Lubaina Himid

Wer ist Lubaina Himid?

Lubaina Himid CBE RA (*25.7.1954 Sansibar) ist eine britische Künstlerin und Kuratorin der Gegenwart (→ Zeitgenössische Kunst). Himid war einer der ersten Künstlerinnen, die in den 1980er Jahren an der britischen Black Art-Bewegung beteiligt waren. Bis heute schafft Lubaina Himid aktionistische Kunst, in der sie sich auf Themen der Kulturgeschichte und der Rückgewinnung von Identitäten konzentriert. Himid wurde im Juni 2010 „für Verdienste um die Kunst schwarzer Frauen“ zum MBE ernannt, gewann 2017 den Turner Prize und wurde bei den Queen’s Birthday Honours 2018 „für Verdienste um die Kunst“ zum CBE befördert.

Lubaina Himid ist Professorin für zeitgenössische Kunst an der University of Central Lancashire. Sie lebt und arbeitet in Preston, UK.

Kindheit & Ausbildung

Lubaina Ramadhan Abdulla Himid wurde am 25. Juli 1954 im Sultanat Sansibar (ehemals britisches Protektorat, heute: Tansania) geboren. Im Alter von vier Monaten, nach dem Tod ihres Vaters am 5. November 1954, zog sie mit ihrer Mutter, einer Textildesignerin, nach Großbritannien (Weihnachten 1954).

Sie besuchte das Wimbledon College of Art, wo sie Bühnenbild studierte und 1976 mit einem B.A. abschloss. Himid erhielt 1984 ihren Master in Kulturgeschichte am Royal College of Art in London.

Kuratorin und Aktivistin

Himid beschäftigt sich intensiv mit dem Problem der mangelnden Repräsentation dunkelhäutiger und asiatischer Frauen in der Kunstwelt und engagiert sich dafür, die Arbeiten unterrepräsentierter Zeitgenoss:innen zu zeigen.

Lubaina Himid organisierte mehrere Ausstellungen mit Werken dunkelhäutiger Künstler:innen, darunter „Black Woman Time Now“ im Battersea Arts Centre in London (1983) und „Five Black Women“ (1983), eine Ausstellung im Africa Centre, London. Weitere Ausstellungen sind: „Into the Open“ (1984), „The Thin Black Line“ (1985), „Unrecorded Truths“ (1986), „Out There Fighting“ (1987), „New Robes for MaShulan“ (1987) und „State of the Art“ (1987). „Into the Open“ in der Mappin Art Gallery in Sheffield galt weithin als die erste große Ausstellung der neuen Generation dunkelhäutiger britischer Künstler:innen.

In „Naming the Money“ (2004) präsentierte sie die Geschichten von 100 versklavten Menschen in jenen Rollen, die sie an den Fürstenhöfen Europas spielten: Sie fand sie in unterschiedlichsten Berufen – von Hundetrainern, Spielzeugherstellern und Kartenzeichnern bis hin zu Tanzmeistern, Musikern und Malern. Diese Menschen wurden als „Eigentum“ wohlhabender Europäer:innen zu einer Zeit gekauft, als Afrikaner:innen als Zahlungsmittel eingesetzt wurden und schwarze Diener Statussymbole galten. Durch die Begegnung mit diesen Opfern des Menschenhandels aus dem 18. Jahrhundert erfuhren die Besucher:innen deren ursprüngliche Identitäten sowie die ihnen auferlegten.

„Himids Arbeit befasst sich seit langem mit schwarzer Kreativität, Geschichte und Identität, und diese lebhafte Menge repräsentiert die Afrikaner, die als Sklaven nach Europa gebracht wurden. Es gibt Trommler, Hundetrainer, Tänzer, Töpfer, Schuster, Gärtner und Viola Da Gamba-Spieler, alle gekleidet in lebendige Versionen von Kostümen aus dem 17. Jahrhundert. Etiketten auf ihrem Rücken identifizieren jedes Individuum, geben sowohl ihre ursprünglichen afrikanischen Namen und Berufe als auch die von ihren neuen europäischen Besitzer:innen auferlegten, und diese ergreifenden Texte sind auch Teil eines eindrucksvollen Soundtracks , durchsetzt mit Fetzen kubanischer, irischer, jüdischer und afrikanischer Musik."1 (Louisa Buck, in: The Daily Telegraph, 17.2.2017)

Werke

Lubaina Himids kraftvolle und poetische Arbeit hat sie zu einer einflussreichen Figur in der zeitgenössischen Kunst gemacht – von ihrer zentralen Rolle in der britischen Black-Arts-Bewegung der 1980er Jahre bis zum Gewinn des Turner-Preises im Jahr 2017. Im Laufe ihrer Karriere erforschte und erweiterte Himid die Möglichkeiten der Malerei und des Geschichtenerzählens, um die Aufmerksamkeit auf unsichtbare Aspekte der Geschichte und außergewöhnliche Momente des Alltags zu lenken.

Himid drückt sich in Gemälden, Zeichnungen, Drucken und Installationen aus. Sie malt auf einer Vielzahl von Oberflächen, darunter Keramik und Holz, und produziert oft Objekte mit performativem Potenzial (Cut-Outs). Himids Arbeit befasst sich mit dem Erbe der im heutigen Tansania geborenen Künstlerin, die von zwei wiederkehrenden Bestrebungen angetrieben wird: Himid möchte ein Gespräch mit dem Publikum beginnen und aufrechterhalten, um, wie sie sagt, „den Beitrag der Schwarzen zum kulturellen Leben in Europa in den letzten mehreren hundert Jahren zu würdigen“2.

Seit ihrer Präsentation in der Lubaina Galerie Hollybush Gardens in London 2013 hat sich die Wahrnehmung der Künstlerin deutlich ins Positive gewandelt, zeigt sich Himid selbst überzeugt. Damit gelang ihr der nationale Durchbruch. Seither hat Himid u.a. im Badischen Kunstverein in Karlsruhe international ausgestellt.

Ehrungen und Preise

Lubaina Himid war in vielen Gremien und Gremien tätig. Sie ist im Kuratorium des Lowry Arts Centre Manchester. Darüber hinaus ist sie Vorstandsmitglied des Arts Council England Visual Arts, der Creative Partnerships East Lancs und des Arts Council England North West.

  • 1985–1987 Mitglied des Greater London Arts Association Visual Arts Panel
  • 2000 & 2005: Vorstand im Tate Liverpool Council
  • 2002–2005: Vorstand der Matt's Gallery, London
  • 2010: MBE in the June Birthday Honours „für Verdienste um die Kunst schwarzer Frauen“ (Juni)
  • 2017: Turner Prize. Himid war die erste dunkelhäutige Person, die den Turner Prize gewonnen hat. Sie war die älteste Person, die seit Mitte der 1990err Jahre für den Preis nominiert worden war.
  • 2017: Das Apollo Magazin wählte Lubaina Himid zur Künstlerin des Jahres
  • 2018: CBE „für Verdienste um die Kunst“
  • 2018: Mitglied der Royal Academy of Arts, London (10.12.)

Beiträge zu Lubaina Himid

Lubaina Himid: The Truth Is Never Watertight, Installationsansicht: Badischer Kunstverein 2017, Foto: Stephan Baumann

Karlsruhe | Badischer Kunstverein: Lubaina Himid


The Truth is Never Watertight

Der Badische Kunstverein freut sich, die Künstlerin Lubaina Himid (*1954) in einer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland zu präsentieren. Als Künstlerin, Autorin und Professorin widmet sich Himid dem Diskurs um Migration, Rassismus, Sklaverei und Repräsentation des Schwarzen Körpers in der Kunst und bringt westliche Stereotype und Klassifikationen ins Wanken.
  1. Louisa Buck, in: The Daily Telegraph, 17.2.2017.
  2. Zit. n. Lubaina Himids Biografie auf der Homepage der Royal Academy: https://www.royalacademy.org.uk/art-artists/name/lubaina-himid-ra-elect (letzter Aufruf 11.6.2922).