbindung gebracht wird.

Das 20-jährige Studium der Eurythmie bei Ellen Kearns, die einen Körperausdruck mit dem Ziel lehrte, ihre Lebenskraft und kreative Energie zu entdecken, wie auch ihre Faszination für Martha Graham in den 1930er Jahren, revolutionierten Nevelsons Leben und Werk. Die Künstlerin bereist 1950 Mexiko und Guatemala, was zu einer monumentalen Dimension in ihrem Werk führte. Nun wurde es von einer Mischung aus Geometrie und Magie getragen. Unter diesem doppelten Einfluss entstanden Nevelsons Environments, die nach und nach monumental, umhüllend, totemistisch und sakral wurden.

1958 inszenierte Nevelson im New Yorker Grand Central Moderns ihr erstes großes Environment1: „Moon Garden + One“ beinhaltete ihre erste „Wand“ mit dem Titel „Sky Cathedral“. Damit schuf die Bildhauerin eine vertikale Hommage an ihre Wahlheimat New York. Das Werk besteht aus gefundenen Holzobjekten, die sie in Kisten sammelte. Nevelson stapelte ihre Fundstücke und malte sie schwarz an, der monochrome Schleier vereinheitlichte die Komposition. Über die Synthese hinaus, die sie zwischen der präkolumbianischen Kunst, dem Kubismus oder auch der Bewegung des Color Field Painting schuf, schwebte Nevelson eher ein Ort vor, den es zu erkunden galt, als eine Skulptur, die frontal betrachtet werden musste.

 

Von „Dawn's Wedding Feast“ bis „Mrs. N's Palace“

Für jede ihrer Environnements, die John Cage als „music theater“ bezeichnete, interessierte sich Nevelson besonders für Raum und Licht. Dabei hüllte sie einige ihrer Werke in Blau, um so die Schatten und die Desorientierung der Betrachter:innen in der Dunkelheit zu verstärken. Nevelson schuf Inszenierungen, bei denen der gesamte Körper der Betrachter:innen involviert ist. Die Theatralik ist wahrscheinlich der Schlüssel zu all ihren großen Ausstellungen, von „Dawn's Wedding Feast“ – Nevelsons erste weiße Skulptur, die sie 1959 für die Ausstellung „Sixteen Americans“ im Museum of Modern Art zusammenstellte (und später zu anderen Werken2 weiterverarbeitete). Nevelson selbst bestätigte, dass dieses Werk ein Zeichen für ihren „Übergang zu einer Ehe mit der Welt“ gewesen sei.

In Metz ist ein Hauptwerk Nevelsons zu sehen: „Mrs. N's Palace“, das seinen Ursprung in Edward Albees Theaterstück „Tiny Alice“ von 1964 hat und dem die Ausstellung ihren Titel verdankt. Nevelson liebte New York und beschrieb die Stadt als ihren Spiegel. Die Skulptur „Mrs. N's Palace“ besteht aus über 100 scheinbar unzusammenhängenden, aber miteinander verbundenen Objekten, darunter auch Spiegel. Es ist Nevelsons umfangreichstes Werk, dessen Fertigstellung 13 Jahre dauerte, und das an ihrem 80. Geburtstag enthüllt wurde. Die charismatische Nevelson ist die titelgebende „Mrs. N“, die Herrscherin dieses massiven Bauwerks, das sowohl Environment als auch Denkmal ist und an große Denkmäler und Gräber ebenso erinnert wie an intime, private Räume. Nevelson war fasziniert von der Schönheit, die sie in weggeworfenen Materialien und im urbanen Schutt fand. Mit viel Liebe komponierte, schichtete und bemalte sie ihre „gefundenen Objekte“. Hier sind es vergessene, zufällig gefundene Dinge, die zusammen ein neues Ganzes bilden – vielleicht eine Metapher für die Stadt, sogar für das Leben der „Mrs. N“.

1974, also vor 50 Jahren, fand die letzte große Ausstellung im Centre national d'art et de culture von Louise Nevelson statt. 2026 lädt die Ausstellung im Centre Pompidou-Metz dazu ein, in ihre vielfältigen Werke einzutauchen. Damit verbunden ist die Hoffnung, Nevelsons Wunsch zu erfüllen, ihre Skulpturen als Teil eines „totalen Raums“ zu zeigen. Die skulpturalen Werke ergänzen einander zu einer Erzählung, die die Türen zu ihrer imaginären Welt öffnet. Sich mit Nevelsons Werken zu konfrontieren, ist einer Erfahrung, die mit allen Sinnen und nicht als individuelle Einheiten erlebt werden kann. Die Rekonstruktion ihrer Environments unterstreicht die fließenden Übergänge zwischen den verschiedenen Medien, die sie verwendete, von ihren frühen Terrakotta-Figuren und Gemälden über ihre Radierungen und Plexiglas-Skulpturen bis hin zu den Installationen und Collagen – der eigentlichen Matrix ihrer Kunst –, die sie von den 1950er Jahren bis zum Ende ihres Lebens schuf.

Kuratiert von Anne Horvath, Centre Pompidou-Metz.

 

Louise Nevelson: Bilder

  • Louise Nevelson, An American Tribute to the British People, 1960–1965 (Tate Modern, London)
  • Louise Nevelson, Mrs. N's Palace, 1964–1977, bemaltes Holz, Spiegel, 355.6 × 607.1 × 457.2 cm (The Metropolitain Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 1985.41.1–.205)

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Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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