Otto Wagner

Otto Wagner (1841–1918) zählt zu den weltweit bedeutendsten Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine Bauten – darunter die Wiener Stadtbahn, die Postsparkasse und die Kirche am Steinhof – sind Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne.

Wagner war ein Visionär: Er hatte erkannt, dass die auf die Vergangenheit fixierte Architektur des Historismus in Widerspruch zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik seiner Zeit stand. Als Antwort darauf entwarf er eine strahlende, rationale Zukunftsarchitektur, die auf Zweck, Material und Konstruktion beruhte. Zweifellos steht die rekonstruierte Fassade für das Depeschenbüro der Zeitung „Die Zeit“ (1902), ehemals Kärntnerstraße/Ecke Annagasse, 1010, für Wagners Modernität. Der Professor an der Akademie der bildenden Künste und Oberbaurat verwendete dafür Aluminium, das als völlig neuer Baustoff eine neue Ästhetik versprach. Fünf Lampen und der riesige Schriftzug in Jugendstil-Lettern prägen den ersten Eindruck. Während die Fassade noch dekorativ gestaltet wirkt, war der Ausstellungsraum im Mezzanin höchst zurückhaltend gestaltet. Die dort aufgestellten beiden Tische haben Untergestelle aus vernickelten Messingrohren, deren Stangen durch „Knoten“ miteinander verbunden sind. Ihre reduziert-praktische Form findet sich auch bei spanischen Tischen des 17. Jahrhunderts, ihr Material war gänzlich modern.

Otto Wagner nannte den Stil, den er selbst bis etwa 1887 ausübte, die „freie Renaissance“. Doch nun strebte er nach einer Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit, denn „etwas Unpraktisches kann nicht schön sein“ (Moderne Architektur, 1896). Als Generalplaner war er in den 1890er-Jahren für die Umgestaltung Wiens mitverantwortlich (1892/93 Generalregulierungsplan, 1894–1900 Bau der Stadtbahn, 1894 & 1896–1899 Donaukanalbauten) und mit den beiden Mietshäusern an der Linken Wienzeile, der Kirche am Steinhof sowie der k. k. Österreichischen Postsparkasse schuf er Ikonen der Wiener Jugendstilarchitektur. Von 1899 bis 1905 war er Mitglied der Wiener Secession. Möbelentwürfe folgen in ihrer schlichten Gestaltung und Funktionalität dem Motto des Architekten getreu: „Artis sola domina necessitas“ (Die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit)

Als Adolf Loos die Einrichtung des Café Museums konzipierte (1899), trat Wagner für eine „freie Renaissance“ ein. Otto Wagner leitete seinen „Nutz-Stil“ von Gottfried Sempers Definition eines Produktes ab. In seiner Antrittsrede als Professor an der Wiener Akademie begrub er die Stilfreiheit mit folgenden Worten:

 

„Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es die letzten Jahrzehnte mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen. (…) Der Realismus unterer Zeit muss das werdende Kunstwerk durchdringen.“ (Otto Wagner)

 

Die radikalen Entwürfe des „Weltstadtarchitekten“ waren ein Befreiungsschlag für die Vertreter der Moderne wie den Wiener Secessionisten, für die Hüter der Tradition dagegen blanke Provokation. Auch aus diesem Grund blieben viele von Wagners Projekten unausgeführt, so auch seine Planungen für das Stadtmuseum am Karlsplatz oder auch städtebauliche Überformungen ganzer Bezirke von Wien.

 

Schüler von Otto Wagner

29. Mai 2018
Otto Wagner, K. k. Österreichische Postsparkasse, Großer Kassensaal, Detail (© Hagen Stier, 2015)

Otto Wagner im MAK. Seine Vision, seine Schüler, seine Wirkung Von der Postsparkasse zur Postmoderne

Mit „POST OTTO WAGNER. Von der Postsparkasse zur Postmoderne“ lenkt das MAK den Blick auf Otto Wagner und den nachhaltigen Einfluss seines epochalen Werks: Seine Absage an den Einsatz historischer Stile, seine weltweit rezipierten Schriften zu Architektur und Stadtplanung und seine hervorragenden Bauten sind bis heute inspirierend.
17. April 2018
Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf, Porträt Otto Wagner, 1896 © Wien Museum

Otto Wagner: Biografie Lebenslauf und Werke des Wiener Architekten

Biografie von Otto Wagner (1841–1918): Hier findest du Informationen zu Wagners Ausbildung, wichtigste Werke, Ehen und Kinder, Lehre, Publikationen, Ausstellungen!
20. März 2018
Hoffmann, Wagner, Loos im Möbel Museum Wien © SKB, Edgar Knaack

Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne Künstler, Auftraggeber, Produzenten

Die Wiener Moderne um 1900 war im Möbeldesign ein wahres Laboratorium für Gestaltung, dessen kreative Impulse bis heute ausstrahlen. Die Künstlerarchitekten Wiens gehörten zu den Wegbereitern der modernen Formgebung. Das Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien stellt die führenden Architekten der Wiener Moderne – Otto Wagner (1941–1918), Josef Hoffmann (1870–1956) und Adolf Loos (1870–1933) – als Innenarchitekten und Möbeldesigner vor und beleuchtet ihre unterschiedlichen Positionen zum Wohnen und Einrichten.
14. März 2018
Otto Wagner, Präsentationsblatt zur Stadtbahn, Detail, 1898 © Wien Museum

Otto Wagner. Leben und Werk Visionärer „Weltstadtarchitekt“ im Wien Museum

Otto Wagner (1841–1918) zählt zu den weltweit bedeutendsten Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine Bauten – darunter die Wiener Stadtbahn, die Postsparkasse und die Kirche am Steinhof – gelten heute als Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne.
30. Dezember 2017
Otto Wagner, Hofpavillon, Wartesalon mit Wien-Ansicht von Carl Moll (c) Foto Thomas Ledl

Otto Wagner: Hofpavillon in Hietzing Kaiserliche Haltestelle an der Vorortelinie

1898/99 errichtete Otto Wagner (1841–1918) im Rahmen der Stadtbahn den Pavillon des k. u. k. Allerhöchsten Hofes als kaiserliche Haltestelle in Hietzing. Bis heute ist er sichtbares Zeichen der beginnenden Moderne im Westen von Wien.
11. Dezember 2017
Hoffmann, Wagner, Loos © SKB, Edgar Knaack

Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos: Möbel für die Moderne Raumkunst und Möbeldesign in Wien 1900

Otto Wagner (1840–1918) gilt als der „intellektuelle Urheber“ der Wiener Moderne, wandelte er sich vom anerkannten Architekten der Ringstraßen-Zeit und des Historismus zum Anführer der Modernen unter der Fahne seines „Nutzstils“. Seine „Nachfolger“ Josef Hoffmann und Adolf Loss konnten nicht unterschiedlicher sein, der eine ein Ästhet, der andere ein Praktiker.
11. Dezember 2017
Otto Wagner, Prospekt der Kirche am Steinhof, Detail, 1902, Buntstift, Tusche, Zeichenpapier auf Leinwand, 56 x 47 cm (Wien Museum, Inv.-Nr. 96011/1)

Otto Wagner, Kirche am Steinhof Gold-weißer Jugendstil-Tempel mit Hygieneanspruch

Diese „Perspektive Ansicht“ der Kirche am Steinhof, zu der es auch eine Skizze gibt, liegt im Wien Museum. Mit ästhetisch ansprechenden Entwürfen wie diesem konnte Otto Wagner (1841–1918) 1902 den Wettbewerb um die „Antstaltskirche“ St. Leopold für die Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt am Steinhof für sich entscheiden.
7. Dezember 2017
Egon Schiele, Die Umarmung, 1917, Öl auf Leinwand, 100 x 170 cm (© Belvedere, Wien)

Ausstellungen in Wien 2018 im Zeichen von Wien 1900–1918 dazu Heidi Horten Collection, Keith Haring, Pieter Bruegel d. Ä., Claude Monet, Japonismus, Polly Apfelbaum

Das Wiener Ausstellungsprogramm steht – wie vorhersehbar – deutlich im Zeichen der umwälzenden historischen und kulturellen Veränderungen vor einhundert Jahren. Auf Seite der Kunstschaffenden waren in diesem Jahr große Verluste zu betrauern, starben doch in diesem Jahr Gustav Klimt (1862–1918), Otto Wagner (1840–1918), Koloman Moser (1868–1918) und der erst 28-jährige Egon Schiele (1890–1918).
15. Juni 2015
Anonym, Blick auf das Parlament, um 1882, Österreichische Nationalbibliothek.

Die Wiener Ringstraße Geschichte, Architektur, Kultur

Als am 1. Mai 1865 die Wiener Ringstraße zwischen Hofoper (heute: Staatsoper) und Burgtor eröffnet wurde, war noch kaum ein Gebäude fertiggestellt. Knapp siebeneinhalb Jahre davor hatte Kaiser Franz Joseph I. seinen Willen zur Errichtung der Via Triumphalis, der Triumphstraße rund um die Innere Stadt, in einem „Handzettel“ kundgetan.
3. Mai 2015
Joseph Maria Olbrich, Entwurf für die Secession, 1898, Archiv der Secession.

Baugeschichte der Wiener Secession Wie Joseph Maria Olbrich und Gustav Klimt die Ikone des Jugendstils entwarfen

Die Vereinigung bildender Künstler_innen Wiener Secession öffnet anlässlich des Ringstraßen-Jubiläums ihr Archiv und zeigt Zeichnungen, Pläne und Entwürfe zur Baugeschichte ihres Ausstellungshauses. Nach zwei Jahren heftiger Auseinandersetzungen rund um den Pavillon konnten die Secessionisten am 12. November 1898 die Pforten endlich öffnen. Es hätte das modernste Haus an der Ringstraße werden können, denn ursprünglich planten die Gründungsväter die Secession schräg gegenüber des Museums für Angewandte Kunst zu errichten, dort wo heute das Lueger-Denkmal steht. Doch es kam anders!
15. Januar 2015
MAK-Ausstellungsansicht, 2014, WEGE DER MODERNE. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen, MAK-Ausstellungshalle © Peter Kainz/MAK

Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen Wege der Moderne

Zwei Schlafzimmer stehen im Zentrum der Ausstellung „Wege der Moderne“, die Christian Witt-Dörring und Matthias Boeckl anlässlich des 150. Geburtstags des MAK kuratierten. Jenes von Josef Hoffmann für Johanna und Dr. Johannes Salzer (1902) und Adolf Loos‘ Entwurf für die eigene Wohnung (1903). Der Sinnlichkeit seines Kontrahenten, der gekonnt mit (erotisch aufgeladenen) Materialien spielte und jedes neuerfundene Ornament ausschloss, hatte Hoffmann perfekt aufeinander abgestimmte Einrichtungsgegenstände entgegenzusetzen.
21. November 2013
Karlskirche von Johann Bernhard Fischer von Erlach, 1716-1737, Foto: Alexandra Matzner.

Der Karlsplatz in Wien

Der Wiener Karlsplatz wird maßgeblich durch die 6-spurige „Stadtautobahn“, die historische Architektur und die Parkanlage der 1970er Jahre geprägt. Er war ein Experimentierfeld für die Ringstraßenarchitektur mit den ersten Gebäuden ab 1860 – der Verabschiedung vom Klassizismus (noch am TU Hauptgebäude) bis hin zum großbürgerlichen Ringstraßenstil. Die hier entwickelte Architektursprache wird ab 1870 für die gesamte Ringstraße prägend werden: Beispiele dafür sind die Evangelische Schule von Theophil Hansen (1813-1891) und die Handelsakademie im sog. „Arsenalstil“ von Ferdinand Fellner dem Älteren. Es handelt sich hierbei um erste Kulturbauten auf Bürgerinitiative.