Heidi Horten Collection, Foto Rupert Steiner, © Heidi Horten Collection
Nach knapp zwei Jahren Bauarbeiten eröffnet das neue Privatmuseum von Heidi Goëss-Horten in der Wiener Innenstadt am 3. Juni 2022! Für die Sammlungspräsentation haben the next ENTERprise architects das ehemalige erzherzogliche Kanzleigebäude mit ambitionierter Architektur zu einem zeitgenössischen Museum umgestaltet. Unter dem Titel OPEN werden Besucher:innen diese Verbindung von Alt und Neu erstmals erleben können.
Das Museumsprojekt, das wie die Sammlung aus privater Initiative entstanden ist, stellt einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Heidi Horten Collection dar und wurde in der Kunstwelt mit Spannung erwartet. Nachdem Heidi Goëss-Horten Teile ihrer umfangreichen Kollektion mit Meisterwerken von der Klassischen Moderne bis zur Pop Art und zeitgenössischen Kunst 2018 im Wiener Leopold Museum präsentiert hatte (→ Heidi Horten Collection im Leopold Museum: von Klimt, Chagall, Warhol bis Basquiat), gab das überwältigende Publikumsinteresse den Anstoß dazu, die umfangreiche Sammlung für künftige Generationen zu bewahren und mit der Gesellschaft zu teilen.
Agnes Husslein-Arco, Direktorin der Heidi Horten Collection, betont:
„Mit dem Bau ihres neuen Museums hat Heidi Goëss-Horten einen Schritt in eine kulturelle Zukunft gemacht, in der ihre Sammlung den Kanon öffentlicher Kunstgeschichte mit beeinflusst. Es stellt eine Bereicherung der Museumslandschaft ihrer Heimatstadt Wien dar und ist zugleich eine vollkommen neue Entfaltungsmöglichkeit für diese exquisite Collection. Heidi Goëss-Horten reiht sich damit in eine Tradition von Sammlerinnen ein, die durch ihre Vision Orte für die öffentliche Auseinandersetzung mit Kunst geschaffen haben.“
Das vormals unscheinbare Gebäude im Inneren des Hanuschhofs wandelt zum unverwechselbaren Ort der Kunst. Nahezu ein Jahrhundert lang verschiedenen Zwischennutzungen zugeführt, erwarb Heidi Goëss-Horten das Gebäude 2019 und beauftragte die Wiener Architekt:innen the next ENTERprise Architects, unter der Leitung von Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Ernst J. Fuchs, die bestehende Architektur den Anforderungen eines modernen Ausstellungshauses anzupassen. Nach 20-monatiger Bauzeit, in welcher der Ursprungsbau entkernt und ein Kellergeschoss hinzugefügt wurden, empfängt das Museum seine ersten Besucherinnen und Besucher in einem lichten Raum, in den zwei wie schwebend wirkende Ausstellungsebenen eingezogen sind. Die Ausstellungsflächen sind gegeneinander versetzt, wodurch sich immer wieder andere, überraschende Raumeindrücke ergeben.
Drei Ausstellungsebenen, die durch freischwebende Treppen verbunden sind, bieten auf rund 1.500 m2 großzügige Ausstellungsflächen. Ein Atelier mit Terrasse ist kreativen Vermittlungsaktivitäten gewidmet, sind sie doch Heidi Goëss-Horten ein großes Anliegen. Ein besonderer Ort im Museum mit historischem Bezug ist der Tea Room: Gestaltet von den Künstlern Markus Schinwald und Hans Kupelwieser, lädt er Besucher:innen ein, in den Kosmos der Sammlerin einzutauchen und nach dem Museumsbesuch zu entspannen. Ein kleiner Museumsgarten eignet sich zur Aufstellung von Skulpturen der Sammlung und bildet eine unerwartete Ruheinsel im Getriebe der Stadt.
Die Architektur des Hauses steht unumwunden im Mittelpunkt dieser Eröffnungsausstellung und lässt rund dreißig ausgewählte Werke der Heidi Horten Collection erstrahlen. Die Arbeiten geben exemplarisch Einblick in die über Jahrzehnte gewachsene und weiterentwickelte Sammlung von Heidi Goëss-Horten, darunter ein hoher Anteil an Neuerwerbungen zeitgenössischer Kunst. Deutlich werden die Offenheit und Vielfalt der Sammlung, die dem vielseitigen Interesse und der Begeisterung der Kunstsammlerin Rechnung tragen. Gleichzeitig lässt diese erste Präsentation aber auch erste künstlerische wie thematische Schwerpunktsetzungen erkennen.
Das Museum eröffnet mit der Ausstellung „OPEN“ und rückt dabei die außergewöhnliche Architektur des Hauses in den Fokus, lässt Besucher:innen die neuen Räumlichkeiten erleben und setzt das Gebäude mit ausgewählten Skulpturen, Lichtarbeiten und Installationen wirkungsvoll in Szene. Die gezeigten Werke demonstrieren die Weiterentwicklung der Sammlung mit Blick nach vorne, der in der Erweiterung um neue mediale Formate und junge, zeitgenössische Positionen Ausdruck findet.
Die Ausstellung gliedert sich in drei Kapitel. Das erste fokussiert auf die Lichtarbeiten der Sammlung – ein kleines, aber hochkarätiges Konvolut, das 2001 mit dem Ankauf eines Objekts aus Neonröhren von Dan Flavin seinen Anfang nahm. Ein weiterer Bereich befasst sich mit Schrift als Phänomen, das sowohl in klassischen Gemälden wie auch in Leuchtarbeiten der Sammlung originärer Bestandteil des Kunstwerkes ist. Ein drittes Kapitel schließlich widmet sich Arbeiten der Sammlung, die von der existenziellen Auseinandersetzung des Menschen im Spannungsfeld von physischer Außenwelt und seelischem Innenleben erzählen sowie seinem Verhältnis zu Tier und Natur nachspüren.
Mit Werken von John M Armleder, Stephan Balkenhol, Jean-Michel Basquiat, Alighiero Boetti, Philippe Bradshaw, Barry Flanagan, Dan Flavin, Lucio Fontana, Lena Henke, Damien Hirst, Joseph Kosuth, Brigitte Kowanz, Claude und François-Xavier Lalanne, Constantin Luser, Ulrike Müller, Tim Noble & Sue Webster, Nick Oberthaler, Stefan Oláh, Marc Quinn, Robert Rauschenberg, Lili Reynaud-Dewar, Margherita Spiluttini, Philipp Timischl, Not Vital, Franz West, Erwin Wurm.
Die erste Themenausstellung widmet sich ab Herbst 2022 der Museumsgründerin selbst und stellt einen wesentlichen Gesichtspunkt ihrer Sammlung in den Fokus: Frauenbildnisse und Aspekte von Weiblichkeit. Im Mittelpunkt steht dabei die Mode, das beherrschende Modell für den Zeitgeist, die Gesellschaft und ihren Wandel. Der österreichische Designer Arthur Arbesser inszeniert ausgewählte Haute Couture aus dem Besitz Heidi Goëss-Hortens neben Werken von Kees van Dongen, August Macke und Andy Warhol sowie zeitgenössischen Ergänzungen von Sylvie Fleury, Lena Henke, Birgit Jürgenssen, Michèle Pagel und anderen.
Hauptaufgabe des neuen Museums wird es sein, die Sammlung in all ihren unterschiedlichen Facetten erlebbar zu machen und Sonderausstellungen zu sammlungsinhärenten Themen zu präsentieren. Mit dem Museum der Heidi Horten Collection wird das kunst- und kulturaffine Wien um einen weiteren Höhepunkt bereichern.
Quelle: Heidi Horten Collection