0

Lorenzo Lotto. Porträts Porträtmalerei der Hochrenaissance in Oberitalien

Lorenzo Lotto, Porträt einer Frau als Lukretia, Detail, um 1530–1532, Öl/Lw, 96.5 x 110.6 cm (© The National Gallery, London)

Lorenzo Lotto, Porträt einer Frau als Lukretia, Detail, um 1530–1532, Öl/Lw, 96.5 x 110.6 cm (© The National Gallery, London)

Lorenzo Lotto (um 1480–1556/7) zählt zu den faszinierendsten Renaissancemalern des frühen 16. Jahrhunderts und ist vor allem für seine Porträts und religiösen Gemälde bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch eine expressive Empfindsamkeit und Unmittelbarkeit aus und sind an ihren tief gesättigten Farben und dem markanten Einsatz von Schatten erkennbar.

Lotto gilt als einer der besten Porträtmaler der italienischen Renaissance. Seine Modelle stellen einen einzigartigen Querschnitt des Bürgertums dar, darunter Kleriker, Händler und Humanisten. Er malte Männer, Frauen und Kinder, den Kompositionen verlieh er Symbolik und eine bemerkenswerte psychologische Tiefe. Objekte spielen eine maßgebliche Rolle in Lottos Porträts und verweisen auf den gesellschaftlichen Stand, die Interessen und das Streben der Porträtierten. Die Gemälde werden in der Ausstellung daher mit authentischen Teppichen, Skulpturen, Schmuck und anderen persönlichen Gegenständen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Dialog gesetzt.

Zu den Porträtierten sind zahlreiche Informationen bekannt, was insbesondere den teilweise erhaltenen Rechnungsbüchern des Künstlers – „Libro di spese diverse“ (1538–1556) – zu verdanken ist. Darin finden wir Einzelheiten zu ihrer Identität, den Preisen der Werke und zu den Umständen ihres Entstehens. Einige dieser Dokumente sind ebenfalls Teil der Ausstellung.

 

 

Lorenz Lotto ist um 1480 in Venedig geboren. Wenn auch über seine Ausbildung nichts bekannt ist, so stand Lotto am Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit unter dem Einfluss von Giovanni Bellini. Um der Konkurrenz in Venedig zu entgehen, arbeitete Lotto von 1503 bis 1506 in Treviso, dann zwei Jahre in den Marchen (1506–1508), weitere zwei Jahre in Rom (1508–1510) und Bergamo (1513–1525). Der vielgereiste Maler ließ sich 1525 erneut in Venedig nieder, wo er bis 1532 wohnhaft blieb, um dann erneut seine Reisetätigkeit im Veneto und den Marchen aufzunehmen. 1549 zog er nach Ancona, bis 1556 lebte der tiefgläubige Lorenzo Lotto allerdings als Laienbruder der Franziskaner in Loreto. Lorenzo Lottos Malerei verbindet venezianische und Florentiner Tendenzen der Hochrenaissance: die Linie (disegno) der Florentiner trifft in seinem Werk auf die Leuchtkraft der Farbe (colore). Da sich Lotto in Venedig gegen Tizian, Tintoretto und Veronese nicht durchsetzen konnte, wurde er nach seinem Tod rasch vergessen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Bernard Berenson den Maler wieder. Neben seinen Altarbildern, von denen einige noch in den Kirchen hängen, für die sie gemalt wurden, ist Lotto heute für seine psychologisch einfühlsame Porträtmalerei bekannt.

Die Ausstellung wird organisiert von der National Gallery London und dem Museo Nacional del Prado, Madrid

 

 

Lorenzo Lotto. Porträts: Bilder

  • Lorenzo Lotto, Porträt eines jungen Mannes, um 1500, Öl/Holz, 34.2 x 27.9 cm (Bergamo, Accademia Carrara - Pinacoteca di Arte Antica)
  • Lorenzo Lotto, Allegorie von Tugend und Laster, 1505, 56.5 x 47.2 cm (Washington, National Gallery of Art, Samuel H. Kress Collection, 1939.1.156)
  • Lorenzo Lotto, Porträt des Bischofs Bernardo de’Rossi, um 1505, Öl/Holz, 52 x 40 cm (Neapel, Museo Nazionale di Capodimonte)
  • Lorenzo Lotto, Mariae Himmelfahrt mit den Hll. Anthonius Abbas und Ludwig von Toulouse, 1506, Öl/Holz, 175 x 165 cm (Asolo, Chiesa propositurale e collegiata di Santa Maria Assunta)
  • Lorenzo Lotto, Porträt eines jungen Mannes mit Lampe, um 1508, Öl/Holz, 42.3 x 35.3 cm (Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie)
  • Lorenzo Lotto, Der Arzt Giovanni Agostino della Torre und sein Sohn, Niccolò, um 1513–1516, Öl/Lw, 85 x 68.2 cm (© The National Gallery, London)
  • Lorenzo Lotto, Porträt eines Mannes mit einem Rosenkranz, um 1515–1520, Öl/Holz, 78.5 x 62 cm (Niva, Nivaagaards Malerisamling)
  • Lorenzo Lotto, Porträt von Marsilio Cassotti und seiner Frau Faustina, 1523, Öl/Lw, 71 x 84 cm (Madrid, Museo Nacional del Prado)
  • Lorenzo Lotto, Mystische Vermählung der Hl. Katharina mit Nicolò Bonghi, um 1523, Öl/Lw, 172 x 143 cm (Bergamo, Accademia Carrara - Pinacoteca di Arte Antica)
  • Lorenzo Lotto, Marsilio Cassotti und seine Frau Faustina, 1523, Öl/Lw, 71 × 84 cm (© Museo Nacional del Prado, Madrid)
  • Lorenzo Lotto, Hochzeitsporträt (Giovanni Maria Cassotti und Laura Assonica?), um 1523/24, Öl/Lw, 96 x 116 cm (Sankt Petersburg, Eremitage Museum)
  • Lorenzo Lotto, Porträt von Andrea Odoni, 1527, Öl/Lw, 104.6 x 116.6 cm (The Royal Collection Trust, Hampton Court)
  • Lorenzo Lotto, Porträt von einer Dame als Lukretia, um 1530–1532, Öl/Lw, 96.5 x 110.6 cm (London, The National Gallery)
  • Lorenzo Lotto, Porträt einer Frau als Lucretia, um 1530–1532, Öl/Lw, 96.5 x 110.6 cm (© The National Gallery, London)
  • Lorenzo Lotto, Porträt eines Mannes mit Eidechse, 1532, Öl/Lw, 98 x 111 cm (Venice, Gallerie dell'Accademia)
  • Lorenzo Lotto, Dreifachporträt von einem Goldschmied, um 1525–1535, Öl/Lw, 52 x 79 cm (Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie)
  • Lorenzo Lotto Porträt eines Mannes, 1535, Öl/Holz, 118 x 105 cm (Rom, Galleria Borghese)
  • Lorenzo Lotto, Porträt eines älteren Edelmanns mit Handschuhen (liberale da Pinedel), 1542–1544, Öl/Lw, 90 x 75 cm (Milan, Pinacoteca di Brera)
  • Lorenzo Lotto, Porträt von Giovanni della Volta mit seiner Frau und Kindern, 1547, Öl/Lw, 104.5 x 138 cm (London, National Gallery, Bequeathed by Miss Sarah Solly)

Weitere Beiträge zur Renaissance Kunst

15. Juni 2018
Giambologna nach Michelangelo, Der Tag, Detail, Florenz, vor 1574, Alabaster (Skulpturensammlung © SKD, Foto: Wolfgang Kreische)

Giambologna, Michelangelo und die Medici-Kapelle Alabaster und Vervollständigung als Kriterien für neue Zuschreibung

Vier Tageszeiten aus Alabaster nach Michelangelos Allegorien in der Medici-Kapelle könnten Frühwerke von Giambologna (1529–1608) sein. Eine Ausstellung im Zwinger in Dresden stellt diese neue Zuschreibung vor.
9. Juni 2018
Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, Detail, um 1475, Pappelholz, 62 × 46,6 × 1,9 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 7779)

Florenz und seine Maler: Die Erfindung der Renaissance Meisterwerke der Alten Pinakothek von Giotto bis Leonardo da Vinci

Die „Erfindung“ der Renaissance ist eng mit der Florentiner Skulptur und Malerei des 15. Jahrhunderts verbunden. Die Alte Pinakothek versammelt Werke von Giotto bis Leonardo, um diesen Weg nachzuzeichnen.
1. Juni 2018
Pieter Bruegel d. Ä., Der Triumph des Todes, Reiter mit Sense, 1562–1563, Öl/Holz, 117 x 162 cm (Madrid, Museo Nacional del Prado)

Pieter Bruegel der Ältere: Der Triumph des Todes Moralisierende Todesvision im Prado

Pieter Bruegel d. Ä. zeigt, wie alle Stände vom Tod gleich gemacht werden. Grausame Schreckensvision im Stil von Hieronymus Bosch vom Prado restauriert.
20. Mai 2018
Leonardo da Vinci, Kopf eines Kriegers, Detail, 1504, Rötel, 19 x 21 cm (Szepmueveszeti Muzeum, Budapest)

Leonardo im Teylers Museum Haarlem zeigt Leonardo Zeichnungen anlässlich des 500. Todestages

Leonardo im Teylers Museum ist die erste Ausstellung zu den Handzeichnungen des berühmten italienischen Renaissance-Künstlers in den Niederlanden. Schon zu seinen Lebzeiten (1452–1519) war Leonardo da Vinci dafür berühmt, den menschlichen Charakter und die Affekte in überzeugender Weise einfangen zu können.
27. April 2018
Bronzino (Agnolo di Cosimo; Monticelli, Firenze 1503-Firenze 1572) Ritratto di Eleonora di Toledo col figlio Giovanni, 1545, olio su tavola; cm 115 x 96. Firenze, Galleria degli Uffizi, inv. 1890 n. 748.

Bronzino. Maler und Poet am Hof der Medici Florentiner Manierist im Palazzo Strozzi

Wenige Künstler haben das Bild der Medici-Dynastie so geprägt wie Agnolo di Cosimo, genannt Bronzino (1503–1572). Als Hofmaler von Cosimo I. und Eleonora von Toledo verewigte er die Großherzöge der Toskana auf würdevolle wenn auch statuarische Weise.
22. Dezember 2017
Cellini, Salzfass (Saliera), 1540–1543, Gold, Email, Ebenholz, Elfenbein, 28,5 cm × 21,5 cm × 26,3 cm (Kunsthistorisches Museum Wien)

Benvenuto Cellini: Saliera Goldenes Salzfass für Franz I. von Frankreich

Der Florentiner Goldschmied Benvento Cellini (1500–1571) schuf das Salzfass in den Jahren 1540 bis 1543 während seines Aufenthaltes am Hof des französischen Königs Franz I. (1494–1547).
6. Dezember 2017
Antico, Büste des Marc Aurel, Detail, um 1500, Bronze, vergoldet, 72,5 x 60,0 cm (LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna, Inv.-Nr. SK 1630)

Antico, Büste des Marc Aurel Antikenbegeisterung der Hochrenaissance

Antico (um 1455–1528) gehört zu den führenden Bronzebildhauern der Renaissance, da er Werke im antikischen Stil schuf. Diese "Büste von Marc Aurel" aus den Princely Collections Liechtenstein dürfte im frühen 16. Jahrhundert vielleicht für Isabella d'Este entstanden sein.
5. Dezember 2017
Antonello da Messina, Sacra Conversazione, Hl. Nikolaus, August 1475– Anfang April 1476, Öl/Holz, 115 cm x 133 cm (gesamt), 55,9 x 35 cm (linke Tafel), 56,8 x 35,6 cm (rechte Tafel) (Kunsthistorisches Museum, Wien)

Antonello da Messina, Pala di San Cassiano: Sacra Conversazione Fragmentiertes Hauptwerk der Renaissance-Malerei

Antonella da Messina (um 1430–1479) war ein führender Maler der italienischen Frührenaissance und führte als einer der ersten Künstler die flämische Technik der Ölmalerei ein. Der für die Kirche San Cassiano in Venedig 1475/76 geschaffene Altar wurde von seinen Zeitgenossen bewundert und beeinflusste die Künstler der Serenissima, unter anderem Giovanni Bellini und Tizian.
5. Dezember 2017
Jacopo Tintoretto Susanna im Bade, Detail, um 1555/1556, ÖlLw, 146 x 193,6 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Inv.-Nr. GG 1530)

Jacopo Tintoretto, Susanna im Bade Sex & Crime mit venezanischem Kolorit

Tintorettos „Susanna im Bade“ des Kunsthistorischen Museums überrascht durch ihre klassische Klarheit in der Formgebung: Bildbeschreibung, Symbolik, Stilanalyse.
27. November 2017
Pieter Bruegel der Ältere, Der Turmbau zu Babel, Turm, 1563, signiert und datiert, Öl auf Eichenholz, 114 x 155 cm (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv.-Nr. 1026)

Pieter Bruegel d. Ä.: Werk und Leben Erste monografische Ausstellung zu Pieter Bruegel d. Ä.

2019 jährt sich der Todestag von Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525/30–1569) zum 450. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums widmet das Kunsthistorische Museum diesem bedeutendsten niederländischen Maler des 16. Jahrhunderts die weltweit erste große monografische Ausstellung.
20. November 2017
Michelangelo, Unvollendeter Karton für eine Madonna mit Kind, Detail, 1525–1530, Schwarze und rote Kreide, weiße Gouache, Blatt 54.1 x 39.6 cm (Casa Buonarroti, Florenz 71F SL.6.2017.12.7)

Michelangelo Zeichnungen im Metropolitan Museum „Göttlicher Zeichner und Entwerfer“

Wer dem „Genie“ von Michelangelo Buonarroti (1475–1564) nahekommen möchte, möge sich mit seiner Zeichenkunst beschäftigen, empfiehlt das Metropolitan Museum, New York. Hier zeigt sich seine ungebrochene Innovationskraft, sein Kunstverständnis, seine Erfindungen über die Gattungsgrenzen hinaus. Schon zu seinen Lebzeiten wurden Zeichnungen zunehmend als authentische, persönliche Formen des Ausdrucks wertgeschätzt und gesammelt.
16. November 2017
Leonardo da Vinci, Salvator Mundi (mit Rahmen), Detail, Öl/Walnuss, 65.7 x 45.7 cm, um 1500 (Privatsammlung, courtesy Sothenby‘s)

Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ für 450 Mio. USD verkauft Teuerstes auktioniertes Kunstwerk aller Zeiten

Um 2 Uhr früh MEZ fiel in New York der Hammer bei 450 Millionen USD (450.312.500 USD mit Gebühren), oder umgerechnet 380 Millionen Euro. Leonardo da Vinci’s (1452–1519) erst 2005 wiederentdeckter „Salvator Mundi“ ging von dem im Exil lebenden Russen Dimitri Rybolowiew an eine_n anynome_n Sammler_in.
6. November 2017
Michelangelo, David, Oberkörper (Florenz, Galleria dell‘Accademia)

Michelangelo Bounarroti: David Entstehungsgeschichte der Statue, Analyse und Interpretation

Das bekannteste Werk des Florentiner Bildhauers Michelangelo ist zweifellos der „David“ (1501–1504), den er eigentlich für den Florentiner Dom fertigte. Ihr Aufstellung vor dem Palazzo Vecchio verdankt sie der herausragenden Qualität und dem überzeugenden Antikenzitat wie auch der respektierten Bedeutung ihres Schöpfers.
2. November 2017
Albrecht Dürer, Geburt Christi, Detail, 1514, Feder in Schwarz, 31,3 x 21,7 cm (Albertina)

Albrecht Dürer, Geburt Christi (Albertina) Heilige Nacht im Stall

Albrecht Dürers „Geburt Christi“ zeigt das heilige Geschehen als Familienglück! Das von Herzog Albert von Sachsen-Teschen erworbene Blatt zeigt die Anbetung des Christusknaben durch Maria und Josef. Hirten eilen im Hintergrund zum heiligen Geschehen. Die Architektur des Stalls ist räumlich überzeugend wiedergegeben, was die Federzeichnung mit dem „Marienleben“ (publiziert 1511) verbindet.
20. Oktober 2017
Meister von Meßkirch, Epiphanie, Detail aus der Mitteltafel des ehemaligen Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann.

Meister von Meßkirch. Katholische Pracht in der Reformationszeit Katholische Reform und Bildpropaganda in Württemberg

Der Meister von Meßkirch (1515–1540 aktiv) erhielt seinen Notnamen nach dem zwischen 1536 und 1540 gemalten Altarensemble für die Stiftskirche St. Martin in Meßkirch, südlich von Sigmaringen. Insgesamt werden dem Meister von Meßkirch zwölf Flügelaltäre mit je sieben Einzeltafeln zugeschrieben, die zwischen 1520 und den frühen 1540ern im oberschwäbischen Raum in Auseinandersetzung mit dem Dürer-Kreis entstanden sind. Davon sind acht Mittelbilder und 58 Tafeln überliefert.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.