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Paris | Petit Palais: Bruxelles 1900

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 30. Oktober 2025
Fernand Khnopff, Des Caresses, Detail, 1896, Öl auf Leinwand, 50,5 x 151 cm (Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique)

Fernand Khnopff, Des Caresses, Detail, 1896, Öl auf Leinwand, 50,5 x 151 cm (Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique)

„Bruxelles 1900“ widmet sich dem Jugendstil (Art Nouveau) in der Hauptstadt Belgiens. Seit den frühen 1890er Jahren entwickelten Architekten und Künstler jenen Stil, der sich rasch nach Frankreich und ins übrige Europa ausbreitete. So findet sich in der berühmten Jugendstil-Architektur Brüssels der neue Einsatz von neuer Materialien wie Eisen und Glas. Dies ermöglichte, größere und hellere Innenräume zu konstruieren. Charakteristisch für den Jugendstil werden die geschwungene Linie, Peitschenlinie oder Schlangenliniendekor genannt, und der Einsatz von pflanzlichen Formen. Möbel, Glaswaren, Teppiche, Kleidung, Schmuckstücke und Plakatkunst gehören zu den wichtigsten Leistungen in diesem Jahrzehnt vom Übergang der Belle Époque zur Moderne.

Bruxelles 1900

Frankreich | Paris: Petit Palais
 10.11.2026 – 25.4.2027 (tbd)

Brüssel 1900 im Petit Palais 2026

Das Petit Palais widmet 2026 der belgischen Hauptstadt Brüssel, die um die Jahrhundertwende eine Blütezeit künstlerischer und intellektueller Pracht erlebte, eine große Ausstellung. Malerei, Bildhauerei, angewandte Kunst, Grafik, Fotografie, Architektur, Schmuck und Mode Belgiens werden erstmals in Frankreich zusammengeführt, um die kreative Vitalität zu präsentieren, die Brüssel zu einem der wichtigsten Zentren der Moderne machte.

Die Ausstellung stellt ikonische Meisterwerke einander gegenüber: die monumentalen Triptychen von Léon Frédéric, die Möbel- und Modellensembles von Victor Horta, die Plakate des Salon des XX und den Schmuck von Philippe Wolfers. Dieser Dialog zwischen den Disziplinen veranschaulicht eine lebendige Kunstszene, deren Einfluss weit über die Grenzen Belgiens hinausreichte.

Seit der Weltausstellung 1900 wurde die belgische Sektion in Paris als wahre künstlerische „Renaissance“ gefeiert. Diese Anerkennung bestätigte die neue Bedeutung Belgiens, eines jungen Nationalstaates, der 1830 gegründet wurde und durch ein spektakuläres Wirtschafts- und Industriewachstum einen rasanten Aufschwung erlebte. Brüssel etablierte sich als politisches und intellektuelles Zentrum des Landes sowie als internationales Schaufenster, in dem die Künste eine prägende Rolle spielten. Ab den 1880er Jahren versammelte sich dort ein pulsierender Mikrokosmos von Künstlern, Schriftstellern und Kritikern: Verhaeren, Maeterlinck, James Ensor, Fernand Khnopff, Théo van Rysselberghe und Claus. Die Zirkel L’Essor, Les XX und später La Libre Esthétique boten dieser Generation einen Raum für europaweite Experimente und hießen Paul Cézanne, Paul Gauguin, Maurice Denis und Auguste Rodin willkommen.

Symbolismus, Naturalismus (→ Naturalismus 1875-1918), sozialer Realismus und Idealismus trafen in Brüssel aufeinander und machten die Stadt zu einem Labor der Moderne. Diese Aufbruchstimmung fand jedoch vor dem politischen und kolonialen Hintergrund der Herrschaft Leopolds II. statt, dessen Kongofeldzug1, der damals von Joseph Conrad in "Herz der Finsternis" (1899/1902) angeprangert wurde, die Spannungen und Widersprüche jener Zeit widerspiegelt. "Brüssel 1900" lädt ein, eine Hauptstadt im Wandel wiederzuentdecken - zwischen künstlerischen Ambitionen, nationalem Selbstbewusstsein und historischen Widersprüchen.

Jugendstil in Brüssel

Der Jugendstil ist eine Stilrichtung mit ornamentalem Charakter, die sich in Europa und den USA zwischen 1895 und 1905 entwickelte. Seine französische Bezeichnung – Art Nouveau – und sein Ursprung geht auf die gleichnamige Galerie von Samuel Bing zurück.

Ab 1895 wurde dem Kunstgewerbe auf dem Pariser Salon einen besonderen Platz zu überlassen. Brüsseler Künstler feierten dort einen Triumph. Kritiker und Publikum waren gleichermaßen fasziniert von den kostbaren Objekten. Vor allem die Künstler der Gruppe „Les Vengts“, auch „Les XX“ (gegr. 1884), etablierte sich als bedeutende Quelle neuer Inspiration. Eine der Besonderheiten war, dass jeder Künstler seine Katalogseite selbst gestaltete. Dadurch entstand eine interessante Zusammenschau individueller Typografie.

Die wichtigsten Künstler des Brüsseler „Art Nouveau“ sind Henry van de Velde, Fernand Khnopff, Georg Lemmen, Theo van Rysselberghe, Victor Mignol und Henri Meunier, der Neffe von Constantin Meunier. Zu den führenden Kunstgewerblern gehören Philippe Wolfers (Glaskunst und Schmuck) und Gustave Serrurier-Bovy (Möbel).

Da Henry van de Velde sowohl als Architekt als auch Maler arbeitete, konnte er alle Möglichkeiten künstlerischer Gestaltung einsetzen. Als er 1897 ein Plakat für die Troponwerke entwarf, knüpfte er am die neue englische Typografie an und band den Text in ein ornamentales Rahmenwerk ein. Gleichzeitig ist er in seinem malerischen Werk ein Hauptvertreter des  Pointillismus (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus). Im Gegensatz dazu verdichtete Khnopff einfache Elemente der Natur zu gefühlsschweren Gedankenassoziationen, die ihn zu einem Hauptvertreter des Symbolismus machen.

Kuratiert von Annick Lemoine, wissenschaftlich beraten von Benjamin Foudral (Musée Courbet d'Ornans) und Anne-Charlotte Cathelineau.

Bilder

  • Fernand Khnopff, Des Caresses, 1896, Öl auf Leinwand, 50,5 x 151 cm (Musées Royaux des Beaux Arts de Belgique)
  • Paul Signac, Frau mit Schirm, Detail, 1893, Öl auf Leinwand, 81 × 65 cm (Donation sous réserve d'usufruit Dr. Charles Cachin, 1989 © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt)

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