0

Jean-Michel Basquiat „Untitled“ bricht Rekorde Bild verkauft für $110,5 Millionen an Yusaka Maezawa

Yusaka Maezawa mit Jean-Michel Basquiats „Untitled“, 18.5.2017, Quelle: Instagram.

Yusaka Maezawa mit Jean-Michel Basquiats „Untitled“, 18.5.2017, Quelle: Instagram.

Gestern Abend erzielte ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat nach einem Bietergefecht am Telefon den atemberaubenden Preis von 110.487.500 US Dollar auf einer Auktion von Sotheby’s New York. Schon Tage zuvor hatte der Schätzpreis von $60 Millionen für Aufsehen gesorgt. Kurz nach dem Kauf präsentierte sich Yusaka Maezawa mit seinem neuen Schatz auf Instagram:

„I am happy to announce that I just won this masterpiece. When I first encountered this painting, I was struck with so much excitement and gratitude for my love of art. I want to share that experience with as many people as possible.”

Der 41jährige Milliardär gründete Japans größte Online-Mode-Shoppingmall, Zozotown, sowie eine Kunst-Stiftung in Tokyo, der ein Museum in seiner Heimatstadt Chiba folgen soll. Davor möchte er aber das Werk der Öffentlichkeit zugänglich machen. Vielleicht ist das eine Ankündigung, den unbetitelten Totenschädel im Herbst auf die große Basquiat-Ausstellung im Barbican Center in London zu schicken? Vielleicht ist dort auch der zweite Basquiat zu sehen, den Maezawa 2016 bei Christie’s für wohlfeile 57,3 Millionen USD erworben hat? Wir werden sehen! Wie kommt es aber, dass ein ehemaliger Graffiti-Künstler zur Riege jener „Alten Meister“ aufstieg, deren Werke eine neunstellige Summe wert sind?

 

 

Basquiats „Untitled“

Das im Jänner 1982 entstandene Gemälde zeigt einen Totenschädel in expressiven Farbtönen und mit gestischer Pinselschrift aus der Farbmasse modelliert. Darunter ein Tag-ähnliches Zeichen, darüber eine Sammlung von. In Summe sicher ein charakteristisches, großformatiges und beeindruckendes Werk von Jean-Michel Basquiat. „Untitled“ entstand noch bevor Basquiat in unglaublicher Schnelligkeit vom Garffiti-Künstler SAMO zum Shootingstar und Liebling der New Yorker Szene und des Kunsthandels aufstieg.

Das wenig bekannte Werk kommt aus einer Privatsammlung, wo es sich seit 1984 befand und nach seiner Präsentation in der Ausstellung „Fast“ in der Alexander F. Milliken Gallery in New York (1982) nie in der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Schon 1982 betonte die Kunsthistorikerin Susan L. Putterman im Katalogtext zu „Fast“ die Spontaneität von Basquiats Pinselstrich, den er durch den Wechsel von der Hauswand zur Leinwand nicht verloren hätte. Das Graffiti galt ihr als „authentisch und malerisch“ und eine „heutige Antwort auf die gestischen Markierungen der New Yorker Schule“.[[„The spontaneity of [Basquiat’s] brushstroke is not lost in the transition from city walls to canvas. The graffiti, authentic and painterly, are today’s answer to the New York School’s gestural marks… The evidence of the artist’s hand confers on the work a humanistic component. These artists share an acute awareness of the times they live in, making their work highly sensitized to objective reality. Although critical, disorienting and provocative, they address an overburdened, highly complex nervous system.” (Susan L. Putterman, „About Fast,” in: Fast (Ausst.-Kat., New York, Alexander F. Milliken Inc., 1982), o. S.) Basquiat fiel mit dieser wilden, figurativen Malerei schnell auf und erhielt noch im März 1982 seine erste Einzelausstellung bei Annina Nosei in New York, gefolgt von einer weiteren im April bei Larry Gagosian in Los Angeles. Bruno Bischofberger zeigten den Maler bereits im Herbst des Jahres. Eine Jahre später organisierte der Schweizer Galerist die Zusammenarbeit von Jean-Michel Basquiat und Andy Warhol, was zu einer Serie von Werken führte, die beide Künstler bearbeiteten und so aufeinander reagierten (→ WARHOL/BASQUIAT). Wenn man bedenkt, dass Basquiat erst im Jahr zuvor „professionell“ zu malen begonnen hatte, explodierte seine Produktion gleichsam und der Kunstmarkt pushte ihn innerhalb eines Jahres rund um den (westlichen) Globus.

Ob der neue Preis „hält“, werden zukünftige Auktionen zeigen. Zumindest ist der gestrige Erwerb gut für Rekorde: Basquiat hält seit gestern den Rekord für das teuerste Kunstwerk eines amerikanischen Künstlers, den für das Werk eines Afro-Amerikanischen Künstlers. Der wichtigste Rekord könnte sein, dass der 1988 im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis verstorbene Jean-Michel Basquiat erstmals die 100 Millionen Dollar Marke für ein Werk nach 1980 durchbrochen hat.

 

Bilder

  • Yusaka Maezawa mit Jean-Michel Basquiats „Untitled“, 18.5.2017, Quelle: Instagram.
  • Jean-Michel Basquiat, Untitled, 1982, signiert, beschriftet NYC und datiert 82 auf der Rückseite, Acryl, Sprayfarbe und Ölkreide auf Leinwand, 183,2 x 173 cm (Privatsammlung)

 

Quellen

Sotheby's: LOT 24 Jean-Michel Basquiat, Untitled

Instagram Account von Yusaka Maezawa

Merken

Weitere Texte zu Jean-Michel Basquiat

9. Mai 2017
Anish Kapoor, White Dark VIII, 2000, Fiberglas und Farbe, 160 x 160 x 64 cm (Privatbesitz), Foto: Anna-Maria Matzner, ARTinWORDS.

Intuition im Palazzo Fortuny Kuratiert von Axel Vervoordt und Daniela Ferretti (2017)

Intuition in der Kunst – über Kulturen, Zeiten und Regionen hinweg. Axel Vervoordt stellt einmal mehr für den Palazzo Fortuny eine atmosphärische Schau über das Unbewusste in der Kunst zusammen.
19. November 2013
Jean-Michel Basquiat & Andy Warhol, Bananas, 1985, Privatsammlung © Foto: Galerie Bruno Bischofberger, Schweiz © The Estate of Jean-Michel Basquiat und The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

WARHOL / BASQUIAT Paintings

Andy Warhol (1928–1987) und Jean-Michel Basquiat (1960–1988) schufen 1984/85 auf Initiative ihres Zürcher Kunsthändlers Bruno Bischofberger eine Serie von über 130 so genannten Collaborations, von Gemeinschaftswerken. Sie arbeiteten abwechselnd auf derselben Leinwand, füllten sie mit Symbolen ihrer eigenen Bildwelten und reagierten aufeinander – quasi ein malerischer Dialog zwischen dem arrivierten und dem jungen aufstrebenden New Yorker Künstler. In der Geschichte der Malerei der 80er Jahre nehmen die Gemälde eine wichtige Stellung ein, animierte der Shootingstar Basquiat doch den etablierten Warhol, wieder mit dem Malen zu beginnen. Obwohl Warhol und Basquiat unterschiedlicher nicht sein konnten, ergänzen sich ihre spontanen Bildideen zu spannenden, experimentierfreudigen Kompositionen.
30. Mai 2010
Jean-Michel Basquiat von Hatje Cantz, 2010, Cover

Jean-Michel Basquiat in Basel Jung verstorbener Kunstrebell aus New York

Heuer wäre Jean-Michel Basquiat (1960–1988) 50 Jahre alt geworden. Dies nahm die Fondation Beyeler in Basel zum Anlass, dem Ausnahmetalent eine umfassende Retrospektive zu widmen, bei Hatje Cantz ist der Katalog erschienen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.