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Pierre Bonnard: Bilder und Leben Farbe, Licht, Gefühle und der „Akt im Gegenlicht“ beschäftigten den Postimpressionisten

Pierre Bonnard, Akt vor dem Spiegel, Detail, 1931, Öl auf Leinwand, 152 x 102 cm (Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Claudio Franzini)

Pierre Bonnard, Akt vor dem Spiegel, Detail, 1931, Öl auf Leinwand, 152 x 102 cm (Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Claudio Franzini)

Pierre Bonnard (1867–1947) gehörte neben Edouard Vuillard, Maurice Denis und Paul Sérusier zur Künstlergruppe „Nabis“ (hebräisch für „die Erleuchteten“), die ab den 1888 den Impressionismus durch eine flächige, dekorative Gestaltung ablöste und so den Jugendstil vorbreitete. Bonnard wird von den Zeitgenossen als zurückhaltend beschrieben. Er war zeitlebens kein „Star“ und sein Werk wurde nicht journalistisch oder kunstkritisch „ausgebeutet“. Biografische Daten sind daher kaum zu finden, wenn er auch mit bedeutenden Malern und Malerinnen seiner Zeit befreundet war. Im „Duell“ zwischen Henri Matisse und Pablo Picasso war Pierre Bonnard der unsichtbare Dritte.

Bonnard, ein „Nabis“

 

„Als meine Freunde und ich die Untersuchungen der Impressionisten verfolgen und versuchen wollten, sie weiterzuentwickeln, strebten wir danach, ihre naturalistischen Farbimpressionen zu überwinden. Kunst ist nicht Natur. Wie gingen strenger mit der Komposition um. Außerdem konnte man noch viel mehr aus der Farbe als Ausdrucksmittel herausholen.“1 (Pierre Bonnard, 1937)

1888 schlossen sich Paul Sérusier, Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Félix Vallotton, Ker Xavier Roussel, Georges Lacombe, der Bildhauer Aristide Maillol und Maurice Denis zur Gruppe „Nabis“ (hebräisch für die „Erleuchteten“ bzw. „Propheten“) zusammen. Denis verkündete: „Man vergesse nie, dass ein Bild an erster Stelle kein Schlachtross, keine nackte Frau, keine Erzählung, sondern eine Oberfläche ist, die in einer bestimmten Ordnung mit Farben bedeckt wurde.“ Der studierte Jurist Bonnard, der nur ein Jahr an der Ecole des Beaux-Arts verbracht hatte, folgte den Konzepten von Paul Gauguin und Paul Cézanne. Die Gruppe suchte nach neuen Kunstformen, was sich im frühen Werk von Bonnard in seinem Interesse für Kunsthandwerk und Bühnenbild niederschlug. Er entwarf Menüprogramme und Buchillustrationen, Theaterdekorationen (Bühnenbilder, Kostüme), Einbände von Partituren und Plakate. Als aktiver Mitgestalter der Avantgarde-Zeitschrift „La Revue Blanche“ prägte er Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec, der sich 1891 ebenfalls dem Plakat und der Druckgrafik, allen voran der Farblithografie, zuwandte.

Das Plakat „France-Champagne“ wurde 1899 vom Weinhändler E. Debray in Auftrag gegeben und brachte Pierre Bonnard erstmals Geld für eine künstlerische Arbeit ein. Da der angehende Künstler gleichzeitig beim Examen an der Universität durchgefallen war, beschloss er freischaffender Künstler zu werden. Dass Bonnard und die anderen Mitglieder der „Nabis“ ein gutes Verhältnis zum Herausgeber der „Revue Blanche“ herstellen konnten, förderte die Bekanntheit der jungen Maler. Während der 1890er Jahre malte Bonnard Bilder, die – seiner Ansicht nach – vor allem dekorativ sein müssten. Zunehmend brach sich neben einer komplexen Linienführung, in der sich sein Interesse für japanische Druckgrafik zeigt, auch die Farbe Bann.

 

„An seinem vollständigen Erfolg ist nicht mehr zu zweifeln. Sein Temperament ist besonders spontan, auffällig und originell. […] Monsieur Bonnard fängt Augenblicksposen ein, er stürzt sich geradezu auf ungewisse Gebärden, er hält die flüchtigsten Gesichtsausdrücke fest, er ist mir der Fähigkeit begabt, die malerischen Elemente im richtigen Augenblick zu finden und anzuwenden. Und um diese Begabung zu unterstützen, verfügt er noch über einen feinen Humor, der manchmal wohl ironisch, über stets sehr französisch ist.“ (Roger Marx, 1893)

 

 

Marthe Bonnard

Als Pierre Bonnard 1893 seine spätere Ehefrau Marthe kennenlernte, hatte er in ihr jenen Frauentypus gefunden, den er zeitlebens als Nymphe in Landschaften oder Innenräumen auftreten ließ. Von 1898 bis 1920 widmete sich Bonnard häufig der Fotografie. Da er seine Sujets im familiären Bereich suchte, wurde seine Gefährtin Marthe für fünfzig Jahre sein bevorzugtes Modell. Sie zeigt er in zahlreichen sinnlichen Akten in freier Natur oder bei ihrer täglichen Toilette. Häufig dreht das Modell dabei ihr Gesicht vom Betrachter oder der Betrachterin weg, wodurch Bonnards Bilder einen Hauch von Voyeurismus versprühen (ohne ins Erotische abzugleiten). Hierin zeigt sich der Maler und Druckgrafiker als gelehriger Schüler von Edgar Degas‘ zahllosen Ballett- oder Badeszenen (→ Edgar Degas: Ballerina in Pastell), in denen die Beobachtung von Frauen in höchst natürlichen und spontanen Bewegungen das Ziel sind.

 

„Es lebe die Malerei! Grüße“ (Matisse an Bonnard, 13.8.1925)

Immer wieder widmete sich Pierre Bonnard seinem Themenkanon: Fensterausblick, Akt in freier Natur, Stillleben am Tisch bzw. gedeckter Tisch, seine Familie bei Müßiggang oder Spiel im Garten. Diese Reduktion der Motive geht einher mit eigenwilligen Bildideen, ungewöhnlichen Formate, die oft Bonnards Kunst an die Grenzen des Gegenständlichen führen.

Desgleich ließe sich auch über das Leben des Künstlers erzählen: Es sind keine Exzesse überliefert. Bonnard war kein Exzentriker, sondern führte ein genügsames Leben, das von häufigem Aufenthaltswechsel bestimmt war. Zudem besaß er kaum Möbel und bevorzugte ein fast leeres Atelier (ganz im Gegensatz zu Henri Matisse und dessen Sammlung von Dingen, die auch in seine Bildwelt einging). Seine Briefe sind knapp gehalten, geben meist Gesundheitszustand, Wetter und Stand der Arbeit an. Aussagen über seine Kunst sind nur spärlich überliefert. Dass er kaum theoretische Überlegungen zu seiner Kunst verkündete, führte dazu, dass ihn die Kunstgeschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts eher wenig beachtete, obgleich er mit Vuillard zu den kühnen Erneuerern der Pariser Kunst der 1890er Jahre zählte.

 

Bonnard und Matisse

 

„Ich hatte Ihre Karte mit der Rückantwort aus Amerika erhalten und wusste, dass Ihre Dekoration [„La Danse“ für Dr. Barnes/Pennsylvania, Anm. AM] dort unten gut aufgehoben ist, so wie Sie es wollten. Ich bin darüber entzückt, weil ich an der Entstehung Ihres Werkes teilgenommen und es verstanden und bewundert habe, als ich es im Werden sah. Ehrlich, die Malerei ist schon etwas, vorausgesetzt, dass man sich ihr vollständig hingibt. Glaube, dass wir uns in diesem Punkt einig sind. Ich hoffe sehr, dass ich nächstes Jahr an die Küste von Nizza zurückkehren und Gemälde sehen werde, die der Dekoration folgen. Meine Frau und ich schicken Ihnen die besten Grüße“ (Bonnard an Matisse)

Pierre Bonnard (geb. 1867) und Henri Matisse (geb. 1869) lernten einander 1906 anlässlich einer Ausstellung von Bonnard in der Galerie Ambroise Vollard kennen. Auch Matisse hatte bei diesem Kunsthändler zwei Jahre zuvor seine erste Einzelausstellung erhalten. 1910 besuchte Bonnard Matisse in dessen Atelier in Issy-les Moulineaux, wo dieser an einem großen Gemälde, „La Danse“, für den russischen Sammler Schtschukin arbeitete. 1911 Henri Matisse kaufte für 1.200 Francs ein großes Ölgemälde von Pierre Bonnard, „La Soirée au salon“, von dem er sich zeitlebens nicht trennte. Mit „Le fenêtre ouverte“ besaß auch Bonnard ein Gemälde von Matisse. Wenn auch in diesen Jahren die Bilder von Bonnard und Matisse gänzlich anderen Farbkonzepten folgen, so verband sie doch die Überzeugung, dass Kunst nicht das Gesehene einfach wiedergibt, sondern ein Gefühl spiegelt, das sich beim Betrachten einstellte. Daraus folgt, dass sich ein Maler nicht der Natur, sondern dem Bild unterzuordnen hätte. Beide gehen jedoch von der Natur aus, das Sehen spielt für sie eine bedeutende Rolle. „Man muss immer ein Thema haben, so geringfügig es auch sei, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren“, war sich Pierre Bonnard 1945 sicher.

Diese stumme Übereinkunft über das Wesentliche in der Kunst war wohl die Grundlage für die Freundschaft zwischen Pierre Bonnard und Henri Matisse. Wenn sie auch die Bedeutung des Kubismus in der Kunst anerkannten2, so war für beide die Empfindung wichtiger als die Abhängigkeit von der Struktur, der sich in einer Form von Intellektualismus äußerte. Matisse wandte sich in einer Gegenreaktion dem Orient, den dekorativen Linien und dem Ornament zu. Pierre Bonnard hingegen machte den Spiegel zu einem wichtigen Komplizen seiner Kunst. Der Spiegel öffnet wie ein Fenster die Wand und lässt Räume entstehen, spiegelt sie, verzerrt sie.

 

„Er duldete nicht im geringsten, dass die Philosophie (oder irgendetwas anderes) sich zwischen ihn und seine Malerei stellte, angesichts dieser Freude, auf die sich auch Matisse berief.“3 (Jacques Villon)

Während der 1910er Jahre durchlief Bonnard eine Phase der Neubestimmung, die auch mit einer künstlerischen Krise in der Mitte des Jahrzehnts begleitet wurde. Er zeichnete viel und wandte sich erneut der Figur, Frauenporträts, zu. Frauen bildeten auch für Bonnard, wie für viele seiner malenden Zeitgenossen (z.B. Henri Matisse, Edvard Munch) eine Quelle der Inspiration, wie in „Le thé“ (1917) zu sehen ist. Gleichzeitig mit der sich verschlechternden Beziehung zu Marthe setzte sich der Fünfzigjährige mit dem eigenen Abbild auseinander. Obwohl er seine Gefährtin im August 1925 heiratete, blieb Marthe depressiv und launisch. Das Werk Pierre Bonnards wird in diesem Zusammenhang gerne als eine „von Farbvisionen erfüllte Traumwelt“ beschrieben, in die sich der Maler zurückzog.4

 

 

Bonnard im Süden

 

„Ich verbringe kaum mehr als zwei Monate im Jahr in Paris. Dorthin gehe ich, um Energien zu sammeln, um meine Bilder mit anderen Bildern zu vergleichen. In Paris bin ich ein Kritiker, ich kann dort nicht arbeiten: da ist zu viel Lärm, zu viel Ablenkung. Ich weiß, dass sich andere Maler an dieses Leben gewöhnen. Für mich war das immer schwierig.“5 (Pierre Bonnard, 24.6.1933)

Für Bonnard bot der Süden Frankreichs Rückzugsort und Motivschatz in einem. Er interpretierte seine Bilder als eine „Abfolge von Flecken, die sich untereinander verbinden, um schließlich den Gegenstand zu formen, den Teil, über den das Auge ohne Schwierigkeiten gleitet.“ (Bonnard in „The Studio“, IX, 50, Mai 1942) Für ihn waren Karo- und Schachbrettmuster wichtige strukturgebende Elemente, mit Hilfe derer er die Farben zum Leuchten bringen wollte. Gleichzeitig arbeitete er mit der Überforderung des Auges durch eine malerische Fülle.

 

 „Da ich sowieso zu drei Viertel Vegetarier bin, komme ich nicht vor Hunger um, und ich glaube sogar, dass es einem deshalb nicht schlechter geht. Was die Übersiedlung in ein Palasthotel betrifft, um dort ein wenig materiellen Wohlstand zu finden, so würde ich dabei alles verlieren, was die Basis meiner Arbeit ausmacht. Übrigens übersteigt dieses etwas raue Leben meine Kräfte nicht. Geldprobleme habe ich keine. […] Ich habe heute den ersten Mandelbaum in Blüte gesehen, und die Mimosen beginnen, ihre gelben Flecken auszubreiten.“ (Pierre Bonnard an Henri Matisse)

Auch den Zweiten Weltkrieg verbrachte Bonnard in Cannes. Hier verstarb fünf Jahre vor dem Maler seine Ehefrau, was diesen in großer Einsamkeit zurückließ. Auch Matisse verbrachte seine letzten Jahre im Rollstuhl, die örtliche Nähe (Nizza und Cannes) und die lebenslange gegenseitige Bewunderung führte zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch unter Künstlern. Zunehmend geht es in ihrer Korrespondenz um menschliche Anteilnahme. Um Pierre Bonnard und sein Werk blieb es jedoch stiller als um den Kollegen. Erst nach seinem Tod erhielt Bonnard große Retrospektiven, wurde seine Kunst international gesammelt. Zum Maler eines friedlichen bürgerlichen Milieus gestempelt, zu einem „Nachimpressionist“, dessen Bilder mit blühenden Gartenlandschaften und spielenden Kindern, Fensterausblicken und sinnlichen Akten in der Nachfolge Renoirs zu betören versuchen, hatte der Maler wenig Freunde unter den Kritikern gefunden. Ein Erbrechtsstreit (von Galerien befeuert) tat ein Übriges, das Werk des Künstlers erst jetzt breit der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

 

Literatur

  • Bonnard (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 28.2.–24.4.1994), München 1994.
  • Albert Kostenevich, Bonnard und die Nabis, New York 2005.
  • Pierre Bonnard (Ausst.-Kat. The Metropolitan Museum of Art, New York 27.1.–19.4.2009), New York 2009.

 

Pierre Bonnard Biografie (1867–1947)

1867 Am 3. Oktober 1867 wurde Pierre Bonnard in Fontenay-aux Roses geboren. Sein Vater, Eugène Bonnard, war Beamter im Kriegsministerium und stammte aus der Dauphiné; seine Mutter, Elisabeth Mertzdorff, war aus dem Elsass. Pierre Bonnard hatte zwei Geschwister: einen Bruder namens Charles und eine Schwester namens Andrée (1890 Heirat mit dem Musiklehrer und Komponisten Claude Terrasse).

1875–1885 Beuch der Lyceen Vanves, Louis-le-Grand und Charlemagne. Pierre Bonnard verbrachte die Ferien in Grand-Lemps in der Nähe der Côte Saint-André in der Dauphiné. Das Haus der Familie mit dem Namen „Le Clos“ wurde von Bonnard in diesen Jahren bereits häufig gemalt.

1885 Bonnard bestand das Abitur.

1886/87 Pierre Bonnard schrieb sich auf der juridischen Fakultät ein. Sein Vater bestimmte für ihn die Beamtenlaufbahn. Im Sommer malte er in Grand-Lemps eine Serie kleinformatiger Landschaften. Während seines Jus-Studiums schrieb sich Bonnard in Paris and er Académie Julian ein. Hier traf er Paul Sérusier, Maurice Denis, Gabriel Ibels und Paul Ranson.

1888 Im Oktober gründeten Sérusier, Bonnard, Vuilard, Roussel, Ibels, Ranson, Denis und René Piot die Gruppe „Nabis“ (hebräisch für die „Erleuchteten“ bzw. „Propheten“)

1889 Abschluss des Studiums als Jurist. Rückkehr in die Bretagne, wo Paul Sérusier seinen Freunden ein kleines Ölgemälde präsentierte, das er in Pont-Aven in der Manier von Paul Gauguin gemalt hatte. Pierre Bonnard wurde in der Ecole des Beaux-Arts aufgenommen, an der er ein Jahr lang studierte. Lernte an der Akademie Edouard Vuillard und Xavier Roussel kennen. Bonnard mietete sich sein erstes Atelier in der Rue La Chapelais aux Batignolles. Verkaufte einen Plakatentwurf an „France-Champagne“. Bonnard arbeitete zunächst im Meldeamt und später bei der Staatsanwaltschaft.

1890 Bonnard teilte sich ein Atelier in Rue Pigalle 28 mit Vuillard und Maurice Denis. Pierre Bonnard war sehr beeindruckt von den japanischen Holzschnitten, die in der Ecole des Beaux-Arts gezeigt wurden.

1891 Erste Ausstellungsbeteiligung im Salon des Indépendants und Veröffentlichung des Plakats „France-Champagne“, womit er Henri de Toulouse-Lautrec inspirierte, ebenfalls Plakate zu entwerfen. Aufgrund des großen Erfolgs dieser Arbeit gab Bonnard einen Brotberuf auf und widmete sich seiner künstlerischen Karriere. Malte Theaterdekorationen, entwarf Möbel, Stoffe und Paravents. Ausstellung mit den „Nabis“ in der Galerie Le Barc de Boutteville (Dezember). Erste Lithografien von Bonnard.

1892 Verschiedene Ausstellungsbeteiligungen, die von der Kunstkritik positiv besprochen wurden. Malerei und Lithografie sind Pierre Bonnards wichtigste Medien. Aufenthalt bei seinem Schwager Claude Terrasse in Arcachon; den Sommer verbachte Bonnard auf dem Land in Grand-Lemps.

1893 Erste Begegnung mit seiner späteren Lebensgefährtin Maria Boursin (1869–1942), die sich selbst Marthe de Méligny nannte. Ausstellung mit den „Nabis“ bei Le Barc de Boutteville. Bonnard malte erste Bilder von den Kindern seiner Schwester mit Claude Terrasse.

1894 Ausstellung mit den „Nabis“ bei Le Barc de Boutteville. Widmete sich in seiner Malerei hauptsächlich Szenen aus dem Leben in Paris. Erstes Porträt von Marthe. Entwürfe für die Zeitschrift „La Revue Blainche“, die 1891 gegründet worden war. Beginn der Freundschaft mit einem Leiter des Blattes, Thadée Natanson und dessen junger Frau Misia. Bonnard lernte den von ihm verehrten Odilon Redon kennen. Bonnard führte darüber hinaus eine rege Beziehung mit Toulouse-Lautrec.

1895 Schuf mehrere Lithografien für „La Revue Blanche“. Tod des Vaters Eugène Bonnard (22.11.).

1896 Zog in ein Atelier in den Batignolles. Erste Einzelausstellung in der Galerie Paul Durand-Ruel (Januar). Gemeinsam mit Sérusier arbeitete Bonnard an Theaterdekorationen für Alfred Jarrys Stück „Ubu Roi“ im Maison de l‘Œuvre mit Musik von Claude Terrasse. Illustrierte den Rom „Marie“ von Peter Nansen, der in „La Revue Blanche“ veröffentlicht wurde.

1897 Entwarf mehrere lithografische Folgen und Einzelblätter, u.a. für den Galeristen Vollard, wo die „Nabis“ ausstellten.

1898 Alfred Jarry und Claude Terrasse gründeten ein Puppentheater, für das Pierre Bonnard Marionetten modellierte. „Marie“ wurde als Buch publiziert. Pierre-Auguste Renoir wurde auf die Illustrationen Bonnards aufmerksam.

1899 Für den kleinen „Almanach du Père Ubu“ schuf Bonnard Illustrationen. Bei Vollard stellte er die Serie „Quelques aspects de la vie de Paris“ mit zwölf Farblithografien von Straßenszenen aus (zuvor in Öl gemalt). Gruppenausstellung der „Nabis“, Cross, Signac, Luce bei Durand-Ruel zu Ehren von Oilon Redon. Mietete ein Atelier in der Rue de Douais 65.

1900 Pierre Bonnard begann sich in diesem Jahr von der dunklen Farbigkeit und den Elementen des Jugendstils und des Symbolismus zu lösen. Verlaines „Parallèlement“ wurde von Vollard herausgegeben. Erste Gruppenausstellung mit den „Nabis“ in der Galerie Bernheim-Jeune. Maurice Denis schuf ein Gruppenbild der Nabis mit Odilon Redon, Roussel, Vuillard, Vollard, Mellério, Maurice Denis und Bonnard (Petit Palais, Paris).

1901 Ausstellungsbeteiligung mit neun Bildern im „Salon des Indépendants“. Im Frühjahr reiste er nach Montval, L’Etang-la-Ville, Vernouillet und Médan, um dort zu arbeiten (bis c. 1905)

1902 Ausstellungsbeteiligung mit sieben Bildern im „Salon des Indépendants“. Bernheim-Jeune präsentierte Bonnard mit Denis, Maillol, Roussel, Vallotton und Vuillard. Vollard gab das von Bonnard illustrierte Buch „Daphnis et Chloé“ heraus.

1903 Ausstellungsbeteiligungen im „Salon des Indépendants“ und im ersten „Salon d’Automne“. Bonnards Werke erweckten die Aufmerksamkeit des Schriftstellers André Gide. Teilnahme an einer Gruppenausstellung bei Druet; die letzte Nummer von „La Revue Blanche“ erschien.

1904 Einladung zum „Salon de l Libre Esthétique“ in Brüssel. Bonnard stellte bei den „Indépendante“ un zusammen mit Vuillard und Vallotton bei Bernheim-Jeune aus. Teilnahme am zweiten „Salon d’Automne [Herbstsalon]“. Lernte Henri Matisse kennen, der bei Vollard seine erste Ausstellung hatte. Bonnard illustrierte die „Histoires Naturelles“ von Jules Renard. Aufenthalte in l’Etang-la.Ville.

1905 Pierre Bonnard malte mehrere Akte und Porträts. Reise nach Spanien mit Vuillard. Im „Salon d’Automne“ stellte Henri Matisse „Luxe, calme et volupté [Luxus, Ruhe, Wollust]“ aus und verursachte mit den Künstlern des „Fauvismus“ einen Skandal.

1906 Einzelausstellung in der Galerie Vollard. Aufenthalt in Belgien und den Niederlanden auf der Yacht von Misia Natanson. Teilnahme am „Salon d’Automne“. Erste Einzelausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune (November), in der Pierre Bonnard von nun an regelmäßig seine neuesten Werke präsentierte.

1907 Umzug nach Vernouillet im Frühjahr. Reise nach England. Beteiligung an einer Gruppenausstellung bei Bernheim-Jeune.

1908 Reise nach Italien, Algerien und Tunesien (Anfang des Jahres)

1909 Bonnard zeigte 36 neue Bilder bei Bernheim-Jeune. Stellte im „Salon des Indépendants“ und im Brüsseler „Libre Esthétique“ aus. Besuch bei Henri Matisse in dessen Atelier in Issy-les-Molineaux (Sommer). Die Freundschaft zwischen Pierre Bonnard und Henri Matisse hielt bis zu Bonnards Tod. Erster längerer Aufenthalt in Südfrankreich, in Saint-Tropez bei Henri Manguin.

1910 Bonnard präsentierte 34 Bilder bei Bernheim-Jeune. Bezog ein neues Atelier am Quai Voltaire in Paris. Reiste erneut nach Saint-Tropez, wo Bonnard Paul Signac und Pierre-Auguste Renoir traf.

1911 Bonnard stellte bei Bernheim-Jeune 28 neue Bilder aus. Zahlreiche Besuche in Saint-Tropez zusammen mit Signac. Mietete ein neues Atelier in der Rue Tourlaque 22. Der freiheitsliebende Bonnard kaufte sich ein Auto.

1912 Reise nach Grasse. Es fällt auf, dass Pierre Bonnard begann, sich nicht mehr länger in Paris aufzuhalten. Mietete ein Haus in St. Germain-en-Laye, wo auch Maurice Denis wohnte. Erwarb die Villa „Ma Roulotte“ in Veronnet bei Giverny, wo Claude Monet lebte (August).

1913 Reise mit Vouillard nach Hamburg. Bonnards Beitrag zum „Salon d’Automne“ wurde vom Kritiker und Fürsprecher der Kubisten, Guillaume Apollinaire, erwartungsgemäß negativ beurteilt. Nach eigener Aussage löste das eine Krise im Schaffen von Pierre Bonnard aus, die bis etwa 1915 anhielt. Rückkehr zu Zeichnung und Komposition.

1914 Arbeitete zu Beginn des Jahres in Saint-Tropez. Entwarf ein Plakat für die „Ballets Russes“. Arbeitete vor allem an Porträts und Akten.

1915 Bonnard verbrachte die meiste Zeit des Jahres in St. Germain-en-Laye und in Vernon. Arbeitete vor allem an Frauenbildnissen und Akten.

1916 Die Galerie Bernheim-Jeune beauftrage Pierre Bonnard mit vier großen Gemälden – so genannten „Panneaux décoratifs“, die bis 1920 vollendet wurden. Besuchte die Freunde Hahnloser-Bühler in Winterthur, wo er mit 16 Bildern an einer Ausstellung französischer Kunst beteiligt war (November).

1917 Bonnard verbrachte mehrere Monate in Cannes. Stellte bei Bernheim-Jeune zwei der „Panneaux décoratifs“ und neuen Gemälde aus.

1918 Arbeitete in Vernon und in Uriage. Aufenthalt in Antibes im Winter.

1919 Veröffentlichung von Léon Werth und François Fosca über Bonnard erschien. Tod von Pierre Bonnards Mutter Elisabeth (16.3.). War mit drei Bildern am „Salon d’Automne“ vertreten.

1920 Bonnard besuchte Arcachon und Saint-Honoré-les-Bains. Entwarf Theaterdekorationen und „Jeux“, eine Ballettdichtung von Nijinsky mit Musik von Claude Debussy. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte Pierre Bonnard seinen reifen künstlerischen Stil. Bonnards Lebensgefährtin Marthe entwickelte eine fragile Gesundheit (Bronchienerkrankung bis Lungentuberkulose; Weltverbesserungsidee mit moralisch-ethischen Vorstellungen) und versuchte Bonnard auch von alten Freunden und Sammlern zu isolieren.

1921 Reiste nach Saint-äTropez und nach Rom, wo er sich zwei Wochen aufhielt. Bernheim-Jeune präsentierte 24 große Bilder von Pierre Bonnard. Aufenthalte in Luxeuil und Saint-Gervais-les-Bains. Bonnard begleitete seine kränkliche Frau auf verschiedene Sommerfrischen.

1922 Reise nach Cannes und Arcachon.

1923 Bonnard malte zahlreiche Stillleben. Tod von Claude Terrasse (30.6.). Präsentierte im „Salon d’Automne“ drei Bilder, die mit großer Begeisterung aufgenommen wurden.

1924 Die Galerie Druet richtete Pierre Bonnard eine erste Retropsektive mit 68 Bildern aus.

1925 Bonnard kaufte in Le Cannet die Villa „Le Bosquet“, die sein Wohnsitz in Südfrankreich ist. Hochzeit mit Marthe.

1926 Stellte sechs Bilder bei der Retrospektive der „Indépendants“ aus. Wurde Mitglied der Carnegie-Jury. Reisen nach Pittsburgh, Philadelphia, Washington, New York und Chicago. Ausstellung mit 20 Bildern bei Bernheim-Jeune.

1927 Veröffentlichung einer großen Monografie über Pierre Bonnard, verfasst von seinem Neffen Charles Terrasse. Der Künstler hatte daran selbst mitgearbeitet.

1928 Erste große Einzelausstellung mit 40 Gemälden bei de Haucke in New York. Ausstellung bei Bernheim-Jeune (November).

1929 Beteiligte sich an einer Ausstellung über französische Kunst im Palais des Beaux-Arts in Brüssel.

1930 Präsentierte sieben Bilder in der Ausstellung „Painting in Paris“ im Museum of Modern Art in New York. Mit sieben Bildern in der Ausstellung französischer Kunst an der Königlichen Akademie in Bristol vertreten. Hielt sich im Herbst für einige Monate in Arcachon auf.

1931 Arbeitete in Arcachon, Paris, Vernon und Le Cannet.

1932 Gemeinsam mit Vuillard große Ausstellung im Kunsthaus Zürich.

1933 Bonnard hatte 1933 zwei wichtige Ausstellungen bei Bernheim-Jeune und in der Galerie Braun. Arbeitete im Herbst in Lau Baule.

1934 Erste Aufenthalte an der Kanalküste (Bénerville-sur-Mar, Trouville, Deauville). Zeigte 44 Bilder in der Galerie Wildenstein in New York.

1935 Teilnahme an der Ausstellung „Artistes de Paris“ in Brüssel. Bonnard arbeitete meistens in Deauville. Kurzer Aufenthalt in London.

1936 Wurde zum Mitglied der Académie Royale de Belgique gewählt. Bonnard erhielt den zweiten Preis beim internationalen Wettbewerb des Carnegie-Instituts in Pittsburgh. Zeigte 19 Bilder in einer gemeinsamen Ausstellung mit Vuillard bei Paul Rosenberg in Paris.

1937 Entwarf eine Wanddekoration für das Palais Chaillot in Paris. Aufenthalte in Deauville, wo er Ingrid Rydbeck ein bedeutendes Interview für die Zeitschrift „Konstreuvue“ in Stockholm gab. Große Ausstellung im Petit Palais in Paris: „Les Maîtres de l’Art Indépendant 1895–1937“. Pierre Bonnard war hier mit 33 Bildern vertreten.

1938 Aufenthalte in Le Cannet und Deauville. Im Dezember präsentierte das Art Institute in Chicago wichtige Ausstellungen zu Bonnard und Vuillard.

1939 Bonnard wurde zum ausländischen Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Stockholm gewählt. Regelmäßige Aufenthalte in Trouville. Im September verließ das Ehepaar Bonnard Paris und siedelte für die Dauer des Krieges nach Südfrankreich, Le Cannet.

1940 Bonnard lebte zurückgezogen in der Villa Le Bosquet. Rege Korrespondenz mit Henri Matisse und Vuillard, der in diesem Jahr starb. Für seine Verdienste wurde er als Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts (Hon. RA) aufgenommen.

1941 Die Galerie Pétridès zeigte zwölf Bilder von Bonnard, vor allem Stillleben.

1942 Tod von Marthe Bonnard (26.1.).

1943 Wichtige Interviews mit Marguette Bouvier für „Comoedia“ und mit André Giverny für „La France Libre“. Die Galerie Pétridès zeigte 18 Bilder von Bonnard.

1944 Ausstellung des lithografischen Werks von Pierre Bonnard bei Pierre Berès.

1945 Pierre Bonnard kehrte nach Paris zurück. Zeigte in einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Fontainebleau 19 Bilder. Die Werke aus Privatbesitz waren während des Kriegs im Schloss in Sicherheit gebracht worden. Bonnards Nichts Renée Terrasse kehrte mit dem Maler nach Le Cannet zurück und blieb an seiner Seite.

1946 Einzelausstellung mit 34 Bildern aus der Zeit von 1898 bos 1945 bei Bernheim-Jeune. Lernte bei Louis Carré André Lhote, Jacques Villon, Chagall und Jean Bazaine kennen. Arbeitete im Herbst erneut in Paris und Fontainebleau. Teilnahme an der Ausstellung „Le noir es tun couleur“ bei Aimé Maeght in Paris.

1947 Am 23. Januar 1947 starb Pierre Bonnard in Le Cannet.

 

Pierre Bonnard: Bilder

  • Pierre Bonnard, Die Familie im Garten (Grand-Lemps), um 1901, Öl auf Leinwand, 109,5 x 127,5 cm (Kunsthaus Zürich)
  • Pierre Bonnard, Abend im Wohnzimmer, 1907, Öl auf Leinwand, 42,5 x 73,4 cm (Privatbesitz)
  • Pierre Bonnard, Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund, um 1909, Öl auf Leinwand, 60 x 65 cm (Städel Museum, Frankfurt, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.)
  • Pierre Bonnard, Die Obstschale, 1914, Öl auf Karton, 46 x 37,5 cm (Privatbesitz)
  • Pierre Bonnard, Die Milchschüssel, um 1919, Öl auf Leinwand, 116,2 x 121 cm (Tate, London 2017)
  • Pierre Bonnard, Frau, aus dem Bad steigend, um 1925, Öl auf Leinwand, 110 x 94,9 cm (Jeff & Mei Sze Greene Collection)
  • Pierre Bonnard, Das Fenster, 1925, Öl auf Leinwand, 108,6 x 88,6 cm (Tate, London)
  • Pierre Bonnard, Terrasse in Südfrankreich, um 1925, Öl auf Leinwand, 78 x 63 cm (Collection Fondation Glénat, Grenoble)
  • Pierre Bonnard, Selbstporträt, 1930, Bleistift und Gouache auf Papier, 65 x 50 cm (Privatbesitz)
  • Pierre Bonnard, Akt vor dem Spiegel, 1931, Öl auf Leinwand, 152 x 102 cm (Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia)
  • Pierre Bonnard, Mimosenstrauß, um 1945, Öl auf Leinwand, 62 x 68 cm (Privatbesitz)
  • Pierre Bonnard, Der Arbeitstisch, 1926/37, Öl auf Leinwand, 121,9 x 91,4 cm (National Gallery of Art, Washington)
  • Pierre Bonnard, Die sonnige Terrasse, 1939–1946, Öl auf Leinwand, 71 x 236 cm (Privatbesitz)
  1. Zitiert nach: Antoine Terrasse, Matisse und Bonnard – Vierzig Jahre Freundschaft, in: Bonnard (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 28.2.–24.4.1994), München 1994, S. 34–43, hier S. 37.
  2. Für Matisse spielte er eine „wesentliche Rolle im Kampf gegen die Formlosigkeit des Impressionismus“.
  3. Zitiert nach Bonnard (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 28.2.–24.4.1994), München 1994, S. 337.
  4. Margit Hahnloser-Ingold, Bonnard, in: Ebenda, S. 31.
  5. Zitiert nach Ebenda, S. 38.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.