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Louise Bourgeois: Biografie Lebenslauf der unbeugsamen Bildhauerin

Louise Bourgeois, Strukturen des Daseins: Die Zellen

Louise Bourgeois, Strukturen des Daseins: Die Zellen

Louise Bourgeois (1911–2010) Leben war stark geprägt von ihrem herrschsüchtigen, untreuen Vater und ihrer treu sorgenden Mutter. Die in Frankreich geborene Bildhauerin arbeitete bereits als Kind im elterlichen Betrieb mit und erlernte früh das Restaurieren von Tapisserien und Wandteppichen. Der Durchbruch als Künstlerin gelang Bourgeois erst spät, wurde sie doch während der 1970er Jahre von den amerikanischen Künstlerinnen als Vorläuferin entdeckt und gefeiert. International fand ihre Kunst ab den 1980er Jahren regen Zuspruch. 1982 widmete ihr das MoMA in New York die erste Einzelausstellung einer Künstlerin. Seit ihren autobiografischen Texten wird Louise Bourgeois' Kunst häufig unter dem Prädikt einer psychoanalytischen Werkbetrachtung analysiert.

 

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Louise Bourgeois Lebenslauf

  • 1911

    Am 25. Dezember 1911 wurde Louise Bourgeois als Tochter des Landschaftsarchitekten Louis Bourgeois und dessen Frau Joséphine Fauriaux. Ihre Schwester Henriette Marie Louise war schon 1904 geboren worden.
  • 1912–1917

    Die Familie mietete ein Haus in Choisy–le–Roi, in der Umgebung von Paris.
  • 1913

    Geburt des Bruders Pierre Joseph Alexandre (24.1.)
  • 1915

    Bourgeois‘ Vater Louis wurde im Ersten Weltkrieg verwundet und im Hospital von Chartres gepflegt.
  • 1919

    Bourgeois‘ Mutter erkrankte an der Spanischen Grippe. Louise kümmerte sich um sie und verbrachte die Winter mit ihr in Südfrankreich.
  • 1922

    Sadie Gordon Richmond wurde angestellt, um den Kindern Englisch beizubringen. Sie wurde die Geliebte des Vaters und lebte mit der Familie bis 1932.
  • 1923

    Louise Bourgeois wurde aufgrund ihres Zeichentalents gebeten, in der Teppichweberei auszuhelfen. Sie wurde Expertin für Beine und Füße. Erstes Tagebuch.
  • 1925

    Besuch der Ausstellung „Le Salon des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“, wo sie erstmals den Art Deco Stil sowie Arbeiten von Friedrich Kiesler und Vladimir Tatlin kennenlernte.
  • 1929

    Aufnahme in die Zeichnungsabteilung der École Nationale d’Art Décoratif.
  • 1932

    Kurzes Studium an der Sorbonne: Integralrechnung und Geometrie. Bakkalaureat in Philosophie von der Universität von Paris mit einer Dissertation über Blaise Pascal und Emmanuel Kant. Reise nach Skandinavien und Russland. Tod der Mutter (September).
  • 1933–1938

    Kunststudium an der École des Beaux–Arts in Paris sowie Künstlerateliers am Montmartre und am Montparnasse bei Paul Colin, Roger Bissière, Othon Friez, Marcel Gromaire, André Lhote und Fernand Léger.
  • 1936

    Erste eigene Wohnung in dem Haus, in dem André Breton seine Galerie Gradiva führte und Werke der Surrealist_innen ausstellte. Das Théatre de l’Académie Raymond Duncan und ein Prothesenmacher sind ebenfalls in diesem Haus eingemietet. Erste Ausstellungsbeteiligung in der Galerie de Paris.
  • 1937

    Kunstgeschichtestudium an der L’École du Louvre und Arbeit als Dozentin (Kunstvermittlerin) im Musée du Louvre.
  • 1938 Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Jean Dufresse. Eröffnung ihrer eigenen Kunstgalerie, wo Louise Bourgeois mit Drucken und Gemälden von Eugène Delacroix, Odion Redon, Suzanne Valadon, Henri Matisse und Pierre Bonnard handelte. Hier traf sie auch den amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater. Im September Heirat mit Goldwater und Umzug nach New York.
  • 1939

    Adoption des dreijährigen Waisen Michel Olivier. Bourgeois schrieb sich an der Art Students League in New York ein. Sie begann Drucke anzufertigen und mit einer Beteiligung im Brooklyn Museum auszustellen. Erste Gemälde und Zeichnungen in den USA. Da Goldwater ein bedeutender Kunsthistoriker und Herausgeber war, traf Bourgeois viele wichtige Künstler, Galeristen, Sammler_innen ihrer Zeit.
  • 1940

    Geburt ihres Sohnes Jean–Louis Bourgeois.
  • 1941

    Geburt des Sohnes Alain Matthew Clement Bourgeois. Experimente mit lebensgroßen, hölzernen Skulpturen auf dem Dach ihres Wohnhauses in Manhattan, New York.
  • 1943

    Teilnahme an einer Ausstellung im Metropolitan Museum of Art (MET), um den Krieg zu unterstützen. Gemeinsam mit André Masson und Alexander Calder erhielt sie für ihre Teilnahme an „The Arts in Therapy: A Competition and Exhibition“ im MET eine ehrenvolle Erwähnung.
  • 1945

    Erste Einzelausstellung in der Bertha Schaefer Gallery in New York, wo sie zwölf Gemälde präsentierte. Teilnahme an Gruppenausstellungen der Abstrakten Expressionisten (Motherwell, Pollock, Rothko, de Kooning). Gemeinsam mit Marcel Duchamp kuratierte sie die Ausstellung „Documents, France 1940–1944: Art–Literature–Press oft he French Underground“ in der Norlyst Gallery. Teilnahme an der Gruppenausstellung „The Women“ in Peggy Guggenheims Art of This Century Gallery. Erste Ausstellungsbeteiligung im Whitney Museum of American Art (bis 1952 jährlich).
  • 1946

    Im Atelier 17 von Stanley William Hayter machte sie Drucke und traf Yves Tanguy, Le Corbusier und Joan Miró.
  • 1947

    Zweite Einzelausstellung in der Norlyst Gallery.
  • 1949

    Erste Einzelausstellung als Bildhauerin in der Peridot Gallery in New York.
  • 1950

    Unterschrieb eine Petition zugunsten von 18 Malern, die als „the Irascibles“ bekannt geworden waren – darunter Newman, Reinhardt, Pollock, Rothko, de Kooning.
  • 1951

    Tod des Vaters Louis. Erster Ankauf eines Museums durch Alfred H. Barr für das Museum of Modern Art, New York.
  • 1952

    Bourgeois entwarf die Bühnenbilder für „The Bridegroom of the Moon“ von Erick Hawkins (Mann von Martha Graham).
  • 1955

    Erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft.
  • 1960

    Tod ihres Bruders Pierre.
  • 1964

    Erste Einzelausstellung seit elf Jahren mit neuen Werken in Gips und Latex. Im Art International erscheint ein Artikel von Daniel Robbins über die Entwicklung von Louise Bourgeois‘ Kunst, ihren Kontext, ihre Materialverwendung.
  • 1967–1968

    Erste Reise nach Pietrasanta (Italien), um in Marmor und Bronze zu arbeiten. Bis 1972 kehrte sie regelmäßig wieder. Bourgeois begann sich aktiv für politische und feministische Veranstaltungen zu interessieren. Ihre Arbeiten wurden expliziter sexuell konnotiert. Während der 1970er Jahre nahm Bourgeois an Demonstrationen, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen, die mit Feminismus zu tun hatten, teil.
  • 1973

    Künstlerstipendium vom National Endowment fort he Arts. Tod ihres Mannes.
  • 1974

    Neben Einzelausstellungen lehrte sie an verschiedenen Institutionen, darunter die School of Visual Arts in New York City (bis 1977), die Columbia University, Cooper Union, New York Studio School und die Yale University.
  • 1977

    Ehrendoktorat von der Yale University.
  • 1978

    Erste Skulptur für den öffentlichen Raum. Beginn der institutionellen Anerkennung ihrer Leistungen in den USA:
  • 1980

    Kauf eines Ateliers in Brooklyn, das ihr erlaubte, in noch nie dagewesenen Größen zu arbeiten. Tod ihrer älteren Schwester Henriette.
  • 1981

    Kauf eines verlassenen Hauses in Staten Island für ihren Sohn Michael, das dieser aber nie bewohnte. Es wurde in die Skulptur „Maison Vide“ verwandelt. In Carrara (Italien) entstanden zwölf neue Arbeiten aus Marmor.
  • 1982

    Erste Retrospektive einer Künstlerin im MoMA ist Louise Bourgeois gewidmet! Im Dezember–Heft von Artforum veröffentlichte sie einen autobiografischen Text über ihre Familie.
  • 1983

    Zum Mitglied der American Academy und dem Institute of Arts and Letters in NYC gewählt. Ehrendoktorat vom Massachusetts College of Art in Boston, Offizier der Ehrenlegion.
  • 1985

    Ausstellungen bei Maeght–Lelong in Paris und der Serpentine Gallery in London.
  • 1988

    In Carrara arbeitete sie mit rosa Marmor.
  • 1989

    Bourgeois begann große Installationen zu erarbeiten, die Vorläufer zu ihren „Zellen“ wurden. Erste europäische Retrospektive im Frankfurter Kunstverein, die weiter nach München, Lyon, Barcelona, Bern und Otterloo reiste.
  • 1990

    Erhielt den Sculpture Center Award for Distinction in Sculpture vom Sculpture Center in NYC. Tod ihres Sohnes Michael.
  • 1991

    Erhielt den Preis fürs Lebenswerk vom International Sculpture Center in Washington DC und den Grand Prix für Skulptur des französischen Kulturministeriums. „Cell I“ bis „Cell VI“ wurden in der Carnegie International in Pittsburgh ausgestellt.
  • 1992

    Bourgeois begann Kleidung und Skulpturen aus Stoff einzubauen. „Homely Girl“, eine Zusammenarbeit zwischen Arthur Miller und Bourgeois, erschien bei Peter Blum Editions.
  • 1993

    Teilnahme an der Biennale von Venedig. Erste große „Spinne“ im Brooklyn Museum.
  • 1997

    National Medal of Arts durch Präsident Clinton verliehen.
  • 1998

    Aufnahme in die Nationale Akademie in New York.
  • 1999

    Erhielt den Wexner Preis, den Praemium Imperiale Award. Teilnahme an der 48. Biennale von Venedig. Erhielt den Goldenen Löwen.
  • 2000

    Eröffnungsinstallation in der Turbinenhalle der Tate Modern.
  • 2001

    Die Eremitage in St. Petersburg widmete ihre erste Ausstellung eines lebenden, amerikanischen Künstlers Louise Bourgeois. Vor dem New Yorker City’s Rockefeller Center wurde u. a. die Bronze–Spinne „Maman“ aufgestellt.
  • 2002

    Teilnahme an der Documenta 11 in Kassel.
  • 2003

    Erhielt den israelischen Wolf Prize, das Ehrendoktorat der Universität von Illinois.
  • 2004

    Auftrag vom Seattle Art Museum für einen Brunnen für dem Olympic Sculpture Paris, der 2007 enthüllt wurde. Skulptur für die Phoenix Public Art.
  • 2005

    Ehrenmedaille von der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia. Teilnahme an der 51. Biennale von Venedig.
  • 31. Mai 2010

    Am 31. Mai 2010 starb Louise Bourgeois im Alter von 98 Jahren.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.