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Arshile Gorky. Werke eines janusköpfigen Malers zwischen Surrealismus und Abstraktem Expressionismus

Arshile Gorky, The Liver Is the Cock’s Comb, Detail, 1944, Öl/Lw, 186.1 x 249.9 cm (Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, New York, Gift of Seymour H. Knox, Jr., 1956, K1956:4, Image courtesy Albright-Knox Art Gallery)

Arshile Gorky, The Liver Is the Cock’s Comb, Detail, 1944, Öl/Lw, 186.1 x 249.9 cm (Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, New York, Gift of Seymour H. Knox, Jr., 1956, K1956:4, Image courtesy Albright-Knox Art Gallery)

Die Fondazione Musei Civici di Venezia präsentiert ab Mai 2019 eine retrospektive Überblicksausstellung zum armenisch-amerikanischen Maler Arshile Gorky (um 1904–1948). Als Mittler zwischen Surrealismus und Abstraktem Expressionismus wird der jung verstorbene Gorky häufig in der Überblicksliteratur als „janusköpfig“ beschrieben (→ Abstrakter Expressionismus | Informel). Zum einen rezipierte er in den 1930er Jahren die europäische Moderne von Paul Cézanne über Pablo Picasso zu Joan Miró, zum anderen ließ er sich von André Breton nicht zum willfährigen Mitglied von dessen Vereinigung machen. Eigenständig und als Einzelgänger entwickelte Gorky eine abstrakte Formensprache, in der er biomorphe Formen mit der Analyse des Kubismus und den Farben des Expressionismus zu verweben verstand. Nach mehreren persönlichen Tragödien nahm sich der Überlebende des Genozids an den Armeniern 1948 das Leben.

Die frühesten Bilder von Arshile Gorky datieren in die späten 1920er Jahre. Der vermutlich 1904 geborene Künstler war 1920 in die USA eingewandert und besuchte von 1922 bis 1924 die New School of Design in Boston. Um 1925 zog er nach New York, wo er rasch in die Künstlergemeinschaft aufgenommen wurde. Hier studierte er an der National Academy of Design und der Grand Central School of Art, wo er auch bis 1931 unterrichtete. In New York legte sich der Maler das russische Pseudonym Arshile Gorky an (eigentlich hieß er Vosdanik Adoyan), um sich vor den Ressentiments der Amerikaner zu schützen. Anfangs orientierte sich Gorky an den Kompositionen von Paul Cézanne, gefolgt von Pablo Picasso, Joan Miró, Yves Tanguy und anderer Künstler des Surrealismus. Von den Expressionisten – allen voran Wassily Kandinsky und Henri Matisse – lernte Arshile Gorky den Umgang mit leuchtenden, reinen Farben.

Späte Landschaften

In den Sommermonaten der Jahre 1942 bis 1945 entstanden Hauptwerke, welche die Landschaften von Virginia und Connecticut feiern. Sie weisen sowohl surrealistische, abstrakte wie figurative Elemente auf. Im Jahr 1945 beschrieb André Breton in einem Katalogvorwort für eine Ausstellung von Gorkys Werken diese als „hybrid“. Schon die Zeitgenossen des Malers erkannten in seinen Kompositionen komplexe Schichtungen von persönlichen Erinnerungen (an den Genozid aber auch die Schönheit Armeniens), unterschiedliche stilistische Einflüsse und eine Auseinandersetzung mit der Landschaft der USA.

Neben den Gemälden präsentiert die Ausstellung auch eine Auswahl von Arshile Gorkys Arbeiten auf Papier. Dadurch wird die hohe Qualität der Zeichnung des Amerikaners spürbar, die neben seinem Talent der Farbgebung auch in den abstrakten Bildern zutage tritt.

Arshile Gorky im Ca' Pesaro

Die etwa 80 Werke für die Schau „Arshile Gorky. 1904–1948“ im Ca’ Pesaro werden von bedeutenden internationalen Institutionen aber auch Privatsammlungen geliehen. Zu den Leihgebern zählen die Tate London, die National Gallery of Art in Washington, DC, das Whitney Museum of American Art, New York, das Centre Pompidou, das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, das Israel Museum in Jerusalem.

Kuartiert von Gabriella Belli und Edith Devaney, Kuratorin an der Royal Academy of Arts in London. Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Arshile Gorky Foundation umgesetzt.

Arshile Gorky. Werke: Bilder

  • Arshile Gorky, Portrait of Ahko, um 1937, Öl/Lw, 49.5 x 38.1 cm (Privatsammlung)
  • Arshile Gorky, Portrait of Master Bill, um 1937, Öl/Lw, 132.4 x 101.9 cm (Privatsammlung)
  • Arshile Gorky, Self- Portrait, um 1937, Öl/Lw, 141 x 86.4 cm (Privatsammlung, Foto Constance Mensh, Philadelphia Museum of Art)
  • Arshile Gorky, The Liver Is the Cock’s Comb, 1944, Öl/Lw, 186.1 x 249.9 cm (Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, New York, Gift of Seymour H. Knox, Jr., 1956, K1956:4, Image courtesy Albright-Knox Art Gallery)
  • Arshile Gorky, Landscape-Table, 1945, Öl/Lw, 92 x 121 cm (Centre Pompidou, Musée national d'art moderne / Centre de création industrielle, Paris, Purchased 1971, AM 1971-151, Foto Philippe Migeat © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais)
  • Arshile Gorky, Apple Orchard, um 1943–1946, Pastell/Papier, 106.7 x 132.1 cm (Collection Agnes Gund, Foto Genevieve Hanson)
  • Arshile Gorky, Pastoral, um 1947, Öl/Bleistift/Lw, 111.8 x 142.2 cm (Privatsammlung, Foto Christopher Burke)
  • Arshile Gorky, Study for The Betrothal, 1947, Bleistift, Kohle, Pastell, Kreide auf Baumwollpapier, 126.4 x 102 cm (Privatsammlung, courtesy Hauser & Wirth)
  • Arshile Gorky, Untitled (Study for Mural), 1933/34, Feder und Tusche auf Papier, 24.1 x 73.7 cm (Privatsammlung, courtesy Hauser & Wirth, Foto Stefan Altenburger Photography Zürich)
  • Arshile Gorky, The Limit, 1947, Öl/Papier montiert auf Lw, 128.9 x 157.5 cm (Privatsammlung)
  • Arshile Gorky, Nighttime, Enigma and Nostalgia, um 1931/32, Feder und Tusche auf Karton, 66.2 x 86.7 cm (Whitney Museum of American Art, New York, 50th Anniversary Gift of Mr. and Mrs. Edwin A. Bergman)
  • Arshile Gorky, Portrait of Myself and My Imaginary Wife, 1933/34, Öl auf Karton, 21.7 × 36.2 cm (Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Washington DC, Gift of the Joseph H. Hirshhorn Foundation, 1966, 66.2150, Foto Lee Stalsworth)
  • Arshile Gorky, Dark Green Painting, um 1948, Öl/Lw, 111.1 x 141 cm (Philadelphia Museum of Art, Gift (by exchange) of Mr. and Mrs. Rodolphe Meyer de Schauensee and R. Sturgis and Marion B. F. Ingersoll, 1995, 1995-54-1)

Beiträge zum Abstrakten Expressionismus

24. April 2020
Pierre Soulages, Peinture , 13 juin 1971, Öl/Leinwand, 111 x 162 cm (Sammlung Domnick © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Baden Baden | Museum Frieder Burda: Pierre Soulages Lichtbilder in Schwarz

Die Ausstellung zeigt Werke aus dem 80-jährigen Schaffen von Pierre Soulages - und wirft einen Blick in die Zukunft des 100jährigen Malers.
5. April 2020
Chaïm Soutine, Das Dorf, um 1923, Öl/Lw, 73,5 x 92 cm (Musée de l'Orangerie, Paris © RMN-Grand Palais (Musée de l'Orangerie) / Hervé Lewandowski)

Paris | Musée de l’Orangerie: Soutine – De Kooning Französischer und amerikanischer Expressionismus zwischen Figur und Abstraktion

Im Rahmen dieser Ausstellung wird insbesondere die Auswirkung der Malerei von Soutine, einem russischen Maler der Pariser Schule, auf die künstlerische Vision des amerikanischen Malers niederländischer Herkunft beleuchtet.
20. Oktober 2019
Lee Krasner, Combat, 1965 (National Gallery of Victoria, Melbourne, Felton Bequest, 1992 (IC1-1992). © The Pollock-Krasner Foundation/ ARS, New York. Licensed by Copyright Agency, 2018)

Frankfurt | Schirn Kunsthalle: Lee Krasner Erste Retrospektive zur Amerikanischen Expressionistin seit 50 Jahren

Lee Krasner (1908–1984), Pionierin des Abstrakten Expressionismus, in einer großen Retrospektive in der Schirn Kunsthalle (ab Oktober 2019)

Aktuelle Ausstellungen

1. Juli 2020
Larry Poons, Nixe's Mate, 1961, Acryl auf Leinwand, 178x 285 x 4 cm (Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1996, Photo: mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien © Bildrecht, Wien2020)

Wien | mumok: Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art Andy Warhols serielles Denken kontextualisiert

Pop Art, Minimal und Conceptual Art aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig unter dem Aspekt des Seriellen erweitert den Blick auf Andy Warhols Werk. Modulare und serielle Ideen nach Mel Bochner in deutscher und amerikanischer Kunst der 1960er und 1970er Jahre.
23. Juni 2020
Angelika Kauffmann, Selbstporträt der Künstlerin am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, Detail, Rom 1794, Öl/Lw, 147,3 x 215,9 cm (Nostell Priory, West Yorshire © National Trust Images/John Hammond)

Düsseldorf | Museum Kunstpalast: Angelika Kauffmann Bedeutendste Künstlerin Europas um 1800

Angelika Kauffmann (1741–1807) vertritt exemplarisch den neuen Typus einer europaweit vernetzten und weltgewandten Künstlerin. Ihr breitgefächertes Œuvre repräsentiert wesentliche Aspekte des internationalen Klassizismus im Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit.
22. Juni 2020
Henri Cartier-Bresson, Simiane-la-Rotonde, 1969, Silbergelatineduck von 1973 (© Fondation Cartier-Bresson / Magnum Photos)

Venedig | Palazzo Grassi: Henri Cartier-Bresson Fünf Interpreten für die „Master Collection”

Fünf Kuratoren zeigen Henri Cartier-Bresson (1908–2004). Anfang der 1970er Jahre lud das Sammlerpaar Jean und Dominique de Menil Cartier-Bresson ein, seine bedeutendsten Bilder auszuwählen: Der Pariser Fotograf stellte selbst aus 385 Fotografien seine „Master Collection“ zusammen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.