Adolf Loos

„Ich bin ein gegner jener richtung, die etwas besonders vorzügliches darin erblickt, daß ein gebäude bis zur kohlenschaufel aus der hand eines architekten hervorgehe. Ich bin der meinung, daß das gebäude dadurch ein sehr langweiliges aussehen erhält.“1 (Adolf Loos, Die Interieurs in der Rotunde, in: Neue Freie Presse, 12. Juni 1898)

Adolf Loos' Möbel

Überbordende Kreativität und weniger eng gesetzte Grenzen, was die Ästhetik anlangt, so könnte man Adolf Loos‘ Möbelgestaltung kursorisch beschreiben. Noch vor dem komplett erhaltenen Herrenzimmer aus der Wohnung Georg Roy (um 1901/04) belegte der Wiener Architekt mit einer Reihe von Sitzmöbeln seinen offenen Zugang zur Formfindung. Offensichtlich dachte Adolf Loos Sessel und Knieschwinger, Tische, Korbarmlehnstühle und ägyptische Hocker hauptsächlich von ihrer Bequemlichkeit her – auch wenn der tiefe Schwerpunkt der Sessel zu Problemen beim Aufstehen führen dürften!

Das Herrenzimmer aus der Wohnung Georg Roy zeigt auch, wie heterogen die Sitzmöbel in einer Loos’schen Inneneinrichtung sein konnten: Eine Chesterfield-Sitzbank und ein Fauteuil, ein Fanback-Stuhl und ein Ägyptischer Hocker sind im gesamten Raum dicht verteilt. Loos Maxime war, als Architekt und Innendesigner wäre er nur für die Einbaumöbel bzw. Wandverkleidung verantwortlich.

Nichtsdestotrotz konnte er 1907 seine Anhänger während einer „Wohnungswanderung“ durch eine Reihe von Liegenschaften führen, die er in den acht Jahren seines Wirkens eingerichtet hatte. Die Briten, so war sich Loos sicher, hätten eine besondere Begabung, bequeme Sitzmöbel zu entwerfen, weshalb er sich (schamlos) an englischen Entwürfen bediente. Denn Loos erwarb nicht etwa originale Stücke, die seine Einrichtungen ergänzten, sondern ließ sie von seinen Handwerkern nach eigenen Entwürfen in der Art etwa von Thomas Chippendale, Leonard F. Wyburd oder Liberty’s London kopieren.

Beiträge zu Adolf Loos

24. Februar 2020
Adolf Loos, Haus Josephine Baker, Paris XVI, Avenue Bugeaud, Frankreich (Projekt für den Um- und Zusammenbau zweier bestehender Häuser), 1927, Modell (© ALBERTINA, Wien)

Wien | MAK: Adolf Loos. Privathäuser

Adolf Loos– Hoffmanns Gegenpol und ebenfalls im Dezember 1870 geboren – widmet das MAK die in Kooperation mit der Albertina entwickelte Ausstellung „ADOLF LOOS. Privathäuser“.
11. Dezember 2017
Hoffmann, Wagner, Loos © SKB, Edgar Knaack

Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos: Möbel für die Moderne Raumkunst und Möbeldesign in Wien 1900

Otto Wagner (1840–1918) gilt als der „intellektuelle Urheber“ der Wiener Moderne, wandelte er sich vom anerkannten Architekten der Ringstraßen-Zeit und des Historismus zum Anführer der Modernen unter der Fahne seines „Nutzstils“. Seine „Nachfolger“ Josef Hoffmann und Adolf Loss konnten nicht unterschiedlicher sein, der eine ein Ästhet, der andere ein Praktiker.
17. Januar 2017
Emanuel Josef Margold, Deckelvase, vor 1916; farbloses Kristallglas mit roten Auflagen, Glasschnitt, Ausführung: Carl Schapel, Haida (Nový Bor, CZ) (© MAK/Georg Mayer)

Wiener Glaskunst des Jugendstil und Art Deco Glasdesign von Hoffmann bis Loos

Wiener Glaskunst des Jugendstil und Art Deco wurde vielfach von Architekten gestaltet, die dem Material völlig neue Qualitäten abringen konnten, bzw. sich bisweilen auch an historischen Glasentwürfen orientierten.
15. Januar 2015
MAK-Ausstellungsansicht, 2014, WEGE DER MODERNE. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen, MAK-Ausstellungshalle © Peter Kainz/MAK

Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen Wege der Moderne

Zwei Schlafzimmer stehen im Zentrum der Ausstellung „Wege der Moderne“, die Christian Witt-Dörring und Matthias Boeckl anlässlich des 150. Geburtstags des MAK kuratierten. Jenes von Josef Hoffmann für Johanna und Dr. Johannes Salzer (1902) und Adolf Loos‘ Entwurf für die eigene Wohnung (1903). Der Sinnlichkeit seines Kontrahenten, der gekonnt mit (erotisch aufgeladenen) Materialien spielte und jedes neuerfundene Ornament ausschloss, hatte Hoffmann perfekt aufeinander abgestimmte Einrichtungsgegenstände entgegenzusetzen.
  1. Zit. n. Adolf Loos, Ins Leere gesprochen, 1921.