0

Balthus: Werk und Leben Retrospektive in der Fondation Beyeler und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza

Balthus, Passage du Commerce-Saint-André, Detail, 1952–1954, Öl/Lw, 294 x 330 cm (Privatsammlung, © Balthus, Foto: Mark Niedermann)

Balthus, Passage du Commerce-Saint-André, Detail, 1952–1954, Öl/Lw, 294 x 330 cm (Privatsammlung, © Balthus, Foto: Mark Niedermann)

Die Fondation Beyeler in Riehen/Basel widmet dem legendären Künstler Balthus, mit vollem Namen Balthasar Kłossowski de Rola (1908–2001), eine retrospektiv angelegte Ausstellung. Es ist die erste zu Balthus in einem Schweizer Museum seit zehn Jahren und die erste umfangreiche Präsentation seines Schaffens in der deutschsprachigen Schweiz überhaupt. Von Balthusʼ späten Kindheitsjahren in Bern, Genf und Beatenberg über seine Heirat mit der Schweizerin Antoinette de Watteville und die gemeinsamen Aufenthalte in der französischen wie auch der deutschen Schweiz bis hin zu den letzten Jahrzehnten seines Lebens im alpinen Rossinière bestand fortwährend eine enge Beziehung des Künstlers zur Schweiz.

Balthus zählt zu den großen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts und erweist sich dabei als einer der singulärsten. In seinem vielschichtigen und facettenreichen Schaffen, das ebenso Verehrung wie Ablehnung erfährt, verfolgte Balthus einen künstlerischen Weg, der alternativ, ja geradezu entgegengesetzt zu den Strömungen der modernen Avantgarden verlief. In dieser Abkehr bezieht sich der exzentrische Maler auf eine Vielzahl kunsthistorischer Traditionen und Vorläufer. In seiner beinahe als „postmodern“ zu beschreibenden Distanzierung von der Moderne entwickelte er jedoch zugleich seine ganz eigene Form von Avantgarde, die heute umso aktueller erscheint.

 

Ironie und Abgrund?

Den Ausgangspunkt für die Ausstellung in der Fondation Beyeler markiert Balthusʼ monumentales Meisterwerk „Passage du Commerce - Saint – André“ (1952–1954), das sich seit längerer Zeit als Dauerleihgabe im Museum befindet. In diesem rätselhaften Gemälde verdichtet sich in besonderem Masse Balthusʼ intensive Beschäftigung mit räumlichen wie zeitlichen Dimensionen im Bild und deren Verhältnis zu Figur und Objekt. Ausgehend von diesem Aspekt, wird die Ausstellung rund 50 zentrale Gemälde des Künstlers aus sämtlichen Schaffensphasen vereinigen. In dieser Perspektive sollen auch Balthusʼ teilweise provokanten Strategien der bildlichen Inszenierung und damit nicht zuletzt die Ironie und Abgründigkeit seiner Kunst beleuchtet werden. So treffen in seinen ebenso ruhevollen wie spannungsreichen Werken Gegensätze aufeinander, indem sich Wirklichkeit und Traum, Erotik und Unschuld, Sachlichkeit und Rätselhaftigkeit sowie Vertrautes und Unheimliches auf einzigartige Weise verbinden.

Die Ausstellung in der Fondation Beyeler, die mit grosszügiger Unterstützung der Familie des Künstlers realisiert wird, wird von Dr. Raphaël Bouvier, Kurator, und Michiko Kono, Associate Curator, kuratiert.

Quelle: Pressetext

 

Weitere Beiträge zur Klassischen Moderne

30. Juni 2019
Gustav Klimt, Judith I, Detail, 1901, Öl/Lw, 98 × 48 × 5 cm (incl. Rahmen) (Belvedere, Wien)

Amsterdam | Van Gogh Museum: Gustav Klimt Retrospektive des Wiener Malerstars mit Fokus auf seine Inspiration durch Monat, Van Gogh und Matisse

Das Van Gogh Museum, Amsterdam, zeigt eine Retrospektive zu Gustav Klimt, incl. den Einfluss der internationalen Avantgarde auf dessen Werk. 100 Gemälde, je 50 von Klimt sowie James McNeill Whistler, Jan Toroop, Claude Monet, Auguste Rodin, Vincent van Gogh, Henri Matisse - Herbst 2020!
22. Mai 2019
Mardsen Hartley, Detail

Louisiana: Marsden Hartley Amerikanischer Maler der Moderne

Marsden Hartley (1877–1943) gilt als erster bedeutender moderner Maler Amerikas des 20. Jahrhunderts und ein Werk als Verbindung zwischen der amerikanischen und europäischen Moderne – und dennoch sind er und seine Kunst dem europäischen Publikum noch so gut wie unbekannt. Die Ausstellung im Louisiana Museum of Modern Art ist die erste große Retrospektive der Gemälde seit über 60 Jahren.
13. Mai 2019
Edward Hopper, Nighthawks [Nachtschwärmer], Detail, 1942, Öl/Lw, 84.1 × 152.4 cm (Art Institute of Chicago, Friends of American Art Collection, Inv.-Nr. 1942.51)

14 Dinge, die man über Edward Hopper wissen sollte Später Impressionist, erfolgreicher Grafiker, Debatte über „Modernität“, berühmtestes Bild

Edward Hopper (1882–1967) zählt zu den bekanntesten US-amerikanischen Malern des 20. Jahrhunderts. Sein Werk wird im Kontext von Neue Sachlichkeit, Amerikanischem Realismus und Impressionismus diskutiert. Entdecke hier die 14 wichtigsten Fakten zu Leben und Werken des späten „Impressionisten“.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.