Else Lasker-Schüler

Wer war Else Lasker-Schüler?

Else Lasker-Schüler (Elberfeld 11.2.1876–22.1.1945 Jerusalem) war eine deutsch-jüdische Schriftstellerin und Zeichnerin des Expressionismus. Lasker-Schüler war in zweiter Ehe mit Herwarth Walden verheiratet, arbeitete an den Zeitschriften „Die Aktion“ und „Sturm“ mit und mit vielen Künstlerinnen und Künstlern der Klassischen Moderne befreundet. Ihre Zeichnungen gelten als Ergänzungen zu ihren Gedichten, ohne dass sie Textstellen wörtlich illustrieren würde.

Kindheit und Ausbildung

Elisabeth „Else“ Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1876 in Elberfeld (heute: Stadtteil von Wuppertal) als jüngste Tochter von Jeanette Schüler, geb. Kissing (1838–1890), und Aaron Schüler (1825–1897), einem Handelsagenten und Privatbankier, geboren. Else war ein hochtaltentiertes Mädchen, das bereits mit vier Jahren lesen und schreiben konnte. Ab 1880 besuchte sie das Lyceum West an der Aue. Nachdem sie die Schule abgebrochen hatte, erhielt sie Privatunterricht im Hause ihrer Eltern.

„Wie ich zum Zeichnen kam. Wahrscheinlich so: Meinen Buchstaben ging die Blüte auf – über Nacht; oder besser gesagt: über die Nacht der Hand. Mein weiß eben nicht – in der Dunkelheit des Wunders. Blicke ich über einen Grasplatz wie über einen runden Bogen voll grüner Buchstaben oder über einen herbstlichen Garten, rauschendem Schreiben der Erdhand, der Urkunde Gottes, so löst sich das Rätsel. – Wie ich zum Zeichnen kam? Ganz genau wie das Laub sich nach der Blume sehnt, so zaubert die Sehnsucht meiner lebendigen Buchstaben das Bild in allen Farben hervor. Nicht zu erzwingen […]. Manch einer aber warte nur vertrauend auf den Mai seiner Schrift.“1 (Else Lasker-Schüler, Gedichte und Prosa)

Kurz vor 1890 starb Else Lasker-Schülers Lieblingsbruder Paul und am 27. Juli 1890 ihre Mutter. Die Autorin bezeichnete diese Phase ihres Lebens als „Vertreibung aus dem Paradies“.

Ehen

1894 heiratete sie den Arzt Dr. Jonathan Berthold Lasker und übersiedelte nach Berlin. 1895/96 studierte sie Malerei bei S. Goldberg und mietete sich ein eigenes Atelier im Tiergartenviertel. In der zweiten Hälfte der 1890er Jahre wandte sich Else Lasker-Schüler dem Schreiben zu. Nachdem am 24. August 1899 ihr Sohn Paul (1899–1927) geboren wurde, veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte. Im Jahr 1901 folgte ihr erster Gedichtband „Styx“.

1899 lernte Lasker-Schüler Georg Levin, besser bekannt als Herwarth Walden, kennen. Nach ihrer Scheidung von J. B. Schüler am 11. April 1903 heiratete sie am 30. November Walden. Der Künstlername ihres zweiten Ehemannes soll auf Lasker-Schüler zurückgehen. Das Paar trennte sich 1910 und ließ sich 1912 scheiden. Walden heiratete noch im selben Jahr Nell Roslund.

Die mittellose Else Lasker-Schüler lebte bis 1933 in Berlin, wo sie von Freunden finanziell unterstützt wurde, darunter Karl Kraus. Einer der engsten Freunde wurde der Schriftsteller Gottfried Benn (1886–1956), den sie im Sommer 1912 kennenlernte. Ihre kurze Liebesgeschichte inspirierte die Autorin zu einigen Liebesgedichten.

Schriftstellerische Werke

Else Lasker-Schülers erstes Prosawerk trägt den Titel „Das Peter Hille-Buch“ (1906), dem 1907 die Prosasammlung „Die Nächte der Tino von Bagdad“ folgte. Lasker-Schülers Schauspiel „Die Wupper“ erschein bereits 1909, die Ur-Aufführung fand allerdings erst 1919 statt. Der erste wichtige Werk von Else Lasker-Schüler ist der Gedichtband „Meine Wunder“ aus dem Jahr 1911, mit dem die Schriftstellerin die führende deutsche Expressionistin wurde.

Freundschaft mit Franz Marc

Else Lasker-Schüler lernte im Dezember 1912 das Ehepaar Maria und Franz Marc kennen. Kurz zuvor hatte sie im Septemberheft von „Der Sturm“ das Gedicht „Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen“ veröffentlicht. Dafür schuf Franz Marc das Titelblatt mit dem Holzschnitt „Versöhnung“. Bevor sich die Künstler trafen, begannen sie bereits einen Briefwechsel, der bis zum Sommer 1914 anhielt. Sie nannte sich selbst den Prinzen Jussuf von Theben und Franz Marc den Blauen Reiter. Es sind 66 Karten und Briefe von Lasker-Schüler und 28 von Franz Marc erhalten. Die kreativen Werke zeigen den unterschiedlichen Umgang der beiden mit Bild und Text: Else Lasker-Schüler vermischte Bild und Schrift, während Franz Marc die Vorderseiten der Korrespondenzkarten mit einem Aquarell oder einer Tuschezeichnung verzierte und die Rückseite beschrieb.

Der Neujahrsgruß 1913 dokumentiert Marcs verlorenes Gemälde „Der Turm der blauen Pferde“ und beginnt mit dem programmatischen Titel „Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd“. Franz Marc hatte die Komposition aus einer Bleistiftskizze entwickelt und mit der Postkarte den einzigen farbigen Entwurf an seine Freundin geschickt. Ihr Einfluss ist in der Übernahme ihrer Schrift-Bild-Kompositionen mit seinen Mitteln erkennbar. Das vordere Pferd trägt Halbmonde und Sterne auf seinem Fell, denn Else Lasker-Schüler hatte geschrieben, dass in die „Haut Hieroglyphen eingeschnitten [sind] bis ins Mark“.2 So ergänzten beide einander durch ihre doppelten Begabungen: Lasker-Schülers Stil wird als farbig beschrieben und ihre Gedanken würden schleichen wie bunte Tiere. Franz Marc genoss offenbar die Möglichkeit, seine visuellen und schriftstellerischen Fähigkeiten miteinander zu verbinden und sich an den Methoden seiner Freundin zu schulen.

Beide Künstler liebten Märchen und Idyllen. Franz Marc sandte 1914 mit seiner letzten Karte das Bild einer arkadischen bayerischen Voralpenszene: „Schloss Ried“ (Aquarell) zeigt eine Landschaft mit einem blauen Reiter auf einem blauen Pferd, der mit einem Speer Hirsche jagt. Marc sandte den Gruß in Gedanken an Lasker-Schülers kranken Sohn Paul. Die Autorin nutzte die Darstellung als Frontispiz ihres Romans „Der Malik. Die Briefe an den blauen Reiter Franz Marc“ (1913–1915, überarbeitet 1915), den sie unter dem Titel „Der Malik. Eine Kaisergeschichte mit selbstgezeichneten Bildern und Zeichnungen“ 1919 veröffentlicht. Die Widmung des Buches ist: „Meinem unvergeßlichen Freund Franz Marc / DEM BLAUEN REITER / in Ewigkeit“. Das Buch ist eine in Briefform gekleidete Erzählung, in der die Dichterin dem Freund Franz Marc ein Denkmal setzte. Zahlreiche Freunde Freunde von Else Lasker-Schüler tauchen in diesen Briefen unter den ihnen von der Künstlerin verliehenen phantastischen Namen auf.3

1920er Jahre

Vortragsreisen nach München, Prag, Wien, Zürich, nach Moskau und Petersburg. Freundschaften mit vielen Schriftstellern und bildenden Künstlern, u.a. mit George Grosz, Oskar Kokoschka. Zeichnungen zu eigenen Werken. 1920 schenkten Freunde 23 Zeichnungen von Lasker-Schüler der Nationalgalerie in Berlin, davon sind noch sieben in der Sammlung. 1921 zeigte die Nationalgalerie ihre Zeichnungen im Studiensaal.

Exil und Emigration

1931 Reise in die Schweiz und nach Venedig. Zwei Jahre später emigrierte sie in die Schweiz, wo sie in Zürich und Ascona lebte. Im folgenden Jahr reiste Else Lasker-Schüler über Alexandria nach Palästina; 1937 unternahm sie ihre zweite und 1939 ihre dritte Palästina-Reise, von wo sie aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nicht mehr zurückkehren konnte.

Während der NS-Herrschaft wurde das Werk von Else Lasker-Schüler als „entartet“ diffamiert und 15 Arbeiten beschlagnahmt. 1938 führte der „Reichsanzeiger“ ihren Namen in der Liste der Ausgebürgerten an.

Tod

Else Lasker-Schüler starb am 22. Januar 1945 in Jerusalem.

  1. Else Lasker-Schüler, Gedichte und Prosa, Leipzig-Weimar 1976, S. 161.
  2. Ricarda Dick, Else Lasker-Schüler: Die Bilder.
  3. Siehe: P Raabe, Expressionismus. Literatur und Kunst 1910–1923, Marbach 1960; L. Lang, Expressionistische Buchillustration in Deutschland 1907–1927, Leipzig 1975.