0

Wien | Belvedere: Raden Saleh. Osman Hamdi Bey. Hakob Hovnatanyan Kunst von Welt in der Sammlung des Belvedere

Osman Hamdi Bey, Über den Koran meditierend, Detail, 1902 (Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien)

Osman Hamdi Bey, Über den Koran meditierend, Detail, 1902 (Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien)

In den 1880er-Jahren – am Höhepunkt europäischer Expansionspolitik – entstanden im Spannungsfeld zwischen Ost und West drei bemerkenswerte Gemälde, die im 20. Jahrhundert in die Sammlung des Belvedere gelangten. Sie passen nur bedingt in das Schema einer eurozentrischen Sammlungsordnung. Dennoch – oder gerade deswegen – erwacht zunehmend Interesse an ihren Schöpfern Hakob Hovnatanyan, Raden Saleh und Osman Hamdi Bey. Das Belvedere präsentiert die drei Arbeiten in der Reihe IM BLICK.

Raden Saleh (1811–1880) aus Indonesien, Osman Hamdi Bey (1842–1910) aus der Türkei und Hakob Hovnatanyan (1806–1881), Armenier aus dem heutigen Georgien: drei Maler, drei Geschichten im Spannungsfeld europäischer, nahöstlicher und asiatischer Kulturen – drei Pioniere der Malerei ihrer Herkunftsländer. Osman Hamdi Bey und Hakob Hovnatanyan lebten östlich der europäischen Zentren. Raden Salehs Herkunftsland Indonesien war europäisch kolonialisiert. Während Raden Saleh und Osman Hamdi Bey nach Europa gingen, beschritt Hakob Hovnatanyan den umgekehrten Weg: Der zunächst europäisch geschulte Künstler vertiefte sich im fortgeschrittenen Alter in die Traditionen der persischen Malschule. Im Belvedere wird nun je eines ihrer Hauptwerke gezeigt.

Im 20. Jahrhundert gelangten drei Bilder von Hakob Hovnatanyan, Raden Saleh und Osman Hamdi Bey aus der ehemaligen Gemäldesammlung des österreichischen Kaiserhauses ins Belvedere und fanden lange Zeit wenig Beachtung. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten schufen intensive kunstwissenschaftliche Forschungen, internationale Großausstellungen und nicht zuletzt Versteigerungserlöse im Millionenbereich auch in Europa ein neues Bewusstsein für den Stellenwert dieser Künstler und ihrer Werke.

Hakob Hovnatanyan, Raden Saleh und Osman Hamdi Bey im Belvedere

Die IM BLICK Ausstellung stellt das Schaffen dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten näher vor und leuchtet die Hintergründe ihrer Arbeiten aus – im Fokus steht die spezielle Ausprägung künstlerischen Wirkens zwischen europäischen und asiatischen Kulturtraditionen.

Rückblicke auf die vielfältigen Wege kultureller Interaktion im 19. Jahrhundert gewinnen heute, im Zeitalter der Globalisierung, an Relevanz – dem trägt die Ausstellung am Beispiel der Lebenswege und der Kunst dieser drei charismatischen Weltbürger Rechnung.

Kuratiert von Markus Fellinger.
Quelle: Belvedere, Wien

Osman Hamdi Bey – Hakob Hovnatanyan – Raden Saleh im Belvedere: Bilder

  • Osman Hamdi Bey, Über den Koran meditierend, 1902 (Belvedere, Wien)
  • Hakob Hovnatanyan, Nāser ad-Din, der Schah von Persien, um 1860 (Belvedere, Wien)
  • Saleh Ben Jaggia Raden, Kämpfende Tiger über der Leiche eines Javaners, 1870 (Belvedere, Wien)

Aktuelle Ausstellungen im Belvedere

27. April 2022
Salvador Dalí, Komposition mit drei Figuren (Neokubistische Akademie), 1926, Öl auf Leinwand, 190 x 200 cm (Museu de Montserrat, Montserrat © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2019)

Wien | Belvedere: Dalí – Freud Begegnung von Malerei und Psychoanalyse | 2022

Ab 1926 verarbeitete Salvador Dalí die Theorien von Sigmund Freud, getroffen hat er den Psychoanalytiker ein Mal 1938 in London. Ausstellung im Herbst 2020 in Wien.
17. März 2022
Anton Filkuka, Holzsammelnde Kinder, 1925 (Belvedere, Wien)

Wien | Belvedere: Lebensnah. Realistische Malerei von 1850 bis 1950 Kontinuitäten im Realismus

Welche Kontinuitäten finden sich im Realismus über die Jahrzehnte hinweg? Die Sonderausstellung im Oberen Belvedere zeigt den Facettenreichtum einer Kunstauffassung, die sich auch als Spiegel ihrer sozialen Umwelt verstand.
24. Februar 2022
Marc Quinn X Messerschmidt

Wien | Belvedere: Marc Quinn meets Franz Xaver Messerschmidt Face to Face | 2022

Von Angesicht zu Angesicht: Mit seiner achtteiligen Werkserie „Emotional Detox“ tritt der britische Künstler Marc Quinn den berühmten „Charakterköpfen“ des barocken Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt gegenüber.

Aktuelle Ausstellungen

16. Mai 2022
Bertha Schrader, Das Innere einer Kirche, Detail, o. J., MdbK

Leipzig | Museum der bildenden Künste Leipzig: Künstlerinnen in Leipzig um 1900 Unterschätzte Künstlerinnen auf der STIGA 1897 | 2022

Zum 125-jährigen Jubiläum der STIGA widmet das MdbK den damals ausgestellten – heute nahezu vergessenen – Künstlerinnen neue Aufmerksamkeit: Marianne Fiedler, Emilie Mediz-Pelikan, Philippine Wolff-Arndt, Ella Hagen, Bertha Schrader und viele mehr.
15. Mai 2022
Paul Cézanne, Stillleben mit Äpfeln, 1893–94 (The J. Paul Getty Museum, Los Angeles)

Chicago | Art Institute: Cézanne Maltechnik und Modernität | 2022

Neues Licht darauf, wie Paul Cézanne (1839–1906) seine Bilder malte, sondern auch, warum seine Kunst bis heute so wichtig ist. Der französische Maler und „Vater“ der Moderne ging fast sein ganzes Leben lang zwei Fragen nach: Kann ein Maler immer wieder Kunstwerke nach Sinneseindrücken schaffen? Und wenn ja, wären auf diese Weise entstandene Bilder irgendwie lebensechter als solche, die auf andere Weise entstanden sind?
15. Mai 2022
Julio Le Parc, Lumière en mouvement, 1962–1999, Metall, Licht, Holz, 53 × 153 x 15 cm, Installationsansicht Palais de Tokyo 2013, Paris (© VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: A. Amorin)

Krefeld | Haus Esters: Julio Le Parc Licht und Bewegung | 2022

Erste große institutionelle Einzelausstellung in Deutschland seit 1972 würdigt den Mitbegründer der G.R.A.V.-Künstlergruppe Julio Le Parc.