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Paris | Musée d’Orsay: Mary Cassatt

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 9. November 2025
Mary Cassatt, Mutter und Kind auf grünem Hintergrund, 1897, Pastell auf beigem Papier, auf einen Leinwandrahmen montiert, 55 x 46 cm (Geschenk von Mary Cassatt, 1897 © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay)

Mary Cassatt, Mutter und Kind auf grünem Hintergrund, 1897, Pastell auf beigem Papier, auf einen Leinwandrahmen montiert, 55 x 46 cm (Geschenk von Mary Cassatt, 1897 © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay)

Als Mary Cassatt am 14. Juni 1926 in Château de Beaufresne, Le Mesnil-Théribus, verstarb, zählte die legendäre Amerikanerin bereits zu den „les trois grandes dames [drei großen Damen]“ (Gustave Geffroy, 1894) des Impressionismus. Cassatt (1844–1926) lebte mehr als 60 Jahre in Paris – und wurde als die bedeutendste amerikanische Malerin ihrer Zeit gefeiert. Als enge Vertraute von Edgar Degas, stellte Mary Cassatt als einzige US-Staatsbürgerin gemeinsam mit den Impressionist:innen aus. Zudem sind ihre Bilder der weiblichen Welt wichtige Beiträge zum französischen Impressionismus. Mary Cassatt zählte im frühen 20. Jahrhundert zu den bekanntesten Frauen der USA. Das ermöglichte ihr, ihren Kunstgeschmack einigen ebenso wohlhabenden amerikanischen Sammler:innen zu vermitteln.

Mary Cassatt

Frankreich | Paris: Musée d’Orsay
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Mary Cassatt, Porträt Mademoiselle Louise-Aurore Villeboeuf, um 1902, Pastell auf beigem Papier (Paris, Musée d’Orsay, donation of Mlle Louise-Aurore Villeboeuf, RF 36822, 1978 © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski)
Mary Cassatt, Porträt Mademoiselle Louise-Aurore Villeboeuf, um 1902, Pastell auf beigem Papier (Paris, Musée d’Orsay, donation of Mlle Louise-Aurore Villeboeuf, RF 36822, 1978 © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski)
Mary Cassatt, Frau und Kind vor einem Tablett mit Waschschüssel, um 1889, Pastell auf beigem Papier (Paris, musée d’Orsay, donation of M. Jean-Pierre Hugot et de Mlle Louise Hugot, RF 31843 © RMN-Grand Palais (musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski)
Mary Cassatt, Frau und Kind vor einem Tablett mit Waschschüssel, um 1889, Pastell auf beigem Papier (Paris, musée d’Orsay, donation of M. Jean-Pierre Hugot et de Mlle Louise Hugot, RF 31843 © RMN-Grand Palais (musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski)

Mary Cassatt 2026/27 in Paris

Mary Cassatt ist neben Marie Bracquemond (1840–1916), Berthe Morisot (1841–1895) und Eva Gonzáles (1849–1883) die bekannteste Malerin des französischen Impressionismus. In der Vergangenheit wurde sie häufig als Schöpferin von allzu sentimentalen Bildern von Müttern und Kindern abgetan. In Wirklichkeit war Cassatt jedoch eine Pionierin der Moderne: Ihre Gemälde, Pastelle und Druckgrafiken zeichnen sich durch unermüdliches Experiment und ständige Veränderung aus.

Ab Mitte der 1870er Jahren änderte sie ihren Stil radikal und nutzte eine leuchtende und lebendige Farbpalette. Neben Szenen von Frauen in der Oper, zu Besuch bei Freundinnen und beim Teetrinken schuf Cassatt zahlreiche Darstellungen von „Frauenarbeit“ bzw. „care Arbeit“ – Stricken und Sticken, Kinderbaden und Säuglingspflege. Neben Porträts von Angehörigen fing Cassatt zumeist Frauen und Kinder in der Intimität ihres Alltags ein. Neben Interieurs zählen auch Freilichtszenen zu Cassatts Repertoire.

Mary Cassatt war die einzige Amerikanerin, die sich den französischen Impressionist:innen anschloss. Die wohlhabende Familie Cassatt hatten hugenottische Vorfahren, weshalb sie sich wohl in Frankreich stärker verwurzelt fühlte. Edgar Degas entdeckte die talentierte Malerin im Salon von 1877 und lud sie ein, an der Vierten Impressionisten-Ausstellung 1879 teilzunehmen. Schnell avancierte sie zu einem Schlüsselmitglied der Bewegung. Und so war es hauptsächlich ihre Vermittlungsarbeit, die den Impressionismus Kunstliebhaber:innen und Sammler:innen jenseits des Atlantiks näherbrachte.

 

Mary Cassatt im Musée d’Orsay

Das Musée d’Orsay besitzt elf Werke von Mary Cassett, darunter das Ölgemälde „Junges Mädchen im Garten“, auch bekannt als „Nähende Frau“ (1880–1882). Das Gemälde wurde 1886 auf der letzten gemeinsamen Ausstellung der Impressionisten gezeigt (→). Der farbenprächtige Hintergrund wird von einem Pfad, einem breiten diagonalen Band, strukturiert. Dadurch wird die Darstellung der jungen Frau im Vordergrund monumental hervorgehoben. Die schnellen, skizzenhaften Pinselstriche des Rocks kontrastieren mit den scharfen, festen Konturen von Gesicht und Oberkörper und zeigen, dass die Künstlerin bei der Präzision ihrer Zeichnung keine Kompromisse einging.

Weitere Arbeiten sind Zeichnungen nach ihrem Bruder Alexander J. Cassatt sowie drei farbige Pastelle von Müttern mit Kleinkindern aus den 1890ern und die Portraits von Madame Alfred Lavergne (geb. Mademoiselle Magdeleine Mellon, um 1902) und das Kinderbildnis Louise-Aurore Villeboeuf (1902).

 

Cassatt und das Pastell

De Künstlerin vermachte das Pastell „Mutter und Kind auf grünem Hintergrund“ (1897, Musée d’Orsay, Paris) den nationalen Sammlungen. Es wurde aufgrund der Intimität und Zärtlichkeit, die die Figuren verbindet, schnell in „Mutter und Kind“ umbenannt. Mit Degas teilte Cassatt die Vorliebe für technische Experimente und die Betonung von Linie und Zeichnung. Wie er beschränkte sie sich auf wenige Sujets, sowohl klassische als auch zeitgenössische, und erforschte diese eingehend. Cassatts Frauen und Kinder ähneln Degas’ Tänzerinnen und badenden Frauen: ein Thema, das sie in den 1890er Jahren immer häufiger aufgriff und dabei die sinnlichen Qualitäten der Pastellkreide nutzte. Das Zeichnen von Babys und Kindern ermöglichte es ihr, sich in die große Tradition der Kunstgeschichte einzuordnen und die Madonnen mit Kind aus der Historienmalerei, die sie in europäischen Museen eingehend studiert hatte, in alltägliche, zeitgenössische Szenen zu übertragen.

Mary Cassatt arbeitete intensiv mit Pastellkreide und trug maßgeblich zur Erneuerung dieser Technik bei. Sie experimentierte gekonnt mit verschiedenen Malweisen und Farben: Mal ließ sie die prägnante Geste und die Pastelllinie bewusst sichtbar, mal arbeitete sie mit weicheren, samtigeren Pinselstrichen. In Anlehnung an die Pastelltradition des 18. Jahrhunderts, einer Zeit, in der diese Technik dank der Meisterschaft von Rosalba Carriera, Maurice Quentin de La Tour, Jean-Baptiste Perronneau und Jean-Étienne Liotard in der Porträtmalerei ihren Höhepunkt erreichte, nutzte Mary Cassatt sie fast ausschließlich für Porträts von Frauen und Kindern. Sie modernisierte das Thema Mutterschaft und die Darstellung von Kindern, indem sie eine neue, unkonventionelle Perspektive auf die Kindheit und die Beziehungen zwischen bürgerlichen Müttern, Großmüttern, Dienstboten, Kindermädchen und Kindern, zumeist kleinen Mädchen, einführte.

 

Vermittlerin des Impressionismus in die USA

Der gewiefte Galerist der Impressionisten Paul Durand-Ruel stellte mit Hilfe von Mary Cassatt 1885 an der American Art Association 300 Gemälde aus, was die Dichte an impressionistischen Werken in den USA erklärt. Mary Cassatts Kontakt zu Louisine und Henry Havemeyer, dem „Zuckerkönig“ der Ostküste, sollte ebenso von höchster Bedeutung sein. Das seit 1883 verheiratete Paar ließen sich von Mary Cassatt beraten und entwickelten sich zu bedeutenden Kunstsammlern. Neben Gemälden Alter Meister – El Grecos „Ansicht von Toledo“ (heute: Metropolitan Museum New York) und die „Majas am Balkon“ von Francisco de Goya – erstand Louisine Havemeyer Werke von Edouard Manet, Edgar Degas und Claude Monet.

Bilder

  • Mary Cassatt, Musik, 1874, Öl/Lw (Paris, Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris, PPP3737)
  • Mary Cassatt, Junges Mädchen im Garten, 1880–1882, Öl auf Leinwand, 92,5 x 65 cm (Nachlass von Antonin Personnaz, 1937 © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay)
  • Mary Cassatt, Frau und Kind vor einem Tablett mit Waschschüssel, um 1889, Pastell auf beigem Papier (Paris, musée d’Orsay, donation of M. Jean-Pierre Hugot et de Mlle Louise Hugot, RF 31843)
  • Mary Cassatt, Mutter und Kind auf grünem Hintergrund, 1897, Pastell auf beigem Papier, auf einen Leinwandrahmen montiert, 55 x 46 cm (Geschenk von Mary Cassatt, 1897 © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay)
  • Mary Cassatt, Porträt Mademoiselle Louise-Aurore Villeboeuf, um 1902, Pastell auf beigem Papier (Paris, Musée d’Orsay, donation of Mlle Louise-Aurore Villeboeuf, RF 36822, 1978)
  • Mary Cassatt, Im Omnibus (oder in einer Straßenbahn, die über eine Brücke fährt), um 1890/91, Kaltnadel und Weichgrundätzung (Paris, Bibliothèque nationale de France (BnF), Breeeskin, 145-IV IFF19, Cassatt (Mary), n°13)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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