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Otto Wagner: Biografie Lebenslauf und Werke des Wiener Architekten

Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf, Porträt Otto Wagner, 1896 © Wien Museum

Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf, Porträt Otto Wagner, 1896 © Wien Museum

Otto Wagner (1841–1918) zählt zu den weltweit bedeutendsten Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine Bauten – darunter die Wiener Stadtbahn, die Postsparkasse und die Kirche am Steinhof – sind Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne. Als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien prägte er die nachfolgenden Generationen von Architekten – hinausgehend über Joseph Maria Olbrich und Josef Hoffmann, die beide bei ihm beschäftigt waren.

Wagner war ein Visionär: Er hatte erkannt, dass die auf die Vergangenheit fixierte Architektur des Historismus in Widerspruch zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik seiner Zeit stand. Als Antwort darauf entwarf er eine strahlende, rationale Zukunftsarchitektur, die auf Zweck, Material und Konstruktion beruhte. Gleichzeitig bewährte er sich als eigenständiger Entwickler von Mietshäusern, die er auf eigene Kosten errichtete und gewinnbringend veräußerte. Um deren Funktionalität zu überprüfen, bewohnte Otto Wagner diese Mietshäuser auch selbst. Als Ober-Baurath von Wien plante er die Modernisierung der Infrastruktur der Stadt und führte das Projekt innerhalb von nur zehn Jahren erfolgreich zu Ende, nachdem er 1872/73 bereits die Verlegung des Wienflusses und die Umwandlung des Wientals in einen Boulevard geplant hatte aber nur einen Abschnitt realisieren durfte.

 

Freie Renaissance, Funktionalität und Moderne

Otto Wagner nannte den Stil, den er selbst bis etwa 1887 ausübte, die „freie Renaissance“. Otto Wagner leitete seinen „Nutz-Stil“ von Gottfried Sempers Definition eines Produktes ab. In seiner Antrittsrede als Professor an der Wiener Akademie begrub er die Stilfreiheit mit folgenden Worten:

 

„Kunst und Künstler sollen und müssen ihre Zeit repräsentieren. Im Durchpeitschen aller Stilrichtungen, wie es die letzten Jahrzehnte mit sich brachten, kann das Heil für die Zukunft nicht liegen. (…) Der Realismus unterer Zeit muss das werdende Kunstwerk durchdringen.“ (Otto Wagner)

 

Otto Wagner strebte er nach einer Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit, denn „etwas Unpraktisches kann nicht schön sein“ (Moderne Architektur, 1896). Als Generalplaner war er in den 1890er Jahren für die Umgestaltung Wiens mitverantwortlich (1892/93 Generalregulierungsplan, 1894–1900 Bau der Stadtbahn, 1894 & 1896–1899 Donaukanalbauten) und mit den beiden Mietshäusern an der Linken Wienzeile, der Kirche am Steinhof sowie der k. k. Österreichischen Postsparkasse schuf er Ikonen der Wiener Jugendstilarchitektur. Von 1899 bis 1905 war er Mitglied der Wiener Secession. Möbelentwürfe folgen in ihrer schlichten Gestaltung und Funktionalität dem Motto des Architekten getreu: „Artis sola domina necessitas“ (Die einzige Herrin der Kunst ist die Notwendigkeit)

Zweifellos steht die rekonstruierte Fassade für das Depeschenbüro der Zeitung „Die Zeit“ (1902), ehemals Kärntnerstraße/Ecke Annagasse, 1010, für Wagners Modernität. Der Professor an der Akademie der bildenden Künste und Oberbaurat (beides 1894) verwendete dafür Aluminium, das als völlig neuer Baustoff eine neue Ästhetik versprach. Fünf Lampen und der riesige Schriftzug in Jugendstil-Lettern prägen den ersten Eindruck. Während die Fassade noch dekorativ gestaltet wirkt, war der Ausstellungsraum im Mezzanin höchst zurückhaltend gestaltet.

 

Die radikalen Entwürfe des „Weltstadtarchitekten“ waren ein Befreiungsschlag für die Vertreter der Moderne wie den Wiener Secessionisten, für die Hüter der Tradition dagegen blanke Provokation. Wagners Austritt aus dem Künstlerhaus und Eintritt in die Secession 1899 hätten, wie der Architekt selbst dokumentierte, sogar einige Freundschaften zum Erliegen gebracht. Seine Auseinandersetzung mit Franz Ferdinand anlässlich der Eröffnung der Kirche am Steinhof ist legendär. Auf die Aussage des Thronfolgers der maria-theresianische Stil wäre der Moderne vorzuziehen, antwortete Wagner, dass im Spätbarock die Kanonen auch noch verziert worden wären, und dass man darauf auch verzichten würde. Auch aus diesem Grund blieben viele von Wagners Projekten unausgeführt, so auch seine Planungen für das Stadtmuseum am Karlsplatz oder auch städtebauliche Überformungen ganzer Bezirke von Wien.

 

Schüler von Otto Wagner

 

Ehefrauen und Geliebte

  • Sophie von Paupie (1840–1912): 1863–1879 außereheliches Verhältnis; Mutter von den ersten beiden Sähnen Otto und Robert.
  • Josefine Dornhart (17.11.1847–4.7.1889): ⚭ 1867–1880 (Scheidung nach dem Tod von Otto Wagners Mutter), Mutter von Susanne Wagner.
  • Louise Stiffel (28.9.1859–26.10.1915): ⚭ 1884; Otto Wagner und die 18 Jahre jüngere Louise lernten einander 1879 kennen. Er ließ sich für sie scheiden. Hochzeit in Budapest nach altkatholischem Ritus. Nach dem Tod von Josefine 1889 Eheschließung nach katholischem Brauch. Mutter von drei Kindern Otto Wagners.

 

Kinder

  • Otto Paupié (28.8.1864–28.8.1945)
  • Robert Paupié (30.8.1865–6.12.1954)
  • Susanne Wagner (1.6.1868–15.12.1937)
  • Stefan Wagner (12.4.1884–5.3.1945)
  • Aloisia, genannt Louise (21.10.1885–12.10.1976)
  • Christine (15.7.1889–27.12.1970)

 

Weitere Beiträge zu Otto Wagner

 

Biografie von Otto Wagner (1841–1918)

  • 13. Juli 1841

    Am 13. Juli 1841 wurde Otto Wagner als Sohn des Hofnotars Simon Rudolf Wagner (1800–1846) und dessen Frau Susanne (geb. Huber, adoptierte Helfensdorfer, 1804–1880) in Penzing bei Wien geboren.
  • 1846

    Tod des Vaters (19.3.)
  • 1848

    Vorübergehend wohnten Susanna und die Söhne Emerich und Otto Wagner während des Umbaus des Wohnhauses der Familie, Innere Stadt 1088 (ab 1862 Göttweihergasse 1), durch Ludwig Förster und Theophil Hansen in der Bräunerstraße 6.
  • 1851–1854

    Besuch des Wiener Akademischen Gymnasiums. Otto Wagner brach die Ausbildung ohne Abschluss der Matura ab.
  • 1855–1857

    Laut Wagners eigener Aussage Zögling des Konvikts Kremsmünster in Oberösterreich, was sich dokumentarisch jedoch nicht erhärten lässt.
  • 1. Juli 1857

    Susanna Wagner stellte an die Direktion des Polytechnischen Instituts am Karlsplatz das Ansuchen um Zulassung Ottos zur Reifeprüfung, die er erfolgreich ablegte.
  • 1857–1859

    Studium am Wiener Polytechnischen Institut, u. a. Besuch der Vorlesungen von Josef Stummer von Traunfels.
  • 1859

    Auf Anraten von Theophil Hansen ging Otto Wagner zum Studium bei dem Schinkelschüler Carl Ferdinand Busse an die Berliner Bauakademie.
  • 1860

    Jagdhaus
  • 1861–1863

    Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll.
  • 1862

    Eintritt in das Atelier von Heinrich von Förster, Wien.
  • 1863

    Akademisches Abgangszeugnis (22.4.). Umzug in den Heinrichhof am Opernring. Projekte für den Kursalon und das Börsengebäude, beide Wien. Beginn der mehrjährigen Liebesbeziehung zu Sophie Paupié, der Tochter eines Braumeisters (bis 1879). Entwurf für den Kursalon im Wiener Stadtpark; Börsegebäude.
  • 1864

    Geburt des Sohnes Otto Paupié (28.8.1864–28.8.1945). „Harmonietheater“ und zwölf Wohnhäuser in der Harmoniegasse und der angrenzenden Wasagasse, Wien. Mitgliedschaft im Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein.
  • 1865

    Geburt des zweiten Sohnes Robert Paupié (30.8.1865–6.12.1954).
  • 1867

    Wagner erhielt die Konzession zum Betreiben des Baumeistergewerbes (17.7.). Auf Wund seiner Mutter heiratete Otto Wagner Josefine Dornhart (17.11.1847–4.7.1889), Tochter eines wohlhabenden Juweliers, in der Augustinerkirche. Umzug in die Göttweihergasse, wo er auch sein Atelier hatte. Villa Epstein (1866/67), Baden bei Wien, und Projekt für einen Dom, Berlin.
  • 1868

    Geburt der Tochter Susanne (1.6.1868–15.12.1937). Synagoge der orthodoxen Kultusgemeinde Budapest; Ziegelei am Laaer Berg; Regulierungsplan für Pest.
  • 1868–1871

    Baumeister von Theophil von Hansens Palais Epstein, Wien
  • 1869

    Miethaus Bellariastraße 4, Wien; Der Architekt Rudolf Bernt wurde Mitarbeiter Wagners und blieb bis in die 1890er Jahre der wichtigste Zeichner im Atelier.
  • 1870

    Wagner wurde ordentliches Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (8.1.). Villa Kunewalder, Bad Vöslau/NÖ
  • 1873

    Begründer eines Konsortiums zur Realisierung der Weltausstellung; Wagner wurde Mitglied des Direktionsrates der Aktiengesellschaft „Komische Oper“.
  • 1874

    Projekt für den Justizpalast, Wien
  • 1875

    Wohnhäuser Wiedner Hauptstraße 65, Bauernmarkt 6, Schönburggasse 2, Wien Projekt für das Landtagsgebäude Lemberg, Galizien (heute: Lwiw, Ukraine).
  • 1876

    Projekt für das Rathaus von Hamburg
  • 1877

    Wohnhaus Schottenring 23, Wien
  • 1878

    Umbau des Dianabades, Wien. Neben Ferdinand Fellner, Hermann Helmer, Heinrich von Ferstel, Theophil Hansen, Carl Hasenauer und Friedrich von Schmidt gehörte Otto Wagner zu den vom Künstlerhaus auf die Pariser Weltausstellung entsandten Architekten.
  • 1879

    Verleihung des Bürgerrechts der Stadt Wien (gemeinsam mit Hans Makart und Andreas Streit). Festzelt für den von Hand Makart gestalteten Festzug zur Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz Josef und Elisabeth, Wien. Projekt für die Katholische Pfarrkirche, Soborsin, Banat (heute: Savarsin, Rumänien).
  • November 1879

    Erste Begegnung mit Louise Stiffel (28.9.1859–26.10.1915), die als Gouvernante der elfjährigen Tochter Susanne engagiert werden sollte. Otto Wagner verliebte sich, wie aus erhaltenen Briefen hervorgeht, leidenschaftlich. Die Ehe mit Josefine dürfte seit längerer Zeit unglücklich verlaufen sein.
  • 1880

    Tod der Mutter Sunsanna Wagner (19.3.); am Totenbett rang ihr Sohn ihr das Zugeständnis zu seiner neuen Liebe ab. Scheidung von seiner Frau Josefine. Seiner geschiedenen Frau und Tochter Susanne überließ er die Wohnung in der Göttweihergasse. Da es keine Wiederverheiratung gibt, gingen Otto Wagner und Louise Stiffel eine „Siebenbürgische Ehe“ ein. Auf der Jahresausstellung des Künstlerhauses zeigte Otto Wagner Entwürfe für eine Villa in Ober-St.-Veit, den Wiener Giro- und Cassenverein, das Landtagsgebäude in Lemberg, das Rathaus in Hamburg und eine Skizze zur Adaptierung eines Wohnhauses (10.4.–13.6.). Projekt für das Amtsgebäude des Wiener Giro. und Cassenvereines, Wien.
  • 1881

    Festdekoration zum Einzug der Prinzessin Stephanie, Wien und Familiengruft Wagner, Wien. Ernennung zum „Baurath“.
  • 1882

    Projekt für das Reichstagsgebäude, Berlin. Wohnhaus Stadiongasse 6-8, Amtsgebäude der k. k. Österreichischen Länderbank, beide Wien. Projekt für das Parlamentsgebäude in Budapest. Otto Wagner legitimierte seine beiden noch minderjährigen Söhne Otto und Robert (16.5.). Das Künstlerhaus widmete Wagner einen Artikel in seiner Publikation „Künstler-Album“, sein Werdegang und seine bisherigen Bautätigkeit wurden neben einer sechsjährigen Krankheit (psychische Krise?) angeführt.
  • 1884

    Hochzeit mit der 18 Jahre jüngeren Louise Stiffel in Budapest nach altkatholischem Ritus (11.2.). Geburt des Sohnes Stefan (12.4.1884–5.3.1945). Umzug in eine Wohnung im Haus Stadiongasse 6-8 (bis Ende 1891). Wohnhaus Lobkowitzplatz 1, Wien. Projekte für die Bodencreditanstalt in Wien und die Börse in Amsterdam.
  • 1885

    Geburt der Tochter Aloisia (21.10.1885–12.10.1976). Verkauf des Hauses in der Stadiongasse 6–8 an Martin und Hermine Heckscher. Otto Wagner blieb mit seiner Familie dort aber weiterhin wohnhaft. Villa Hahn in Baden bei Wien.
  • 1886

    Als Dank für seinen Entwurf zu einem Jagdhaus wird Wagner von König Milan I. von Serbien zum Komtur des Takowa-Ordens ernannt. Teilnahme an der Kollektivausstellung im Künstlerhaus (6.3.–15.4.). Villa Wagner I, Wien (Penzing).
  • 1887

    Otto Wagner erhielt das Haus Wollzeile 40 im Tauschweg von Julie und Amelie Freiinnen Klein von Wisenberg. Im Jahr darauf verkaufte er das Haus an Arthur Budwitz. Wohnhaus Universitätsstraße 12, Wien.
  • 1888

    Teilnahme an der „Internationale Jubiläums-Kunst-Ausstellung“ im Künstlerhaus (3.3.–3.6.).
  • 1889

    Geburt der Tochter Christine (15.7.1889–27.12.1970). Wohnhaus Wagner, Rennweg 3 und Wohnhaus Auenbruggergasse 2, beide in Wien. Nach dem Tod von Otto Wagners erster Frau Josefine (4.7.) konnten Wagner und Louise katholisch heiraten. Veröffentlichung von „Einige Scizzen, Projecte und ausgeführte Bauwerke“, Bd. 1, im Selbstverlag.
  • 1890–1891

    Projekt für den Berliner Dom
  • 1891

    Zweite Auflage von „Einige Scizzen, Projecte und ausgeführte Bauwerke“, Bd. 1; Teilnahme an der Jahresausstellung des Künstlerhauses (16.3.–10.5.). Wagner tauschte die Häuser Rennweg 1a und Auenbruggergasse 2 gegen eine unbekannte Liegenschaft an Laura und Theresia Rubinstein.
  • 1892

    Umzug in das Haus Rennweg 3. Projekt für die Regulierung des Karlsplatzes
  • 1892–1893

    Generalregulierungsplan für Wien.
  • 1893

    Im Juli 1893 stellte Otto Wagner Joseph Maria Olbrich als Zeichner in seinem Atelier an. Warenhaus Neumann, Wien
  • 1894

    Bestellung zum ordentlichen Professor und Leiter einer Spezialklasse für Architektur an der Akademie der bildenden Künste als Nachfolger von Carl von Hasenauer (16.7.); Verleihung des Titels „Ober-Baurath“ und Ernennung zum künstlerischen Beirat der Kommission für die Wiener Verkehrsanlagen und der Donau-Regulierungskommission. Teilnahme an der „III. Internationalen Kunstausstellung“ im Künstlerhaus (6.3.–3.6.). Max Fabiani trat für zwei Jahre in das Atelier Wagners ein, Joseph Maria Olbrich wurde Chefzeichner (bis 1898). Wehranlage Nußdorf, Wohn- und Geschäftshaus „Zum Anker“, beide in Wien. Otto Wagner verkaufte das Palais am Rennweg an Josef Graf Hoyos.
  • 1894–1900

    Wiener Stadtbahn
  • 1895

    Ernennung zum Mitglied der „ständigen Kunstkommission und des Kunstrates im Ministerium für Cultus und Unterricht“ (ab 1899 „Kunstrat“ genannt). Machte die Villa in Hütteldorf zum ganzjährigen Wohnsitz der Familie Wagner. St. Johannes-Kapelle, Wien.
  • 1896

    Sohn Stefan erkrankte schwer, vermutlich an Meningitis, und blieb zeitlebens behindert. Er lebtr noch mehrere Jahre im Familienverband, bis er in der Heil- und Pflegeanstalt in Mauer-Öhling bei Amstetten in Niederösterreich untergebracht wurde. Projekt für ein Museum der Gipsabgüsse in Wien. Veröffentlichung von „Moderne Architektur“ (1. Auflage, 2. Auflage 1898, 3. Auflage 1902 unter dem Titel „Die Baukunst unserer Zeit“).
  • 1896–1899

    Teilweise Realisierung der Kaianlagen am Donaukanal.
  • 1897

    Vertreter der Akademie beim Internationalen Architekturkongress (28.8.–2.9.) und Weltausstellung (10.5.–8.11.) in Brüssel, Veröffentlichung von „Einige Scizzen, Projecte und ausgeführte Bauwerke“, Bd. 2.
  • 1897–1898

    Mitarbeit an der Huldigungsadresse der Wiener Akademie an den Kaiser, „Artibus“.
  • 1897–1910

    Projekt zum Neubau der Akademie der bildenden Künste in Wien
  • 1898

    Ernennung zum Mitglied des Kuratoriums des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse taxfrei (30.6.) für seine künstlerischen Leistungen beim Stadtbahnbau. Wohnhäuser Linke Wienzeile/Köstlergasse. Teilnahme an der II. Ausstellung der Secession mit dem Projekt für den Neubau der Akademie (noch kein o.M.). Projekte für den Ausbau der Hofburg, Wien, Neubau der Kapuzinerkirche und Kaisergruft, Währinger Friedhofskirche.
  • 1899

    Teilnahme an der IV. Ausstellung der Secession (18.3.–31.5.). Austritt aus dem Künstlerhaus und Mitglied der Wiener Secession (14.10.). Teilnahme an der V. Ausstellung der Secession mit dem Projekt „Die Moderne im Kirchenbau“ (15.11.1899–1.1.1900). Wagner verkaufte die Miethäuser Linke Wienzeile 40 und Köstlergasse 1 und 3 bald nach ihrer Fertigstellung. Juror beim Wettbewerb um die Bauten des Wiener Zentralfriedhofs. Projekt für eine Moderne Galerie, Wien. Veröffentlichung „Die Kunst im Gewerbe“.
  • 1900

    Juror bei der Weltausstellung in Paris. Wagner gestaltete die österreichische Abteilung der Gruppe VI „Ingenieurwesen“ und die Präsentation der Hofgartendirektion (15.4.–12.11.). Teilnahme an der VIII. Ausstellung der Secession (3.11.–27.12.). Maßgebliche Beteiligung an der Gründung der Gesellschaft österreichischer Architekten. Otto Wagner trat der christlichsozialen „Bürgervereinigung der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien“ bei.
  • 1900–1912

    Projekt für das Kaiser Franz Josef-Stadtmuseum in vier Varianten.
  • 1901

    Teilnahme an der X. Ausstellung der Secession (15.3.–12.5.). Verleihung des Offizierskreuzes der französischen Ehrenlegion.
  • 1902

    Teilnahme an der „Internationalen Ausstellung für moderne dekorative Kunst“ in Turin (10.5.–10.11.). Depeschenbüro der Zeitung „Die Zeit“, Wien. Veröffentlichung „Erhaltung, nicht Restaurierung von St. Stephan in Wien“.
  • 1902–1904

    Kirche St. Leopold am Steinhof, Wien
  • 1903

    Teilnahme an der Winterausstellung im Museum für Kunst und Industrie mit Reformbesteck, Ausführung Klinkosch. Veröffentlichung „Unsere Kunst“. Projekte für Kleines Theater, Warenhaus am Karlsplatz und Verlegung des Naschmarktes, alle Wien.
  • 1903–1912

    Amtsgebäude der k. k. Postsparkasse, Wien (zwei Baustufen)
  • 1904

    Gebäude der vereinigten k. k. Garten, Wien. Veröffentlichung „Denkschrift über die Reorganisation der Kunstschulen und der Kunstpflege“; Mitarbeit an der von Joseph August Lux herausgegeben Kunstzeitschrift „Hohe Warte“ (bis 1907).
  • 1904–1905

    Projekt für einen Monumentalbrunnen am Karlsplatz
  • 1904–1906

    Schützenhaus der Staustufe Kaiserbad, Wien
  • 1904–1907

    Mitarbeit an der Zeitschrift „Hohe Warte“
  • 1905

    Mit Entwürfen für die Postsparkasse, das Kaiser-Franz-Josef-Stadtmuseum und die Kirche am Steinhof Teilnahme an der XXIII. Ausstellung der Secession (24.3.–14.7.). Zur Feier des 10. Jahrestags der Wagnerschule fand im „Sacher-Garten“ an der Prater Hauptallee ein Bankett statt. Austritt aus der Wiener Secession.
  • 1906

    Gemeinsam mit Josef Hoffmann und Gustav Klimt reiste Otto Wagner als Vertreter Österreichs zum VII. Internationalen Architektenkongress in London, wo er den Vortrag „Der Architekt und sein Werdegang“ hielt (Juli). Veröffentlichung von „Einige Scizzen, Projecte und ausgeführte Bauwerke“, Bd. 3, erschien.
  • 1907

    Verleihung des Komturkreuzes des Franz-Joseph-Ordens. Veröffentlichung „Erläuterungen zur Bauvollendung und Einweihung der Kirche der Niederösterreichischen Landes-Heil- und Pflegeanstalt“ am Steinhof (8.10.). In seinem Tagebuch erinnerte sich der Architekt, dass es zu einem Eklat mit Erzherzog Franz Ferdinand gekommen sei, weshalb er wichtige Aufträge verlor.
  • 1907–1908

    Projekte für das Amtsgebäude des k. k. Reichtskriegsministeriums und das Amtsgebäude des k. k. Kandelsministeriums.
  • 1908

    Präsident des VIII. Internationalen Architektenkongresses in Wien mit 1.500 Teilnehmern aus Europa und Amerika (18.5.–24.5.). Auf der von der Gruppe um Klimt und Hoffmann ausgerichteten Kunstschau waren das Kriegsministerium und der Palast der Wiener Gesellschaft zu sehen (1.6.–16.11.). Wagner wurde Mitglied im Deutschen Werkbund. Lupusheilstätte, Wien und Nachruf auf „Joseph Olbrich“.
  • 1909

    „Zur Kunstförderung“ und „Moderner Theaterbau“
  • 1909–1910

    Wohnhaus Neustiftgasse 40, Wien
  • 1910

    Einladung zum internationalen Kongress für städtische Kunst in New York. Entsendung ins Exekutivkomitee der Zentralstelle zur Förderung der Wiener Mode als Vertreter der Akademie. Veröffentlichung „Kaiserdenkmal oder Lueger-Monument vor dem Rathause“ und „Zur Hotelbaufrage“. Im Café Heinrichhof wurde Wagner auf Egon Schiele aufmerksam. Nach Erkundigungen bei Arthur Roessler beschloss er, sich von ihm porträtieren zu lassen. Noch im Kaffeehaus entstand eine Porträtstudie, die Wagner kaufte und später als „Karikatur“ bezeichnete. Zum Prorektor an der Akademie der bildenden Künste in Wien gewählt (1910/11 und 1911/12).
  • 1910–1913

    Projekt für das Hotel Wien
  • 1910–1914

    Projekt für den Neubau der Universitätsbibliothek
  • 1911

    Anlässlich der Pensionierung der Professoren Wagner und George Niemann fand im Parkhotel Schönbrunn ein gemeinsames Festbankett statt (6.7.). Otto Wagner durfte ein „Ehrenjahr“ noch an der Akademie bleiben. Verleihung der „Großen goldenen Salvator-Medaille“, der höchsten Auszeichnung der Stadt, durch den Wiener Gemeinderat. Wagner verkaufte seine Villa in Hütteldorf an Ben Tieber, den „Varietékönig“ und Besitzer des Apollo-Theaters (17.8.). Bis zur Fertigstellung der Wohnung in der Döblergasse 4 wohnte das Ehepaar in Hotels bzw. im „Absteigquartier“ im Haus Köstlergasse 3. Wohnhaus Döblergasse 4, Wien. Veröffentlichungen „Laienurteile in der Kunst“ und „Die Großstadt, eine Studie über diese von Otto Wagner“
  • 1912

    Gründungsmitglied des Bundes österreichischer Künstler (April) und des Österreichischen Werkbunds. Vizepräsident der Permanenzkommission des Kongresses für bildenden Kunst in Paris. Verleihung des Titels Hofrat. Versetzung in den Ruhestand, da Josef Plečnik als Nachfolger Wagners vom Ministerium nicht bestätigt wurde, übte Wagner bis zum Sommer 1913 die Professur aus. Anlässlich des Endes seiner Lehrtätigkeit wurde ihm der Titel Hofrat verliehen. Villa Wagner II, Wien. Veröffentlichungen „Die Qualität des Baukünstlers“ (Vortrag vor der Festversammlung des Bundes ungarischer Architekten in Budapest) und „Leitwort zum Ehrenjahr der Wagnerschule“.
  • 1912–1914

    Projekt für Ausstellungshallen des Bundes österreichischer Künstler in Wien.
  • 1913

    Reise nach St. Petersburg. Bestellung zum Preisrichter im Wettbewerb um das Parlament von Canberra/Australien. Leopold Bauer wurde zum Nachfolger Wagners als Professor an der Akademie der bildenden Künstle ernannt. Als Honorarprofessor kümmerte sich Wagner noch bis Ende des Sutdienjahres 1914/15 um seine letzten Schüler. Projekte für das Haus der Kunst MCM-MM, Wien, und einem Denkmal vor dem Schloss Schönbrunn; Veröffentlichung „Das k. k. Postsparkassenamt in Wien“
  • 1913–1915

    Honorarprofessor an der Akademie und Fortsetzung des Unterrichts für die noch vor der Pensionierung eingeschriebenen Schüler.
  • 1914

    Wenn auch Otto Wagner das Attentat auf den Thronfolger als „ein großes Glück“ bezeichnete, so bekam er die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs in den folgenden Jahren stark zu spüren. Joseph August Lux veröffentlicht seine Monografie „Otto Wagner“.
  • 1915

    Krebserkrankung und Tod seiner Frau Louise (26.10.). Beginn der Tagebuchführung in Form von Briefen an seine Verstorbene Gattin. Sanitätsbarackenanlage, Wien und Veröffentlichung von „Der Wettbewerb für ein Kriegerdenkmal“
  • 1916

    Otto Wagner verkaufte die Zweite Villa Wagner an die Familie Erben (September). Im Oktober begann Friedrich von Radler im Auftrag der Stadt Wien mit der Arbeit an einem Porträt Wagners.
  • 1916–1917

    Projekt für die Brigittabrücke, Wien
  • 1917

    Mit einem Porträt des Bildhauers Gustinus Ambrosi zeigte sich der 76-jährige Wagner unzufrieden. Von der Hochbauabteilung der Technischen Hochschule Dresden zum Dr. Ing. h. c. promoviert.
  • 1918

    Otto Wagner verkaufte seine Hälfte des Hauses Döblergasse 4 und das Eckhaus an der Neustiftgasse an die Malerin Broncia Koller-Pinell (24.1.).
  • 11. April 1918

    Am 11. April 1918 starb Otto Wagner um halb sechs Uhr abends in seiner Wohnung in der Döblergasse 4, 1070 Wien. Bei der Beisetzung halten Bürgermeister Richard Weiskirchner, der Rektor der Akademie der bildenden Künste, die Präsidenten der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, der Gesellschaft österreichischer Architekten und der Secession sowie der Obmann des Hütteldorfer Männergesangvereins Grabreden.
  • 30. September 1918

    Wenige Monate nach Wagners Tod und kurz vor dem Ende der Monarchie erwarb die Stadt Wien um 30.000 Kronen einen Teil des künstlerischen Nachlasses des Architekten für ein zukünftiges Baukunstarchiv. Damit legte man den Grundstein für die Wagner-Sammlung des heutigen Wien Museums. Der Großteil der Zeichnungen aus Wagners Atelier verblieb in Familienbesitz und wurde später zerstreut, vieles davon zerstört. Heute besitzt das Wien Museum mit weit über tausend Blättern den größten Teil von Wagners Zeichnungen, gefolgt vom Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, der Albertina und dem Wiener Stadt- und Landesarchiv.
  • 1922

    Posthume Veröffentlichung von „Einige Scizzen, Projecte und ausgeführte Bauwerke“, Bd. 4.
  • 25. Juni 1930

    Am Ballhausplatz wurde ein vom Österreichischen Werkbund initiiertes, von Josef Hoffmann entworfenes Denkmal für Otto Wagner enthüllt.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.