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Georgia O’Keeffe Leben & Bilder zwischen Abstraktion und Figuration

Georgia O’Keeffe, From the Faraway, Nearby [Aus der Ferne, nah)], 1937, Öl auf Leinwand 91,4 x 101,9 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Foto: © BKP/ The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon)

Georgia O’Keeffe, From the Faraway, Nearby [Aus der Ferne, nah)], 1937, Öl auf Leinwand 91,4 x 101,9 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Foto: © BKP/ The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon)

Georgia O’Keeffe (1887–1986) ist berühmt für ihre frühen Abstraktionen, „vulvaförmigen Blumen“ (dieser Deutung widersprach die Künstlerin genauso vehement wie erfolglos). Sie ist eine Ikone der Frauenbewegung und weltweit anerkannte Malerin von Stillleben und Landschaften aus der Wüste von New Mexico. Das Bank Austria Kunstforum zeigt eine würdige Retrospektive, die der Künstlerin mit schwacher Gesundheit und unzähligen Ehrungen, der Ehefrau des Fotografen Alfred Stieglitz (1864–1946) und Vorkämpferin in Sachen Anerkennung weiblicher Kreativität gerecht wird. Innerhalb nur einer Dekade hatte sie die Männerdomäne Kunst erobert und war Ende der 1920er Jahre bereits zu einer der anerkanntesten Künstlerinnen ihrer Zeit avanciert. Diese Stellung behielt sie bis zu ihrem Tod mit 98 Jahren. Einhundert Jahre nach ihrem Debut in Stieglitz‘ Galerie 291 ehren London, Wien und Toronto die bedeutende Malerin und die Etablierung der „großen, ruhigen, ambivalenten Bildräume in der amerikanische Malerei“1.

 

Frühe Abstraktionen

Im Jahr 1916 stellte ihr späterer Ehemann Alfred Stieglitz die 1887 geborene Malerin erstmals in seiner legendären New Yorker Galerie 291 aus. Die Begegnung zwischen den beiden war von ihrer Leidenschaft für Kunst getragen. Ihre Freundin und Studienkollegin Anita Pollitzer hatte erste abstrakte Kohlezeichnungen der inzwischen als Kunstlehrerin am Columbia College in South Carolina arbeitenden O’Keeffe ohne deren Wissen Stieglitz gezeigt. Die seit Oktober 1915 entstandenen Blätter waren teilweise von den Lehren Arthur Wesley Dows (1857–1922) und Wassily Kandinskys („Über das Geistige in der Kunst“, 1911, 1914 englische Übersetzung) inspiriert. Wie bei Kandinsky spielt Synästhesie auch bei O’Keeffe eine entscheidende Rolle. Bereits ein Jahr später hatte sie ihre erste Einzelausstellung mit Kohlezeichnungen und Aquarellen in der Galerie, und Stieglitz förderte seine spätere Ehefrau O’Keeffe zeitlebens.

Ausgangspunkte für diese Abstraktionen waren Landschaftserlebnisse oder das Hören von Musikstücken. Ergänzend dazu fand die junge Malerin Inspiration in den Fotografien von Paul Strand (1890–1976) und Edward Weston (1886–1958), bzw. beeinflusste ihrerseits Weston. Deren direkte Aufnahmen von alltäglichen Dingen oder Licht-Schatten-Spiel (straight photography) boten wichtige Bezugspunkte für O‘Keeffes abstraktes Werk. Schön früh zeigt sich, dass Georgia O’Keeffe offenes Land, die „amerikanische“ Weite liebte und als Inspirationsquelle nutzte. Sich in der freien Natur zu bewegen, bedeutete für O’Keeffe immer viel, war essentiell für ihre Kunst. Auch als sie nach New York übersiedelte, nahm die Künstlerin diese Eindrücke aus dem Westen von Texas, wo sie als Kunstlehrerin gearbeitet hatte, mit. Die „Idee, dass Musik in etwas für das Auge übersetzt“ werden könnte, faszinierte die junge Malerin nachhaltig. Die Verbindung von Musik und Malerei bestand für sie in der Vermittlung von mächtigen Emotionen, die völlig unabhängig von Abbildung und Wiedergabe im repräsentativen Sinn existierte. Eine weitere Überzeugung zeigt sich in frühen Abstraktionen wie „Music – Pink and Blue“, das mit seinen ondulierenden, an- und abschwellenden Formen die Verbindung von Aura und Sichtbarkeit, von Rhythmus und Harmonien suggeriert.

Die frühesten Arbeiten sind Kohlezeichnungen und Aquarelle. Erst nachdem sie nach New York übersiedelt war, griff sie beherzt zur Ölfarbe, die neben dem Pastell das wichtigste Material ihrer Gemälde wurde. Die mit stark verdünnten Farben in lasierenden Schichten gemalten Bilder zeigen in feinen Abstufungen Abstraktionen, in die Schichten von Papierblättern, Blumendetails, Architektonisches (wie Torformen) hineininterpretiert werden können. „Vom See, Nr. 1“ (1924) oder „Naturformen -Gaspé [Quebec]“ (1932) transponieren Naturerfahrungen in dynamisch-abstrakte Formen. Die Serie von Herbstbäumen, die organischen Formen der Bäume in vitalistische, „biologisch-kosmische Bildarchitekturen“[[Bice Curiger, S. 2.]] verwandelt, scheint sie die Erfindung der Abstraktion durch Piet Mondrian neu zu durchlaufen, während gleichzeitig das rosa und erfrischend künstlich pinke Gemälde „Eichenlaub, rosa und grau“ (1929) oder „Dark Iris Nr. 1“ (1927) durch malerische Finesse und koloristische Subtilität duftige Farb-Erlebnisse garantieren.

 

Georgia O’Keeffe und Alfred Stieglitz

 

„Meine erste Erinnerung an Alfred Stieglitz ist von einem Tag im Jahr 1908, als … ich mit zwei oder drei anderen Studenten in die 291 Galerie ging, um die Zeichnungen von Rodin zu sehen … wo eine neue Art von Kunst gezeigt wurde – und es war der einzige Ort in New York, wo man so etwas sehen konnte.“2 (Georgia O’Keeffe)

 

Zeit seines Lebens war der Fotograf Alfred Stieglitz auch Galerist, um moderne Kunst, so wie er sie verstand, in Amerika bekannt zu machen. Bis zu seinem Tod unterstützte Alfred Stieglitz O’Keeffe als Kunsthändler und Publizist, stellte nahezu jedes Jahr eine Ausstellung von ihr zusammen. Eine Reihe von Porträts der angehenden Künstlerin dokumentiert ab 1917 das inzwischen intim gewordene Verhältnis. Ein Jahr später zogen sie zusammen. Sieben Jahr später (1924) heiratete das Paar. Da bei Stieglitz‘ Tochter Kitty ein Jahr zuvor nach einer postnatalen Depression eine Schizophrenie diagnostiziert worden war, entschied sich der berühmte Fotograf und Galerist keine Kinder mehr haben zu wollen. In den Jahren bis 1937, als der Grand homme der amerikanischen Fotografie und Propagator der modernen Kunst seine Kamera ablegen musste, entstanden mehr als 300 Fotografien von O’Keeffe. Der Fotograf hatte mit seiner Künstlergattin seinen Traum eines zwanzigjährigen „visual essay“3 (Barbara Buhler Lynes) realisiert, in dem er die „Natur der Frau“ zu analysieren hoffte. Über den Anteil O’Keeffes an der Fotostrecke streiten die Expertinnen und Experten bis heute. Meinungen reichen von völliger Selbsthingabe und Kontrolle durch Stieglitz bis zur Co-Autorschaft der Malerin. Da keiner von beiden sich je darüber geäußert hat, sind die Tore der Interpretation weit geöffnet.

Doch auch Ansel Adams und Arnold Newman nahmen regelmäßig Porträts der bekannten Künstlerin auf, so dass sie bei ihrem Ableben wohl die am häufigsten fotografierte Künstlerin der Vereinigten Staaten war.

 

 

Vergrößerte Blüten und Stadtansichten von New York

Ab den frühen 1920er Jahren hielt sich Georgia O’Keeffe mit Alfred Stieglitz am Lake George auf, wo erste abstrahiert-figurative Landschaftsbilder entstanden. Die Malerin nutzte den Spiegeleffekt, starke Stilisierung, Symmetrie und künstliche Farben, um die Wahrnehmung auf die Probe zu stellen. Nicht das Gegenüber abmalen und eine Kopie dessen erstellen, sondern ihre Empfindungen in Farben und Formen zu gießen, war Georgia O’Keeffes Ziel.

Mitte der 1920er Jahre entdeckte Georgia O’Keeffe die Blumenmalerei für sich. Im Gegensatz zu traditionellen Blumenstillleben nutzte sie ein Close-up, formatfüllende Blüten und großformatige Leinwände. Mit diesen Entscheidungen verschob sie den Fokus von Blume in ihrer mehr oder weniger sichtbaren Gesamtheit zur Blüte, den Staubgefäßen, Fruchtstempel und den Blütenblättern. Damit einher geht eine scheinbare symbolische Aufladung der Blüten.

 

„Ich weiß, es ist ungewöhnlich, dass ein Künstler ganz oben in der Nähe des Dachs eines großen Hotels inmitten einer lärmenden Stadt arbeiten will, aber ich glaube, das ist genau das, was der Künstler von heute als Anreiz benötigt. […] heute ist die Stadt größer, großartiger, komplexer als je zuvor in der Geschichte.“

 

Ansichten von New York begannen ab 1925 ihr Werk zu bestimmen. Auslöser dafür waren sowohl die Begeisterung der Künstlerin für die wachsende Metropole wie auch der Umzug des Ehepaares in das 34-stöckige Shelton Hotel, das erste Hotel in einem Wolkenkratzer. Georgia O’Keeffe und Alfred Stieglitz lebten zwischen 1925 und 1936 in dem 1924 eröffneten Hotel in Midtown Manhattan im 30. Stock. Während der zweiten Hälfte der 1920er Jahre malte O’Keeffe trotz zweifelnden Männern in ihrer Umgebung (incl. ihres Ehemannes) die Straßen von New York mit ihren neuen Hochhäusern wie auch den Ausblick auf den East River, Long Island City und Queens. Die Wolkenkratzer stehen im starken Kontrast zu den organischen Formen der Blumen, so mancher Lichtreflex an den Fassaden stört auf betörende Weise deren Geometrie. Die Perspektiven sind kühn gewählte Blicke nach oben, die überraschende Himmelsausschnitte ergeben. Beleuchtete Fensterbänder und noch heller strahlenden Straßenlaternen machen die Nacht langsam zum Tag. Die Stadt, die niemals schläft, wird gerade geboren. Der glitzernden Metropole stellte Georgia O’Keeffe aber auch den Blick auf das industrialisierte Umfeld von Manhattan entgegen, indem sie den Ausblick ihrer Wohnung auf den East River und Queens zeigte. Die kühlen Farben und die rauchenden Industrieschlote können als Zeichen für die zunehmende Ablehnung des modernen Stadtlebens gedeutet werden.

Dem zeitgenössischen Städtebau mit den himmelwärts strebenden Türmen setzte O’Keeffe Bilder des ruralen Amerika gegenüber: „Fenster und Tür eines Bauernhauses“ (1929, The Museum of Modern Art) zeigen bereits eine Form der Reduktion, die alle erzählerischen Details hinter sich lässt und die Kuratorin Heike Eipeldauer an Hard-Edge-Malerei bzw. Minimalismus denken lässt. Das Holzhaus steht am Lake George nördlich von New York, wo die Familie Stieglitz ihre Ferien verbrachte. Der Kreis rund um Alfred Stieglitz wollte dem Konsumismus und der Industrialisierung das Gegenmodell eines ursprünglichen Amerika entgegensetzen. Der Black Friday und die daran anschließende Weltwirtschaftskrise versetzten der erfolgsverwöhnten New Yorker Gesellschaft einen veritablen Dämpfer. Die Künstlerin reagierte darauf mit ihrem Umzug in den Süden.

 

 

Sexualisierte Blumen

 

„wahrscheinlich die lebendigsten und schamlosesten privaten Dokumente, die es gibt, mit Sicherheit in der Malerei, und wahrscheinlich auch in jeder anderen Kunst“4 (Georgia O’Keeffe 1976)

 

Der Norden von New Mexico stellte für die Malerin ab 1929 einen nie versiegenden Quell an landschaftlichen und architektonischen Motiven bereit. Im Jahr 1934 entdeckte O’Keeffe in Abiquí eine Ranch umgeben von 21.000 Hektar Land, die als Ghost Ranch bekannt wurde. Auch wenn Georgia O’Keeffe erst zwanzig Jahre später als über Sechzigjährige (1949) ihren Wohnsitz in den Südwesten verlegte, so widmete sie sich schon in den Jahrzehnten davor mit großer Hingabe den Sujets, die sich ihr hier boten: von der Sonne gebleichte Knochen, Kirchen, „Patios“ und immer wieder zerklüftete Berge bzw. bunte Felsen. Der amerikanische Südwesten wurde durch O’Keeffe erstmals mit einem weiblichen Blick analysiert und dem Kunstpublikum vorgestellt. Zunehmend sind O’Keeffes Bilder, deren Titel die dargestellten Dinge einfach benennen, an der Schwelle zwischen Figuration und Abstraktion angesiedelt. Im Bank Austria Kunstforum hängen im großen Raum daher frühe Abstraktionen und figurative Darstellungen mit diesem gewissen Kippeffekt einander gegenüber. Allein die Serie „Pelvis [Becken]“ zeigt dieses Spiel mit der Wahrnehmung, springt das Sujet doch zwischen einem blauen, dreidimensionalen Etwas und, sobald man des Bildtitels gewahr wird, dem Blick durch das in die Luft gehobene Hüftloch gegen den Himmel. Diese Veränderung des Blicks, der neuartige, überraschende Perspektiven hervorbringt, nimmt Alltägliches als Ausgangspunkt für eine Bildwelt, die die Schönheit der Natur und der Bedeutung der Kulturlandschaft bedingungslos inszeniert.

 

„All the earth colors of the painter’s palette are out there in the many miles of bad lands. The light Naples yellow through the ochers – orange and red and purple earth – even the soft earth greens. You habe no association with those hills – our wast land – I think our most beautiful country.“5

 

 

Nach einer Dürreperiode 1930 sammelte sie ausgeblichene Stierschädel, Hirschschädel mit ausladenden Geweihen und Eselsknochen. Georgia O’Keeffe nutzte die weißen Schädelknochen vor weiten Landschaften als Memento mori, als Symbole für Trockenheit und Staubstürme genauso wie für den amerikanischen Traum und das Verschwinden der indigenen Bevölkerung. Die monumentalen Schädel schweben gespenstisch über weite Landschaften, manchmal schmückt sie die Künstlerin noch mit einer Blume. Dadurch erscheinen sie noch kahler, skurriler in ihrem Totsein, aber auch schöner.

Seit ihrer Ankunft in New Mexico beschäftigte sich die Künstlerin mit der regionalen Kultur, oder besser den regionalen Kulturen wie den Pueblo-Indianern (Kachina-Puppen), den christlichen Kirchen, den Gebetshäusern der „Penitentes“ (Laienbruderschaft der Büßer). Die ersten fünf Jahre verbrachte O’Keeffe mit Exkursionen und einer Art Bestandsaufnahme. Als sie 1935 die Ghost Ranch entdeckte und sie 1940 erwerben konnte, wandelte sich auch ihr Zugang zur Region. Nun stellte sie nahezu seriell einzelne Motive immer wieder dar. Bis 1953 malte sie Landschaften, wie beispielsweise in der „Black Place“-Serie (1936–1949, 14 Gemälde und eine große Pastellzeichnung), die sie zu immer neuen Abstraktionen inspirierten. Hier ist Abstraktion nun eine Form der Vereinfachung, Akzentuierung und Verwandlung. Die Künstlerin geht im Laufe der Arbeit an der Serie so weit, dass die Formationen zunehmend weniger wiedererkennbar sind. Architekturen, bildparallel angeordnet, eigenen sich besonders gut, Flächigkeit und Abstraktion zu forcieren. Formbare und Ungeformtes, Fassbares und Unfassbares verbinden sich in O’Keeffes Werk zu einer hybriden Mischung von Figuration und Abstraktion, an der sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Kunstkritik rund um Clement Greenberg abarbeitete. Ob es die „Pelvis“-Serie ist, für die sie durch einen Hüftknochen den Himmel beobachtete, oder Bäume oder anonyme „Patios“, dem Unfassbaren in sich selbst, ist die Künstlerin bis zu ihrem Ende auf der Spur geblieben.

 

„Es ist atemberaubend, wenn man über die Welt hinaufsteigt. … Es ist ein sehr schöner Weg hinein in die ebene Ferne, fantastisch schön – wie irgendwelche wundervollen Teppichmuster von möglicherweise „Abstrakten Bildern“ … Die Welt völlig vereinfacht und schön und säuberlich zerschnitten in Muster, als ob Zeit und Geschichte diese unsere Zeiten vereinfachen und in Ordnung bringen werden.“6 (Georgia O‘Keeffe)

 

 

Georgia O’Keeffe beeinflusste

  • Emily Carr (1871–1945): Die Kanadierin besuchte 1930 New York und traf Georgia O’Keeffe in der Galerie An American Place. → dOCUMENTA (13): Historische Wurzeln aktueller Kunst
  • Barnett Newman (1905–1970): Seine Werke der 1940er Jahre gehen vielleicht auf di „Black Place“-Arbeiten zurück. → Piet Mondrian – Barnett Newman – Dan Flavin
  • Carmen Herrera (geb. 1915)
  • Lynda Benglis (geb. 1941)
  • Mary Beth Edelsons (geb. 1933)
  • Judy Chicago: „The Dinner Party“ (1974–1979)
  • James Turrell (geb. 1943)
  • Agnes Martin (1912–2004)
  • Yayoi Kusama
  • Elizabeth Peyton (geb. 1965)

 

 

Georgia O’Keeffe: Ausstellungskatalog

Tanya Barson (Hg.)
Mit Beiträgen von Tanya Barson, Heike Eipeldauer,  Sarah Greenough, Cody Hartley, Griselda Pollock,  Florian Steininger und Georgiana Uhlyarik
ISBN 978­3­7913­5542­9
Prestel Verlag

 

Biografie von Georgia O’Keeffe (1887–1962)

Am 15. November 1887 wurde Georgia Totto O’Keeffe zweite von insgesamt sieben Kindern auf der Milchfarm ihrer Eltern bei Sun Prairie, Wisconsin, geboren. Sie ist die älteste Tochter.
1885 Geburt von Francis Calyxtus (1885–1959)
1889 Geburt von Ida Ten Eyck (1889–1961)
1891 Geburt von Anita Natalie (1891– 1985)
1892 Geburt von Alexis Wyckoff  (1892–1930); O’Keeffe besuchte die Town Hall School, eine Einklassenschule in Sun Prairie (1892–1900). Zusammen mit ihren Schwestern Ida und Anita erhielt Georgia privaten Zeichenunterricht, später setzte sie ihre Ausbildung bei der örtlichen Aquarellmalerin Sarah Mann fort.
1895 Geburt von Catherine Blanche (1895–1987)
1899 Geburt von Claudia Ruth (1899–1984)
1901 O’Keeffe trat in das Internat der Sacred Heart Academy ein, eine Klosterschule in Madison, Wisconsin. Schwester Angelique bot ihr eine erste offizielle Kunstausbildung.
1902 Umzug der Familie nach Virginia. O’Keeffe blieb in der Stadt und besuchte die Madison High School. Sie und ihr älterer Bruder lebten bei einer Tante mütterlicherseits, Leonore (»Lola«) Totto.
1903–1905 Im Frühling Umzug von O’Keeffe zu ihrer Familie nach Williamsburg. O‘Keeffe schrieb sich am Internat des Chatham Episcopal Institute ein (Herbst).
1905 Im letzten Schuljahr war O’Keeffe mit Unterstützung ihres Kunstlehrers und der Direktorin, Elizabeth May Willis, für die Erstellung des Jahrbuchs verantwortlich. O’Keeffe zog zu Onkel und Tante Charles und Alletta Totto nach Chicago und nahm dort das Studium an der School of the Art auf.
1906 Georgia O’Keeffe erkrankte im Sommer an Typhus und kehrte zu ihrer Familie zurück, wo sie bis zum Sommer des nächsten Jahres blieb. Es ist die erste von mehreren krankheitsbedingten Unterbrechungen ihrer künstlerischen Laufbahn.
1907/08 O’Keeffe beendete ihr Studium an der Art Students League of New York (September), wo sie von William Merritt Chase unterrichtet wurde.
1908 Der Fotograf Alfred Stieglitz (1864–19xx) präsentierte Auguste Rodins Aktzeichnungen in seiner New Yorker Galerie 291 (auch: Little Galleries of the Photo Secession). Einem ersten Besuch mit Studienkolleginnen folgen weitere Besuche O’Keeffes. Gewann den Chase­Award­Stipendiums und nahm am Sommerkurs der Art Students League in Lake George (im Norden von New York).
1908–1910 Rückkehr von Georgia O’Keeffe kehrte nach Chicago, da das Unternehmen ihres Vaters in Schwierigkeiten geriet. Als freischaffende Künstlerin arbeitete O’Keeffe an Auftragsarbeiten. Masern riefen ein Augenleiden hervor, wodurch O’Keeffe an ihrer Arbeit gehindert wurde. Rückkehrt zu ihrer Familie nach Charlottsville.
1911 Erste Stelle als Lehrerin und Elizabeth May Willis am Chatham Episcopal Institute.
1912 Besuch einer Zeichenklasse an der University of Virginia in Charlottesville im Sommer, geleitet von Alon Bement vom Teachers College der Columbia University in New York. Einführung in die Kompositionsprinzipien von Arthur Wesley Dow – dem Leiter der Kunstabteilung des Teachers College. Ziel war ein freier Ausdruck und eine kompositorische Harmonie der Nachahmung der Natur, was für O’Keeffe eine Offenbarung war. Im August Umzug nach Amarillo (Texas) und leitete für die nächsten beiden Jahre den Kunstbereich der öffentlichen Schule.
1913–1916 Die Sommer war O‘Keeffe an der University of Virginia als Bements Lehrassistentin tätig.
1914 Las auf Anregung Bements Wassily Kandinskys „Über das Geistige in der Kunst“ (1911). Studierte ab Herbst am Teachers College bei Arthur Wesley Dow. Freundschaft mit ihrer Studienkollegin Anita Pollitzer. Besuchte eine Ausstellung mit Werken von Pablo Picasso und Georges Braque in der Galerie 291 (Dezember).
1915 Kunstlehrerin am Columbia College in South Carolina (September); Korrespondenz mit Pollitzer verband sie mit dem politischen und künstlerischen Geschehen in New York. Las Stieglitz’ Zeitschrift „Camera Work“ (1903–1917) und „291“ (1915/16). Abstrakte Kohlezeichnungen (ab Oktober), die teilweise von Dows Lehren inspiriert waren, schickte sie vor Weihnachten an Pollitzer.
1915 Ohne Zustimmung von O’Keeffe zeigte Pollitzer diese Arbeiten Stieglitz. Der begann eine rege Korrespondenz, in deren Folge die Künstlerin Arbeiten nach New York schickte. Erste Teilnahme O’Keeffes in einer Gruppenausstellung mit zehn Kohlezeichnungen (23.5.). Leiterin der Kunstabteilung des West Texas State Normal College in Canyon im Süden (September), wo sie sich sofort von der Weite des Texas Panhandle (der nördlichste Teil des Bundesstaates). Tod der Mutter (1.5.). Ihre jüngste Schwester Claudia zog im Oktober zu O’Keeffe.
1916 Stieglitz veröffentlichte in „Camera Work“ einen ersten Artikel über O’Keeffe, in dem er ihre Werke als Ausdruck ihrer weiblichen Sexualität interpretierte (Oktober).
1917 Erste Einzelausstellung O’Keeffes in der Galerie von Alfred Stieglitz (3.4.). Erstmals von Stieglitz fotografiert. Begann nach der Rückkehr nach Canyon einen Briefwechsel mit Paul Strand. Reise nach Colorado; Zugreise durch New Mexico.
1918 Erkrankung (Januar) und Freistellung vom West Texas State Normal College; Umzug in das Haus eines Freundes in Waring, Texas, um der Spanischen Grippe zu entkommen. Der besorgte Stieglitz schickte im Mai Strand nach Texas, der O’Keeffe nach New York holen sollte. Ab 10. Juni in New York und bezog eine Atelierwohnung in der 114 East 59th Street, die Stieglitz’ Nichte Elizabeth gehörte. Ab Juli lebte der Fotograf mit ihr zusammen. O’Keeffe ließ sich von Stieglitz finanziell helfen, um sich ganz der Malerei zu widmen. Während des Sommers machte Stieglitz zahlreiche, auch intime Aufnahmen von ihr und nahm sie im August erstmals mit zum Sommersitz der Familie am Lake George. Tod des Vaters (6.11.), O’Keeffe erhielt die Todesnachricht erst am 11. November.
1919 Sommer gemeinsam mit Stieglitz am Lake George.
1920 Erste Reise nach York Beach in Maine (März). O’Keeffe und Stieglitz zogen in die Wohnung seines Bruders Leopold in der 60 East 65th Street (bis 1924).
1921 Der Künstler Marsden Hartley und der Kunstkritiker Paul Rosenfeld veröffentlichten Artikel, mit denen sie die Grundlage für die psychoanalytische Interpretation von O’Keeffes Werken legten.
1922 Logo für „Manuscripts (MSS)“ von Stieglitz; Machte sich selbst Gedanken zu „Kann einer Fotografe die Bedeutung von Kunst zukommen?“
1923 Zweite Einzelausstellung O’Keeffes in den Anderson Galleries. Alfred Stieglitz fasste den Entschluss, dass er mit O’Keeffe keine Kinder haben möchte.
1924 Die Anderson Galleries zeigten zeitgleich Ausstellungen von O’Keeffe und Stieglitz. Distanzierte sich von den Interpretationen ihrer frühen Werke. Hochzeit mit Alfred Stieglitz (11.12.), O’Keeffe bliebt bei ihrem Namen.
1925 Gruppenausstellung „Seven Americans“ in den Anderson Galleries mit Marin, Arthur Dove, Charles Demuth, Hartley, Strand, O’Keeffe, Stieglitz. Erste Präsentation ihrer großformatigen Blumenbilder, die große Zustimmung erhielten. Eröffnung der Intimate Gallery, Stieglitz‘ zweiter Galerie im Gebäude der Anderson Galleries. O’Keeffe war für die Hängungen verantwortlich.
1926 Einzelausstellung in Intimate Gallery (Februar); bis 1929 stellte sie jedes Jahr aus.
1927 Erste museale Ausstellung im Brooklyn Museum in New York (Juni); zwei Operationen wegen eines bösartigen Brustkrebses und lange Rekonvaleszenz.
1928 Als O’Keeffe fast sechs Calla-Gemälde für 25.000 Dollar verkauft, berichteten die Medien breit darüber.
1929 Reise nach New Mexico, wo sie als Gast der Kunstmäzenin und Schriftstellerin Mabel Dodge Luhan (diese ist mit dem Pueblo­Indianer Tony Luhan verheiratet) vier Monate in Taos verbrachte. Freundschaft mit dem Fotografen Ansel Adams, die lebenslang hielt. Inspiration durch die Landschaft. Machte den Führerschein und erwarb einen Ford. Damit erkundete sie in Exkursionen Navajo­Gebiete in Colorado und Utah und wohnte Tanzzeremonien der Pueblo­Indianer. Stieglitz eröffnete die Galerie An American Place, in der Madison Avenue 509.
1930 Tod des Bruders Alexis an den Spätfolgen einer Gasvergiftung, die er während des Kriegs an der Westfront erlitt (7.1.). Im Sommer wieder Gast bei Dodge Luhan in Taos.
1931 Mietete ein Haus auf der H&M Ranch in Alcalde, New Mexico (April). Im Mai entdeckt sie im Chama Valley bei Abiquiú den Plaza Blanca oder „White Place“ – eine Kalksteinformation, die sie ab dann oft besuchte. Sammelte Steine, Muscheln und sonnengebleichte Tierknochen, schickte eine Ladung nach Lake George. Bevor sie diese Knochen in ihre eigenen Arbeiten integrierte, fotografierte sie Stieglitz mit diesen zusammen.
1932 Reise mit Stieglitz’ Nichte Georgia Engelhard die Gaspé-Halbinsel in Kanada. Stieglitz hat eine Affäre mit Norman; Georgia O’Keeffe zog zu ihrer Schwester.
1933 Diagnose einer Psychoneurose (Februar); zwei Monate im Doctors Hospital in New York; Erholung mit Freunden auf den Bermudainseln. Dreizehn Monate Unterbrechung ihrer künstlerischen Arbeit.
1934 Sommer in New Mexico auf der H&M Ranch; im August zum ersten Mal auf der Ghost Ranch – eine Touristenranch nördlich von Abiquiú, die Arthur Pack gehörte.
1935 Georgia O’Keeffe wurde die Erbin von Charles Demuth (Herbst).
1936 Umzug in eine Wohnung in der 405 East 54th Street (April). Sommer in einem gemieteten Lehmziegelhaus auf der Ghost Ranch namens Rancho de los Burros, das sie später kaufte. Auftrag über für ein großformatiges Blumengemälde im New Yorker Salon des Kosmetikunternehmens Elizabeth Arden, für das sie 10.000 Dollar bekam.
1937 Von der Ghost Ranch aus setzt O’Keeffe ihre Exkursionen durch die dramatischen Landschaften von Arizona, Utah und Colorado fort.
1938 Erhielt die Ehrendoktorwürde für bildende Künste des College of William and Mary in Williamsburg, Virginia (Mai). Erste Reise nach Kalifornien und in die Sierra Nevada (August).
1939 Reise nach Hawaii (Februar), um dort einen Auftrag für eine Werbung der Dole Food Company auszuführen. Nachdem Malereien mit verschiedenen anderen Motiven abgelehnt worden waren, lieferte sie im April widerwillig das geforderte Ananas­Bild. Das Ausstellungskomitee der New Yorker Weltausstellung im Flushing Meadows Corona Park würdigte O‘Keeffe als eine der zwölf bekanntesten Frauen der vergangenen fünfzig Jahre.
1940 O’Keeffe erwarb die Rancho de los Burros (Oktober) und freundete sich mit der Schriftstellerin Maria Chabot an.
1941 Erster Flug von Chicago nach New Mexico.
1942 Hielt sich in Madison auf, wo ihr die Ehrendoktorwürde der University of Wisconsin verliehen wurde und sie Frank Lloyd Wright traf.
1943 Ersten großen Retrospektive des Werks von Georgia O‘Keeffe im Art Institute of Chicago (Jänner).
1944 Chabot begleitete O’Keeffe mehrmals auf Zeltausflügen zu einem Ort, den die Künstlerin als „Black Place“ bezeichnet – ein Gebiet in den Bisti Badlands im Navajo Country, etwa 240 Kilometer westlich der Ghost Ranch, das sie 1936 erstmals besucht hat. Die auffallenden schwarzen und grauen Hügel übten eine große Faszination auf die Künstlerin aus und inspirierten sie zu einer ihrer radikalsten abstrakten Serien („Black Place I– IV“, 1944). Rosalind Irvine vom Art Research Council des Whitney Museum of American Art nahm Gespräche mit Stieglitz zur Produktion eines Katalogs von O’Keeffes Arbeiten auf (September).
1945 Kauf einer baufälligen Hacienda in Abiquiú von der katholischen Erzdiözese, die sie seit 1940 kannte. Chabot überwachte die Reparaturarbeiten, die sich über drei Jahre hinzogen.
1946 Stieglitz organisierte seine letzte Ausstellung mit O’Keeffes Arbeiten in An American Place (Februar); zweite Retrospektive im Museum of Modern Art in New York (und erste Einzelausstellung einer Künstlerin in diesem Museum!). Tod von Alfred Stieglitz (13.7.). Georgia Ö’Keeffe war Alleinerbin und übernahm die Leitung der Galerie. Im Herbst engagierte sie Doris Bry zur Unterstützung bei der Sichtung und Ordnung von Stieglitz’ Unterlagen.
1947–1949 Zwei Jahre lang ordneten die beiden Frauen den Nachlass von Stieglitz.
1949 Verließ im Juni New York für immer, um sich in New Mexico niederzulassen. Während der Winter und der Frühjahre hielt sie sich in Abiquiú und im Sommer und Herbst auf der Ghost Ranch auf. Aufnahme in das National Institute of Arts and Letters (August).
1950 Pollitzer begann mit den Arbeiten an einer Biografie, die die Künstlerin später finanziell unterstützte. Edith Halpert von der Downtown Gallery wurde O‘Keeffes neue Galeristin.
1951 Beginn einer intensiven Reisetätigkeit: mit Spud Johnson und dem Fotografen Eliot Porter nach Mexiko und trifft dort Diego Rivera, Frida Kahlo und Miguel Covarrubias (Februar); Besuch der Maya-Ruinen auf Yucatán; bestieg erstmals den Cerro Pedernal (September).
1952 Erste Einzelausstellung in der Downtown Gallery (weiters 1955, 1958, 1961).
1953 O’Keeffes dritte Retrospektive im Dallas Museum of Art, Texas (Februar). Erste Reise nach Europa: Frankreich und Spanien- Ließ sich in Abiquiú einen Atomschutzbunker errichten.
1956 Im Frühjahr drei Monate in Peru. O‘Keeffe war mit der ersten Fassung von Pollitzers Biografie unzufrieden und stellte die finanzielle Unterstützung ein.
1959 Malte Landschaften aus der Vogelperspektive, inspiriert durch ihre vielen Reisen.
1960 Vierte Retrospektive im Worcester Art Museum in Massachusetts.
1962 Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters (Dezember).
1963 Reise nach Griechenland, Ägypten und den Nahen Osten (Frühling); wechselte zu Bry als neue Agentin.
1965 Malte „Sky Above Clouds IV“, das mit 243,8 mal 731,5 cm das größte Gemälde ihrer Karriere ist.
1966 Retrospektive im Amon Carter Museum of American Art in Fort Worth, Texas. Reise nach England und Österreich (September).
1970 Das National Institute of Arts and Letters verlieh Georgia O’Keeffe die Gold Medal for Painting (Mai). Eine Retrospektive tourt vom Whitney Museum of American Art in New York, ins Art Institute of Chicago und San Francisco Museum of Art (heute: San Francisco Museum of Modern Art, SFMoMA). O’Keeffes Werk wurde von der Generation der Feministinnen und der amerikanischen Öffentlichkeit wiederentdeckt.
1971/72 Aufgrund einer Makuladegeneration verlor sie zunehmend ihr Augenlicht (Peripheres Sehen). Malte bis in die späten 1970er Jahre; 1972 entstand ihr letztes selbst gemaltes Bild.
1973 Der Keramiker Juan Hamilton besuchte O’Keeffe in Abiquiú; wurde zu ihrem Assistenten und engen Freund, begleitete ihre Ausstellungen, Publikationen und sie auf Reisen. Arbeiten mit Ton.
1974 „Some Memories of Drawings“ (Reproduktionen von O’Keeffes Arbeiten auf Papier der Jahre 1915 bis 1963)
1976 Erste Monografie
1977 O’Keeffe wurde von Präsident Gerald Ford mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet, dem höchsten zivilen Orden der Vereinigten Staaten (Januar). Im Frühjahr trennte sie sich von Bry und setzte Hamilton als neuen Agenten ein; daraus entstand ein Gerichtsverfahren von über acht Jahren.
1978 „Georgia O’Keeffe. A Portrait by Alfred Stieglitz“ im Metropolitan Museum of Art in New York.
1983 Reise nach Costa Rica (November) – die letzte Auslandsreise der Künstlerin.
1984 Letzte Zeichnung; im Frühjahr Umzug mit Hamilton und dessen Familie nach Santa Fe, um eine gute medizinische Versorgung in der Nähe zu haben.
1985 Erhielt von Ronald Reagan die National Medal of Arts.
Am 6. März 1986 starb Georgia O’Keeffe im Alter von 98 Jahren in Santa Fe. Ihre Asche wurde auf dem Cerro Pedernal verstreut.

 

Georgia O’Keeffe: Bilder

  • Georgia O’Keeffe, Early Abstraction (Frühe Abstraktion), 1915, Kohle auf Papier, 61 x 47,3 cm (Milwaukee Art Museum)
  • Georgia O’Keeffe, Early No. 2 (Frühmorgens Nr. 2), 1915, Kohle auf Papier, 61 x 47 cm (The Menil Collection, Houston, Gift of The Georgia O’Keefe Foundation, 1995, CR 51)
  • Georgia O’Keeffe, No. 12 Special (Nr. 12 spezial), 1916, Kohle auf Papier, 61 x 48,3 cm (The Museum of Modern Art, New York)
  • Georgia O’Keeffe, No. 14 Special (Nr. 14 spezial), 1916, Kohle auf Papier, 62,9 x 47,6 cm (National Gallery of Art, Washington, Alfred Stieglitz Collection, Gift of The Georgia O’Keefe Foundation, 1992.89.9, CR 61)
  • Georgia O’Keeffe, Pink and Blue Mountain (Rosa und blauer Berg), 1916, Aquarell auf Papier, 22,3 x 30,3 cm (Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe)
  • Georgia O’Keeffe, Abstraction (Abstraktion), 1916, Guss 1979/80, Lackierte Bronze, 25,4 x 12,7 x 12,7 cm (Nr. 6 einer Auflage von 10, Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe)
  • Georgia O’Keeffe, No. 15 Special (Nr. 15 spezial), 1916/17, Kohle auf Papier, 47,9 x 61,9 cm (Philadelphia Museum of Art)
  • Georgia O’Keeffe, Music – Pink and Blue No. I (Musik – Rosa und Blau Nr. I), 1918, Öl auf Leinwand, 88,9 x 73,7 cm (Collection of Barney A. Ebsworth. Partial and promised gift to Seattle Art Museum)
  • Georgia O’Keeffe, Series I – From the Plains (Serie I – Aus der Prärie), 1919, Öl auf Leinwand, 68,6 x 58,4 cm (Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe)
  • Georgia O’Keeffe, Red and Orange Streak (Roter und orangefarbener Streifen), 1919, Öl auf Leinwand, 68,6 x 58,4 cm (Philadelphia Museum of Art)
  • Georgia O’Keeffe, Blue and Green Music (Blaue und grüne Musik), 1919/1921, Öl auf Leinwand, 58,4 x 48,3 cm (The Art Institute of Chicago)
  • Georgia O’Keeffe, Grey Lines with Black, Blue and Yellow (Graue Linien mit Schwarz, Blau und Gelb), um 1923, Öl auf Leinwand, 121,9 x 76,2 cm (Georgia O’Keeffe. Museum of Fine Arts, Houston)
  • Georgia O’Keeffe, Flower Abstraction (Blumen­Abstraktion), 1924, Öl auf Leinwand, 122,2 x 76,2 cm (Whitney Museum of American Art, New York)
  • Georgia O’Keeffe, The Shelton with Sunspots, N. Y. (Das Shelton [Towers Hotel] mit Sonnenflecken, N. Y.), 1926, Öl auf Leinwand, 123,2 x 76,8 cm (The Art Institute of Chicago)
  • Georgia O’Keeffe, New York – Night (Madison Avenue) (New York – Nacht [Madison Avenue]), 1926, Öl auf Leinwand, 81,3 x 30,5 cm (Museum of Fine Arts, St. Petersburg, Florida)
  • Georgia O’Keeffe, Abstraction (Abstraktion), 1926, Öl auf Leinwand, 76,7 x 46,4 cm (Whitney Museum of American Art, New York)
  • Georgia O’Keeffe, Oriental Poppies [Orientalische Mohnblumen], 1927, Öl auf Leinwand, 76,2 x 101,9 cm (The Collection of the Frederick R. Weisman Art Museum at the University of Minnesota, Minneapolis © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien)
  • Georgia O’Keeffe, Abstraction Blue (Abstraktion, blau), 1927, Öl auf Leinwand, 102,1 x 76 cm (The Museum of Modern Art, New York)
  • Georgia O’Keeffe, Dark Iris No. 1 [Dunkle Schwertlilie Nr. 1], 1927, Öl auf Leinwand 81,3 x 30,5 cm (Colorado Springs Fine Arts Center, Anonymous gift, FA 1954.4 CR 583)
  • Georgia O’Keeffe, Line and Curve (Linie und Kurve), 1927, Öl auf Leinwand, 81,2 x 41,2 cm (National Gallery of Art, Washington)
  • Georgia O’Keeffe, Abstraction – Alexius [Abstraktion – Alexius], 1928, Öl auf Leinwand, 92,1 x 76,5 cm (Privatsammlung, Schweiz)
  • Georgia O’Keeffe, New York, Night [New York, Nacht], 1928/29, Öl auf Leinwand, 101,9 x 48,7 cm (Sheldon Museum of Art, Nebraska Art Association, Thomas C. Woods Memorial © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Photo © Sheldon Museum of Art)
  • Georgia O’Keeffe, Grey Blue & Black – Pink Circle [Grau, Blau & Schwarz – Rosa Kreis], 1929, Öl auf Leinwand, 91,4 x 121,9 cm (Dallas Museum of Art)
  • Georgia O’Keeffe, Black Cross with Stars and Blue [Schwarzes Kreuz mit Sternen  und Blau], 1929, Öl auf Leinwand, 101,6 x 76,2 cm (Privatsammlung © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien)
  • Georgia O’Keeffe, The Lawrence Tree [Der Lawrence­Baum], 1929, Öl auf Leinwand, 78,8 x 101,6 cm (Wadsworth Atheneum Museum of Modern Art, Hartford)
  • Georgia O’Keeffe, Soft Gray, Alcalde Hill [Sanftes Grau, Hügel bei Alcalde], 1929/30, Öl auf Leinwand 25,5 x 61,2 cm (Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Washington, D. C., CR 691)
  • Georgia O’Keeffe, Black Mesa Landscape, New Mexico / Out Back of Marie’s II [Landschaft bei Black Mesa, New Mexico / Im Hinterland bei Marie II], 1930, Öl auf Leinwand, 61,6 x 92,1 cm (Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien)
  • Georgia O’Keeffe, Black White and Blue [Schwarz, Weiß und Blau], 1930, Öl auf Leinwand, 121,9 x 76,2 cm (Collection of Barney A. Ebsworth. Partial and promised gift to National Gallery of Art, Washington)
  • Georgia O’Keeffe, Jimson Weed / White Flower No. 1 [Stechapfel/Weiße Blüte Nr. 1], 1932, Öl auf Leinwand, 121,9 x 101,6 cm (Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Foto: Edward C. Robison III.)
  • Georgia O’Keeffe, Purple Hills [Violette Hügel], 1935, Öl auf Leinwand, 40,6 x 76,2 cm (The San Diego Museum of Art, Gift of Mr and Mrs Norton S. Walbridge, 1976, CR 870)
  • Georgia O’Keeffe, From the Faraway, Nearby [Aus der Ferne, nah)], 1937, Öl auf Leinwand 91,4 x 101,9 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien Foto: © BKP/ The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon)
  • Georgia O'Keeffe, Zwei Stechäpfel mit grünen Blättern und blauem Himmel, 1938 (Privatbesitz, © Bildrecht, Wien, 2016)
  • Georgia O’Keeffe, The Black Place III (Der Black Place III), 1945, Pastell auf Papier, 70,5 x 111,1 cm (Privatsammlung, courtesy The Owings Gallery, Santa Fe)
  • Georgia O’Keeffe, My Last Door [Meine letzte Tür)], 1952–1954, Öl auf Leinwand 122,5 x 213,8 cm (Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien)
  • Georgia O’Keeffe Black door with Red, 1954 (Chrysler Museum of Art, Norfolk, VA, Bequest of Walter P. Chrysler, Jr. © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien)
  • Georgia O’Keeffe, Sky with Flat White Cloud [Himmel mit flacher weißer Wolke], 1962, Öl auf Leinwand, 152,4 x 203,2 cm (National Gallery of Art, Washington, Alfred Stieglitz Collection, Bequest of Georgia O’Keefe, 1987.58.8, CR 1473)
  • Alfred Stieglitz, Georgia O’Keeffe, 1918, Fotografie, Palladiumdruck auf Papier, 24,3 x 19,4 cm (National Gallery of Art, Washington)
  • Alfred Stieglitz Georgia O’Keeffe – Breasts (Georgia O’Keeffe – Brüste), 1919, Fotografie, Palladiumdruck auf Papier, 22,5 x 19,1 cm (National Gallery of Art, Washington)
  • Alfred Stieglitz, Georgia O'Keeffe, 1931 (Alfred Stieglitz Collection, 1980.70.252 © Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington)
  • Myron Wood, Portrait of Georgia O’Keeffe with sculpture and painting, 1980 (© Pikes Peak Library District, 002-9152)

 

Literatur

  • Tanya Barson (Hg.), Georgia O'Keeffe (Ausst.-Kat. Tate Modern, London; Bank Austria Kunstforum, Wien; Art Gallery of Ontario, Toronto), München 2016.
  • http://www.apollo-magazine.com/how-georgia-okeeffe-transformed-the-american-landscape/
  • Barbara Buhler Lynes (Hg.), Georgia O’Keeffe (Ausst.-Kat. Fondazione Roma Museo Palazzo Cipolla, Rom; Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München; Helsinki Art Museum), 2011.

 

Merken

  1. Bice Curiger, Birth of the Cool (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich; Deichtorhallen, Hamburg), Ostfildern 1997, S. 11.
  2. „My first memory of Alfred Stieglitz,” recalled the photographer’s wife, the painter Georgia O’Keeffe, “was on a day in 1908 when . . . I went with two or three other students to see the Rodin drawings at ‘291.’ . . . where a new kind of art was shown—and it was the only place in New York you could see anything like it.”
  3. Barbara Buhler Lynes, georgia O’Keeffe. An American Phenomenon: Issues of Identity, in: Barbara Buhler Lynes (Hg.), Georgia O’Keeffe (Ausst.-Kat. Fondazione Roma Museo Palazzo Cipolla, Rom; Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München; Helsinki Art Museum), 2011, S. 13–22, hier S. 14.
  4. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 10.[note] (Marsden Hartley über die Bilder von Georgia O‘Keeffe)

     

    Bereits früh – noch während ihrer abstrakten Phase – tauchten Deutungen ihrer Bilder mit mehr oder weniger verhohlener sexueller Konnotation auf. Befeuert wurden sie durch ihren Ehemann, der O‘Keeffes Abstraktionen bereits 1919 mit Sigmund Freuds Theorien in Verbindung brachte. Georgia O’Keeffe wehrte sich zeitlebens gegen diesen Ansatz, befand sie ihn doch zu sehr durch ihr weibliches Geschlecht motiviert. Sie wollte als Künstlerin berühmt werden und nicht als (erotische, von ihrem Geschlecht bestimmte) Künstlerin. Da O’Keeffe befand, ihre abstrakten Kompositionen hätten diese Deutung quasi provoziert, entschloss sie sich ab 1924 zu wiedererkennbaren Formen zurückzukehren. Doch auch diese Kehrtwendung in ihrer Kunst half wenig, genauso wie der Hinweis, dass die meisten Blumen androgyn sind und sowohl männliche wie weibliche Geschlechtsorgane nebeneinander besitzen. Die Vorstellung des 19. Jahrhunderts, dass Blumen in die Welt des Weiblichen gehören würden, hält sich lange. Auch als die Feministinnen die 83jährige Malerin zur Ikone ihrer Bewegung erklärten, folgten sie der Idee, dass ihre Kompositionen Ausdruck einer spezifisch weiblichen Ikonografie wären. Künstlerinnen wie Judy Chicago verbanden ihre Werke mit dem weiblichen Körper. Bis heute sind Georgia O’Keeffes Gemälde u. a. Synonyme für Erotik und Sexualität. Dem stellte die Künstlerin eine geschlechtslose Deutung entgegen: Für Georgia O’Keeffe war Malerei eine visuelle Kunst.

     

    New Mexico

     

    „Wo ich geboren wurde und wo und wie ich gelebt habe, ist ohne Bedeutung. Wichtig ist, was ich mit dem Ort, an dem ich mich befand, getan habe.“[note]Zitiert nach Cody Hartley, Verortung und Ortswechsel im Leben und Schaffen von Georgia O’Keeffe, in: Ausst.-Kat., S. 144–153, hier S. 145.

  5. Zitiert nach ebenda, S. 17.
  6. Zitiert nach ebenda, S. 18.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.